Sonntag, 28. August 2016

[Rezension] Magnus Chase: Das Schwert des Sommers – Rick Riordan



Titel: Magnus Chase – Das Schwert des Sommers
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 551
ISBN: 978-3-551556-68-4
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Wie bitte, Magnus soll von einem der nordischen Götter Asgards abstammen? Er ist doch nur ein ganz normaler obdachloser Junge, der sich allein auf der Straße durchschlägt! Doch es stimmt wirklich – und noch dazu droht in der Götterwelt ein Krieg! Auch Trolle, Riesen und andere Monster machen sich bereit. Ausgerechnet Magnus soll den Weltuntergang Ragnarök verhindern. Dafür muss er ein magisches Schwert finden, das seit 1000 Jahren verschollen ist. Noch hat er keine Ahnung, was für Abenteuer auf ihn warten!

Einordnung:
- Das Schwert des Sommers (Teil 1)
- The Hammer of Thor (Teil 2, dt. unbekannt)
- weitere Teile werden folgen

Rezension:
Während die römische und die griechische Mythologie häufig noch relativ bekannt sind, geht das Wissen der meisten Leser über die nordische Mythologie nicht über die Thor-Filme hinaus. Das Buch fängt daher auf sehr kleiner Ebene an, zunächst das Grundgerüst mit den neun Welten und ihre Verbindung durch den Weltenbaum Yggdrasil darzustellen, um eine grobe Vorstellung der damaligen Weltsicht zu vermitteln. Im Anschluss daran wird im Laufe der Geschichte das Wissen nach und nach vertieft und detaillierter. Während Magnus Chase, der Protagonist, mit seinen Freunden den Weltuntergang Ragnarök zu verhindern versucht, reist er durch die verschiedenen Welten und lernt unterschiedliche Götter und Völker kennen, kann einige Rituale und Traditionen beobachten und begegnet den furchterregendsten Monstern der nordischen Mythologie. Das Buch ist wirklich lehrreich, ohne belehrend zu werden, da neue Informationen immer in die Handlung eingebunden sind. Falls es während des Lesens dann doch zu Verwirrung kommt aufgrund der merkwürdigen Bezeichnungen (nicht alles kann schließlich einen 4-Buchstaben-Namen haben wie Odin, Thor und Loki), findet sich am Ende des Buches ein Glossar mit der Auflistung sämtlicher Namen, Welten und Runen. Damit erklärt das Buch die nordische Mythologie auf sehr unterhaltsame Weise, die nie langweilig wird.

Berichtet werden all diese Informationen mit grandiosem Humor. Fast ununterbrochen lädt das Buch zum Lachen ein. Allerdings ist die Geschichte trotzdem spannend und keinesfalls albern. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis macht deutlich, dass Magnus ein unglaublich witziger Erzähler ist. So heißt Kapitel 20 beispielsweise „Komm auf die Dunkle Seite. Hier gibt’s Muffins“, direkt gefolgt von Kapitel 21 mit dem Titel „Gunilla wird abgefackelt und das ist überhaupt nicht komisch. Na ja, ein bisschen komisch schon“. Außerdem durchbricht Magnus in gewisser Weise die vierte Wand, indem er Kapitel 69 „Ach ... den hat der Fenriswolf also in Kapitel 63 gerochen“ nennt.
Humor lässt sich generell aber überall in diesem Buch finden. Einmal beschreibt Magnus beispielsweise in einem kleinen Wutanfall seinen Vater als einen „hopsenden Sommergott von einem Dad“ (S. 274), in Anspielung auf die Darstellung seines Vaters in einem Kinderbuch über nordische Mythologie. Selbst dem täglichen Kampftraining, das auf den ersten Blick sehr blutig erscheint, wird mit viel Witz das Grauen genommen, ohne dabei die Gewalt zu verherrlichen. Es fliegt unter anderem in einem dramatischen Moment ein gewaltiger Block Kalkstein auf einen kaum bezwingbaren Halbtroll, mit dem Magnus gut auskommt. Doch schon der nächste Satz sorgt für Lacher, da die Nachricht „Grüße aus Stockwerk 63“ (S. 149) auf die Seite des Steinblocks gepinselt ist. In vielen Momenten sind die Ereignisse oder Magnus‘ Worte einfach nur Situationskomik, aber ich habe mich lange nicht mehr so gut amüsiert beim Lesen.

Es sind aber auch alle anderen Aspekte des Buches gelungen. Trotz des Humors kommt auch immer wieder Spannung auf, besonders dadurch, dass bei einigen Charakteren bis zum Schluss nicht deutlich wird, ob sie nun auf der guten oder auf der bösen Seite stehen. Außerdem hat die Geschichte durchaus auch Tote und Verletzte zu bieten, ebenso wie bewegende Momente, die mich beinahe zu Tränen gerührt haben. Mir persönlich haben außerdem die Anspielungen auf die Reihen „Helden des Olymp“ und „Percy Jackson“ gefallen, auch wenn es für das Verständnis nicht wichtig ist, die Reihen gelesen zu haben, obwohl Annabeth Chase (bekannt aus beiden Reihen) mehrere Auftritte hat. Da bin ich für die Zukunft sehr gespannt, wie Rick Riordan es schaffen will, die römische, griechische und ägyptische Mythologie in die noch viel komplexere nordische Mythologie zu integrieren.

Fazit:
Das Buch ist genial. Magnus ist ein sehr sympathischer und vor allem witziger Erzähler. Die Geschichte lädt fast ununterbrochen zum Lachen ein, sowohl während der Kapitel als auch schon bei den Kapiteltiteln. Trotzdem mangelt es nicht an Spannung und berührenden Momenten. Ganz nebenbei erfährt der Leser außerdem viel über die nordische Mythologie, beginnend mit der Vorstellung der neun Welten bis hin zu detaillierteren Legenden. Diese Informationen sind jedoch alle in die Handlung eingebettet, sodass es nie belehrend wirkt. Insgesamt bin ich von „Magnus Chase“ rundum überzeugt und vergebe daher alle fünf Schreibfedern.


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Carlsen Verlag und bei wasliestdu für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hey Jenny,
    das Buch möchte ich auch unbedingt noch lesen. Super das es dir so gut gefallen hat. Hast du die Kane Chroniken von ihm schon gelesen?
    LG Sandra

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    1. Hey Sandra,

      ich habe mit den Kane Chroniken angefangen. Allerdings waren die nicht ganz so mein Ding, mit den Ägyptern hab ich es irgendwie nicht so. Und da da auch erst das erste Buch erschienen war, habe ich auch noch nicht weiter gelesen. Das werde ich aber auf jeden Fall noch tun. Auch bei Helden des Olymp, wo als ich das angefangen habe zu lesen, auch nur der erste Teil erschienen war. Percy Jackson dagegen kenne ich ganz.

      Welche Bücher von Rick Riordan hast du denn schon gelesen?

      Grüße zurück,
      Jenny

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    2. Ich habe wie du die gesamte Percy Jackson Reihe gelesen. Bei Helden des Olymp habe ich nach Band 2 eine Pause eingelegt und die Kane-Chroniken habe ich bereits durchgelesen. Mir hat gerade die ägyptische Mythologie sehr gut gefallen. Bin gespannt ob dich die Reihe beim zweiten Anlauf mehr überzeugen kann. :-)

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    3. Ich gehe davon aus, dass mir die Reihe im zweiten Versuch besser gefallen wird. Weil ich glaube, dass ich damals, als ich die Reihe mal angefangen habe, so sehr auf der griechisch-römischen Schiene war, dass das mehr ein Problem des Prinzips war. Aber nachdem ich "Gods of Egypt" im Kino gesehen habe und ihn super fand und jetzt mit "Magnus Chase" und den nordischen Göttern auch noch mal in eine anderen Richtung gegangen bin, bin ich relativ zuversichtlich, dass ich mit den Ägyptern jetzt mehr anfangen kann. Wenn ich irgendwann mal die Zeit finde, die Reihe noch mal zu lesen...

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