Samstag, 2. Juli 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Fallen Angels – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Fallen Angels
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 568
ISBN: 978-3-401065-59-5
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Simon Lewis muss sich noch daran gewöhnen, ein Vampir zu sein. Da wird ihm von Camille, der mächtigen Chefin des Vampirclans von Manhattan, ein attraktives Angebot gemacht. Weiß er, wie hoch der Preis dafür ist? Clary, seine beste Freundin, hat kaum noch Zeit für ihn. Sie ist zu beschäftigt mit ihrer Ausbildung zur Schattenjägerin und ihrer großen Liebe Jace. Doch dann geschehen finstere Dinge in New York. Ist der Krieg, den Simon gewonnen glaubte, noch nicht vorbei?

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4)
- City of Lost Souls (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Nachdem Simon, Clarys bester Freund, streng genommen auch Ex-Freund und frisch verwandelter Vampir, in den vorherigen drei Bänden bloß Nebendarsteller war, wird er in diesem Buch Protagonist. Viele Szenen sind nun aus seiner Perspektive geschrieben, sodass es genauere Einblicke in das Leben als Vampir und Simons Gedanken und Gefühle gibt. In den vorherigen Bänden kam das häufig zu kurz, weil Clary bloß Augen und Ohren für Jace hatte. Hier wird nun berichtet, wie er sein Vampirdasein vor seiner Familie geheim zu halten versucht und wie er alles daran setzt, trotz Verwandlung sein ganz normales Mundie-Leben weiter leben zu können.
Generell habe ich Simon schon immer gemocht, sowohl als Mundie als auch als Vampir. Er hat das Herz am rechten Fleck und ist mutig und loyal und trotz allem immer noch ein Nerd. Als Nebenfigur fand ich ihn wirklich toll, denn immer wieder hat er die Handlung aufgemischt und der Geschichte zu überraschenden Wendungen verholfen. Daher habe ich mich darauf gefreut, dass die Geschichte in diesem Buch wohl hauptsächlich von ihm erzählt werden würde. Doch schon nach den ersten Kapiteln war ich ziemlich ernüchtert: als Protagonist ist Simon echt lahm. Statt den Leser in die spannende Welt der Vampire zu entführen, hat sich die Autorin dafür entschieden, ihn auf dieselbe Weise erzählen zu lassen wie Clary. Konkret bedeutet das, dass es mehr als die Hälfte der Zeit um Simons Liebesleben geht, das zwar nicht so kitschig ist wie Clarys, aber kein bisschen spannender. Daher war ich froh, dass auch in diesem Buch immer wieder die Perspektive gewechselt wird - zwar meist nur von einem Liebesdrama zum nächsten, aber immerhin ein Wechsel im Setting.

Wie schon in den vorherigen Bänden ist aber zum Glück auch hier nur der Anfang langweilig, schon bald entwickelt sich die erste Spannung. Diese ist sogar noch intensiver als in den vorherigen Bänden, denn bisher war immer Valentin der Gegner, gegen den es zu kämpfen galt. Das wussten alle und haben sich entsprechend vorbereitet. Nach seinem Tod blieb diese Stelle zunächst unbesetzt, sodass niemand wusste, von dem als nächstes die größte Gefahr ausgehen würde. Die heraufziehende Bedrohung war von allen Seiten zu spüren, ohne dass irgendwelche Maßnahmen dagegen hätten ergriffen werden können. Diese Ungewissheit sorgt für kribbelnde Nerven und hat mich sehr paranoid und misstrauisch gemacht. Jedem neuen Charakter bin ich mit Argwohn begegnet und habe gespannt darauf gewartet, ob er sich als Freund oder Feind herausstellt.

Diese Spannung hält sich bis zur letzten Seite. In meinen Augen ist das Ende das grausamste und packendste Finale, das die Reihe bisher zu bieten hatte. Doch schon der Weg dorthin ist geprägt von wirklich überraschenden Wendungen, die sich zum Teil dann doch bloß als Trick herausstellen, sodass die gesamte Handlung sich wieder in die andere Richtung wälzt. Gleichzeitig erhält der Leser auch neue Informationen über die Unterwelt. Wer glaubte, die Welt nach den ersten drei Teilen zu kennen, wird viele Überraschungen erleben. Die neuen Aspekte fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und greifen dabei Handlungsstränge auf, die längst als abgeschlossen angesehen werden konnten. Das hat mich wirklich begeistert.

Fazit:
Obwohl ich ihn als Nebenfigur immer sehr gerne mochte, hat sich Simon als ziemlich lahmer Protagonist herausgestellt. Auch er berichtet anfangs beinahe nur über sein langweiliges Liebensleben. Doch als dieser schleppende Beginn einmal überwunden war, konnte mich das Buch mehr begeistern als die drei Vorgänger. Da lange Zeit unklar ist, wer diesmal der Gegner der Schattenjäger ist, erreicht die Spannung einen neuen Höhepunkt. Die Ungewissheit ließ meine Nerven kribbeln, überraschende Wendungen konnten mich begeistern und neue Informationen habe ich begierig aufgesogen – bis zum Ende mit dem bisher packendsten Finale der Reihe. Wäre der öde Anfang nicht gewesen, würde ich dem Buch volle Punktzahl geben, so bekommt „City of Fallen Angels“ leider nur vier Schreibfedern.

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