Sonntag, 27. November 2016

[Rezension] You’re never weird on the internet (almost) – Felicia Day



Titel: You’re never weird on the internet (almost)
Autor: Felicia Day
Verlag: Sphere
Erscheinungsdatum: 11. August 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 258
ISBN: 978-1-476785-65-3
Preis: 18,95 € [D]

Klappentext:
When Felicia Day was a girl, all she wanted was to connect with other kids (desperately). Growing up in the Deep South, where she was “home-schooled for hippie reasons,” she looked online to find her tribe. The internet was in its infancy and she became an early adopter at every stage of its growth—finding joy and unlikely friendships in the emerging digital world. Her relative isolation meant that she could pursue passions like gaming, calculus, and 1930’s detective novels without shame. Because she had no idea how “uncool” she really was.
But if it hadn’t been for her strange background— the awkwardness continued when she started college at sixteen, with Mom driving her to campus every day—she might never have had the naive confidence to forge her own path. Like when she graduated as valedictorian with a math degree and then headed to Hollywood to pursue a career in acting despite having zero contacts. Or when she tired of being typecast as the crazy cat-lady secretary and decided to create her own web series before people in show business understood that online video could be more than just cats chasing laser pointers.
Felicia’s rags-to-riches rise to internet fame launched her career as one of the most influen­tial creators in new media. Ever candid, she opens up about the rough patches along the way, recounting battles with writer’s block, a full-blown gaming addiction, severe anxiety and depression—and how she reinvented herself when overachieving became overwhelming.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Okay, langer Klappentext. Sehr langer Klappentext. Und trotzdem beschreibt er nicht einmal annähernd, was alles in diesem Buch steckt. Es ist zugleich witzig und berührend, eine Inspiration und eine Warnung, eine Autobiographie und ein Ratgeber. Und wie Joss Whedon, der unter anderem die Drehbücher für „Buffy – The Vampire Slayer“ und „The Avengers“ geschrieben hat, bereits im Vorwort ankündigt, liest sich das Buch außerdem nicht vollends ausformuliert, sondern mehr wie ein Gespräch mit Felicia Day, die über die Höhen und Tiefen ihres Lebens berichtet. Das macht diese Geschichte, unabhängig von der inhaltlichen Ebene, noch witziger. Beispielsweise hatte ich bei ihrer Beschreibung, wie sie sich selbst einen ausgestopften Weihnachtsmann kauft, aber behauptet, er sei für einen Neffen, und dabei gleichzeitig über verrückte Fans und Menschen, die sie überhaupt nicht kennen, stolpert, schon ein Grinsen im Gesicht. Wirklich zum Lachen gebracht hat mich dann aber das Ende des ersten Kapitels, an dem sie schreibt:

„I have two college degrees, but I don’t actually have a high school one.
It took writing this chapter to figure that out. Fuck.“
(S. 32)

Doch der lockere, ungezwungene Schreibstil macht das Buch nicht nur witziger, sondern auch berührender. Insbesondere die Darstellung ihrer Tiefpunkte liest sich viel persönlicher als ich erwartet habe. Die Bandbreite an Erfahrungen, die Felicia Day gemacht hat, bietet außerdem viele Möglichkeiten, sich mit ihren Erlebnissen und Gedanken zu identifizieren. Zum Beispiel gehört ein ewiger Perfektionismus zu ihren Charaktereigenschaften, der sie dazu anregt, sehr viel Energie in Dinge zu stecken, um ihren Vorstellungen gerecht zu werden. Hausgemachter Leistungsdruck lässt sie ein Projekt nach dem anderen anfangen, um jederzeit ganz oben auf jeder Welle zu schwimmen. Hinzu kommt Kontrollzwang, der sie kaum etwas von der Arbeit an andere abtreten lässt. Die Beschreibungen, wie diese ungünstige Konstellation sie immer mehr gestresst und zu depressiven und ständig ängstlichen Zuständen geführt hat, sind wirklich bewegend. Ihre Erzählungen von den nächtlichen Panikattacken und den Suizidgedanken und wie der Stress schließlich sogar zu multiplen körperlichen Erkrankungen geführt hat, gehen unter die Haut. Und unter diese ganzen Erzählungen von den schlimmsten Phasen ihres Lebens mischen sich dann immer wieder Sätze, mehr oder minder aus dem Kontext gerissen, die noch viel berührender sind als die tatsächliche Benennung ihres Zustands:

„Hey, are you feeling happy or confident? Let’s fix that!“
(S. 220)

Aber ob die Schilderungen nun lustig oder bewegend sind, zum Lachen oder zum Weinen bringen, Felicia Day lässt fast nichts einfach so stehen, sondern findet in jeder ihrer Erfahrungen etwas, das für den Leser von Wert sein kann. Dadurch macht sie aus diesem Buch viel mehr als eine Autobiographie. Manchmal formuliert sie auf Basis ihrer Erfahrungen Warnungen, beispielsweise wie gefährlich es ist, sich von Stress und Perfektionismus überwältigen zu lassen. Manchmal hat sie aufgelistet, welche Dinge ihr persönlich in bestimmten Situationen geholfen haben, sodass das Buch an diesen Stellen eine Art Ratgeber ist. Und manchmal streut sie inspirierende Sätze in ihren Text ein, die nach Motivationspostkarten klingen, vor dem Hintergrund ihrer Erzählungen aber absolut stimmig und tatsächlich ansprechend und motivierend sind.

„No matter what you feel is holding you back in life ...
you can attempt anything“
(S. 150)

Fazit:
Dieses Buch ist so viel mehr als nur eine Autobiographie. Es liest sich wie ein Gespräch mit Felicia Day, die von den Hoch- und Tiefpunkten ihres Lebens berichtet. Dabei sind Inhalt wie Wortwahl abwechselnd witzig und berührend. Und während Felicia Day viel von ihren Erfahrungen berichtet, findet sie immer eine Möglichkeit, diese Erlebnisse auch für den Leser nützlich zu machen. Ihr psychischer und körperlicher Zusammenbruch ist eine Warnung, die Beschreibung ihres Arbeitsprozesses ein Ratgeber und die Quintessenzen aus ihrem verrückten Leben sind gleichermaßen Motivations- wie Inspirationsquellen. Obwohl ich kein Gamer Girl und auch nicht wirklich ein Geek bin, hat mich „You’re never weird on the internet (almost)“ auf vielen Ebenen angesprochen und wirklich berührt, sodass ich auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern an dieses Buch vergebe.

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