Montag, 11. Juli 2016

[Rezension] Evolution: Die Stadt der Überlebenden – Thomas Thiemeyer



Titel: Evolution – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 348
ISBN: 978-3-401601-67-0
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Eine Gruppe von Austauschschülern muss auf dem Weg in die USA notlanden. Als Jem und Lucie die Landebahn des Denver Airports betreten, ist die Welt plötzlich nicht mehr, wie sie war: Der Asphalt überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Vor allem Tiere haben es auf die Neuankömmlinge abgesehen. Was ist bloß geschehen? Auf der Suche nach Antworten erfahren die Jugendlichen von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Doch wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat? Ein atemberaubender Wettlauf beginnt – denn überleben können nur die Stärksten.

Einordnung:
- Die Stadt der Überlebenden (Teil 1)
- Der Turm der Gefangenen (Teil 2, Januar 2017)
- Die Quelle des Lebens (Teil 3, Juli 2017)

Rezension:
Als ich das Buch in der Vorschau des Verlags entdeckt habe, war ich sehr gespannt. Jetzt muss ich sagen, dass es meine Erwartungen leider nicht erfüllt hat. Da die Schüler der Austauschgruppe alle zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, dachte ich, es würde sich um ein Jungendbuch handeln. Nach dem Lesen habe ich dann mal die Altersempfehlung des Verlags nachgeschaut, die bei „ab 12 Jahren“ liegt – und so ist das Buch auch geschrieben. Die Charaktere entwickeln in der ganzen Geschichte keine Tiefe, obwohl zumindest Jem und Lucie einander Teile ihrer Vergangenheit anvertrauen. Allerdings sind das dann meist Erklärungen für das aktuelle Verhalten und somit auch keine neuen Informationen. Daher bleibt Lucie das verträumte Mädchen und Jem der mühsam kontrollierte Junge. Die meisten anderen Jugendlichen, die der Austauschgruppe angehören, bestehen auch bloß aus einer Schicht Klischee. Olivia, Paul und Arthur sind die Gamer-Nerds und Technik-Freaks, Marek ist ein überheblicher Macho und Katta ein eingebildetes Püppchen. Nur Zoe ist wandelbar und anpassungsfähig, sodass sie immer wieder andere Seiten von sich zum Vorschein bringt. Wirklich komplex ist aber keine Figur.

Diese Einfachheit und in gewissem Maße auch die Oberflächlichkeit erstrecken sich auch auf viele Teile der Handlung. Nach ihrer Notlandung müssten die Charaktere feststellen, dass sie in einer Welt gelandet sind, in der die Menschheit so gut wie ausgestorben ist. Das bedeutet, dass auch ihre Familien und Freunde nicht mehr existieren. Doch diese Tatsache wird nur einmal kurz angesprochen, danach scheinen die Charaktere das alles bereits verarbeitet zu haben, denn sie sind teilweise regelrecht vergnügt. Tiefere Emotionen werden nicht geschildert. Das trifft genauso auf die Liebesgeschichte zu. Die beiden betroffenen Charaktere kennen sich ungefähr fünf Tage, aber schon sind sie unglaublich verliebt und alle wissen es, sie trauen sich bloß nicht, sich das einzugestehen. Abgesehen von der Tatsache, dass das echt schnell ging, sind diese Gefühle auch an keiner Stelle spürbar. Selbst die wenigen blutigen Szenen des Buches sind sehr vorsichtig, sanft und kindgerecht beschrieben, sodass auch da keine Emotionen ausgelöst werden.
Hinzu kommt außerdem, dass die Handlung so glatt läuft wie sie es nur in Kinderbüchern tut. Der Flieger ist nach der Bruchlandung ein Haufen Schrott, aber niemand ist verletzt. Die Figuren brauchen ein Fortbewegungsmittel, also schließen sie einen Bus kurz, dessen Akku wundersamerweise nach 200 Jahren immer noch genug Saft hat, dass sie ihn nach draußen fahren können, um ihn anschließend über Solarplatten aufzuladen. Und wenn wirklich gar nichts mehr geht, gibt es ja immer noch MARS, den Roboter, der ihnen zu Hilfe eilen kann.

Obwohl auch die Dramatik an vielen Stellen an eine sehr junge Leserschaft angepasst ist, besitzt das Buch durchaus spannende Szenen. Zunächst einmal stellt sich die Frage, was genau auf der Erde eigentlich passiert ist. Schritt für Schritt findet der Leser gemeinsam mit den Charakteren die Lösung und dabei wird es immer unheimlicher. Ebenfalls für Spannung sorgen die vereinzelten schwarzen Seiten mit weißer Schrift, denn dort sind Dialoge der Feinde der notgelandeten Menschen abgedruckt. So weiß der Leser oftmals schon vor den Charakteren, was als nächstes passieren wird. Ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es außerdem Einblicke in die Stadt der Überlebenden. Obwohl diese Einblicke nur kurz sind, haben sie dafür gesorgt, dass mir vor dem Moment graute, an dem die Austauschgruppe die Stadt finden würde. Dort stimmt etwas ganz und gar nicht – doch die Auflösung hat der Autor sich für den zweiten Band aufgehoben.

Fazit:
Die Idee hinter dem Buch finde ich innovativ, gut durchdachte und nur an wenigen Stellen konstruiert. Es gibt außerdem einige spannende Szenen, besonders wenn die Geschehnisse gerade nicht von der Austauschgruppe erzählt werden. Ganz überzeugt hat mich das Buch dennoch nicht. Zum einen sind die Charaktere platt und die Emotionen nicht nachvollziehbar, zum anderen verläuft die Handlung viel zu glatt für ein Jugendbuch. Obwohl die Charaktere zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, entspricht das Buch von der Aufmachung her eher einem Kinderbuch. Da Intensität und Dramatik auf Sparflamme liefen und mich das Buch deshalb lange nicht so mitgerissen hat wie erwartet, bekommt „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ nur drei Schreibfedern.

Kommentare:

  1. :(
    Schade, dass es dich so enttäuscht hat. Da bei klang es ganz interessant...
    Vielleicht sind die anderen Bücher von ihm ja besser (yn)

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    1. Ich hoffe, dass die anderen Bücher eher für Jugendliche geschrieben sind. Aber da es da um den Konflikt zwischen Männern und Frauen geht, gehe ich mal stark davon aus, dass es für eine etwas ältere Leserschaft gedacht ist.

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    2. Sprichst du wirklich von
      Band 2 und 3 von "Evolution"? Meiner Ansicht nach sprichst du eher von "Das verbotene Eden" vom Herrn Thiemeyer und nicht von "Evolution". In "Evolution" geht es doch darum, dass sich die Welt gegen uns Menschen verschworen hat. Das heißt es zwar über Band 1 seiner neuen Jugendbuch-Trilogie, aber der Grundinhalt bleibt doch der gleiche. In "Das verbotene Eden" geht es darum, dass Männer und Frauen durch ein Virus zu Feinden geworden sind.

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    3. Hey,
      das ist etwas missverständlich, entschuldige. Ich besitze die gesamte "Das verbotene Eden" Reihe, habe sie aber noch nicht gelesen. Der Kommentar von "Unknown" bezieht sich auf die anderen Bücher, die ich von ihm schon besitze. Und meine Antwort dementsprechend auch. Ich hoffe, dass die andere Reihe, die er geschrieben hat, sich etwas mehr an ältere Leser richtet. Von Band 2 und 3 von "Evolution" erwarte ich das nicht, das wäre schließlich ein ziemlicher Stilbruch im Vergleich zum ersten Teil.
      Ich hoffe, ich konnte die Verwirrung etwas aufklären. :)

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  2. Hey Jenny,

    da ist ja schon deine Rezi zum Buch :-)
    Oh nein, das ist ja wirklich schade, dass es dich nicht so überzeugen konnte. Jetzt bin ich irgendwie froh, dass es noch nicht in meinen Einkaufskorb gewandert ist. Da warte ich wohl erst mal ein paar weitere Rezis ab :-/

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hey,

      ich hab auch schon Rezensionen gesehen, da waren die Leute ganz begeistert von dem Buch und fanden es wirklich spannend. Mir kam leider alles total abgestumpft und abgepolstert vor. Wie das in Kinderbüchern häufig mit den dramatischen Szenen ist, weil man die Kleinen ja nicht traumatisieren will. Deshalb fand ich es überhaupt nicht spannend. Aber vielleicht gehörst du ja zu den Lesern, die das Buch überzeugen kann. :)

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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  3. Hallihallo :)

    Eine wirklich schöne Rezension - schade, dass dich das Buch nicht hundertprozentig überzeugen konnte! Anhören tut es sich auf jeden Fall interessant. Da mir die Bücher des Autors bisher immer recht gut gefallen haben, werde ich das Buch wohl vorerst noch nicht von meiner Wunschliste streichen, sondern noch ein paar Rezensionen abwarten ;)

    Ich bleibe auch direkt mal als Leserin hier, hab deinen Blog gerade erst entdeckt und geh jetzt gleich mal noch ein bisschen stöbern :)

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal

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    1. Hallo :)

      Und herzlich Willkommen! Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern und komme dann gleich mal auf einen Gegenbesuch vorbei.

      Es gibt schon andere Rezensionen zu dem Buch, wo die Leser begeistert waren. Bei mir waren vielleicht einfach die Erwartungen zu hoch... Welche Bücher hast du denn von ihm schon gelesen? Zufällig "Das verbotene Eden"? Die liegen nämlich alle noch auf meinem SuB. Wäre dann interessant zu wissen, ob dir "Evolution" oder "Das verbotene Eden" besser gefallen, damit ich vielleicht einschätzen kann, worauf ich mich einstellen muss. :)

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Jenny

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