Montag, 18. Juli 2016

[Rezension] Die Rebellion der Maddie Freeman – Katie Kacvinsky



Titel: Die Rebellion der Maddie Freeman
Autor: Katie Kacvinsky
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 366
ISBN: 978-3-414823-00-7
Preis: 15,99 € [D]

Klappentext:
Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17, lebt wie alle um sie herum ein digitales Leben. Schule und Verabredungen – das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin – für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben – und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen?

Einordnung:
- Die Rebellion der Maddie Freeman (Teil 1)
- Maddie: Der Widerstand geht weiter (Teil 2)
- Maddie: Immer das Ziel im Blick (Teil 3)

Rezension:
Zum ersten Mal bin ich froh, einer Rezension keine eigene Zusammenfassung des Inhalts voranzustellen. Denn in diesem Fall wäre das einfach bloß eine Wiederholung des Klappentexts. Mehr passiert in diesem Buch nicht. Eigentlich passiert sogar noch weniger, denn obwohl ihr das alle einreden wollen, ist Maddie keinesfalls eine Schlüsselfigur in der Geschichte. Die meiste Zeit läuft die Rebellion gegen die digitalisierte Welt vollkommen an ihr vorbei, es gibt bloß zwei Ausnahmen. Einmal ist sie dabei, als ein Junge gerettet wird, der gegen das System der Digital School aufbegehrt hat und für eine Gehirnwäsche in eine Jugendstrafanstalt gebracht werden soll. Doch in der ganzen Szene sitzt Maddie bloß jammernd auf dem Beifahrersitz eines Sportwagen-Amphibienfahrzeug-U-Boot-Mix, trägt also aktiv überhaupt nichts bei. Diese Aktion hätte auch sehr gut ohne sie funktioniert. In der anderen Situation meldet sie sich freiwillig, um einigen eingekesselten Demonstranten zu Hilfe zu kommen – schließlich ist sie die Tochter des Begründers der Digital School, sie kennt ihn, sie weiß, was sie tun muss, sie ist die einzige, die den Demonstranten helfen kann. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass sie auf einen Knopf drückt. Das hätte wirklich auch jede andere Figur tun können. Darüber hinaus ist auch die Behauptung, ihr Wissen um die Passwörter und Daten auf dem Computer ihres Vaters sei von unschätzbarem Wert für die Rebellion, maßlos übertrieben. Schließlich begehren immer mehr Menschen gegen die Digital School auf und es soll eine Abstimmung darüber geben, ob die Gesetze verändert werden. Es läuft alles, ohne dass Maddie auch nur einen Finger rührt. So wichtig kann sie also nicht sein.

Da trotz dieser nicht vorhandenen Handlung trotzdem irgendwie 360 Seiten gefüllt werden mussten, geht es die meiste Zeit um die Liebesgeschichte. Das erste Mal begegnen sich Maddie und Justin im echten Leben im zweiten Kapitel und sofort beschreibt Maddie ihn als „Sexgott mit magnetischer Ausstrahlung“ (Seite 20). Von der ersten Sekunde an ist sie vollkommen verliebt in ihn. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er sie höflich auf Distanz hält – obwohl natürlich mehr als offensichtlich ist, dass er sich genauso in sie verliebt hat. Der Rest des Buches befasst sich damit, jede Begegnung der beiden zu schildern und alle Tage zu überspringen, in denen Justin nicht in der Stadt ist. Wann immer sie sich sehen, schmachtet Maddie ihn so sehr an, dass es schon an Peinlichkeit grenzt. Jede Szene läuft darauf hinaus, dass sie seinen perfekten Körper ansabbert. Und dann ist das Buch zu Ende. Im Grunde handelt es sich also nicht um eine spannende Dystopie, in der sich die Protagonistin eben auch verliebt, sondern um eine schnulzige Liebesgeschichte, die in einer dystopischen Welt spielt.

Die wenigen Einblicke, die es in die Struktur dieser Welt gibt, sind aber leider alles, was mir an diesem Buch gefallen hat. Auch wenn ich den Weg hin zu dieser extremen Form der digitalisierten Welt gestelzt und konstruiert finde, gefällt mir das Endergebnis sehr gut. Es ist eine schreckliche, um nicht zu sagen entsetzliche Welt, aber es handelt sich schließlich nicht umsonst um eine Dystopie. In dieser Zukunftsversion ist es nicht nur so, dass Schule, Verabredungen und alle anderen gesellschaftlichen Anlässe online stattfinden, sodass jeder Mensch in die soziale Isolation getrieben wird. Es gibt auch keine echten Bücher mehr, weil jeder nur noch digital liest – wenn überhaupt selbst gelesen wird, beinahe jeder lässt sich das Buch von einem Programm vorlesen. Im Grunde gibt es also nur noch Hörbücher. Da das zum Teil an der immer geringer werdenden Anzahl an Bäumen liegt, bedeutet es gleichzeitig, dass es auch kein Papier mehr gibt. Und ohne Papier sind auch Stifte überflüssig. Noch lernen die Kinder zwar, mit der Hand zu schreiben, aber es wird schlichtweg nie gebraucht. Jede Nachricht, jede Notiz, einfach alles wird nur noch getippt. In dieser schaurigen Welt möchte ich wirklich nicht leben. Schade, dass Maddie zu beschäftigt damit ist, Justin anzuschmachten, um noch mehr darüber zu erzählen, wie die Welt im Jahr 2060 aussieht.

Fazit:
Die Welt, die die Autorin geschaffen hat, ist wirklich entsetzlich. Keine Bücher, kein Papier, keine Stifte, kein Leben außerhalb des Internets – da möchte ich wirklich nicht leben. Leider hat mir der Rest des Buches überhaupt nicht gefallen. Die Charaktere sind platt und langweilig. Die Handlung dreht sich ständig nur darum, wie Maddie Justin anschmachtet und ihm hinterher sabbert. Mehr passiert in dem Buch nicht. Gerade die angekündigte Rolle als Schlüsselfigur ist maßlos übertrieben, weil alles auch ohne Maddie wunderbar läuft. Wegen der gelungenen dystopischen Welt vergebe ich an „Die Rebellion der Maddie Freeman“ gerade noch zwei Schreibfedern.

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