Sonntag, 28. Februar 2016

[Rezension] Alba & Seven: Vertraue niemals der Erinnerung – Natasha Ngan


Titel: Alba & Seven – Vertraue niemals der Erinnerung
Autor: Natasha Ngan
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 428
ISBN: 978-3-401601-38-0
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
Alba will nur eins: endlich aus ihrem goldenen Käfig im Nordbezirk Londons ausbrechen. Als Tochter des mächtigsten Mannes des Landes ist ihre Zukunft jedoch längst vorherbestimmt. Die letzte Chance, frei zu sein, kommt in Gestalt eines jungen Diebes: Seven. Und der ist nicht nur total unverschämt, sondern auch Mitglied einer Straßengang, die mit gestohlenen Erinnerungen auf dem Schwarzmarkt handelt. Ausgerechnet ihm folgt Alba zum ersten Mal in den Süden. Doch in einer Welt, in der keine Erinnerung privat ist, bleiben auch Geheimnisse nicht lange verborgen. Geheimnisse, die Albas Leben für immer verändern, und Seven in tödliche Gefahr bringen. Die beiden müssen alles aufs Spiel setzen – ihr Leben … und ihre Liebe.

Einordnung:
Das Buch ist vermutlich kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten, Alba und Seven, erzählt. Da sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, unterschiedliche Ansichten haben und die meiste Zeit an unterschiedlichen Orten verbringen, lassen sie sich aber gut auseinander halten. Da sie jedoch auch die beiden Gegensätze der Gesellschaft repräsentieren, sowohl den reichen Norden als auch den armen Süden, ist es notwendig, detaillierte Informationen zur gesamten Welt zu liefern, die die Autorin sich ausgedacht hat. Da das Buch in sich abgeschlossen und keine Reihe ist, geschieht das aber immer wieder nicht. Die normalerweise heutzutage in drei Bänden erzählte Geschichte ist hier auf 400 Seiten gekürzt, sodass viele Details auf der Strecke bleiben. Beispielsweise wird die eigentliche Idee hinter der Geschichte, nämlich dass Erinnerungen auf Chips gespeichert werden können, so gut wie gar nicht erklärt. Wie die Erinnerungen nochmals durchlebt werden können, wird beschrieben, aber wie sie auf die Chips gelangen und wie das alles überhaupt möglich ist, wird nicht erläutert, sondern muss einfach als gegeben hingenommen werden.

Gleiches gilt für das Ende des Buches, das ziemlich abgehackt ist und einfach nur noch im Epilog als rückblickende Gedanken geschildert wird. Das Buch endet am Höhepunkt der Handlung mit der Flucht der Charaktere. An der Stelle beginnt normalerweise der zweite Band der Reihe, doch hier ist einfach mit „Drei Wochen später“ ein Epilog angeführt, der die weiteren Ereignisse und Lösungen zusammenfasst. Insgesamt ist das zu wenig, um eine Aufteilung in zwei Bände zu fordern, aber gerade das Ende hätte eine detailliertere Beschreibung verdient gehabt.

Nichtsdestotrotz ist das Buch gelungen, denn es verbindet Spannung, Witz und Authentizität. Spannend wird es vor allem dann, wenn neue Charaktere auftauchen, die Alba und Seven direkt oder indirekt helfen, weil sie selten ihre Beweggründe erläutern. Zunächst bleibt so gut wie immer offen, was es mit ihnen auf sich hat. Unter anderem daraus entsteht eine gewisse Authentizität, weil die Planungen und Bewegungen im Hintergrund viel größer und wichtiger als das Befriedigen der Neugierde zweier Teenager sind, sodass es niemand für nötig befindet, den beiden mitzuteilen, worum es geht.
Ebenfalls für sehr authentisch befinde ich die Liebesgeschichte, die das Buch natürlich hat. Sie entwickelt sich ganz langsam und allmählich. Außerdem thematisiert sie ganz nebenbei noch einige Unsicherheiten, über die normalerweise einfach hinweggesehen wird. So macht sich Alba einige Gedanken darüber, ob sie schon bereit ist, jemanden zu küssen, und was sie dabei denn bitte mit der Zunge anstellen soll. Diese für die Geschichte vollkommen irrelevanten Überlegungen wecken Sympathie für die Charaktere. Daraus entsteht aber auch der gewisse Witz des Buches, denn manchmal, wenn es innigere Momente zwischen Alba und Seven gibt, bestehen die zwei Kapitel, die das aus beiden Perspektiven beschrieben, lediglich aus den Gedanken der beiden, zusammengefasst in einem Satz, gedruckt auf eine Doppelseite. Nach vielen längeren Kapiteln war das gleichermaßen überraschend und witzig.

Fazit:
Das Buch ist größtenteils gut gelungen. Die Charaktere und die Liebesgeschichte sind authentisch, die Handlung ist spannend und die Aufmachung und Kapiteleinteilung ist teilweise wirklich witzig. Außerdem ist das Buch in sich abgeschlossen, also kein Teil einer Reihe. Dadurch ist allerdings auch weniger Platz für Details. Es fehlen einige Erklärungen oder Informationen, ohne die einige Dinge einfach hingenommen werden müssen. Besonders deutlich wird das am Ende, als die Handlung am Höhepunkt abbricht und die weitere Entwicklung und Lösung nur im Epilog kurz zusammengefasst wird. Daher bekommt „Alba & Seven“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


Samstag, 27. Februar 2016

[Rezension] Die Auserwählten: Kill Order – James Dashner



Titel: Die Auserwählten - Kill Order
Autor: James Dashner
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 28. August 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 439
ISBN: 978-3-551520-76-0
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
13 Jahre bevor Thomas ins Labyrinth kam: Unerträgliche Hitze, radioaktive Strahlen und riesige Flutwellen – das Land liegt brach. Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben. Mark und seine Freunde irren durch verlassene Städte auf der Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben können. Als sich ein Hubschrauber nähert, glauben sie an Rettung. Doch sie werden beschossen, mit infizierten Pfeilen, die einen Virus verbreiten. Wer tut den Menschen so etwas an? Mark und seiner Truppe bleibt nicht viel Zeit das herauszufinden, denn der Virus mutiert und wird zur tödlichen Gefahr ...

Einordnung:
- Kill Order (Prequel)
- Phase Null (Prequel 2)
- Im Labyrinth (Teil 1) 
- In der Brandwüste (Teil 2) 
- In der Todeszone (Teil 3) 

Rezension:
Kann Spoiler zur Trilogie enthalten!

Bei diesem Buch handelt es sich um ein Prequel zur Reihe „Die Auserwählten“ von James Dashner. Dennoch ist es empfehlenswert, die Reihe zuerst zu lesen, weil das das Verständnis enorm erleichtert. Zwar ist „Kill Order“ ein eigenständiges Buch, dessen Handlung sich bis auf Prolog und Epilog nicht mit den Geschehnissen in der restlichen Reihe überschneidet, aber bestimmte Gegebenheiten wie die Auswirkungen der Krankheit und die neue Gesellschaftsstruktur, sowie das eigentliche Ereignis der Sonneneruptionen werden meiner Meinung nach nicht ausführlich genug geschildert, um das Buch unabhängig vom Vorwissen aus der Trilogie zu verstehen. Hinzu kommt, dass das Buch einige Spoiler für die Trilogie beinhaltet, sodass die Reihe zuerst gelesen werden sollte, um das zu vermeiden.

Diese Eigenständigkeit des Buches ist auf der einen Seite durchaus positiv, weil es so nicht zu Redundanzen kommt. In diesem Buch geht es um neue Charaktere und ihre Geschichte. Nur hin und wieder finden sich Verknüpfungen zur Reihe, die detailliertere Informationen und neue Erklärungen über die Ereignisse liefern. An der Seite von Mark, dem Protagonisten, erfährt der Leser alles über das Leben ein Jahr nach den Sonneneruptionen. Es wird geschildert, wie die übrigen Menschen um ihr Überleben kämpfen, und wie die Regierung, die sich Nacheruptive Notstandskoalition nennt, vollkommen überfordert mit der Situation ist, sodass sie sich genötigt sieht, zu drastischen Mitteln zu greifen. Gemeinsam mit dem Ex-Soldaten Alec kämpft Mark nicht nur um die eigene Zukunft, sondern auch um die der gesamten Menschheit. Gleichzeitig suchen ihn, wann immer er schläft, Albträume heim, sodass der Leser die Sonneneruptionen auch direkt erfahren kann und nicht bloß ihre Auswirkungen. Mit jedem Mal, dass Mark einschläft, setzt sich sein Traum ein Stück weiter fort, sodass vom Stromausfall über die verbrannten Leichen bis hin zur Überflutung alles beschrieben wird.

Ein großer Nachteil, der durch die vollkommen neue Geschichte entsteht, ist dass die Charaktere unbekannt sind. Das scheint der Autor gerade zu Beginn weitgehend zu vergessen, denn die Figuren werden kaum eingeführt, sie handeln einfach direkt. Deshalb sind sie so blass, dass ich Schwierigkeiten hatte, sie auseinander zu halten. Erst im letzten Drittel konnte ich die Namen langsam den handelnden Figuren zuordnen und mir merken, welcher männliche Charakter Gefühle für welchen weiblichen Charakter hat. Damit einher geht auch, dass es mir schwer fiel, mit den Figuren zu leiden, obwohl sie schreckliche Dinge erleben. Die Spannung bleibt lange Zeit auf der Strecke, weil beispielsweise eine tagelange Flucht durch den Wald ohne Bindung zu den Charakteren relativ uninteressant ist.

Fazit:
Obwohl das Buch ein Prequel ist, sollte es zum besseren Verständnis und zur Vermeidung von Spoilern nach der Trilogie gelesen werden. Protagonist Mark erzählt zeitgleich von den Momenten der Sonneneruption wie vom Leben ein Jahr nach der Katastrophe. Die Geschichte ist daher absolut eigenständig und hat keine Redundanzen zur Trilogie, sondern nur einige Verknüpfungen, wenn sie genauere Erklärungen oder Details liefert. Auch die Charaktere sind neu, allerdings bleiben sie so blass, dass sie die meiste Zeit nicht auseinanderzuhalten sind. Als neue Geschichte mit vielen Erklärungen, aber blassen Charakteren und teilweise mangelnder Spannung bekommt „Kill Order“ nur drei Schreibfedern von mir.

Donnerstag, 18. Februar 2016

[Aktion] Top Ten Thursday #14 | 10 Reihen, die du gerne beginnen möchtest

Bei diesem Top Ten Thursday hatte ich ausnahmsweise wirklich Schwierigkeiten, mich für zehn Bücher zu entscheiden. Da ich Bücher von 57 noch nicht beendeten Reihen besitze und noch einige weitere auf der Wunschliste stehen habe, war die Auswahl riesig. Deshalb habe ich beschlossen, für das heutige Thema nur Reihen aufzulisten, deren erster Teil ungelesen in meinem Regal steht. Ich beziehe mich also nur auf das "Beginnen" von Reihen. Das hat mir die Auswahl ungemein erleichtert.
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
10 Reihen, die du gerne beginnen (fortsetzen / beenden) möchtest 

Meine Top Ten:







Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?
Welche Reihen wollt ihr dieses Jahr lesen?

Sonntag, 14. Februar 2016

[Rezension] Infernale – Sophie Jordan



Titel: Infernale
Autor: Sophie Jordan
Verlag: Loewe Verlag
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 380
ISBN: 978-3-785581-67-4
Preis: 17,95 € [D]

Klappentext:
Als Davy positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin?

Einordnung:
- Infernale (Teil 1)
- Infernale: Rhapsodie in schwarz (Teil 2, erscheint im Juli 2016)

Rezension:
In den letzten Tagen und Wochen gab es wohl nirgendwo keine Werbung, Gewinnspiele, Tests oder Vorabberichte über dieses Buch. Dieser Hype hat mich ebenso neugierig auf die Geschichte gemacht wie die Thematik. Leider muss ich sagen, dass das Buch nicht meinen Erwartungen entsprochen hat. Es war stellenweise sogar langweilig. Das liegt zum einen daran, dass die eigentlich Thematik „Gene vs. Umwelt“ kaum berücksichtigt wird. Hin und wieder denkt die Protagonistin Davy darüber nach, dass sie nicht so werden möchte, wie sie laut ihrer DNA wohl zu werden hat, ansonsten bekommt das Thema nur dann Beachtung, wenn wieder einmal deutlich wird, dass alle überzeugt davon sind, dass die Gene das Verhalten bestimmen.
Dass mir das Buch nicht so zugesagt hat, liegt außerdem zum anderen an den eindimensionalen Charakteren, die zusätzlich auch noch eine Menge Klischees bedienen. Ich-Erzählerin Davy wird als Wunderkind bezeichnet, weil sie eine wunderschöne Stimme hat und nebenbei auch noch beinahe jedes Instrument spielen kann. Sie hat eine Zusage von der Juilliard bekommen, ist mit dem beliebtesten Jungen der Schule zusammen und bei ihren reichen Eltern gut behütet aufgewachsen. Dementsprechend naiv und verwöhnt ist sie, sodass ihr das gesamte Buch über einfach nur Dinge zustoßen, die sie passiv erlebt, statt dass sie ihr Leben aktiv selbst in die Hand nimmt. Nachdem ihr hormongesteuerter Freund, ihre eifersüchtige beste Freundin und ihre hilflosen Eltern sie nach der Diagnose des Mördergens hängen lassen haben, muss ihre Verteidigung dann Sean übernehmen, der perfekte Bad Boy mit harter Schale und weichem Kern. Die einzige Figur, die in meinen Augen ein bisschen Tiefe hat, ist der HTS-Träger Gil, der aber zwischen den zahlreichen anderen Nebencharakteren fast untergeht. Die Farblosigkeit der übrigen Charaktere sorgt zwar nicht unbedingt für Gleichgültigkeit ihnen gegenüber, macht in Verbindung mit den Klischees aber die Handlung sehr vorhersehbar.

Hinzu kommt, dass es eine ganze Weile dauert, bis die Handlung überhaupt in Fahrt kommt. Beinahe die gesamte erste Hälfte des Buches beschäftigt sich damit, wie sich Davys Leben ändert, nachdem bei ihr HTS diagnostiziert wurde. War sie zuvor noch das beliebte Wunderkind, muss sie nach der Diagnose nicht nur ihre Schule verlassen, sondern auch den Gesangsunterricht und alle anderen Hobbies aufgeben. Dies wird jedoch nur kurz am Rande erwähnt, da der Fokus hauptsächlich darauf liegt, wie Davys Freunde und Familie auf die Nachricht reagieren. In aller Ausführlichkeit wird berichtet, wie ihr Freund damit zu kämpfen hat und wie sie für ihre beste Freundin von einem Moment auf den anderen einfach gestorben ist. Im ersten Moment sind das schreckliche Entwicklungen, die mich mit Davy haben leiden lassen, doch ziemlich schnell entsteht der Eindruck, dass ihre Freunde Davy nie wirklich mochten, sondern immer nur eifersüchtig waren, und dass ihr Freund sich nur wegen ihrer Beliebtheit und ihres guten Aussehens für sie interessiert hat. Da sie daher in meinen Augen besser ohne die anderen dran war, hat sich die Dramatik relativ schnell aufgelöst. Gleiches gilt für ihre überforderten, distanzierten Eltern, deren normales Verhalten der Leser gar nicht zu sehen bekommt, da ihr erster Auftritt direkt im Zusammenhang mit der Diagnose steht. Einzig die Verzweiflung ihres älteren Bruders Mitchell hat mich wirklich berührt, denn obwohl Davy das Wunderkind und er der Versager ist, kümmert und sorgt er sich um sie.

In der zweiten Hälfte des Buches nimmt die Handlung dann aber langsam Fahrt auf. Das Leben als HTS-Träger, das vorher schon schrecklich war, wird plötzlich lebensbedrohlich. Für Spannung sorgen vor allem die kurzen Abschnitte zwischen den einzelnen Kapiteln, die SMS-Chats, Verhörprotokolle, offizielle Dokumente und Briefe enthalten. Dadurch erhält der Leser auf der einen Seite einen Eindruck vom Rest der Welt, über den Davy nicht Bescheid weiß, auf der anderen Seite aber auch häufig Hinweise auf die kommende Handlung, denn besonders in den SMS-Chats werden nicht selten Dinge geplant, die im Folgenden eine große Rolle spielen. Es ändert sich außerdem das Setting und Davy beginnt langsam, ihr Leben zumindest ganz kurz in die eigene Hand zu nehmen, sodass ich die Hoffnung habe, dass es im zweiten Band einige aktive Entscheidungen mehr geben wird.

Fazit:
Die erste Hälfte des Buches ist relativ langweilig. Nachdem bei der Protagonistin Davy das Mördergen diagnostiziert wurde, verändert sich ihr gesamtes Leben und es wird ausführlich beschrieben, wie Freunde und Familie sie im Stich lassen. Da die blassen, klischeebehafteten Charaktere aber nahezu alle unsympathisch sind, fiel es mir schwer, Davys Leid nachzuvollziehen. Erst in der zweiten Hälfte kommt langsam Spannung auf, die vor allem durch die zwischen den Kapiteln abgedruckten SMS-Chats und offiziellen Protokolle vermittelt wird. Dass Davy außerdem endlich langsam anfängt, aktiv in die Handlung einzugreifen, macht Hoffnung für den zweiten Band. Wegen der schwachen ersten Hälfte und den eindimensionalen Klischee-Charakteren bekommt „Infernale“ jedoch nur drei Schreibfedern von mir.

Freitag, 12. Februar 2016

[Rezension] Tyrrin Hexenkater: Dieses Hutmenschen-Komplott – Platti Lorenz



Titel: Tyrrin Hexenkater – Dieses Hutmenschen-Komplott
Autor: Platti Lorenz
Illustrator: Mie Dettmann
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 14. November 2015
Einband: eBook
Seiten: 138
ISBN: -
Preis: 1,99 € [D]

Klappentext:
Tyrrin ist ein Kater und dazu ein Sonderling. Kaum hat er das Licht der Welt erblickt, dauert es nicht lang, bis er zu viel für seine eigene Familie wird. Tyrrin fällt auf, lernt lieber von Menschen als von seinesgleichen und findet seinen Platz rasch an der Seite der Menschenfrau „Old Lady“. Doch dann passiert es, dass sich auf einmal so ein „Hutmensch!“ in sein Leben schleicht und Old Lady verschwindet.

Einordnung:
- Dieses Hutmenschen-Komplott (Teil 1)
- Die Spaltlichtpost (Teil 2)

Rezension:
Wie bereits auf dem Cover angekündigt wird, handelt es sich bei diesem Buch um das erste Buch zum » Blog « des Hexenkaters Tyrrin. Die Geschichte beginnt mit Tyrrins Geburt. Als neugeborener Kater hat er noch sehr viel zu lernen, daher ist das Buch in 40 kurze Lektionen unterteilt. Da die Lektionen aber alle nahtlos aneinander anschließen, ist die Geschichte trotz der Kürze der Kapitel nicht zerstückelt oder abgehackt. Das Buch lässt sich daher sowohl am Stück als auch in kleinen Häppchen nebenbei wunderbar lesen. Der lockere, flüssige Schreibstil tut sein Übriges dazu, dass es leicht ist, am Ball zu bleiben.

Meine anfängliche Befürchtung, dass das Buch „nur“ leichte Lektüre ohne großes Ziel sein würde, hat sich nach einigen Kapiteln glücklicherweise als unbegründet herausgestellt. Nach einigen einführenden Lektionen, in denen viele Charaktere auftauchen und wieder verschwinden, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, entwickelt sich dann doch noch eine zusammenhängende Geschichte. Die Handlung gewinnt an Spannung und macht mit einem kleinen Cliffhanger neugierig auf die nächsten Lektionen aus dem zweiten Band. Außerdem verlassen die Charaktere nach und nach ihre Eindimensionalität und bekommen viel mehr Tiefe. Zu Beginn der Geschichte tauchen alle menschlichen Charaktere höchstens in einer Lektion auf, beispielsweise um Medizin oder eines von Tyrrins Geschwisterchen zu kaufen. Später treten die wichtigen Figuren, wie beispielsweise Tyrrins Besitzer Karel, immer wieder in Erscheinung, sodass der Leser sich einen genaueren Eindruck verschaffen und Sympathien entwickeln kann für den ebenso höflichen wie witzigen Tyrrin, den stotternden Karel, seine stürmische Schwester Lafenne und sogar für den mysteriösen Joscha.

Aufgelockert wird die Geschichte zusätzlich durch die Zeichnungen der Illustratorin Mie Dettmann. Bilder von Tyrrin, seinen Geschwister und einigen Menschen, denen er begegenet, sind zwischen dem Text eingefügt. Allerdings sind die Illustrationen nie größer als eine halbe Seite, sodass die Details auf meinem Reader manchmal kaum zu erkennen waren. Aus diesem Grund haben mir die kleinen Symbole am Ende jedes Kapitels, beispielsweise Eulen, Blätter, Monde oder Bonbons, in gewisser Weise sogar besser gefallen als die eigentlichen Illustrationen der Geschichte.

Fazit:
Das Buch ist unterteilt in 40 kurze Lektionen, die sich aber recht bald zu einer zusammenhängenden Geschichte entwickeln. Dadurch ist das Buch am Stück ebenso gut lesbar wie in kleinen Häppchen. Nach einigen einführenden Kapiteln entwickeln die Charaktere Tiefe und die Handlung Spannung. Das Ende macht neugierig auf den nächsten Band. Auch die Illustrationen sind gelungen, wenngleich sie mir häufig zu klein waren, da ich kaum Details erkennen konnte. Insgesamt vergebe ich an „Tyrrin Hexenkater – Dieses Hutmenschen-Komplott“ vier Schreibfedern.



Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin Platti Lorenz für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 11. Februar 2016

Neuzugänge #57


Kaum ist die letzte Prüfung vorbei, ziehen schon wieder neue Bücher bei mir ein. Das ist ebenso eine Ausrede wie der Kauf zum Semesterabschluss vor einer Woche. Aber immerhin lese ich im Moment so viel, dass die ganzen Neuzugänge nicht monatelang im Regal voll stauben.



An der Werbung für das Buch "Infernale" konnte man in letzter Zeit ja kaum vorbei kommen. Auch mich hat das Interesse gepackt, auch wenn das vermutlich eher an der Inhaltsangabe als am Hype lag. Als angehende Psychologin finde ich es sehr spannend, wie die Einflüsse von Erbgut und Umwelt in der Literatur verarbeitet werden. Daher habe ich das Buch auch direkt ausgepackt und angefangen zu lesen.
Den Rekord für die kürzeste Zeit auf meiner Wunschliste hat wohl "Alba & Seven" heute aufgestellt. Ganze zehn Tage habe ich es ausgehalten, bevor ich in eine Buchhandlung gerannt bin und es mir gekauft habe. Auch wenn der Kitsch schon aus dem Klappentext tropft, klingt die Geschichte interessant. Und ich könnte stundenlang den Buchumschlag anfassen, weil er leicht rau ist. Das ist mal ein ganz anderes Gefühl.
Beinahe hätte ich es dann geschafft, die Buchhandlung zu verlassen, obwohl ich noch Dutzende andere Bücher aus dem Regal gezogen habe. Letztlich habe ich sie alle auf später vertröstet, nur "Die Seiten der Welt" wollte einfach unbedingt mit. Im März erscheint, wenn ich das richtig im Kopf habe, der dritte Teil der Reihe, also muss ich die ersten beiden Bände jetzt schleunigst lesen, damit ich dann auf dem aktuellen Stand bin. Hoffentlich gefällt mir dieses Buch von Kai Meyer genauso gut wie seine anderen.

Samstag, 6. Februar 2016

[Rezension] Masterminds: Im Auge der Macht – Gordon Korman



Titel: Masterminds – Im Auge der Macht
Autor: Gordon Korman
Verlag: Beltz & Gelberg Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 263
ISBN: 978-3-407745-94-1
Preis: 12,95 € [D]

Klappentext:
Serenity in New Mexico: 185 Einwohner, keine Kriminalität, Arbeit für jeden, die perfekte Idylle! Eli kann sich nicht vorstellen, jemals irgendwo anders zu leben. Bis zu dem Tag, als er die Stadtgrenze überquert und aus heiterem Himmel unter Schmerzen zusammenbricht. Wer hindert Eli daran, die Stadt zu verlassen und wieso? Serenity entpuppt sich als perfides Gefängnis und Eli und seinen Freunden wird klar: Sie schweben in Lebensgefahr ...

Einordnung:
- Im Auge der Macht (Teil 1)
- Criminal Destiny (Teil 2, dt. Titel unbekannt)

Rezension:
Auch ohne den Klappentext gelesen zu haben, ist relativ schnell zu durchschauen, dass in der Stadt Serenity, in der die Geschichte spielt, irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Schon in den ersten Kapiteln wird deutlich, dass dafür, dass in der Stadt angeblich alle ehrlich sind, die Lügen an ziemlich vielen Ecken zu finden sind. Dass der Leser schneller einen Überblick über all die Dinge hat, die in Serenity „faul“ sind, wie Randy so schön sagt, liegt daran, dass die Geschichte aus fünf unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird: Eli, Tori, Amber, Malik und Hector berichten immer abwechselnd. Dadurch, dass nach und nach jedem von ihnen andere Ungereimtheiten auffallen, sammeln sich die Verdachtsmomente beim Leser schnell an, während sich die Kinder erst einmal überwinden müssen, sich gegenseitig anzuvertrauen, dass sie sich mit zwei wichtigen Grundwerten der perfekten Stadt Amerikas nicht identifizieren: Zufriedenheit und Ehrlichkeit. Nichtsdestotrotz ist das Buch wirklich spannend, denn obwohl schnell deutlich wird, was in Serenity nicht stimmt, bleibt lange Zeit ungewiss, warum das so ist. Das macht neugierig.

Dies und die Perspektivenwechsel haben dazu beigetragen, dass ich geradezu durch die Seiten geflogen bin. Da die fünf Schüler, aus deren Perspektiven berichtet wird, in ihrem alltäglichen Leben alle unterschiedliche Puzzlestücke des Rätsels um Serenity finden, wird schon bei der Vorstellung der Charaktere die Handlung ordentlich vorangetrieben. Diese Geschwindigkeit hält sich das ganze Buch über, weil der Autor mögliche langweilige Passagen, die für die Handlung irrelevant sind, einfach überspringt. Stattdessen beschreibt er dramatische Wendungen und schafft es auch problemlos, die Spannung aufrecht zu erhalten, als endlich die entsetzliche Wahrheit offenbart wird. Obwohl die Erklärung, die ich mir überlegt habe, in die richtige Richtung ging, ist das wahre Ausmaß der Verschwörung noch viel größer und schrecklicher als erwartet. Ich musste das Buch in einem Rutsch durchlesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Gerade gegen Ende, als immer weniger Seiten übrig waren, habe ich immer schneller gelesen und die Charaktere angefeuert, schneller zu rennen. Ich bin das Gefühl nicht losgeworden, dass zu wenige Seiten für ein Happy End übrig waren.

Das tatsächliche Ende des Buches war zunächst mein einziger Kritikpunkt an dem Buch. Es gibt natürlich hin und wieder unrealistische Momente in der Geschichte, aber die sind selten und schnell vorbei. Wirklich gestört hat mich nur das abrupte Ende. Nach einem letzten Zielsprint rauscht die Handlung dann einfach gegen eine Wand und ist zu Ende. Allerdings habe ich nach einiger Recherche herausgefunden, dass das Buch nur der Auftakt einer Reihe ist. Der zweite Teil ist vor fünf Tagen im englischen Original erschienen. Das rechtfertigt das plötzliche Ende mit den mangelnden Reaktionen der anderen Charaktere und den fehlenden Zukunftsperspektiven. Wenn es als Teil einer Reihe betrachtet wird, ist das Buch gut in sich abgeschlossen. (Ich erwähne das hier extra, weil alle anderen Blogger, von denen ich weiß, dass sie auch ein Rezensionsexemplar erhalten haben, ebenfalls nicht wussten und teilweise bis jetzt nicht wissen, dass es sich bei „Masterminds“ um eine Reihe handelt.)

Fazit:
Das Buch wird aus fünf unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Dadurch, dass jeder Erzähler ein anderes Puzzlestück des Rätsels um die Stadt Serenity findet, hat die Geschichte von Anfang an eine hohe Geschwindigkeit. Diese hält sich über das gesamte Buch und wird zum Schluss sogar noch gesteigert. Aber nicht nur die Spannungskurve, auch die Idee hinter der Geschichte ist gelungen und die Wahrheit ist noch viel schrecklicher als vermutet. Nachdem ich herausgefunden habe, dass es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt, bin ich auch mit dem abrupten Ende zufrieden, das die Spannung für den zweiten Teil aufrechterhält. Als rundum gelungenes Buch bekommt „Masterminds – Im Auge der Macht“ fünf Schreibfedern.



Ich bedanke mich ganz herzlich beim Beltz Verlag und bei Bloggdeinbuch für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 5. Februar 2016

[Rezension] Das Labyrinth ist ohne Gnade – Rainer Wekwerth



Titel: Das Labyrinth ist ohne Gnade
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 335
ISBN: 978-3-401067-90-2
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Sie sind nur noch zu dritt und sie sind geschwächt. Aber sie wollen überleben – um jeden Preis. Zweifel überschatten den Kampf gegen das Labyrinth, das mit immer neuen Mysterien für die Jugendlichen aufwartet. Ihr mühsam erworbener Teamgeist scheint nicht zu brechen, doch lohnt sich für Jeb, Jenna und Mary der gemeinsame Kampf, wenn nur einer von ihnen überleben kann? Die entscheidende Frage aber wagt niemand zu stellen: Was erwartet den letzten Überlebenden hinter dem sechsten Tor?

Einordnung:
- Das Labyrinth erwacht (Teil 1) 
- Das Labyrinth ist ohne Gnade (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Der dritte und letzte Band der Reihe zieht sich besonders zu Beginn ein wenig, weil die Handlung in etwa genauso schnell (oder langsam) voranschreitet wie in den vorherigen Büchern, nur dass nur noch aus drei Perspektiven berichtet wird. Daher doppeln sich die Erzählungen hin und wieder, weil alle Gegebenheiten aus zwei oder manchmal sogar allen drei Perspektiven erzählt werden. Das gibt sich aber relativ schnell, denn die Charaktere sind nicht immer gemeinsam unterwegs und für die beiden letzten Welten sind außerdem weniger Seiten vorgesehen, da schließlich auch der Abschluss nach dem letzten Tor noch erzählt werden muss. Es ist daher relativ bald wieder deutlich zu spüren, wie gehetzt und gestresst die Charaktere sind und welche Spuren die vergangenen Tage bei ihnen hinterlassen haben. Darum macht es auch nichts, dass wegen der wenigen übrigen Charaktere keine richtige Spannung mehr aufkommt im Kampf um die Tore. Obwohl mir gleichgültig gewesen ist, wer letztendlich gewinnen würde, hatte ich aber trotzdem die Möglichkeit, noch einmal mit allen zu leiden.

Dieser Band bringt dann auch endlich die ersehnten Erklärungen für das Labyrinth und die gesamten merkwürdigen Vorkommnisse. Der Hintergrund ist wirklich gut durchdacht, auch wenn ich schon geahnt habe, worauf es hinauslaufen würde. Für fast alle seltsamen Geschehnisse werden in diesem Buch Gründe angegeben, die auch tatsächlich nachvollziehbar sind. Nur, warum es sich um ein Labyrinth handelt bzw. warum dieser Abfolge von Welten der Name „Labyrinth“ gegeben wurde, verstehe ich nach wie vor nicht. Insgesamt kann ich im Grunde gar nichts zur Auflösung verraten, ohne zu spoilern, aber ich kann sagen, dass ich zufrieden bin mit den Dingen, die der Autor sich ausgedacht hat.

Zumindest war ich zufrieden, bis ich den Epilog gelesen habe: eine einzelne Seite, als das Buch eigentlich schon beendet war. Das hat es mir zum Schluss dann noch einmal ordentlich verdorben, weil ich offene Enden wirklich nur sehr ungern lese. Ich möchte mir nicht mein eigenes Ende ausdenken, ich möchte wissen, wie die Geschichte tatsächlich endet. Daher lässt mich der Epilog, nachdem ich eigentlich mit der Reihe abgeschlossen hatte, jetzt doch unzufrieden zurück. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass sich der Autor nicht von dem aktuellen Trend, beendete Reihen doch noch fortzusetzen, anstecken lässt, denn bis auf den Epilog ist das Ende genau so, wie es in meinen Augen zu sein hat.

Fazit:
Der Spannung geht in diesem Buch ebenso die Luft aus wie den Charakteren. Dennoch ist dieser letzte Band nicht langweilig, denn aus dem Kampf gegen das Labyrinth wird für die übrigen Charaktere bloß ein Kampf gegen sich selbst. Bis zum Schluss und darüber hinaus konnte ich mit ihnen leiden. Außerdem löst dieses Buch endlich die Mysterien des Labyrinths auf und erklärt von den Welten über die Tore bis zu den Seelentrinkern so gut wie alles. Der einzige große Kritikpunkt, den ich an dem Buch habe, ist der Epilog. In diesem wird aus der gut durchdachten, sinnvollen Auflösung plötzlich ein offenes Ende. Weil mich dieses offene Ende dann jetzt doch noch unzufrieden zurücklässt, bekommt „Das Labyrinth ist ohne Gnade“ nur vier Schreibfedern von mir.

Mittwoch, 3. Februar 2016

[Rezension] Das Labyrinth jagt dich – Rainer Wekwerth



Titel: Das Labyrinth jagt dich
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. August 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 344
ISBN: 978-3-401067-89-6
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Fünf Jugendliche. Sie haben gekämpft, sich gequält und zwei Welten durchquert, um die rettenden Tore zu erreichen. Und wieder stellt sie das Labyrinth vor unmenschliche Herausforderungen, denn auch in der neuen Welt ist nichts, wie sie es kannten. Sie sind allein mit ihrer Vergangenheit, ihren Ängsten, ihren Albträumen. Neue Gefahren erwarten sie, aber letztendlich entpuppt sich etwas Unerwartetes als ihr größtes Hindernis: die Liebe. Jeder von ihnen mag bereit sein, durch die Hölle zu gehen, doch wer würde das eigene Leben für seine Liebe opfern?

Einordnung:
- Das Labyrinth erwacht (Teil 1) 
- Das Labyrinth jagt dich (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem ich sie im letzten Teil noch so gelobt habe, sind mir in diesem Band selbst meine Lieblingscharaktere unsympathisch geworden. Natürlich entwickeln sie sich die Jugendlichen alle weiter und die schrecklichen Erlebnisse, die das Labyrinth sie zu durchleben zwingt, hinterlassen Spuren, aber nun verschwinden sich bei allen Figuren, die ich vorher mochte, die Eigenschaften, für die ich sie mochte.
León ist ein Beispiel für einen enormen Wandel. Im ersten Band noch Einzelgänger, der sich nur auf die Gruppe eingelassen hat, weil sie ihn schützen kann, übernimmt er in diesem Buch mehr Verantwortung für andere und lernt die Gesellschaft der anderen zu schätzen. Das hat mir noch gut gefallen, aber leider machen ihn seine Gefühle für Mary im weiteren Verlauf zu einem totalen Weichei. Von dem harten Kämpfer bleibt nichts mehr übrig, weil er ständig damit beschäftigt ist, ihr zu gefallen.
Einen fast gegenteiligen Wandel macht dagegen Mischa durch. Nachdem er im vorherigen Band noch immer freundlich war, sich in den Dienst der Gruppe gestellt hat und für seine offensichtlich unerwiderten Gefühle für León mein ganzes Mitleid hatte, wird er in diesem Buch ein gefühlloser Mistkerl. Er lügt und betrügt und sieht plötzlich die gesamte Gruppe als seine Gegner an.
Den besonnenen, ruhigen, optimistischen Jeb erwischt es in der ersten Welt in diesem Buch besonders heftig. Obwohl die Veränderungen, die er zum Glück nur vorübergehend durchmacht, für mich am nachvollziehbarsten sind, ging mir sein Jammern relativ bald trotzdem auf die Nerven. Aus seiner Perspektive hätte durchaus seltener berichtet werden können.
Jenna und Mary waren mir im ersten Teil noch am wenigsten sympathisch. Da Jenna die einzige Figur ist, die sich auch im zweiten Teil kaum verändert, mag ich sie in diesem Buch jetzt aber fast am liebsten. Mit Mary weiß ich dagegen inzwischen gar nichts mehr anzufangen. Sie wechselt ständig zwischen dem zerbrechlichen Mädchen und der zähen jungen Frau hin und her. Häufig kämpft sie, bricht dann aber genau im richtigen Moment zusammen, dass jemand kommt, um ihr zu helfen. S­ie ist stärker als im letzten Buch, kann aber das Image der zerbrechlichen Heulsuse, die unbedingt beschützt werden will, trotzdem nie ganz ablegen. Daher gefällt sie mir schon besser als im letzten Buch, aber Sympathie ist etwas anderes.

Doch nicht nur die Charaktere, auch die Handlung an sich gefällt mir weniger. Sie gleich den Geschehnissen aus dem ersten Buch viel zu sehr. Grundsätzlich ist das positiv, weil das natürlich für eine Grundspannung sorgt. Auf dem Weg zu jedem Tor stellt sich die altbekannte Frage, wer es dorthin schaffen und in die nächste Welt gelangen wird. Immer ist unsicher, welche Figur diesmal zurückbleiben muss. Und das wird von Tor zu Tor grausamer, weil die bisher Überlebenden immer enger miteinander verbunden sind. Allerdings ist das auch in diesem Buch wieder alles, was passiert. Langsam frage ich mich, ob es in der Reihe überhaupt um etwas anderes geht als darum, um die Charaktere zu bangen und ihnen nach und nach beim Sterben zuzusehen, bis nur noch einer von ihnen übrig ist. Nicht, dass das nicht spannend wäre, allerdings habe ich mehr Hintergrund hinter der Geschichte erwartet.

Mit diesem Hintergrund fehlen auch viele Informationen. Während die Charaktere in jeder Welt immer wieder dem Stern hinterher jagen, geschehen eine Menge merkwürdige, für die reale Welt unlogische Dinge, für die es nach wie vor keine Erklärung gibt. Bereits im ersten Buch sind schon unheimliche Wesen in Erscheinung getreten und Dinge aus dem Nichts aufgetaucht. Da gesellen sich jetzt noch Halluzinationen und andere merkwürdige Ereignisse hinzu, während das Labyrinth und die Realität immer mehr zu verschmelzen scheinen. Doch es gibt nach insgesamt mehr als 700 Seiten noch immer keinen Hinweis darauf, worum es überhaupt geht, wer dahinter steckt und wo sich die Charaktere befinden. Zumindest einige Andeutungen wären schön gewesen, um nicht alle Ereignisse einfach so hinnehmen zu müssen. Vermutlich wird da im dritten Teil noch sehr viel aufgeklärt, allerdings ist es meines Wissens doch eher unüblich, den Leser gleich zwei Bücher lang komplett in der Luft hängen zu lassen. Mir persönlich ist das jedenfalls deutlich zu lang.

Fazit:
Leider ist das Buch ein typischer Mittelteil. Die Charaktere durchqueren zwar auch hier wieder zwei Welten, verlieren Freunde und kämpfen um ihr Leben, es gibt aber nach wie vor keinerlei Informationen über die Hintergründe. Im Grunde ist das Buch bloß eine Neuauflage des ersten Teils mit zwei Charakteren weniger. Weder die Hintergründe noch die widernatürlichen Geschehnisse werden in irgendeiner Weise erläutert. Hinzu kommt, dass so gut wie alle Charaktere alle Eigenschaften verlieren, die ich an ihnen geschätzt habe. Sie werden entweder zu Weicheiern oder zu Mistkerlen der unsympathischen Sorte. Da das Buch aber trotzdem in gewisser Weise immer noch spannend ist, weil die Jagd nach den Toren ungebremst weiter geht, bekommt „Das Labyrinth jagt dich“ noch drei Schreibfedern von mir.

Dienstag, 2. Februar 2016

Neuzugänge #56


Letzte Woche kam mit einem Rezensionsexemplar schon wieder ein Neuzugang bei mir an. Und da sich ein Buch allein so einsam fühlt, sind auch gleich noch zwei weitere Bücher bei mir eingezogen. Meine Ausrede lautet: Semesterabschluss. Und immerhin sind es Bücher von der Wunschliste geworden und keine Spontankäufe.



Aus Zeitmangel beschäftige ich mich in letzter Zeit tatsächlich mit Leseproben, bevor ich mich auf Leserunden- oder Rezensionsexemplare bewerbe. Auf Bloggdeinbuch bin ich dabei auf "Masterminds - Im Auge der Macht" aufmerksam geworden. Das Buch klingt wirklich interessant, ist aber überraschend dünn. Ich werde mich darauf stürzen, sobald ich die Zeit finde.
Schon lange auf meiner Wunschliste stand dagegen "Kill Order". Die Maze Runner Bücher haben mir nicht so gut gefallen wie die bisherigen Filme, aber das lag vermutlich mehr an der Übersetzung als an der Geschichte. Daher bin ich sehr gespannt auf das Buch, auch wenn es eigentlich kein Teil der Reihe ist, sondern nur ein Prequel. Von der Seitenzahl her lohnt es sich auf jeden Fall, das Geld für diese Zusatzgeschichte auszugeben, da das Buch genauso dick ist wie die Bücher der Reihe.
Als letztes hat es dann auch "Nightmares - Die Stadt der Schlafwandler" noch auf meinen SuB geschafft. Den ersten Teil habe ich erst vor Kurzem gelesen und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Cover, Buchrücken und Buchschnitt liebe ich jetzt schon, denn es ist alles grün! Leider musste ich aber feststellen, dass die Schrift auf diesem Buch im Dunklen nicht leuchtet. Schade, ich hatte mich schon auf ein leuchtendes Bücherregal gefreut.

Montag, 1. Februar 2016

[Statistik] Januar 2016

Huch, da ist der Monat schon vorbei. Angefangen hat er ziemlich gut, da ich in der einen freien Woche am Anfang schon zwei Bücher gelesen habe. Dann ging es etwas schleppender weiter und zuletzt habe ich nur noch die Prüfungsvorbereitung im Kopf gehabt, sodass ich es nicht einmal mehr geschafft habe, die Rezension zum vierten gelesenen Buch zu schreiben. Es kann also nur besser werden! Zumindest lesetechnisch. Mein SuB beschwert sich schon jetzt ganz ordentlich. Diesmal sind es aber auch wirklich viele Neuzugänge geworden...


Neuzugänge:

- "Humpelgreed" von August Gral [Kauf]
- "Phoenix - Tochter der Asche" von Ann-Kathrin Karschnick [Kauf]
- "Phoenix - Erbe des Feuers" von Ann-Kathrin Karschnick [Kauf]
- "Farben der Liebe" von der Kuschelgang [Kauf]
- "Es duftet nach Liebe" von der Kuschelgang [Kauf]
- "Das verbotene Eden - Logan und Gwen" von Thomas Thiemeyer [Kauf]
- "Das verbotene Eden - Magda und Ben" von Thomas Thiemeyer [Kauf]
- "Das Labyrinth jagt dich" von Rainer Wekwerth [Kauf]
- "Das Labyrinth ist ohne Gnade" von Rainer Wekwerth [Kauf]
- "Talon - Drachenherz" von Julie Kagawa [Rezensionsexemplar]
- "Mythos Academy - Frostkuss" von Jennifer Estep [Geschenk]
- "Mythos Academy - Frostfluch" von Jennifer Estep [Geschenk]
- "Mythos Academy - Frostherz" von Jennifer Estep [Geschenk]
- "Mythos Academy - Frostglut" von Jennifer Estep [Geschenk]
- "Mythos Academy - Frostnacht" von Jennifer Estep [Geschenk]
- "Mythos Academy - Frostkiller" von Jennifer Estep [Geschenk]

Gesamtanzahl: 16 Bücher




Gelesen und rezensiert:

- "Talon - Drachenherz" von Julie Kagawa (540 Seiten) [3/5]
- "Nightmares - Die Schrecken der Nacht" von Jason Segel und Kirsten Miller (377 Seiten) [4/5]
- "Das Labyrinth erwacht" von Rainer Wekwerth (406 Seiten) [5/5]

Bücher insgesamt: 3 Bücher
Seiten insgesamt: 1323 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 4 von 5 Schreibfedern



Highlight des Monats:


Das Buch war wirklich atemberaubend spannend. Die Geschichte hat mich so gefesselt, dass ich mir den Rest der Reihe unbedingt sofort kaufen musste. Es hat jetzt schon das Potenzial, mein Jahreshighlight zu werden. Absolut empfehlenswert!


Enttäuschung des Monats:

Nach der Bewertung gab es keine Enttäuschung, da kein Buch weniger als drei Schreibfedern bekommen hat. Dennoch hatte ich mir von "Talon - Drachenherz" mehr erhofft. Der zweite Band der Reihe hat sich unglaublich gezogen und das Liebesdreieck wurde irgendwann langweilig.