Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] Nacht ohne Sterne – Gesa Schwartz



Titel: Nacht ohne Sterne
Autor: Gesa Schwartz
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 28. September 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 542
ISBN: 978-3-570163-20-7
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Die 16-jährige Naya ist Tochter einer Elfe und eines Menschen. Ein Mischwesen, das keine Magie zu beherrschen scheint und sich weder der geheimnisvollen Elfenwelt New Yorks noch der Welt der Menschen gänzlich zugehörig fühlt. Ihr bester Freund Jaron ist ein Lichtelf, der New York vor den Machenschaften der Dunkelelfen bewahren soll. Doch dann wird Naya mitten hinein gezogen in den jahrhundertealten Krieg zwischen den beiden Völkern. Und als sie den Dunkelelf Vidar kennenlernt, wird all ihr bisheriges Wissen auf den Kopf gestellt. Welche Ziele verfolgt Jaron, welche Geheimnisse verbirgt Vidar? Wem kann sie trauen? Naya muss auf ihr Herz hören, doch das ist leichter gesagt als getan ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch hat einen etwas anderen Ansatz, da der Protagonistin Naya schon zu Beginn des Buches bewusst ist, dass sie eine Halbelfe ist. Sie ist mit den Geschichten und Legenden der Licht- wie der Dunkelelfen aufgewachsen. Ihr ist bewusst, dass die Menschenwelt und die Elfenwelt sehr nah beieinander liegen und sich zum Teil sogar überschneiden. Zudem hatte sie bereits Auseinandersetzungen mit Wesen aus der Schattenwelt und Jaron, ihr bester Freund, ist ein Lichtelf. Damit muss sie die Welt der Elfen nicht völlig neu für sich entdecken, sondern ist über viele Dinge bereits informiert, die sie daher als selbstverständlich annimmt. Für den Leser werden allerdings trotzdem gerade genug Erklärungen mitgeliefert, damit die Handlung nachvollziehbar ist.

Doch da Geschichten und Legenden selten mehr als einen wahren Kern haben, gibt es auch für Naya noch viel Neues zu entdecken. Je mehr sie über die Welt der Elfen herausfindet, desto mehr wird sie von der passiven Erzählerin zur aktiven Protagonistin. Sie setzt ihren eigenen Willen durch, trifft ihre eigenen Entscheidungen und nimmt ihr Leben selbst in die Hand, sodass sie bis zum Schluss auf ihrer eigenen Seite steht. Dadurch ist sie in der Lage, über den blinden Hass zwischen den Licht- und den Dunkelelfen hinauszusehen. Letztlich hilft ihr das dabei zu erkennen, dass die Jahre voller Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfen mehr geprägt haben als die Wahrheit. Die überraschenden Entwicklungen, die daraus entstehen, machen das Buch sehr spannend. Gerade zum Ende hin überschlägt sich die Handlung, sodass die Geschichte immer mitreißender wird. Da es sich außerdem um einen Einzelband handelt und somit die gesamte Geschichte in einem Buch erzählt werden muss, gibt es keine unnötigen Längen oder langweilige Nebenhandlungen.

Durchweg spannend ist das Buch allerdings nicht, da einige Erkenntnisse und Geschehnisse doch sehr vorhersehbar sind. Das hält sich aber in Grenzen. Viel mehr hat meinen Lesefluss gestört, dass ich den weitschweifigen, kunterbunten Beschreibungen der Autorin häufig nicht folgen konnte. Das beginnt mit den Träumen, die für die Elfen eine große Rolle spielen. Sie stehlen sie den Menschen, da sie selbst nur selten träumen können. Allerdings ist mir bis zum Schluss nicht klar geworden, wofür sie die eigentlich brauchen. Mehrfach machen sie irgendetwas mit diesen Träumen, aber die farbenfrohen, rauschenden Beschreibungen haben mich so verwirrt, dass ich nie sicher war, ob da jetzt wirklich etwas geschieht oder ob das Metaphern sind.
Das gilt auch für viele andere Situationen. Immer wieder tauchen Szenen und Erinnerungen als bunte Lichter auf, Orte verändern sich ständig und Geräusche und Gespräche lang Verstorbener wehen durch die Luft. Die Beschreibungen der Autorin sind sanft und flüssig, aber trotzdem irgendwie nicht greifbar. Ich wusste nie, was genau ich mir unter den Beschreibungen vorstellen sollte. Außerdem konnte nicht unterscheiden, ob die Charaktere sich tatsächlich an einem Ort befunden haben oder das nur durch irgendeine Magie vor ihrem inneren Auge gesehen haben, weil sich diese Alternativen ständig miteinander vermischt haben. Häufig hatte ich das Gefühl, dass sich Naya schwerelos durch ein buntes Traumland bewegt hat, während sie aber dann aber tatsächlich auch irgendwie den Ort gewechselt hat. Und das alles war immer begleitet durch zahllose Farben und Töne, Geräusche und Empfindungen, die in einer unzusammenhängenden Kaskade über mich hinweg geflutet sind. Prinzipiell wirkt dieser Stil mit seinen vielen Metaphern beinahe magisch, allerdings habe ich deshalb viele Aspekte der Handlung nicht richtig nachvollziehen können. Häufig wusste ich schlichtweg nicht, was gerade tatsächlich passiert und Naya tatsächlich gefährlich werden kann, und was einfach nur farbenfroh beschriebene, kreative Auswüchse ihrer Fantasie waren.

Fazit:
Zu Beginn des Buches ist die Protagonistin Naya auf einem anderen Wissensstand als der Leser, da ihr die Welt der Elfen bereits bekannt ist. Dennoch reichen die Erklärungen aus, um der Geschichte folgen zu können. Im Laufe der Handlung wird bald außerdem deutlich, dass blinder Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfenwelt mehr geprägt haben als die Wahrheit. Dadurch gibt es viele überraschende Wendungen, die das Buch spannend machen. Es ist außerdem mitreißend geschrieben und hin und wieder wirkt der Stil beinahe magisch. Allerdings kam ich mir manchmal vor wie in einem Kaleidoskop, in dem ich nicht zwischen Traum und Realität unterscheiden konnte, sodass ich den Faden der Handlung verloren habe. Etwas weniger vage Farbkaskaden hätten es auch getan, dann wäre die Handlung greifbarer gewesen. Daher bekommt „Nacht ohne Sterne“ insgesamt vier Schreibfedern.

Kommentare:

  1. Hallo liebe Jenny :)

    Von Gesa Schwartz habe ich vor einigen Jahren schon die "Grim" - Bücher gelesen und sie sehr gemocht. Deshalb steht "Nacht ohne Sterne" auch noch immer auf meiner Wunschliste, aber als nächstes werde ich wohl "Herz aus Nacht und Scherben" von der Autorin lesen! Danke für eine wirklich schöne Rezension ♥

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal

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    1. Hey Lisa,

      für mich war "Nacht ohne Sterne" das erste Buch der Autorin. Ich werde mir ihre anderen Werke aber auf jeden Fall auch noch zu Gemüte führen. Viel Spaß mit "Herz aus Nacht und Scherben". :)

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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