Dienstag, 25. Oktober 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Lost Souls – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Lost Souls
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 677
ISBN: 978-3-401066-67-7
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Die Dämonin Lilith ist besiegt und Jace aus ihren Fängen befreit. Aber als die Schattenjäger am Schauplatz eintreffen, finden sie nur noch Blut und zerbrochenes Glas. Nicht nur von Jace, den Clary über alles liebt, fehlt jede Spur, auch ihr dunkler Halbbruder Sebastian, den sie aus tiefstem Herzen hasst, ist verschwunden. Doch Jace findet Clary wieder und enthüllt sein schreckliches Schicksal: Durch Liliths Magie ist er auf immer mit Sebastian und den dunklen Mächten verbunden. Nur ein kleiner Trupp glaubt daran, dass Jace noch gerettet werden kann. Dazu müssen sich allerdings auch die Schattenjäger der dunklen Magie verschreiben. Clary geht den gefährlichsten Weg: Sie möchte Jace’s Seele retten. Aber kann sie Jace überhaupt noch trauen?

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4) 
- City of Lost Souls (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Auch dieses Buch wird wieder aus ganz vielen unterschiedlichen Perspektiven geschildert, sodass neben der Handlung auch die individuellen Probleme vorangetrieben werden. Beinahe jeder wichtigere Charakter erzählt an einem gewissen Punkt des Buches einen Teil der  Geschichte. Das ist durchaus spannend, da die Figuren sich nicht immer am gleichen Ort befinden und gerade zu Beginn auch andere zwischenmenschliche Beziehungen eine Rolle spielen als die bloßen Liebesbeziehungen. Beispielsweise wird Simons Verhältnis zu seiner Mutter einiges an Platz eingeräumt, denn als Vampir hat er sich nicht gerade unwesentlich verändert. Auch Clarys Beziehung zu ihrer Mutter spielt immer wieder eine Rolle, da Jocelyn erst vor kurzem aus dem Koma erweckt wurde und somit als aktiver Charakter noch so gut wie unbekannt ist. Hier ergeben sich besondere Konflikte daraus, dass sie nie ein Schattenjägerleben für Clary gewollt hat und das nach wie vor am liebsten alles sofort beenden würde. Diese Überbeschützer-Mutter stößt nicht nur bei Clary auf völliges Unverständnis.

Nichtsdestotrotz sind die meisten betrachteten zwischenmenschlichen Beziehungen natürlich die diversen Liebesdramen. Zwischendurch wird nur noch von einer Beziehung oder auch Nicht-mehr- bzw. Noch-nicht-Beziehung zur nächsten gesprungen, ohne dass das etwas mit der grundlegenden Geschichte des Buches zu tun hätte. Damit sorgt der ständige Perspektivenwechsel, wegen dem natürlich auch jede einzelne Beziehung mehrfach beleuchtet werden muss, irgendwann dafür, dass das Buch unnötig aufgebläht wird. Letztlich hat dieser fünfte Teil der Reihe mehr Seiten als Handlung. Das mündet darin, dass die Erzählungen der Werwölfe Maia und Jordan sich nur noch darum drehen, was sie gerade beim Lieferdienst bestellt haben und wie sie schon wieder im Bett landen. Prinzipiell finde ich es gut, dass nicht jede Szene für die Entwicklung der Geschichte wichtig ist, sondern die Charaktere auch im Alltagsleben beleuchtet werden. Allerdings dreht sich das Buch irgendwann nur noch im Kreis, sodass es sich etwas zieht.

Wenn es aber tatsächlich um die Handlung der Geschichte geht, ist das Buch wieder so spannend wie die Vorgänger. Sebastian ist immer noch schwer zu durchschauen. Selbst, als er im Laufe der Geschichte länger in den Vordergrund rückt als für kurze Begegnungen, sind seine Ziele noch immer unklar. Diese Unberechenbarkeit bringt viel Spannung mit sich. Solange niemand weiß, was Sebastian tatsächlich vorhat, ist es zudem nie sicher, wann er die Wahrheit erzählt, wann er lügt und wann er sich die Wahrheit zurecht biegt. Viele Dinge, die er erzählt und angeblich plant, passen nicht zu dem bösen jungen Mann, für den ihn alle halten. Auch einige seiner Handlungen lassen ihn mutig und entschlossen erscheinen und nicht wie den Verrückten, als der er gefürchtet wird.
Gleichzeitig suchen Jace’s Freunde nach einem Weg, die unmögliche Rettung möglich zu machen. Dabei sind sie auf mehr Macht angewiesen als sie selbst besitzen. Während verzweifelte Situationen also verzweifelte Handlungen erfordern, verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse immer mehr. Es ist unglaublich interessant zu beobachten, wie auch die Charaktere nach und nach feststellen müssen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Sebastian sammelt an einigen Stellen durchaus Sympathiepunkte, während insbesondere Alec sie ständig verliert. Dass damit die Zweiteilung aus Gut und Böse, mag ich und mag ich nicht, soll gewinnen und soll verlieren langsam aufgehoben wird, verschiebt das ganze Charakterkonstrukt und löst neue Dynamiken aus.

Fazit:
Dieses Buch bietet wieder viel Spannung. Durch Sebastians Unberechenbarkeit lässt sich die Handlung meist schwer voraussehen. Wahrheit und Lüge offenbaren sich immer erst, wenn es schon zu spät ist. Doch für den Moment wirkt Sebastian hin und wieder sogar vernünftig und sympathisch. Dagegen verstoßen Jace’s Freunde gegen immer mehr Gesetze, sodass die Grenze zwischen Gut und Böse langsam verschwindet und die Welt nicht länger schwarz und weiß ist. Neben der Handlung werden auch die zwischenmenschlichen Beziehungen weiter ausgeführt. Anfangs ist das interessant, doch zwischendurch dreht sich die Geschichte durch die wiederholte Beschreibung sämtlicher Liebesbeziehungen im Kreis. Das Buch wird dadurch unnötig aufgebläht. Daher bekommt „City of Lost Souls“ nur vier Schreibfedern.

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