Montag, 29. August 2016

[Rezension] Girl in Black – Mara Lang



Titel: Girl in Black
Autor: Mara Lang
Verlag: Ueberreuter Verlag
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 396
ISBN: 978-3-764170-63-9
Preis: 17,95 € [D]

Klappentext:
Die 19-jährige Lia hat ein dunkles Geheimnis: Sie ist ein Seelenauge und kann die Gefühle anderer Menschen lesen, sie sogar beeinflussen. Eine machtvolle Gabe, wegen der sie in die Fänge der italienischen Mafia gerät. Der einzige Ausweg scheint die Flucht. Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt versucht sie, ein neues Leben zu beginnen, ohne die Familie, ohne ihre Gabe und ohne jegliche Emotionen. Für sie zählt nur eins: Endlich ihren Traum zu verwirklichen und Modedesignerin zu werden. Doch die Schatten ihrer Vergangenheit holen Lia ein und bringen nicht nur sie in Gefahr, sondern auch ihre neuen Freunde – insbesondere Nevio, der sie stärker berührt, als sie erwartet hätte ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Die Geschichte beginnt rasant. Der Leser kippt direkt in die Handlung und in eine der spannendsten Szenen des Buches, denn bereits in den ersten Kapiteln wird Lia als starke Protagonistin vorgestellt. Sie kämpft für ihren Traum, Modedesignerin zu werden, und darum, ihr eigenes Leben leben zu dürfen, fern ab von der Mafia, die sie kontrollieren und sogar zwangsverheiraten will. Dabei nimmt sie einen aktiven Part ein und die Dinge selbst in die Hand. Actionreich ist außerdem auch das Ende der Geschichte, als die Handlung sich überschlägt, alle Fäden zusammenlaufen und es mit vielen Charakteren zu einem blutigen Showdown kommt. Zwar fand ich das Buch zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr emotional, aber einige Wendungen konnten mich doch noch überraschen.

Zwischen dem Anfang und dem Ende verflacht die Geschichte aber leider ordentlich. Nach der Beschreibung ihrer Flucht vor der Mafia und ihrer Angst vor der Gabe, Gefühle lesen und kontrollieren zu können, wendet sich Lia den Dingen zu, die sie sich für ihr Leben wünscht. Sie findet extrem schnell Freunde, beste Freunde auf den ersten Blick sozusagen, und die vermitteln ihr einen Job, natürlich bei einem Designer, damit sie damit anfangen kann, ihren Traum vom Modedesign zu leben. Dass sie sich vor der Mafia ebenso verstecken muss wie vor der Polizei, tritt in den Hintergrund. Auch ihre Gabe spielt keine große Rolle mehr, da sich die Geschichte fortan hauptsächlich um Mode dreht. Ständig werden Kleidungsstücke genäht, verbessert, entworfen, getragen und fotografiert, wobei eine Vielzahl von Stoffen, Farben, Schnitten und Accessoires zum Einsatz kommt. Irgendwann habe ich darunter den Faden verloren. Der Trubel der Fashion Week ging dann völlig an mir vorbei, da ich durch die ganzen Beschreibungen so verwirrt war, dass ich mir keines der Kleider vorstellen konnte. Dass der Kampf gegen die Mafia, die nur sporadisch hin und wieder eine Rolle gespielt hat, am Schluss irgendwie in einen Wettbewerb darum ausartet, wer das schönere Kleid designen kann, war mir dann völlig suspekt. Mit Nadel und Faden statt Pistole und Messer konnte ich nicht wirklich etwas anfangen.

Außerdem habe ich mich nach einer anfänglich guten Beschreibung immer schwerer mit Lias Gabe getan. Zu Beginn hat sie Angst vor ihren Gefühlen, weil sie ihre Gabe nicht kontrollieren kann. Sie hat keinerlei Macht über andere und die Spuren, die die Gabe auf ihrer Haut hinterlässt, kann sie kaum verbergen, weil ihr Schutzschild nicht stark genug ist. Das ändert sich jedoch ganz plötzlich, als sich die Gabe scheinbar über Nacht selbst perfektioniert - ein Wunder, das Lia im Buch selbst anmerkt. Das hat mir jedoch nicht über das Gefühl hinweggeholfen, irgendetwas verpasst zu haben. Ohne sichtbare Entwicklung kann Lia die Gabe plötzlich kontrollieren und hat außerdem selbst einen Schutzpanzer, der jede Emotion von ihr fernhält. Völlig ohne Lias Zutun funktionierte ihre Gabe erst gar nicht und dann zu gut.
Auch im weiteren Verlauf entwickelt sich die Gabe sprunghaft in jede Richtung, als hätte die Autorin zwischen den vielen Beschreibungen von Kleidern, Entwürfen und Fotoshootings vergessen, auch die Entwicklung der Gabe zu erzählen. Dadurch habe ich mich selbst wie von Lias Schutzpanzer eingeschlossen gefühlt. Das hat sich bis zum Ende nicht mehr geändert, sodass mir die Emotionen des Buches überhaupt nicht mehr nahe gingen und mir selbst die aufwühlendsten Momente gleichgültig waren. Schade bei einem Buch, das im Klappentext klingt als würde es sich viel mit Emotionen auseinander setzen.

Fazit:
Die im Klappentext erwähnten Bausteine der Geschichte, Mafia, Gabe und Mode, kommen in sehr unausgewogenem Verhältnis vor. Während Anfang und Ende rasant sind und sich mit der Mafia und Lias Gabe befassen, dreht sich die Geschichte dazwischen beinahe nur um Mode. Damit konnte ich kaum etwas anfangen und dass der Kampf, der mit Pistolen begonnen hat, plötzlich mit Nadel und Faden geführt wurde, war mir sehr suspekt. Zwischen den unzähligen Kleidern fehlten außerdem die Beschreibungen, wie sich Lias Gabe entwickelt hat, sodass sie immer plötzlich ganz anders war als noch bei der letzten Erwähnung. Meine Emotionen hat das Buch nicht kontrolliert, sondern eher ausgeschaltet. Da „Girl in Black“ insgesamt aber eine ganz nette Geschichte mit gutem Ansatz ist, vergebe ich trotzdem drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Ueberreuter Verlag und bei LovelyBooks für das Rezensionsexemplar.

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