Dienstag, 8. November 2016

[Rezension] Talon: Drachennacht – Julie Kagawa



Titel: Talon - Drachennacht
Autor: Julie Kagawa
Verlag: Heyne fliegt
Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 479
ISBN: 978-3-453269-72-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Ember und Garret könnten ein glückliches Paar sein – in einer anderen Welt, in der sie nicht dazu bestimmt wären, sich auf ewig zu bekriegen. In einer Welt ohne die Ritter des Sankt-Georgs-Ordens und ihre Widersacher, die Drachen der mächtigen Organisation Talon. In einer Welt, in der die Liebe eines Ritters zu einem Drachenmädchen nicht als das schlimmste Vergehen geahndet würde ...
Für den Augenblick hat das Schicksal Ember und Garret erst einmal auseinandergerissen. Garret reist nach London, um in die Tiefen des Ritterordens vorzudringen. Was er dabei entdeckt, stellt sogar seine ärgsten Befürchtungen in den Schatten. Er ahnt, dass sie in höchster Gefahr schweben, vor allem Ember, die weiterhin gemeinsam mit den rebellischen Drachen im Untergrund gegen Talon kämpft. Als Garret zu ihr eilen will, um sie zu warnen, wird er entführt. In seiner dunkelsten Stunde kommt Hilfe von unerwarteter Seite ...

Einordnung:
- Drachenzeit (Teil 1) 
- Drachenherz (Teil 2) 
- Drachennacht (Teil 3)
- unbekannt (Teil 4)
- unbekannt (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Ich bin mir wirklich unsicher, was ich zu diesem Buch sagen soll. Auf der einen Seite ist es nicht besonders spannend, auf der anderen Seite hat es aber trotzdem eine Menge Handlung. Auf der einen Seite erfährt Ember interessante Dinge, die ihre Beziehung zu Riley und Garret verändern, auf der anderen Seite fängt damit das ganze Drama aber schon wieder von vorne an. Auf der einen Seite geht immer alles viel zu glatt und selbst, wenn alles schief geht, entwickelt sich daraus ein nur noch größerer Vorteil für Ember und ihre Mitstreiter, auf der anderen Seite wartet das Buch mit einem dramatischen Finale auf. Auf der einen Seite ist der größte Knaller des Buches wirklich vorhersehbar gewesen, auf der anderen Seite gibt es viele kleine Details, über deren Sinn und Zweck ich immer noch nachgrüble. Schlussendlich hat mir das Buch besser gefallen als der zweite Band, aber nicht so gut wie der erste Teil.

Besonders negativ aufgefallen ist mir das Liebesdreieck zwischen Ember, Riley und Garret. Mit Garrets Abreise im letzten Teil habe ich die Situation für geklärt gehalten, doch eigentlich hat sich im Vergleich zum zweiten Band nichts verändert, außer dass Garret an einem anderen Ort ist und es so mehr Handlung zu beschreiben gibt. Statt Ember sehnsüchtig anzustarren, denkt er nun die ganze Zeit an sie, vermisst sie wie verrückt und trauert ihr hinterher. Ember wiederum ist mir ihrer Entscheidung auch nicht glücklich. Sie hält Riley abwechselnd auf Abstand und schmachtet ihn an und versucht gleichzeitig krampfhaft, nicht an Garret zu denken, weil sie ihn dann vermisst. Und Riley ist immer noch der festen Überzeugung, dass Ember ohnehin zu ihm gehört und kann Garret selbst auf die Entfernung nicht ausstehen. Als die drei dann notgedrungen wieder aufeinander treffen, geht es mit Embers Unentschlossenheit wieder von vorne los. Das habe ich als ermüdend und nicht besonders spannend empfunden. Zumal Trauer, Sehnsucht und Besitzansprüche immer und immer wieder erwähnt werden, manchmal an den unpassendsten Stellen. Dadurch werden auch Momente mit viel Spannung, in denen es im Kampf gegen Talon und den Orden um Leben und Tod geht, von gedanklichen melancholischen Monologen unterbrochen, sodass die Spannung teilweise einfach verpufft.

Dafür fand ich, insbesondere im Vergleich zum letzten Band, die Handlung sehr gelungen. Eine enorme Vielfalt an Aktivitäten und Schauplätzen, Aus- und Rückblicken sowie Treffen mit anderen Charakteren gestaltet den Überlebenskampf der Verräter und Einzelgänger interessant, da es trotz der ewigen Flucht vor Talon und dem Orden keine Wiederholung der immer gleichen Routine ist. Die Handlung spielt verstreut über die ganze USA sowie in London, Treffen finden statt in Cafés, auf einem Sportplatz, im London Eye und in einer Kirche, die Oberhäupter von Talon und dem Sankt-Georgs-Orden werden vorgestellt, Dantes Zukunft und Garrets Vergangenheit werden beleuchtet. Trotz dieser Vielfalt reihen sich die einzelnen Sequenzen aber nicht bloß aneinander, sondern ergeben sich auseinander. Beispielsweise resultieren Garrets Observierungen in London in seine Entführung. Daraus wiederum ergeben sich ein Erholungsaufenthalt in einem Kloster sowie eine Reise in eine Bibliothek in Chicago. Während die emotionale Entwicklung der Charaktere also auf der Strecke bleibt, wird die Handlung von Garrets Abreise am Anfang bis zum dramatischen Finale ein ordentliches Stück weiter geführt.

Fazit:
Das Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Obwohl es keinen Aspekt gibt, an dem mich alles gestört hat, gibt es genauso keinen Punkt, der mir ausschließlich gefallen hat. Insgesamt hat das Buch viel Handlung, weiterführende Informationen, neue Charaktere, eine große Vielfalt an Schauplätzen und ein dramatisches Finale, aber die melancholischen Monologe der Charaktere zerstören manchmal die Spannung, das Liebesdreieck dreht sich nach wie vor bloß im Kreis, irgendwie ergibt sich aus jeder Situation ein Vorteil für Ember und ihre Freunde und der größte Knaller ist spätestens seit dem letzten Band vorhersehbar. Da mir das Buch schlussendlich zwar nicht so gut wie der erste Band, aber besser als der zweite Teil gefallen hat, vergebe ich an „Talon – Drachennacht“ vier Schreibfedern.

0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen