Sonntag, 3. Juli 2016

[Rezension] Krabat – Otfried Preußler



Titel: Krabat
Autor: Otfried Preußler
Verlag: Thienemann Verlag
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2012
Einband: Softcover
Seiten: 270
ISBN: 978-3-522181-59-4
Preis: 9,90 € [D]

Klappentext:
Neugier lockt Krabat zur Mühle am Koselbruch, vor der alle warnen, weil es dort nicht ganz geheuer sei. Ein leichtes und schönes Leben wird Krabat hier versprochen. Doch der Preis dafür ist hoch. Und aus der Verstrickung mit dem Bösen kann ihn nur die bedingungslose Liebe eines Mädchens retten.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch ist extrem abgehackt, sowohl in der Handlung als auch in den Beschreibungen. Die Geschichte hat keine große Einleitung, sondern beginnt direkt mit der Handlung. Der junge Krabat, der Protagonist, hört in seinen Träumen eine Stimme, die ihn zur Mühle am Koselbruch ruft. Als sich der Traum wiederholt, beschließt er, der Stimme zu folgen und sucht die Mühle auf. Dort verdingt er sich als Lehrjunge – und das alles auf den ersten sechs Seiten. Das Buch arbeitet im Folgenden in 260 Seiten ganz drei Jahre ab, ohne wirklich große Sprünge in der Zeit zu machen. Der Autor gibt einfach immer nur ganz kurze und oberflächliche Einblicke in die Handlung oder stattfindende Gespräche, sodass zusammenhängende Szenen kaum mehr als zwei Seiten dauern. Die Zeit zwischen diesen Szenen fasst er in einem groben Überblick zusammen, sodass nach 50 Seiten schon drei Monate vergangen sind. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, mich wirklich auf die Handlung einzulassen, weil die Szenen schon vorbei waren, bevor ich richtig in sie abtauchen konnte. Gleiches gilt auch für die Liebesgeschichte, die mich in keinster Weise berühren konnte, so schnell wie sie von statten ging. Es ist mehr oder weniger Liebe vor dem ersten Blick – und mehr als drei Blicke gibt es auch nicht. An solchen Stellen hätte sich der Autor gerne ein wenig mehr Zeit lassen können mit der Handlung.

Hinzu kommt, dass auch die Beschreibungen der Charaktere oder der Umgebung nicht besonders ausführlich sind, sodass es mir schwer fiel, mir die Mühle oder die Müllerburschen vorzustellen. Der Autor hat sich für jeden Charakter, jeden Gegenstand und jede Situation immer nur ein Adjektiv ausgedacht, das zur Veranschaulichung dient. So ist es der freundliche Tonda, der Krabat in seiner Anfangszeit unter die Arme greift, der dumme Juro, der sich um die Hausarbeit kümmert, der schlaue Michal, der der beste Schüler ist, und der gemeine Lyschko, der jedes Fehlverhalten der anderen dem Meister berichtet. Ein wenig mehr Details wären schön gewesen, um vielleicht so etwas wie Sympathie für die Figuren entwickeln zu können.

Nichtsdestotrotz entbehrt die Geschichte nicht einer gewissen Spannung. Es ist offensichtlich, dass in der Mühle etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, doch an vielen Stellen tappt der Leser gemeinsam mit Krabat im Dunkeln. Erst nach und nach wird offenbart, welche Geheimnisse die Mühle, der Meister und die Müllerburschen haben. Trotz der oberflächlichen Beschreibungen und der schnell voranschreitenden Handlung werden alle offenen Fragen im Laufe der Geschichte geklärt, auch wenn die Antwort manchmal nicht explizit genannt wird, sondern aus zahlreichen Hinweisen erschlossen werden muss.

Fazit:
Das Buch ist durchaus spannend, da es in der Mühle offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugeht, sich aber lange Zeit niemand bereit erklärt, Krabat über die Hintergründe aufzuklären. Mit jedem gelösten Rätsel gerät Krabat gleichzeitig ein bisschen mehr in Gefahr. An den anderen Stellen konnte mich das Buch allerdings gar nicht packen, weil es extrem viel Zeit in sehr wenigen Seiten zusammenfasst. Explizite Szenen dauern selten länger als zwei Seiten, in der übrigen Zeit ist die Handlung oberflächlich zusammengefasst und viele Dinge geschehen extrem schnell. Außerdem fehlen detaillierte Beschreibungen. Charaktere und Setting sind eindimensional, weil jedem nur ein Adjektiv zur Veranschaulichung zugewiesen wird. Insgesamt bekommt „Krabat“ daher drei Schreibfedern.

Kommentare:

  1. Guten Morgen!

    Ja, es ist schon etwas schwierig zu lesen, ich hab mich da ein bisschen reinkämpfen müssen in das ganze - aber ich fands trotzdem ganz toll das Buch. Manchmal mag ich das auch, wenn es ein bisschen "umständlich" ist, es kommt immer darauf an, ob mich der Rest überzeugt und es in sich stimmig ist.

    Wirst du denn den Film dazu anschauen bzw. hast du ihn schon gesehen?

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Guten ... inzwischen Mittag. :D

      Generell hat mich das Buch schon überzeugt und ich mochte auch die Geschichte. Aber ich bin jemand, der beim Lesen gerne in das Buch abtaucht und die Welt und den Stress um sich herum vergisst. Und das war mir bei dem Buch definitiv nicht möglich, weil es viel zu oberflächlich war. Dass ich es aber trotzdem beendet und dann noch mit 3/5 Schreibfedern bewertet habe, spricht aber deutlich für den Rest. :)

      Wenn ich mich recht erinnere, habe ich den Film schon mal gesehen. Allerdings bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich habe auch keinerlei Erinnerungen mehr, ob und wo der sich vom Buch unterscheidet. Also werde ich das bei Gelegenheit wohl noch mal tun. Hast du den Film gesehen?

      Grüße zurück,
      Jenny

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  2. Hey Jenny,

    das Büchlein versauert momentan auf meinem SuB :-( Ich habe damals den Film geguckt und wollte unbedingt das Buch lesen. Tja bei dieser Idee ist es dann irgendwie auch geblieben.
    Schade das es dich nicht ganz so begeistern konnte.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hey Sandra,

      abgesehen davon, dass es extrem oberflächlich ist, hat mir das Buch gut gefallen. Also auf dem SuB zu verstauben hat es nicht verdient. (Aber das war bei mir auch der Fall, bis ich mich jetzt endlich mal zusammen genommen und es einfach gelesen habe.) Ich hoffe, dass du demnächst zum Lesen kommst. :)

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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