Mittwoch, 24. August 2016

[Rezension] Battle Island – Peter Freund



Titel: Battle Island
Autor: Peter Freund
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Einband: Softcover
Seiten: 544
ISBN: 978-3-570153-80-2
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Sie träumen von Ruhm und Reichtum – und erleben einen Albtraum aus Habgier und Gewalt.
Als Louisa die Castings für die brandneue TV-Show Battle Island erfolgreich besteht, glaubt sie sich ihrem Ziel ein Stück näher: Mit dem Preisgeld die Therapie ihrer Mutter bezahlen und sie so vor dem sicheren Tod retten. Millionen von Zuschauern werden ihre Suche nach einem Schatz verfolgen, der auf einer von der Außenwelt abgeschnittenen Insel im Atlantik versteckt ist. Doch auch die anderen Kandidaten wollen an das Geld – dazu ist ihnen jedes Mittel recht und so wird aus der Unterhaltungsshow schon bald ein Spiel auf Leben und Tod ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Direkt beim Aufschlagen des ersten Kapitels fällt auf: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. Das Buch beginnt bei „Tag acht“ der TV-Show und erzählt die Geschehnisse dieses Abends und des nächsten Morgens, immer wieder unterbrochen durch Kapitel, die „Wochen zuvor“ spielen und Schritt für Schritt die Ereignisse vor Beginn der Show erklären. Diese Wechsel erfolgen, bis die Vorgeschichte bei „Tag null“ angekommen ist, dem Anreisetag vor Beginn der Show. Ab dort werden die Ereignisse auf der Insel chronologisch erzählt mit einer Lücke an der Stelle, an der sich die bereits geschilderten Geschehnisse von „Tag acht“ und „Tag neun“ einreihen, auf die zwar verwiesen wird, die aber nicht nochmals ausgeführt werden. Im ersten Moment mag dieser Aufbau verwirrend klingen, aber für den Spannungsbogen ist er unerlässlich. Durch den rasanten Einstieg in eine der dramatischsten Szenen des Buches wird sofort Spannung aufgebaut, die mitreißt. Die Kapitel, die die Ereignisse „Wochen zuvor“ schildern, wie beispielsweise Lous Praktikum beim Fernsehsender, Aktivitäten mit ihrem Freund und Ausscheidungswettkämpfe um die wenigen Plätze in der Show, bieten zwischendurch eine willkommene Möglichkeit zum Durchatmen. Komplett chronologisch erzählt wäre der Anfang des Buches wohl ziemlich langweilig gewesen. Daher ist der gewählte Aufbau des Buches wirklich genial, um den Leser sofort in die Geschichte hinein zu reißen und ihn bis zum Schluss nicht mehr los zu lassen. Dadurch, dass zu Beginn jedes Kapitels detailliert angegeben ist, wo die Handlung beginnt, um welchen Handlungsstrang es sich handelt (Tag der Show vs. Wochen zuvor), welcher Wochentag, welches Datum und welche Uhrzeit gerade ist, kommt es auch nicht zu Verwirrung, wo die Szenen einzuordnen sind.

Ebenfalls gefallen haben mir die Charaktere, obwohl sie wirklich jedes Klischee bedienen. Da es sich aber um Kandidaten für eine Fernsehshow handelt, ist das diesmal sogar ein positiver Aspekt. Denn da nur zehn Personen an der Sendung teilnehmen können, müssen sie sich natürlich so weit wie möglich in ihren Persönlichkeiten, ihrer Herkunft und ihren Fähigkeiten unterscheiden sowie eine tragische Vergangenheit aufweisen, um für eine solche Show ausgewählt zu werden (wer glaubt schon daran, dass in irgendeiner TV-Show die Kandidaten jemals wegen ihrer Leistungen in zufällig gewählten Vorentscheiden ausgewählt werden?). Nur bei einer solchen Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes entsteht eine glaubwürdige TV-Show. Diese Ironie ist traurig, vom Autor aber wirklich gut umgesetzt. Da zwischen all diesen Klischees Lou am ehesten dem Durchschnittsmenschen entspricht und eine Menge Sympathien sammelt, schafft sie es als Erzählerin, trotzdem dafür zu sorgen, dass das Buch flüssig zu lesen ist und die Prototypen der erfolgsgeilen Tussi, des Millionärssöhnchens und des Jungen mit krimineller Vergangenheit nicht allzu sauer aufstoßen.

Doch nicht nur die Auswahl der Kandidaten ging nicht mit rechten Dingen zu, sondern die ganze Show offenbart sich langsam als ein einziger Betrug, so wie es wohl auch fast alle Shows sind, die tatsächlich tagtäglich im Fernsehen laufen. Relativ schnell stellt sich heraus, dass die Kandidaten den Produzenten vollkommen egal sind. Sie interessieren sich nur für gute Einschaltquoten und im Notfall gehen sie dafür über Leichen. Dass einige von ihnen gleichzeitig in persönlichen Rachefeldzügen unterwegs sind, heizt die Stimmung zusätzlich auf. Und dass sich außerdem die Kandidaten gegenseitig an die Gurgel gehen, weil jeder diesen Gewinn unbedingt haben will, treibt Dramatik und Gewalt immer weiter voran. Bis zum Schluss ist das Buch unheimlich mitreißend. Eskalation ist wirklich ein milder Ausdruck für das Finale, das den Leser erwartet.

Fazit:
Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein einziger Rausch aus Spannung und Dramatik. Der nicht ganz chronologische Aufbau treibt den Puls schon im ersten Kapitel nach oben und je mehr von dieser dramatischen Geschichte erzählt wird, desto aufgeheizter und gewaltreicher wird die Stimmung, bis die Situation zum Schluss vollkommen eskaliert. Das Buch ist mitreißender als jede TV-Show, obwohl es eine solche in allen Details beschreibt, von den klischeebehafteten Charakteren mit tragischer Vergangenheit über künstliche Inszenierungen für die Zuschauer bis hin zur gewissenlosen Jagd nach Einschaltquoten, für die auch über Leichen gegangen wird. „Battle Island“ ist ein dermaßen packendes Buch, dass ich sehr gerne alle fünf Schreibfedern vergebe.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim cbj Verlag und dem Bloggerportal Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

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