Mittwoch, 7. September 2016

[Rezension] Survive the night – Danielle Vega


Titel: Survive the night
Autor: Danielle Vega
Verlag: Beltz & Gelberg Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 266
ISBN: 978-3-407747-31-0
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Casey hat gerade einen Drogenentzug hinter sich und lässt sich von ihrer Freundin Shana überreden, auf eine der legendären illegalen »Survive the night«-Parties mitzukommen. Die findet in einem stillgelegten U-Bahn-Tunnel statt und die Stimmung ist gigantisch. Bis Julie, ein Mädchen aus ihrer Clique, tot aufgefunden wird. Grausam zugerichtet. Casey, Shana und ihre Freunde sind schockiert. Sie wollen fliehen. Denn der Mörder scheint unter ihnen zu sein. Schon gibt es ein neues Opfer. Die Panik steigt. Wer oder was ist hinter ihnen her? Und wird Casey diese Nacht überleben? 

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch ist von der ersten Seite an nicht besonders emotional, trotz zahlreicher Todesfälle, weil ich keinen einzigen Charakter sympathisch finde. Caseys alte Freunde, die nur zu Beginn der Geschichte kurz auftauchen, machen den Eindruck als seien sie überhebliche, aufgetakelte, verwöhnte Mädchen. Die Clique, mit der Casey für den Rest des Buches unterwegs ist, ist da in gewisser Weise das Gegenteil, da sie alle rauchen, trinken und Drogen nehmen, eine Liebschaft nach der anderen haben und für den Adrenalinkick alles tun würden, auch in einer lebensgefährlichen Aktion mit 150km/h auf dem Fahrstreifen des Gegenverkehrs fahren, bis es fast einen Frontalzusammenstoß gibt. Casey selbst ist im Vergleich zu beiden Gruppen blass, obwohl sie die Protagonistin ist. Sie entscheidet nicht selbst, sondern ist nur Mitläuferin. Besonders bei Shana ist sie übertrieben hörig und tut alles, worum sie gebeten wird. Das hat sie auch vor dem Entzug schon getan, wie in Rückblicken immer wieder geschildert wird, sodass die Hälfte der Geschichte eigentlich nur eine Beschreibung von Drogenexzessen ist.

Neben den Charakteren konnte mich aber auch die Geschichte nicht packen. Besonders zu Anfang ist die Dramatik überhaupt nicht zu spüren, da Casey high ist und offensichtlich Halluzinationen hat. Beispielsweise sieht sie Leute an und hat das Gefühl, ihnen würde das Gesicht zerfließen und zu Boden tropfen. Von dem Zeitpunkt an konnte ich nichts, was sie allein entdeckt, mehr ernst nehmen. Doch selbst als ihre Freunde zu ihr stoßen und die Dinge bestätigen, die sie sieht, kommt keine Spannung auf. Das liegt wohl auch mit daran, dass die Autorin die Dramatik übertrieben intensiv aufzubauschen versucht. Aber bei der fünften Beschreibung, wie jemandem die Eingeweide heraushängen, konnte ich wirklich nur noch die Augen verdrehen. Dieser Thriller ist nicht wirklich blutig, sondern eher ekelig, da „Eingeweide“ vermutlich das am häufigsten verwendete Wort in diesem Buch ist. Komplette zerstört hat die mögliche Spannung dann aber die Tatsache, dass in der Geschichte übernatürliche Elemente vorkommen, vor denen ich mich im richtigen Leben natürlich nicht gruseln kann. Ich habe das Buch angefangen in der Erwartung, es würde sich um einen menschlichen Serienmörder handelt. Stattdessen rennen die Charaktere die ganze Zeit vor einem fiktiven Monster weg, von dem ich bis zum Schluss nicht weiß, was genau das denn eigentlich ist.

Hinzu kommen eine Menge Ungereimtheiten. Natürlich ist es möglich, dass Casey durch die Drogen so benebelt war, dass sie nicht wirklich mitbekommen hat, wie die Zeit vergangen ist, aber als es plötzlich vier Uhr morgens ist, habe ich mich wirklich gefragt, wie sich die wenigen Handlung über mehrere Stunden erstrecken sollte. Eine Inkonsistenz, die es mir außerdem schwer gemacht hat, mir den Ort vorzustellen, an dem die Charaktere sich befinden, ist die Beschreibung des Lichts. Sie befinden sich die ganze Zeit unten in den U-Bahn-Tunneln, also sollte eigentlich konstante Beleuchtung herrschen – nämlich gar keine. Stattdessen ist es nur manchmal so dunkel, dass nichts zu sehen ist. Manchmal ist es aber aus irgendeinem Grund auch hell genug, dass sie sich gegenseitig ansehen können. Dann wiederum brauchen sie das Handylicht, um sich umzusehen. Aber plötzlich können sie auch ohne jegliches Hilfsmittel erkennen, wo sie sich befinden. Genauso verhält es sich mit Caseys verletztem Knie. Ursprünglich tablettensüchtig wurde sie, weil ihr nach einer Fußballverletzung Tabletten verschrieben wurden. Während der Flucht durch die U-Bahn Tunnel bricht diese Verletzung wieder auf oder sie fügt sich eine neue Verletzung zu, das konnte ich dem Buch nicht entnehmen. Jedenfalls ändert sich der Schmerzpegel dauerhaft. In einem Moment kann sie vor Schmerzen kaum laufen, im nächsten Moment rennt sie den Tunnel entlang. Dann wiederum ist sie so schwer verletzt, dass es ihr die Tränen in die Augen treibt, aber im nächsten Moment geht sie auf und ab als wäre nichts passiert. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sie das Knie gar nicht mehr belasten kann, aber in der nächsten Szene kann sie seltsamerweise trotzdem herumkrabbeln. Das machte die Geschichte für mich auch in ihren Details schwer nachzuvollziehen.

Fazit:
Das Buch ist ganz anders als erwartet. Ich bin von einem spannenden, blutigen Thriller mit einem Serienmörder ausgegangen, doch stattdessen handelt es sich eher um eine ekelige Horrorgeschichte mit übernatürlichen Wesen. Das hat meinen Geschmack überhaupt nicht getroffen. Wegen der unsympathischen Charaktere, der Mitläufer-Protagonistin, der fehlenden Spannung und der vielen Ungereimtheiten und Inkonsistenzen habe ich die Geschichte irgendwann nur noch überflogen. Daher kann ich für „Survive the night“ nicht mehr als eine Schreibfeder vergeben.


Ich bedanke mich beim Beltz Verlag und bei Bloggdeinbuch für das Rezensionsexemplar.
 

Kommentare:

  1. Hey Jenny,

    das ist wirklich schade, dass du mit dem Buch nicht warm geworden bist. Ich hatte auch erst überlegt es mir zu holen, habe mich dann aber doch dagegen entschieden, da ich nicht so oft solche Bücher lese.

    LG Sandra

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    1. Hey Sandra,

      ich lese Jugendthriller auch nicht sehr oft. Aber die Spannung wurde so angepriesen und der Klappentext klang gut, daher dachte ich, ich versuche es mal. Leider beschreibt der Klappentext nicht wirklich, worum es in dem Buch eigentlich geht. Und spannend war es auch nicht, eher langweilig und ekelig.

      Grüße zurück,
      Jenny

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  2. Huhu,

    das klingt ja nicht gerade berauschend. Aber durch den Klapptentext hätte ich das Buch auch ganz anders eingeordnet.

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hey Ruby,

      leider habe durch den Klappentext auch etwas ganz anderes erwartet. Ich hab noch mal nachgeschaut, ob ich es vorher hätte wissen können, aber das Buch ist tatsächlich überall nur bei Thriller, Kriminalgeschichten, Suchtprävention etc. einsortiert. Nirgendwo findet sich ein Hinweis darauf, dass in der Geschichte Übernatürliches vorkommt. Mal ganz abgesehen davon, dass der Klappentext die Handlung ohnehin nur unzureichend beschreibt. Die Party spielt überhaupt keine Rolle, sie wird sogar aufgelöst, bevor es richtig dramatisch wird. Echt enttäuschend.

      Grüße zurück,
      Jenny

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