Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] Das Frostmädchen – Stefanie Lasthaus



Titel: Das Frostmädchen
Autor: Stefanie Lasthaus
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 14. November 2016
Einband: Softcover
Seiten: 399
ISBN: 978-3-453317-29-1
Preis: 12,99 € [D]

Klappentext:
Als die junge Neve in einer klirrend kalten Nacht beinahe im Wald erfriert, wird sie gerade noch rechtzeitig von dem sensiblen Künstler Lauri gefunden. Aufopferungsvoll pflegt er Neve gesund, und schon bald entwickelt sich eine innige Liebe zwischen den beiden. Doch in der Nacht im Wald ist etwas mit Neve geschehen, das eine uralte Magie in ihr entfesselt hat. Eine Magie, die auch den dunklen Mächten des geheimnisvollen Winterreiches nicht verborgen bleibt – und plötzlich schweben Neve und Lauri in tödlicher Gefahr ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Nachdem ich mitbekommen habe, wie zurückhaltend und kritisch die meisten Leser das Buch bewertet haben, habe ich meine Erwartungen schon heruntergeschraubt. Aber selbst so wurden sie noch enttäuscht. Ich wollte das Buch lesen wegen der Magie, die die Winternacht in Neve entfacht, wegen der dunkeln Mächte und der tödlichen Gefahr – also wegen der angekündigten Spannung und dem Fantasy-Anteil. Letztlich bekommen habe ich eine überstürzte Liebesgeschichte und eine sich im Kreis drehende Handlung. Natürlich kommen Fantasy-Elemente in dem Buch vor, aber meist werden sie nicht erklärt, sondern müssen einfach so hingenommen werden.
Beispielsweise trifft Neve im Wald auf eine geheimnisvolle Frau, die schon bei der ersten Begegnung eine enorme Anziehungskraft auf sie ausübt, der sie unbedingt gefallen möchte und für die sie wirklich fragwürdige Dinge tut. Bis zum Schluss habe ich nicht verstanden, warum sie die Frau so anziehend findet. Dadurch waren mir die meisten Handlungen der Protagonistin völlig unverständlich. Ich konnte weder nachvollziehen noch nachfühlen, warum sich Neve teilweise wie eine hirnlose Marionette verhält. Dies und viele weitere Dinge werden für meinen Geschmack viel zu wenig erklärt. Den Höhepunkt der Erklärungslosigkeit bildet allerdings der Epilog. Im letzten Kapitel passiert einiges, bevor die Geschichte mitten in der Handlung abbricht. Im Epilog berichtet Lauri die Ereignisse ein Jahr später und tut alle Geschehnisse, die irgendwie mit Fantasy zusammenhängen, einfach damit ab, dass er es nicht versteht, aber so akzeptiert. Damit wird natürlich auch für den Leser nichts aufgelöst.

Wo die Erklärungen fehlen, wird dafür die Liebesgeschichte umso intensiver ausgewalzt. Der Klappentext verrät bereits, dass ich „schon bald“ eine Liebesgeschichte zwischen Lauri und Neve entspinnt, aber dass sie schon knutschend auf dem Sofa sitzen, nachdem sie sich gerade einmal 24 Stunden kennen, von denen sie die meiste Zeit geschlafen haben, war doch etwas extrem schnell. In dem Tempo geht es dann aber auch gleich weiter, als sie sehr kurz danach im Bett landen und nach ungefähr drei Tagen ganz sicher sind, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben.
Abgesehen von der Tatsache, dass ich das unrealistisch schnell finde, nimmt das der Geschichte auch die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Da sich Lauri und Neve vom ersten Moment an wunderschön und ganz toll finden, wiederholen sich das ganze Buch über einfach nur ihre schmachtenden Gedanken. Teilweise wird es sogar richtig kitschig. Und mehrfach verlieren die beiden sich darin, wie toll sie den anderen finden. Vermutlich ist mir das so extrem aufgefallen, weil es in dem Buch kaum Handlung gibt und dafür umso mehr Zeit für innere Monologe. Einen Großteil der Zeit verbringen Lauri und Neve getrennt voneinander und ohne Kontakt zu anderen Menschen, während sie mitten im Wald durch den Schnee stapfen, sodass zuerst seitenlang Lauris Gedanken und Gefühle geschildert werden. Im nächsten Kapitel werden dann Neves Gedanken und Gefühle berichtet und im darauf folgenden Kapitel denkt und fühlt Lauri wieder genau die gleichen Dinge, die schon zwei Kapitel vorher erzählt wurden. Und das zieht sich durch das ganze Buch, weil Lauri und Neve sich nicht langsam annähern, sondern direkt am Anfang total verliebt sind.

Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Handlungsbausteine, da die Charaktere nicht nur in der Hütte sitzen, sondern auch Dinge träumen, im Wald spazieren gehen, sich durch einen Schneesturm kämpfen, auf Wölfe treffen, sich im tückischen Schnee durch Stürze Verletzungen zuziehen, beinahe erfrieren und sich gegenseitig suchen. Außerdem träumen sie, gehen im Wald spazieren, werden von einem Schneesturm überrascht und von Wölfen angegriffen, stürzen im Schnee in eine Schlucht und verletzen sich dabei, erfrieren fast und suchen sich gegenseitig. Und dann das Ganze noch mal von vorne. Das Buch hat ohnehin schon relativ wenig Handlung, aber diese wenigen Bausteine wiederholen sich dann auch noch ständig. Im Laufe der Geschichte geraten Lauri und Neve in bestimmt fünf unterschiedliche Schneestürme, zweimal flieht Lauri vor Wölfen und stürzt dabei in eine Schlucht und mehrfach rennen beide so lange draußen im Schnee herum, dass sie fast erfroren sind. Außerdem kann Neve sich nicht entscheiden, ob sie bei Lauri bleiben will oder nicht, sodass sie sich ihm abwechselnd an den Hals wirft und wegläuft – und jedes Mal folgt er ihr in den Schnee und bringt sie wieder zurück. Erst ganz am Ende entwickelt sich die Handlung mal über die vorgefertigten Bahnen hinaus. Allerdings fangen zu dem Zeitpunkt dann die Widersprüche an, sodass es da leider trotzdem nicht interessanter wurde.

Fazit:
Das Buch war leider eine absolute Enttäuschung. Bei den Fantasy-Elementen wird an allen Ecken und Enden gespart, insbesondere bei den Erklärungen, sodass ich viele Dinge nicht nachvollziehen konnte. Dafür wird die völlig überstürzte Liebesgeschichte ausgewalzt ohne Ende mit seitenlangen Monologen, wie toll die Charaktere sich finden. Diese Monologe wiederholen sich dann auch noch ständig, so wie die Bausteine der Handlung auch. Dieselben Ereignisse, wie beispielsweise ein Schneesturm, wiederholen sich einfach immer und immer wieder. Erst ganz zum Schluss ändert sich das, allerdings fängt die Geschichte dann an, sich zu widersprechen. Die grobe Idee und der Anfang sind ganz nett, aber mit dem Rest des Buches konnte ich nichts anfangen, daher bekommt „Das Frostmädchen“ leider nur zwei Schreibfedern von mir.


Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Ahoy Jennifer,

    auf dieses Buch hatte ich mich bereits riesig gefreut, weil ich momentan auf düstere Märchenadaptionen stehe und von "Die silberne Königin" total begeistert war.

    Leider hat mich diese Geschichte enttäuscht - der Schreibstil und die winterliche Atmosphäre waren einzigartig und Neves feministische Anwandlungen fand ich großartig, aber sonst?! Nix. Für meinen Geschmack passierte einfach viel zu wenig :/

    Naja, so ist´s leider! Liebste Grüße, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2017/01/das-frostmadchen.html

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    1. Hey Mary,

      ich fand das Buch auch ziemlich langweilig. Irgendwie passierte überhaupt nichts. Und da konnte mich die winterliche Atmosphäre dann auch keinen Spaß mehr bringen. Über das gleiche Märchen habe ich danach noch ein anderes Buch gelesen, das mir auch nicht besser gefallen hat. Geht es in "Die silberne Königin" um das gleiche Märchen? Dann überlege ich mir noch mal, ob ich das wirklich lesen will. Mit der Geschichte scheine ich kein Glück zu haben.

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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    2. Ahoy Jenny,

      welches Buch denn? *neugierig*
      Ne, die silberne Königin ist märchenhaft aber ich konnte keine Märchenvorlage entdecken. Es ist wunderschön winterlich und zart, zugleich aber auch stark und bestimmt... ich kann es dir nur ans Herz legen:

      http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2016/10/die-silberne-konigin.html

      LG, Mary <3

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