Donnerstag, 29. September 2016

[Rezension] Harry Potter und das verwunschene Kind – Joanne K. Rowling



Titel: Harry Potter und das verwunschene Kind
Autor: Joanne K. Rowling
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 24. September 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 324
ISBN: 978-3-551559-00-5
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden. Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.

Einordnung:
- Harry Potter und der Stein der Weisen (Teil 1)
- Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Teil 2)
- Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Teil 3)
- Harry Potter und der Feuerkelch (Teil 4)
- Harry Potter und der Orden des Phönix (Teil 5)
- Harry Potter und der Halbblutprinz (Teil 6)
- Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 7)
- Harry Potter und das verwunschene Kind (Teil 8)

Rezension:
Die Meinungen zum Buch gehen ziemlich auseinander. Die Hälfte der Leser liebt es, die andere Hälfte findet es völlig überflüssig. Meine Meinung zum achten Harry Potter ist auch zweigeteilt. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein Theaterstück handelt und nicht wirklich um ein achtes Buch, konnte ich über viele Dinge aber hinwegsehen, sodass mein Fazit auf jeden Fall positiv ausfällt.

Zu den Aspekten, über die ich hinweggesehen habe, gehört die manchmal sehr schnelle Handlungsentwicklung. Es braucht oft kaum mehr als zwei Wortwechsel, bevor eine Figur von der Ehrlichkeit oder dem Handlungsplan einer anderen Figur überzeugt ist. Während mir das in einem Buch viel zu schnell wäre, verstehe ich durchaus, dass in einem Theaterstück nicht unbegrenzt Zeit für die Entwicklung zur Verfügung steht. Natürlich sind auch die übrigen Beschreibungen recht dürftig, da sich lediglich am Anfang jeder Szene eine kurze Zusammenfassung befindet, wo sich die Charaktere aufhalten, und der Rest des Buches aus Dialogen besteht – wie es für Theaterdrehbücher eben üblich ist. Dieser Stil ist mir aber schon nach den ersten Seiten nicht mehr aufgefallen, da die Dialoge völlig ausreichend sind, um der Handlung zu folgen und eigene Vorstellungen von der Umgebung zu entwickeln.
Außerdem dauert es nicht lange, bis die Spannung in der Geschichte immer mehr zunimmt. Schnell konnte ich genauso mitfiebern wie in den anderen Büchern. Auch inhaltlich steht die Handlung den anderen Büchern kaum nach. Die Szenen und Entwicklungen, die beschrieben werden, sind genauso grausam und schrecklich wie Harrys Kampf gegen Voldemort. Und schnell wird deutlich, wie viel Glück Harry und seine Verbündeten hatten. Wenn ich die ersten sieben Bücher nochmals lese, werde ich viele Dinge in einem anderen Licht betrachten.

Allerdings haben mir einige Aspekte nicht so sehr oder gar nicht gefallen. Dazu gehört vor allem der Auslöser für diese Geschichte, den ich als sehr aus der Luft gegriffen empfinde. Es ist nicht so als hätte es darüber nicht schon viele Spekulationen gegeben, aber ursprünglich hatte Joanne K. Rowling diese Ideen dementiert, sodass sie sich jetzt eigentlich selbst widerspricht. Das hat mich enttäuscht, weil ich die Harry Potter Welt und alle von der Autorin gelieferten Zusatzinformationen bisher immer als sehr durchdacht empfunden habe.
Außerdem habe ich mich anfangs mit den Charakteren sehr schwer getan. Harry war mir beinahe noch unsympathischer als in den bisherigen Büchern und in den Szenen, in denen sich Albus noch wie ein bockiger Teenager benommen hat, mochte ich ihn auch gar nicht. Zum Glück hat sich das geändert, als die Geschichte richtig Fahrt aufgenommen hat. Im Grunde waren mir beide sympathischer, wann immer sie sich nicht im selben Raum aufgehalten haben. So sehr Harry auch der gute Vater sein will, den er nie hatte, bei Albus hat er gründlich versagt. Nach den ersten Szenen hatte ich daher die Befürchtung, dass dieses Buch alles zerstören würde – aber es wurde besser.
Am meisten enttäuscht hat mich allerdings die Entwicklung der Beziehung zwischen Albus und Scorpius. Schon auf den ersten zehn Seiten wird sehr eindeutig der Grundstein gelegt. An den wortwörtlichen Formulierungen gibt es im Grunde nichts mehr misszuverstehen. Trotzdem macht die Autorin dann doch noch einen Rückzieher. Sehr schade, denn die Stimmung, die das Buch vermittelt, ist völlig anders als die schlussendlichen Entscheidungen. Da hätte etwas ganz Tolles draus werden können, stattdessen ist es alles andere als zufriedenstellend.

Fazit:
Trotz einiger Schwächen ist auch der achte Harry Potter eine gute Geschichte. Einige Szenen werden im Theaterstück besser wirken als im Buch, aber ich konnte trotzdem mitfiebern. Die Idee ist gut und es kommt schnell viel Spannung auf. Zudem regt diese Geschichte wirklich zum Nachdenken über die Ereignisse in den vorherigen Büchern an. Enttäuscht haben mich nur der aus der Luft gegriffene Auslöser für die Geschichte und die Entwicklung der Beziehung zwischen Albus und Scorpius. Da wurde Potenzial verschenkt. Insgesamt bekommt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ daher vier Schreibfedern von mir.

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