Dienstag, 19. Juli 2016

[Rezension] Numbers: Den Tod im Blick – Rachel Ward



Titel: Numbers – Den Tod im Blick
Autor: Rachel Ward
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 24. April 2012
Einband: Softcover
Seiten: 363
ISBN: 978-3-551311-51-1
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Er hatte sie auch. 08122010. Seine Zahl. Irgendwas würde mit diesen Leuten passieren. Heute. Hier.
Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn sie markiert den Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird. Also meidet Jem Menschen. Doch dann lernt sie Spinne kennen – und ist glücklich, zum ersten Mal. Bis bei einem Trip zum Londoner Riesenrad etwas Schreckliches passiert: Um sie herum haben alle dieselbe Zahl ...

Einordnung:
- Den Tod im Blick (Teil 1)
- Den Tod vor Augen (Teil 2)
- Den Tod im Griff (Teil 3)

Rezension:
Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, weil mich der Klappentext wirklich angesprochen hat. Nachdem ich es jetzt beendet habe, muss ich sagen: Das Buch ist bisher mein Flop des Jahres. Abgesehen von Klappentext und Cover hat mir hier wirklich gar nichts gefallen. Vom Schreibstil über die Handlung bis zu den Charakteren bin ich absolut enttäuscht von der Niveaulosigkeit dieses Buches.

Als ich mir das Cover auf der Seite des Verlages heruntergeladen habe, habe ich gesehen, dass es Unterrichtsmaterialien zu diesem Buch gibt, sodass es offensichtlich als als Schullektüre geeignet eingestuft wurde. Ich muss ehrlich sagen, dass ich meine Kinder dieses Buch nicht lesen lassen würde. Es ist ein Musterbeispiel an schlechtem Vorbild. Für die fünfzehnjährige Protagonistin Jem ist es völlig normal, zu rauchen und die Schule zu schwänzen. Zwar nimmt sie selbst keine Drogen, da ihre Mutter an einer Überdosis gestorben ist, doch ihr Freund Spinne raucht mindestens Gras. Mit der Schulunlust geht außerdem ein absolut niveauloser Ausdruck (das am häufigsten benutzte Wort ist vermutlich „Scheiße“) und eine geradezu unverschämte Respektlosigkeit gegenüber jeglichen anderen Menschen einher.
Es bleibt jedoch nicht nur bei sozialer Inkompetenz. Jem bringt außerdem ein Messer mit zur Schule und bedroht einen Mitschüler. Die anschließende Suspendierung vom Unterricht gefällt ihr richtig gut, sodass das tatsächlich eine Möglichkeit zu sein scheint, dem verhassten Unterricht zu entkommen. Sie flüchtet vor der Polizei und macht absichtlich Falschaussagen. Gemeinsam mit Spinne stiehlt sie Geld und Autos, fährt ohne Führerschein herum, lügt und betrügt ohne schlechtes Gewissen und hat zu allem Überfluss auch noch Sex ohne Kondom. Es hätte ein sehr lehrreiches Buch sein können, wenn nicht beinahe alle dieser Fehltritte ohne jegliche Konsequenz geblieben wären. Doch irgendwie kommt Jem mit allem durch, auch wenn sie jedes Gesetz doppelt und dreifach bricht. Das einzig Positive an ihrer Einstellung und ihrem Verhalten ist, dass sie nicht rassistisch ist, denn während sie ein weißes Mädchen ist, ist Spinne ein Schwarzer.

Besonders der eben erwähnte Ausdruck hat es mir wirklich schwer gemacht, dieses Buch zu lesen. Es muss nicht immer alles anspruchsvoll sein. Es ist schön, auch mal Protagonisten zu haben, die die unteren Bildungsklassen repräsentieren. Aber die Sprache ist dermaßen niveaulos, ordinär und vulgär, dass ich nach 30 Seiten schon keine Lust mehr hatte, die Geschichte noch weiter zu lesen. Der Wortschatz der Protagonistin besteht nur aus Schimpfwörtern, jeder wird mit „Hey, Mann“ angesprochen, die Antwort auf alles ist „Verpiss dich“ und jeder Satz, in dem nicht mindestens einmal das Wort „Scheiße“ vorkommt, ist ein schlechter Satz. Da Jem das ganz Buch über aus der Ich-Perspektive erzählt und gleichzeitig den Leser immer wieder direkt anspricht, haben auch die Sätze außerhalb der Dialoge nicht viel mehr Niveau. Das ist wirklich richtig, richtig anstrengend zu lesen.

Außerdem ist das Buch überhaupt gar nicht spannend. Der Klappentext klingt dramatisch und macht Vorfreude auf viele Probleme und mitreißende Szenen. Darauf habe ich allerdings bis zum Schluss vergeblich gewartet. Das schreckliche Ereignis, das im Klappentext angekündigt wird, ist nach 80 Seiten bereits vorbei. Ab da ist ein Kapitel langweiliger als das andere. Jems Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, rückt vollkommen in den Hintergrund. Stattdessen geht es nur noch um zwei jugendliche Ausreißer, die auf der Flucht vor der Polizei abwechselnd mit gestohlenen Autos im Kreis fahren, weil sie nicht in der Lage sind, eine Straßenkarte zu lesen, oder den ganzen Tag jammernd und nörgelnd zu Fuß durch die Gegend marschieren. Die wenigen Dinge, die im Anschluss an die 200-seitige Wanderung voll Gejammer noch geschehen, sind außerdem absolut vorhersehbar, sodass das Buch an keinem Punkt überraschen kann.

Fazit:
Bei diesem Buch stimmt wirklich nichts. Die Protagonistin und ihr Freund sind unglaublich unsympathisch, sodass ich mich teilweise sogar vor ihnen geekelt habe. Schlechtere Vorbilder lassen sich schwerlich finden. Niveauloser Ausdruck, Respektlosigkeit, vulgäre Sprache und eine dauerhafte Aneinanderreihung von Schimpfwörtern zerstören jegliches Lesevergnügen. Nach 30 Seiten hatte ich keine Lust mehr. Ich habe das Buch trotzdem beendet und mich dabei nicht nur über den Stil geärgert, sondern auch gelangweilt, weil die meiste Zeit überhaupt nichts passiert und der Rest der Handlung bis ins letzte Detail vorhersehbar ist. „Numbers – Den Tod im Blick“ kann ich beim besten Willen nicht mehr als eine Schreibfeder geben.

Kommentare:

  1. Hey Jenny!

    Schön, dass du es trotzdem gelesen hast ;) mir ging es bis zur Hälfte des Buches wirklich genauso, obwohl meine Schwester es mir empfohlen hatte. Deswegen habe ich es erstmal wieder weggelegt und ein oder zwei Monate später wieder aufgenommen. Dann hat es mir komischerweise sogar gefallen und am Ende habe ich wirklich mit Jem und Spinne mitgelitten.

    Aber ich finde es wirklich sehr interessant, auch mal eine andere Meinung zu hören :)

    LG
    Sophia
    sophias-bookplanet.blogspot.de

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    1. Hey Sophia,

      sofern das Buch nicht unendlich viele Seiten hat, lese ich eigentlich immer bis zum Ende, weil es ja noch besser werden könnte. Bei diesem Buch war das leider überhaupt nicht der Fall. Ich werde trotzdem die beiden Fortsetzungen noch lesen, vielleicht wird es da ja besser. Mir ging nämlich die Ausdrucksweise der Charaktere am meisten auf die Nerven. Vielleicht ändert sich das im zweiten Teil ja.

      Grüße zurück,
      Jenny

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  2. Hey,

    ich hab das Buch letztes Jahr gelesen und fand es leider auch gar nicht toll. Die Idee finde ich nach wie vor super, aber die Umsetzung...

    Mal ganz abgesehen von den Protagonisten und der Sprache, ist es einfach so schade, dass dieses tolle Thema so unter den Tisch fällt. Ich lese Roadtrips überhaupt nicht gern und das war ja mehr Roadtrip als alles andere.

    Ich kann deine Bewertung also nachvollziehen.

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    1. Hey,

      da kann ich dir nur absolut zustimmen. Ich habe mich so auf das Buch gefreut, weil ich die Idee echt genial fand. Und dann musste ich mich von Anfang an durch diese Geschichte quälen. Gerade wegen dieser enormen Enttäuschung fand ich das Buch vermutlich dann so richtig schlecht.

      Grüße,
      Jenny

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