Mittwoch, 26. Oktober 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Heavenly Fire – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Heavenly Fire
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 889
ISBN: 978-3-401066-74-5
Preis: 24,99 € [D]

Klappentext:
Jace trägt das Himmlische Feuer in sich und Sebastian verkündet den finalen Schlag gegen die irdische Welt. Um zu verhindern, dass Dämonen über die Städte herfallen, müssen Clary und Jace mit ihren Freunden in die Schattenwelt eindringen. Wird es ihnen gelingen, Sebastians finstere Pläne zu stoppen, ohne selbst Schaden zu nehmen? Als sie auf Clarys dunklen Bruder treffen, stellt er Clary vor eine schier unlösbare Aufgabe: Entweder sie kommt an seine Seite oder er vernichtet ihre Familie und Freunde, die Welt und alle Schattenjäger ...

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4) 
- City of Lost Souls (Teil 5) 
- City of Heavenly Fire (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten fünf Teile enthalten!

Das Buch platzt geradezu vor Handlung. Während den diversen Liebesbeziehungen in den ersten fünf Büchern noch extrem viel Raum eingeräumt wurde, ist im finalen Band kaum noch Platz dafür. Die Autorin verliert die Auf-und-Abs zwar nie aus den Augen, aber jede Entwicklung wird nur einmal geschildert und das auch nicht in übertriebener Ausführlichkeit. Für viel mehr als Händchen halten und Abschiedsküsse haben die Charaktere auch gar keine Zeit, denn Sebastian ist dabei, die Schattenjäger zu vernichten. Ein Angriff jagt den nächsten, zum Teil schneller als die Kommunikation möglich ist. Während der Rat in aller Ruhe Kinder der schmerzhaften Befragung mit dem Engelsschwert unterzieht und sich mit seiner Ignoranz selbst einen Strick dreht, wissen Clary und ihre Freunde, dass sie die Sache selbst in die Hand nehmen müssen. Gleichzeitig setzt Sebastian immer wieder kleine Nadelstiche, die die wackeligen Allianzen der Nephilim mit den Schattenweltlern zerstören könnten. Und auch innerhalb der Clans und Rudel entstehen Streitigkeiten und Machtkämpfe. Es scheinen kaum genug besonnene Charaktere übrig zu sein, um zu verhindern, dass sich Schattenjäger wie Schattenweltler selbst vernichten. Es herrscht das reinste Chaos, sodass alle 889 Seiten des Buches vollgestopft sind mit Handlung, um irgendwie den Untergang der Welt zu verhindern.

Besonders spannend ist das Buch aber nicht nur wegen der schier unendlichen Anzahl mehr oder weniger lebensbedrohlicher Konflikte, sondern auch, weil der Perspektivenwechsel aus den vorherigen Büchern hier noch mehr ausgeweitet wird. Nahezu jede Figur bekommt eine Stimme. Damit wird der Leser nicht nur über die Taten und Wahrnehmungen von Clary und ihren Freunden informiert, sondern erhält auch die Möglichkeit, alles in Lukes oder Jocelyns Perspektive zu erleben und dabei Informationen über die Vergangenheit zu bekommen, die den Jugendlichen gar nicht bewusst sind. Darüber hinaus erzählen jedoch auch Charaktere wie die Feenkönigin und Sebastian Teile der Geschichte. Der Leser ist damit immer direkt über Pläne und Absichten informiert und erlebt nicht gemeinsam mit Clary und Co. gute oder böse Überraschungen. Das macht das Buch allerdings nicht weniger spannend, denn zu beobachten, wie die Charaktere ins offene Messer laufen, ist noch nervenaufreibender als mit ihnen auf den nächsten Hinterhalt zu warten. Nichtsdestotrotz bewahrt sich das Buch auch seine Geheimnisse, da nicht immer alles vorweg genommen wird. Die gelungene Mischung aus böser Vorahnung, Geheimniskrämerei und sich offen aufbauender Dramatik ist richtig packend.

Das alles mündete bei mir in die Erkenntnis, wie unglaublich komplex diese Welt und die in ihr spielende Geschichte eigentlich sind. Das alles wird verknüpft mit den Ereignissen, die in den Chroniken der Schattenjäger, Lady Midnight und den Chroniken des Magnus Bane geschildert oder erwähnt werden. Dadurch, dass Charaktere, Orte und Objekte nicht nur im Rahmen der Chroniken der Unterwelt existieren, sondern auch eine Vergangenheit und eine Zukunft haben, die an anderer Stelle aktiv geschildert werden, wirkt die Welt unglaublich echt. Sie beschränkt sich nicht auf den Rahmen der Bücher, sondern hat meine Gedanken auch mehrfach darüber hinaus geführt. Dazu trägt wohl auch bei, dass die Geschichte sich nicht auf New York und fiktive Orte wie Idris beschränkt, sondern Städte überall auf der Erde einbezieht. Die fiktive Welt scheint wie eine zweite Haut über der echten Welt – der ganzen echten Welt – zu liegen, wodurch viel Authentizität entsteht.
Der Autorin gelingt es außerdem wirklich gut, in dieser komplexen, weiten Welt die unzähligen Fäden und Handlungsstränge, von denen mir manchmal nicht einmal bewusst war, dass sie wichtige Details enthalten, miteinander zu verknüpfen. An irgendeinem Punkt der Geschichte fügt sich jeder Faden wieder ins Knäul ein, sodass am Ende alles zusammen gelaufen ist, allerdings ohne dass das große Finale unübersichtlich wird oder überspitzt erscheint. Ich bin wirklich beeindruckt und kann mir gar nicht vorstellen, wie viel Hirnschmalz es gekostet haben muss, das auf die Beine zu stellen.

Fazit:
Das Finale der Reihe ist perfekt. Obwohl das Buch unglaublich dick ist, platzt es fast vor Handlung. Dabei reihen sich aber nicht nur unendlich viele Geschehnisse aneinander, sondern sie ergeben sich als Konsequenz aus den vorherigen Ereignissen. Geschildert werden diese Ereignisse aus vielen verschiedenen Perspektiven, die Clary und ihre Freunde, aber auch Mitglieder des Rates und Sebastian einschließen, sodass der Leser häufig Dinge vor den Charakteren weiß. Es ist nervenaufreibend, dann zusehen zu müssen, wie jemand ins offene Messer rennt. Neben aller Spannung hat mir das Buch außerdem offenbart, wie komplex die Welt und die Geschichte eigentlich sind. Zahllose Fäden, von deren Existenz ich manchmal nicht einmal wusste, werden im finalen Band der Reihe zusammengeführt und die unendliche Weite der Welt, in der es immer noch etwas Neues zu entdecken gibt, hat mich wirklich beeindruckt. „City of Heavenly Fire“ ist ein grandioser Abschluss und bekommt auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern von mir.

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