Sonntag, 21. August 2016

[Rezension] GoodDreams: Wir kaufen deine Träume – Claudia Pietschmann



Titel: GoodDreams – Wir kaufen deine Träume
Autor: Claudia Pietschmann
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 353
ISBN: 978-3-401601-51-9
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Leah will nicht mehr träumen. Zu sehr treibt sie die Angst um, nicht in die Realität zurückkehren zu können. Ihr Zwillingsbruder Mika versteht Leah nicht. Er ist Profiträumer und verdiente lange mit seinen Träumen Geld. Geld, das die Geschwister dringend für ihren kranken Vater brauchen. Eines Tages erhält Mika eine anonyme E-Mail und damit die Chance auf 250.000 Dollar: Er soll bei einem geheimen Spiel mitmachen und gegen drei anderen Jugendliche antreten. Das Ziel des Spiels? Ungewiss. Der Startpunkt? Im Traum. Das Problem: Seit Mika an Schlafstörungen leidet, ist für ihn ans Träumen nicht mehr zu denken. Ihre einzige Chance ist Leah. Sie muss ihre Angst überwinden und in den Traum eines Unbekannten aufbrechen. In einen Traum, der zum Albtraum wird – und der etwas enthüllt, das Leah und die gesamte Menschheit erschüttern wird ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Obwohl Leah die Protagonistin der Geschichte ist, wird das Buch nicht nur aus ihrer Perspektive geschildert, sondern auch aus denen der drei anderen Jugendlichen, die an dem mysteriösen Spiel teilnehmen: Yuna, Tayo und Ben. Es ist jedoch nie schwer zu erkennen, wer aktuell der Erzähler ist und die Perspektive wechselt auch, wenn überhaupt, nur am Anfang eines neuen Kapitels. Mir persönlich ist das zugutegekommen, da ich mich mit Leah nicht so richtig identifizieren konnte. Besonders zu Beginn lebt sie mit der Einstellung, dass ihr Bruder alles richten und jedes Problem aus der Welt schaffen kann. Sie möchte Geld und Glück, Antworten auf Fragen und Lösungen für Probleme, ohne dafür selbst auch nur einen Finger zu rühren. Ich wäre mit dem ganzen Buch nicht warm geworden, wenn ich nicht zwischendurch Teile der Geschichte aus anderen Perspektiven hätte lesen dürfen. Im Gegensatz zu Leah war mir nämlich insbesondere Ben sehr sympathisch, sodass sich diese Abneigung wieder ausgeglichen hat.

Das Spiel selbst, zu dem die Charaktere mit einer anonymen Mail aufgefordert werden, habe ich lange Zeit nicht verstanden. Das macht jedoch einen großen Reiz des Buches aus, denn damit ging es mir wie den Figuren. Sie alle hatten keinerlei Informationen zu dem Spiel erhalten, außer der Uhrzeit, zu der sie sich an einen bestimmten Punkt im Traum eines Fremden träumen sollten. Gleich dabei sind sie schon auf die erste Schwierigkeit gestoßen, denn obwohl sie alle am selben Punkt landen, ist es eindeutig die falsche Position. Ohne jegliche weitere Erklärungen müssen die Charaktere ein Spiel spielen, dessen Spielregeln sie erst nach und nach erlernen, indem sie die Konsequenzen eines Regelverstoßes am eigenen Leib zu spüren bekommen. Doch die Charaktere müssen nicht nur bewaffnete Wächter und Explosionen überleben. Gleichzeitig stehen sie miteinander im Wettstreit, denn zumindest drei von ihnen brauchen das versprochene Preisgeld wirklich dringend. An dieser Stelle war es mir unmöglich, mir einen perfekten Ausgang zu wünschen. In meinen Augen hätte jeder das Geld verdient. Mit jedem Kapitel wechselten die Sympathien hin und her.
Gleichzeitig hat der Leser schon einige tiefere Einblicke in die Ideen hinter dem Spiel bekommen und den Charakteren einiges Wissen voraus, sodass auch aus diesen Aspekten Spannung entsteht. Denn während die Figuren mit der Zeit immer besser verstehen, worum es bei diesem Spiel eigentlich geht, und feststellen, dass sie so manches Mal aufeinander angewiesen sind, übersehen sie gleichzeitig für lange Zeit, dass die Grenze zwischen Traum und Realität immer mehr verwischt. Schließlich bröckelt dann sogar der Glaube an das wichtigste Gesetz des Träumens: Es ist nicht möglich, im Traum zu sterben. Spätestens an diesem Zeitpunkt hat sich der Traum in einen Albtraum verwandelt, aus dem es kein Entkommen gibt.

Bis zum Schluss bleibt das Buch spannend, denn die Charaktere brauchen das Geld, also können sie nicht einfach aufgeben. Gleichzeitig sind Teile des Traums aber auch schon zur Realität geworden, sodass es nicht einmal tagsüber ein Entkommen gibt. Der große Knall, als die Charaktere endlich herausfinden, worum es bei dem Spiel geht, wer den Traum entwickelt hat und wie sehr ihre Erkenntnisse die Welt erschüttern könnten, ging allerdings irgendwie unter. Es herrscht so viel Chaos, dass diese Neuigkeit nur ein einzelner Puzzlestein der Katastrophe ist. Aber mir gefällt das Ende, gerade weil es relativ ruhig ist. Oftmals braucht es nur den Flügelschlag eines Schmetterlings, um eine Revolution anzustoßen, einen Umsturz zu bewirken oder ein ganzes Land aus den Angeln zu heben. Doch manchmal ist selbst ein Tornado eben nur ein Tornado. Der Schutt wird weggeräumt und alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Das ist ein ungewöhnliches Ende für ein Buch, aber gerade das macht den Reiz aus.

Fazit:
Das Buch hat mir gut gefallen. Mit der Protagonistin Leah hatte ich meine Schwierigkeiten, doch da die Perspektive immer wieder wechselte, war das kein großes Problem. Die ungewöhnliche Welt der Träume hat viel Raum für Spannung eröffnet, denn anfangs habe ich die Spielregeln noch weniger verstanden als die Protagonisten. Im Laufe der Geschichte wird die Handlung immer dramatischer und spannender, der große Knall am Ende geht allerdings fast unter. Das Buch endet auf wirklich ungewöhnliche Art und Weise, viel ruhiger als erwartet, aber dadurch nicht weniger gut. Insgesamt vergebe ich an „GoodDreams“ daher vier Schreibfedern.

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