Sonntag, 31. Juli 2016

Neuzugänge #65


Kurz vor Ende des Monats habe ich noch einmal Neuzugänge zu verzeichnen. Da ich momentan im Urlaub bin, dauert es auch noch eine Weile, bis ich das nächste Mal neue Bücher kaufe oder bekomme. Mein SuB ist sehr erfreut.


Als Belohnung für meine geschriebene Klausur habe ich mir schon vor fast einer Woche "GoodDreams" gekauft. Die ersten Seiten sind auch schon gelesen. Bisher klingt es sehr interessant, auch wenn es ziemlich viele Charaktere sind. Ich hoffe, dass ich es in der nächsten Woche beenden kann.
Vom Bloggerportal habe ich außerdem "Battle Island" als Rezensionsexemplar bekommen. Die Laura-Reihe des Autors Peter Freund habe ich als Kind verschlungen. Daher stand fest, dass ich dieses Buch auch auf jeden Fall lesen muss. Das ist dran, sobald ich "GoodDreams" beendet habe. Da freue ich mich schon sehr drauf!

Dienstag, 19. Juli 2016

[Rezension] Numbers: Den Tod im Blick – Rachel Ward



Titel: Numbers – Den Tod im Blick
Autor: Rachel Ward
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 24. April 2012
Einband: Softcover
Seiten: 363
ISBN: 978-3-551311-51-1
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Er hatte sie auch. 08122010. Seine Zahl. Irgendwas würde mit diesen Leuten passieren. Heute. Hier.
Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn sie markiert den Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird. Also meidet Jem Menschen. Doch dann lernt sie Spinne kennen – und ist glücklich, zum ersten Mal. Bis bei einem Trip zum Londoner Riesenrad etwas Schreckliches passiert: Um sie herum haben alle dieselbe Zahl ...

Einordnung:
- Den Tod im Blick (Teil 1)
- Den Tod vor Augen (Teil 2)
- Den Tod im Griff (Teil 3)

Rezension:
Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, weil mich der Klappentext wirklich angesprochen hat. Nachdem ich es jetzt beendet habe, muss ich sagen: Das Buch ist bisher mein Flop des Jahres. Abgesehen von Klappentext und Cover hat mir hier wirklich gar nichts gefallen. Vom Schreibstil über die Handlung bis zu den Charakteren bin ich absolut enttäuscht von der Niveaulosigkeit dieses Buches.

Als ich mir das Cover auf der Seite des Verlages heruntergeladen habe, habe ich gesehen, dass es Unterrichtsmaterialien zu diesem Buch gibt, sodass es offensichtlich als als Schullektüre geeignet eingestuft wurde. Ich muss ehrlich sagen, dass ich meine Kinder dieses Buch nicht lesen lassen würde. Es ist ein Musterbeispiel an schlechtem Vorbild. Für die fünfzehnjährige Protagonistin Jem ist es völlig normal, zu rauchen und die Schule zu schwänzen. Zwar nimmt sie selbst keine Drogen, da ihre Mutter an einer Überdosis gestorben ist, doch ihr Freund Spinne raucht mindestens Gras. Mit der Schulunlust geht außerdem ein absolut niveauloser Ausdruck (das am häufigsten benutzte Wort ist vermutlich „Scheiße“) und eine geradezu unverschämte Respektlosigkeit gegenüber jeglichen anderen Menschen einher.
Es bleibt jedoch nicht nur bei sozialer Inkompetenz. Jem bringt außerdem ein Messer mit zur Schule und bedroht einen Mitschüler. Die anschließende Suspendierung vom Unterricht gefällt ihr richtig gut, sodass das tatsächlich eine Möglichkeit zu sein scheint, dem verhassten Unterricht zu entkommen. Sie flüchtet vor der Polizei und macht absichtlich Falschaussagen. Gemeinsam mit Spinne stiehlt sie Geld und Autos, fährt ohne Führerschein herum, lügt und betrügt ohne schlechtes Gewissen und hat zu allem Überfluss auch noch Sex ohne Kondom. Es hätte ein sehr lehrreiches Buch sein können, wenn nicht beinahe alle dieser Fehltritte ohne jegliche Konsequenz geblieben wären. Doch irgendwie kommt Jem mit allem durch, auch wenn sie jedes Gesetz doppelt und dreifach bricht. Das einzig Positive an ihrer Einstellung und ihrem Verhalten ist, dass sie nicht rassistisch ist, denn während sie ein weißes Mädchen ist, ist Spinne ein Schwarzer.

Besonders der eben erwähnte Ausdruck hat es mir wirklich schwer gemacht, dieses Buch zu lesen. Es muss nicht immer alles anspruchsvoll sein. Es ist schön, auch mal Protagonisten zu haben, die die unteren Bildungsklassen repräsentieren. Aber die Sprache ist dermaßen niveaulos, ordinär und vulgär, dass ich nach 30 Seiten schon keine Lust mehr hatte, die Geschichte noch weiter zu lesen. Der Wortschatz der Protagonistin besteht nur aus Schimpfwörtern, jeder wird mit „Hey, Mann“ angesprochen, die Antwort auf alles ist „Verpiss dich“ und jeder Satz, in dem nicht mindestens einmal das Wort „Scheiße“ vorkommt, ist ein schlechter Satz. Da Jem das ganz Buch über aus der Ich-Perspektive erzählt und gleichzeitig den Leser immer wieder direkt anspricht, haben auch die Sätze außerhalb der Dialoge nicht viel mehr Niveau. Das ist wirklich richtig, richtig anstrengend zu lesen.

Außerdem ist das Buch überhaupt gar nicht spannend. Der Klappentext klingt dramatisch und macht Vorfreude auf viele Probleme und mitreißende Szenen. Darauf habe ich allerdings bis zum Schluss vergeblich gewartet. Das schreckliche Ereignis, das im Klappentext angekündigt wird, ist nach 80 Seiten bereits vorbei. Ab da ist ein Kapitel langweiliger als das andere. Jems Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, rückt vollkommen in den Hintergrund. Stattdessen geht es nur noch um zwei jugendliche Ausreißer, die auf der Flucht vor der Polizei abwechselnd mit gestohlenen Autos im Kreis fahren, weil sie nicht in der Lage sind, eine Straßenkarte zu lesen, oder den ganzen Tag jammernd und nörgelnd zu Fuß durch die Gegend marschieren. Die wenigen Dinge, die im Anschluss an die 200-seitige Wanderung voll Gejammer noch geschehen, sind außerdem absolut vorhersehbar, sodass das Buch an keinem Punkt überraschen kann.

Fazit:
Bei diesem Buch stimmt wirklich nichts. Die Protagonistin und ihr Freund sind unglaublich unsympathisch, sodass ich mich teilweise sogar vor ihnen geekelt habe. Schlechtere Vorbilder lassen sich schwerlich finden. Niveauloser Ausdruck, Respektlosigkeit, vulgäre Sprache und eine dauerhafte Aneinanderreihung von Schimpfwörtern zerstören jegliches Lesevergnügen. Nach 30 Seiten hatte ich keine Lust mehr. Ich habe das Buch trotzdem beendet und mich dabei nicht nur über den Stil geärgert, sondern auch gelangweilt, weil die meiste Zeit überhaupt nichts passiert und der Rest der Handlung bis ins letzte Detail vorhersehbar ist. „Numbers – Den Tod im Blick“ kann ich beim besten Willen nicht mehr als eine Schreibfeder geben.

Montag, 18. Juli 2016

[Rezension] Die Rebellion der Maddie Freeman – Katie Kacvinsky



Titel: Die Rebellion der Maddie Freeman
Autor: Katie Kacvinsky
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 366
ISBN: 978-3-414823-00-7
Preis: 15,99 € [D]

Klappentext:
Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17, lebt wie alle um sie herum ein digitales Leben. Schule und Verabredungen – das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin – für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben – und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen?

Einordnung:
- Die Rebellion der Maddie Freeman (Teil 1)
- Maddie: Der Widerstand geht weiter (Teil 2)
- Maddie: Immer das Ziel im Blick (Teil 3)

Rezension:
Zum ersten Mal bin ich froh, einer Rezension keine eigene Zusammenfassung des Inhalts voranzustellen. Denn in diesem Fall wäre das einfach bloß eine Wiederholung des Klappentexts. Mehr passiert in diesem Buch nicht. Eigentlich passiert sogar noch weniger, denn obwohl ihr das alle einreden wollen, ist Maddie keinesfalls eine Schlüsselfigur in der Geschichte. Die meiste Zeit läuft die Rebellion gegen die digitalisierte Welt vollkommen an ihr vorbei, es gibt bloß zwei Ausnahmen. Einmal ist sie dabei, als ein Junge gerettet wird, der gegen das System der Digital School aufbegehrt hat und für eine Gehirnwäsche in eine Jugendstrafanstalt gebracht werden soll. Doch in der ganzen Szene sitzt Maddie bloß jammernd auf dem Beifahrersitz eines Sportwagen-Amphibienfahrzeug-U-Boot-Mix, trägt also aktiv überhaupt nichts bei. Diese Aktion hätte auch sehr gut ohne sie funktioniert. In der anderen Situation meldet sie sich freiwillig, um einigen eingekesselten Demonstranten zu Hilfe zu kommen – schließlich ist sie die Tochter des Begründers der Digital School, sie kennt ihn, sie weiß, was sie tun muss, sie ist die einzige, die den Demonstranten helfen kann. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass sie auf einen Knopf drückt. Das hätte wirklich auch jede andere Figur tun können. Darüber hinaus ist auch die Behauptung, ihr Wissen um die Passwörter und Daten auf dem Computer ihres Vaters sei von unschätzbarem Wert für die Rebellion, maßlos übertrieben. Schließlich begehren immer mehr Menschen gegen die Digital School auf und es soll eine Abstimmung darüber geben, ob die Gesetze verändert werden. Es läuft alles, ohne dass Maddie auch nur einen Finger rührt. So wichtig kann sie also nicht sein.

Da trotz dieser nicht vorhandenen Handlung trotzdem irgendwie 360 Seiten gefüllt werden mussten, geht es die meiste Zeit um die Liebesgeschichte. Das erste Mal begegnen sich Maddie und Justin im echten Leben im zweiten Kapitel und sofort beschreibt Maddie ihn als „Sexgott mit magnetischer Ausstrahlung“ (Seite 20). Von der ersten Sekunde an ist sie vollkommen verliebt in ihn. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er sie höflich auf Distanz hält – obwohl natürlich mehr als offensichtlich ist, dass er sich genauso in sie verliebt hat. Der Rest des Buches befasst sich damit, jede Begegnung der beiden zu schildern und alle Tage zu überspringen, in denen Justin nicht in der Stadt ist. Wann immer sie sich sehen, schmachtet Maddie ihn so sehr an, dass es schon an Peinlichkeit grenzt. Jede Szene läuft darauf hinaus, dass sie seinen perfekten Körper ansabbert. Und dann ist das Buch zu Ende. Im Grunde handelt es sich also nicht um eine spannende Dystopie, in der sich die Protagonistin eben auch verliebt, sondern um eine schnulzige Liebesgeschichte, die in einer dystopischen Welt spielt.

Die wenigen Einblicke, die es in die Struktur dieser Welt gibt, sind aber leider alles, was mir an diesem Buch gefallen hat. Auch wenn ich den Weg hin zu dieser extremen Form der digitalisierten Welt gestelzt und konstruiert finde, gefällt mir das Endergebnis sehr gut. Es ist eine schreckliche, um nicht zu sagen entsetzliche Welt, aber es handelt sich schließlich nicht umsonst um eine Dystopie. In dieser Zukunftsversion ist es nicht nur so, dass Schule, Verabredungen und alle anderen gesellschaftlichen Anlässe online stattfinden, sodass jeder Mensch in die soziale Isolation getrieben wird. Es gibt auch keine echten Bücher mehr, weil jeder nur noch digital liest – wenn überhaupt selbst gelesen wird, beinahe jeder lässt sich das Buch von einem Programm vorlesen. Im Grunde gibt es also nur noch Hörbücher. Da das zum Teil an der immer geringer werdenden Anzahl an Bäumen liegt, bedeutet es gleichzeitig, dass es auch kein Papier mehr gibt. Und ohne Papier sind auch Stifte überflüssig. Noch lernen die Kinder zwar, mit der Hand zu schreiben, aber es wird schlichtweg nie gebraucht. Jede Nachricht, jede Notiz, einfach alles wird nur noch getippt. In dieser schaurigen Welt möchte ich wirklich nicht leben. Schade, dass Maddie zu beschäftigt damit ist, Justin anzuschmachten, um noch mehr darüber zu erzählen, wie die Welt im Jahr 2060 aussieht.

Fazit:
Die Welt, die die Autorin geschaffen hat, ist wirklich entsetzlich. Keine Bücher, kein Papier, keine Stifte, kein Leben außerhalb des Internets – da möchte ich wirklich nicht leben. Leider hat mir der Rest des Buches überhaupt nicht gefallen. Die Charaktere sind platt und langweilig. Die Handlung dreht sich ständig nur darum, wie Maddie Justin anschmachtet und ihm hinterher sabbert. Mehr passiert in dem Buch nicht. Gerade die angekündigte Rolle als Schlüsselfigur ist maßlos übertrieben, weil alles auch ohne Maddie wunderbar läuft. Wegen der gelungenen dystopischen Welt vergebe ich an „Die Rebellion der Maddie Freeman“ gerade noch zwei Schreibfedern.

Freitag, 15. Juli 2016

[Aktion] Buchvorstellung "Elanus"


Klappentext:
Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei andeen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jonas auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme. Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr.

Daten zum Buch:
Titel: Elanus
Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe Verlag
Erscheinungsdatum: 22. August 2016
Einband: Klappenbroschur
Seiten: 416
ISBN: 978-3-785582-31-2
Preis: 14,95 € [D]


Viele weitere Informationen über das Buch gibt es auf der Seite des "Elanus"-Specials, des Loewe-Verlags. Dort findet ihr Fotos einer Drohne, Termine für Lesungen und natürlich die Leseprobe!

Wer die Leseprobe nicht selbst lesen will, kann ich auch dieses Video ansehen:


Donnerstag, 14. Juli 2016

[Aktion] Top Ten Thursday #16 | 10 Bücher, die du gerne als nächstes lesen möchtest

Das ist schon das dritte Mal, dass ich an einem solchen Thema teilnehme. Bisher war mein Erfolg dabei eher mäßig. Von den zehn Büchern, die ich letzten Winter lesen wollte, habe ich gerade einmal fünf tatsächlich gelesen (und eines davon auch erst im Sommer dieses Jahres). Gleiches gilt für die zehn Bücher, die ich im letzten Herbst lesen wollte, denn auch da habe ich nur die Hälfte geschafft. Es bleibt also noch viel Luft nach oben. Und da ich Neuerscheinungen generell immer schneller weglese als SuB-Leichen, sind auf der Liste diesmal auch gleich sechs Bücher, die noch gar nicht erschienen sind.
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
10 Bücher, die du gerne als nächstes lesen möchtest 

Meine Top Ten:







Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?
Welche Bücher wollt ihr als nächstes lesen?

Montag, 11. Juli 2016

[Rezension] Evolution: Die Stadt der Überlebenden – Thomas Thiemeyer



Titel: Evolution – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 348
ISBN: 978-3-401601-67-0
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Eine Gruppe von Austauschschülern muss auf dem Weg in die USA notlanden. Als Jem und Lucie die Landebahn des Denver Airports betreten, ist die Welt plötzlich nicht mehr, wie sie war: Der Asphalt überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Vor allem Tiere haben es auf die Neuankömmlinge abgesehen. Was ist bloß geschehen? Auf der Suche nach Antworten erfahren die Jugendlichen von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Doch wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat? Ein atemberaubender Wettlauf beginnt – denn überleben können nur die Stärksten.

Einordnung:
- Die Stadt der Überlebenden (Teil 1)
- Der Turm der Gefangenen (Teil 2, Januar 2017)
- Die Quelle des Lebens (Teil 3, Juli 2017)

Rezension:
Als ich das Buch in der Vorschau des Verlags entdeckt habe, war ich sehr gespannt. Jetzt muss ich sagen, dass es meine Erwartungen leider nicht erfüllt hat. Da die Schüler der Austauschgruppe alle zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, dachte ich, es würde sich um ein Jungendbuch handeln. Nach dem Lesen habe ich dann mal die Altersempfehlung des Verlags nachgeschaut, die bei „ab 12 Jahren“ liegt – und so ist das Buch auch geschrieben. Die Charaktere entwickeln in der ganzen Geschichte keine Tiefe, obwohl zumindest Jem und Lucie einander Teile ihrer Vergangenheit anvertrauen. Allerdings sind das dann meist Erklärungen für das aktuelle Verhalten und somit auch keine neuen Informationen. Daher bleibt Lucie das verträumte Mädchen und Jem der mühsam kontrollierte Junge. Die meisten anderen Jugendlichen, die der Austauschgruppe angehören, bestehen auch bloß aus einer Schicht Klischee. Olivia, Paul und Arthur sind die Gamer-Nerds und Technik-Freaks, Marek ist ein überheblicher Macho und Katta ein eingebildetes Püppchen. Nur Zoe ist wandelbar und anpassungsfähig, sodass sie immer wieder andere Seiten von sich zum Vorschein bringt. Wirklich komplex ist aber keine Figur.

Diese Einfachheit und in gewissem Maße auch die Oberflächlichkeit erstrecken sich auch auf viele Teile der Handlung. Nach ihrer Notlandung müssten die Charaktere feststellen, dass sie in einer Welt gelandet sind, in der die Menschheit so gut wie ausgestorben ist. Das bedeutet, dass auch ihre Familien und Freunde nicht mehr existieren. Doch diese Tatsache wird nur einmal kurz angesprochen, danach scheinen die Charaktere das alles bereits verarbeitet zu haben, denn sie sind teilweise regelrecht vergnügt. Tiefere Emotionen werden nicht geschildert. Das trifft genauso auf die Liebesgeschichte zu. Die beiden betroffenen Charaktere kennen sich ungefähr fünf Tage, aber schon sind sie unglaublich verliebt und alle wissen es, sie trauen sich bloß nicht, sich das einzugestehen. Abgesehen von der Tatsache, dass das echt schnell ging, sind diese Gefühle auch an keiner Stelle spürbar. Selbst die wenigen blutigen Szenen des Buches sind sehr vorsichtig, sanft und kindgerecht beschrieben, sodass auch da keine Emotionen ausgelöst werden.
Hinzu kommt außerdem, dass die Handlung so glatt läuft wie sie es nur in Kinderbüchern tut. Der Flieger ist nach der Bruchlandung ein Haufen Schrott, aber niemand ist verletzt. Die Figuren brauchen ein Fortbewegungsmittel, also schließen sie einen Bus kurz, dessen Akku wundersamerweise nach 200 Jahren immer noch genug Saft hat, dass sie ihn nach draußen fahren können, um ihn anschließend über Solarplatten aufzuladen. Und wenn wirklich gar nichts mehr geht, gibt es ja immer noch MARS, den Roboter, der ihnen zu Hilfe eilen kann.

Obwohl auch die Dramatik an vielen Stellen an eine sehr junge Leserschaft angepasst ist, besitzt das Buch durchaus spannende Szenen. Zunächst einmal stellt sich die Frage, was genau auf der Erde eigentlich passiert ist. Schritt für Schritt findet der Leser gemeinsam mit den Charakteren die Lösung und dabei wird es immer unheimlicher. Ebenfalls für Spannung sorgen die vereinzelten schwarzen Seiten mit weißer Schrift, denn dort sind Dialoge der Feinde der notgelandeten Menschen abgedruckt. So weiß der Leser oftmals schon vor den Charakteren, was als nächstes passieren wird. Ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es außerdem Einblicke in die Stadt der Überlebenden. Obwohl diese Einblicke nur kurz sind, haben sie dafür gesorgt, dass mir vor dem Moment graute, an dem die Austauschgruppe die Stadt finden würde. Dort stimmt etwas ganz und gar nicht – doch die Auflösung hat der Autor sich für den zweiten Band aufgehoben.

Fazit:
Die Idee hinter dem Buch finde ich innovativ, gut durchdachte und nur an wenigen Stellen konstruiert. Es gibt außerdem einige spannende Szenen, besonders wenn die Geschehnisse gerade nicht von der Austauschgruppe erzählt werden. Ganz überzeugt hat mich das Buch dennoch nicht. Zum einen sind die Charaktere platt und die Emotionen nicht nachvollziehbar, zum anderen verläuft die Handlung viel zu glatt für ein Jugendbuch. Obwohl die Charaktere zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, entspricht das Buch von der Aufmachung her eher einem Kinderbuch. Da Intensität und Dramatik auf Sparflamme liefen und mich das Buch deshalb lange nicht so mitgerissen hat wie erwartet, bekommt „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ nur drei Schreibfedern.

Samstag, 9. Juli 2016

Neuzugänge #64


Gerade hatte ich die letzten Neuzugänge vorgestellt, da flog eine Mail in mein Postfach, die verkündet hat, ich könne das nächste vorbestellte Buch abholen. Das habe ich dann auch gleich gemacht. Aber wie das bei mir immer so ist, konnte ich natürlich nicht nur ein einzelnes Buch kaufen.


Schon seit mehreren Wochen liegt auf dem Schnäppchentisch meines Lieblingsbuchladens (aufgebaut natürlich direkt vor der Eingangstür, sodass es unmöglich ist, ihn zu ignorieren) ein ganzer Stapel "Liberty 9" Exemplare. Das oberste Buch hat jeweils einen Mängelexemplar-Stempel, der Berg darunter ist zum Teil noch in Originalverpackung. Alle reduziert auf 4,99 Euro. Immer bin ich brav daran vorbei gegangen - die Bücher standen schließlich nicht auf meiner Wunschliste und mein SuB ist wirklich hoch genug. Aber vor drei Tragen ist mir dann die Selbstbeherrschung davon gelaufen. Wer sagt schon Nein zu zwei originalverpackten Hardcovern ohne Kratzer und ohne Stempel, die zusammen nur 10 Euro kosten? Also machen es sich "Liberty 9 - Sicherheitszone" und "Liberty 9 - Todeszone" jetzt in meinem Regal bequem und warten geduldig, dass ich sie lese. Irgendwann.
Eigentlich habe ich mich allerdings wegen eines anderen Buches auf das gefährliche Terrain des Buchladens begeben. Im Verlagsprogramm von Arena bin ich auf die Neuerscheinung "Evolution - Die Stadt der Überlebenden" gestoßen. Das habe ich direkt vorbestellt und durfte es Mittwoch abholen. So ein Glück, dass ich nicht noch drei andere Bücher des Autors auf dem SuB habe... Dieses gesellt sich allerdings nicht dazu, denn ich habe es schon fast durchgelesen. Es ist mehr Kinderbuch als ich dachte, trotzdem gefällt es mir bisher ganz gut.

Freitag, 8. Juli 2016

[Rezension] Die Farben des Blutes: Gläsernes Schwert – Victoria Aveyard



Titel: Die Farben des Blutes – Gläsernes Schwert
Autor: Victoria Aveyard
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 569
ISBN: 978-3-551583-27-7
Preis: 21,99 € [D]

Klappentext:
Eine Diebin, eine Prinzessin, eine Rebellin auf der Flucht – innerhalb weniger Wochen hat sich Mares Leben komplett gewandelt. Denn sie ist anders: Trotz ihres „gewöhnlichen“ roten Blutes besitzt sie übernatürliche Silber-Kräfte. Sie ist die Blitzwerferin. Und nur darauf kann sie sich verlassen, das hat sie ihre Zeit am Hof schmerzlich gelehrt.
In einer Welt in Aufruhr, wo Freunde zu Verrätern werden und Liebe sich in Hass verwandelt, kennt Mare nur ein Ziel: die zu finden, die so sind wie sie, rot und silbern. Denn sie könnten alles verändern. Das weiß auch der neue Silber-König, ihr einstiger Vertrauter, und eröffnet die Jagd. Aber schnell wird klar, dass er nur eins will – und zwar um jeden Preis: Mare.

Einordnung:
- Die rote Königin (Teil 1) 
- Gläsernes Schwert (Teil 2)
- weitere Teile werden folgen

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch beginnt direkt mit voller Action. Es schließt nahtlos an das Ende des ersten Teils an, nicht eine Sekunde Zeit vergeht dazwischen. Die Erinnerungen an die Geschehnisse im vorherigen Band werden sehr kurz gehalten, sodass der Übergang außerdem sehr flüssig ist. Da ich den ersten Teil allerdings schon vor mehreren Monaten gelesen habe, musste ich die Lektüre noch einmal unterbrechen und mich erst wieder in die zahlreichen Namen hineindenken und sie den Geschehnissen zuordnen. Mein Plan, das während des Lesens zu tun, hatte sich schon im ersten Kapitel in Luft aufgelöst, denn die Handlung ist bereits dort so packend und mitreißend, dass keine Zeit zum Denken bleibt. Der erste Spannungshöhepunkt wird am Ende des ersten Kapitels erreicht. Das ist wirklich ein fulminanter Einstieg.

Diese Spannung bricht auch an keiner Stelle des Buches ab, denn die Autorin beweist in diesem Band einmal mehr, dass sie eine Meisterin der Verwicklungen und Verstrickungen ist. In „Die rote Königin“ musste Mare schmerzlich erkennen, dass jeder jeden verraten kann. Diese Weisheit trägt sie seitdem im Herzen, doch sie kann trotzdem nicht verhindern, dass das immer wieder geschieht. Obwohl sie sich geschworen hat, niemandem mehr zu vertrauen, ist sie manchmal auf Hilfe angewiesen – und gegen ihr Herz ist sie ohnehin machtlos. In jeder dieser Situationen stellt sie sich zusammen mit dem Leser die Frage, ob sie gerade in eine Falle tappt. Ihr ständiges Misstrauen hat sich nahtlos auf mich übertragen, sodass ich in jedem neuen Charakter immer nur das Schlechteste gesehen habe - und neue Charaktere tauchen in diesem Buch zur Genüge auf. Manchmal war dieses Misstrauen es gerechtfertigt, meist jedoch nicht. Doch in einer Welt, in der Intrigen in Intrigen angezettelt werden, Rebellen gegen ihre eigene Rebellion rebellieren, Familie und Freunde sich gegenseitig verraten und niemand sich irgendeiner Loyalität außer der eigenen sicher sein kann, herrschen genug Ungewissheit und Chaos, um Charakteren wie Lesern völlig den Kopf zu verdrehen.

Das Gleichgewicht zwischen dieser nervenaufreibenden Spannung und kurzen Ruhephasen zum Durchatmen ist der Autorin perfekt gelungen, denn das Buch besteht nicht nur aus blutigen Kämpfen um Leben und Tod, sondern führt auch konsequent die Handlung weiter. Nachdem Mare im ersten Teil erfahren hat, dass es noch andere Menschen gibt, die rotes Blut und silberne Fähigkeiten besitzen, beschließt sie, alles daran zu setzen, diese zu retten. Sie weiß, dass sie sich dabei einen Wettstreit mit König Maven liefert, doch die sogenannten Neublüter könnten der Scharlachroten Garde zum entscheidenden Siege verhelfen. Daher reist sie quer durch Norta, um die Menschen auf ihrer Liste zu finden und ihnen Training und Schutz zu bieten. Da es sich dabei um den Haupthandlungsstrang des Buches handelt, werden mehrere Rekrutierungen detailliert beschrieben, sowohl wie es im günstigsten Fall läuft als auch wie der ungünstigste Fall aussieht. Dabei wird die Geschichte jedoch keinesfalls langweilig, denn zum einen hat jeder rekrutierte Neublüter eine neue, unglaubliche Fähigkeit und zum anderen schafft die Autorin genau im richtigen Moment den Sprung zurück auf die spannungsgeladene Ebene, auf der sich Mare bald nicht nur von König Maven, sondern vom ganzen Land verfolgt sieht.

Der einzige Part der Geschichte, der mich ein bisschen zwiespältig zurücklässt, ist das Ende. Auf der einen Seite gefällt mir, dass nach und nach deutlich wird, dass die Scharlachrote Garde viel vernetzter ist als angenommen. Die ganze Rebellion nimmt immer größere Ausmaße an und die Autorin lässt viele Charaktere weit über den Tellerrand sehen. Obwohl Mare die Protagonistin ist, habe ich dabei langsam den Eindruck gewonnen, dass sie nur ein kleines Rädchen am Wagen ist, während die Entscheidungen eigentlich an ganz anderer und sehr viel höherer Stelle getroffen werden. Sie ist das Gesicht der Rebellion, aber nicht die Anführerin. Diese Rolle finde ich für ein 17jähriges Mädchen aus einem unbedeutenden Dorf um einiges realistischer und authentischer als eine Position, in der Entscheidungen getroffen werden, die nicht nur ein Land, sondern die ganze Welt betreffen.
Auf der anderen Seite hat sich die Autorin am Ende an einer entscheidenden Stelle leider ein Beispiel an Suzanne Collins genommen. Statt die komplette finale Schlacht dieses Teils in alle ihrer Dramatik darzustellen, hat sie beschlossen, dass Mare eine Art Blackout hat. Die Handlung bricht irgendwann kurz vor dem spannendsten Moment einfach ab und Mares Erinnerungen setzen erst wieder ein, als alles längst vorbei und sie meilenweit weg ist. Das hat mich wirklich enttäuscht, auch wenn ein Großteil des Kampfes noch geschildert wird und auch dieser wahnsinnig spannend ist. Das ist jedoch der einzige Moment, in dem ich das Buch nicht überragend fand.

Fazit:
Oft sind zweite Bände langweilige, inhaltslose Mittelteile. Dieses Buch ist das Gegenteil. Von der ersten Seite an ist die Geschichte packend, den ersten Höhepunkt erreicht sie am Ende des ersten Kapitels. Während die Handlung um Rote mit silbernen Fähigkeiten weiter getrieben wird, reiht sich ein Spannungsmoment an den nächsten. Die Rebellion nimmt immer größere Ausmaße an und die Scharlachrote Garde übertrifft sich selbst immer wieder. Und über allem schwebt Victoria Aveyards meisterliches Verständnis für Verwicklungen, Intrigen und Verrat. Dieses Buch ist ein wahrer Thriller. „Gläsernes Schwert“ gehört zu meinen Jahreshighlights und bekommt auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern.

Dienstag, 5. Juli 2016

Neuzugänge #63


Nachdem der letzte Monat völlig ohne Neuzugänge ausgekommen ist, hat sich das für den Juli zum Glück (?) schon geändert. Eine Neuerscheinung musste nämlich sofort bei mir einziehen und das erst Mal seit langer Zeit habe ich auch wieder ein Buch getauscht. Dieser Monat wird wohl wieder mehr Neuzugänge mit sich bringen - genau wie die restlichen Monate des Jahres, wenn ich mir die diversen Neuerscheinungen so anschaue, die ich unbedingt haben muss.


Seit ich den ersten Band gelesen habe, habe ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung von "Die Farben des Blutes" gewartet. Pünktlich zum Erscheinungstermin ist daher "Gläsernes Schwert" bei mir eingezogen. Die Hälfte habe ich bisher gelesen und es ist wirklich spannend. Victoria Aveyard versteht sich unglaublich gut darauf, Intrigen in Intrigen und Verrat in Verrat anzuzetteln. Ich hoffe sehr, dass die zweite Hälfte genauso mitreißend ist.
Außerdem habe ich mir "Die Rebellion der Maddie Freeman" über lovelybooks ertauscht. Das Buch steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste und jedes Mal, wenn eine Fortsetzung erscheint, nehme ich mir vor, es jetzt endlich zu kaufen und zu lesen. Bisher hat es nicht funktioniert, jetzt ist es endlich in mein Regal gewandert. Bleibt die Frage, wann ich wohl dazu komme, es zu lesen...?

Sonntag, 3. Juli 2016

[Rezension] Krabat – Otfried Preußler



Titel: Krabat
Autor: Otfried Preußler
Verlag: Thienemann Verlag
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2012
Einband: Softcover
Seiten: 270
ISBN: 978-3-522181-59-4
Preis: 9,90 € [D]

Klappentext:
Neugier lockt Krabat zur Mühle am Koselbruch, vor der alle warnen, weil es dort nicht ganz geheuer sei. Ein leichtes und schönes Leben wird Krabat hier versprochen. Doch der Preis dafür ist hoch. Und aus der Verstrickung mit dem Bösen kann ihn nur die bedingungslose Liebe eines Mädchens retten.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch ist extrem abgehackt, sowohl in der Handlung als auch in den Beschreibungen. Die Geschichte hat keine große Einleitung, sondern beginnt direkt mit der Handlung. Der junge Krabat, der Protagonist, hört in seinen Träumen eine Stimme, die ihn zur Mühle am Koselbruch ruft. Als sich der Traum wiederholt, beschließt er, der Stimme zu folgen und sucht die Mühle auf. Dort verdingt er sich als Lehrjunge – und das alles auf den ersten sechs Seiten. Das Buch arbeitet im Folgenden in 260 Seiten ganz drei Jahre ab, ohne wirklich große Sprünge in der Zeit zu machen. Der Autor gibt einfach immer nur ganz kurze und oberflächliche Einblicke in die Handlung oder stattfindende Gespräche, sodass zusammenhängende Szenen kaum mehr als zwei Seiten dauern. Die Zeit zwischen diesen Szenen fasst er in einem groben Überblick zusammen, sodass nach 50 Seiten schon drei Monate vergangen sind. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, mich wirklich auf die Handlung einzulassen, weil die Szenen schon vorbei waren, bevor ich richtig in sie abtauchen konnte. Gleiches gilt auch für die Liebesgeschichte, die mich in keinster Weise berühren konnte, so schnell wie sie von statten ging. Es ist mehr oder weniger Liebe vor dem ersten Blick – und mehr als drei Blicke gibt es auch nicht. An solchen Stellen hätte sich der Autor gerne ein wenig mehr Zeit lassen können mit der Handlung.

Hinzu kommt, dass auch die Beschreibungen der Charaktere oder der Umgebung nicht besonders ausführlich sind, sodass es mir schwer fiel, mir die Mühle oder die Müllerburschen vorzustellen. Der Autor hat sich für jeden Charakter, jeden Gegenstand und jede Situation immer nur ein Adjektiv ausgedacht, das zur Veranschaulichung dient. So ist es der freundliche Tonda, der Krabat in seiner Anfangszeit unter die Arme greift, der dumme Juro, der sich um die Hausarbeit kümmert, der schlaue Michal, der der beste Schüler ist, und der gemeine Lyschko, der jedes Fehlverhalten der anderen dem Meister berichtet. Ein wenig mehr Details wären schön gewesen, um vielleicht so etwas wie Sympathie für die Figuren entwickeln zu können.

Nichtsdestotrotz entbehrt die Geschichte nicht einer gewissen Spannung. Es ist offensichtlich, dass in der Mühle etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, doch an vielen Stellen tappt der Leser gemeinsam mit Krabat im Dunkeln. Erst nach und nach wird offenbart, welche Geheimnisse die Mühle, der Meister und die Müllerburschen haben. Trotz der oberflächlichen Beschreibungen und der schnell voranschreitenden Handlung werden alle offenen Fragen im Laufe der Geschichte geklärt, auch wenn die Antwort manchmal nicht explizit genannt wird, sondern aus zahlreichen Hinweisen erschlossen werden muss.

Fazit:
Das Buch ist durchaus spannend, da es in der Mühle offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugeht, sich aber lange Zeit niemand bereit erklärt, Krabat über die Hintergründe aufzuklären. Mit jedem gelösten Rätsel gerät Krabat gleichzeitig ein bisschen mehr in Gefahr. An den anderen Stellen konnte mich das Buch allerdings gar nicht packen, weil es extrem viel Zeit in sehr wenigen Seiten zusammenfasst. Explizite Szenen dauern selten länger als zwei Seiten, in der übrigen Zeit ist die Handlung oberflächlich zusammengefasst und viele Dinge geschehen extrem schnell. Außerdem fehlen detaillierte Beschreibungen. Charaktere und Setting sind eindimensional, weil jedem nur ein Adjektiv zur Veranschaulichung zugewiesen wird. Insgesamt bekommt „Krabat“ daher drei Schreibfedern.

Samstag, 2. Juli 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Fallen Angels – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Fallen Angels
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 568
ISBN: 978-3-401065-59-5
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Simon Lewis muss sich noch daran gewöhnen, ein Vampir zu sein. Da wird ihm von Camille, der mächtigen Chefin des Vampirclans von Manhattan, ein attraktives Angebot gemacht. Weiß er, wie hoch der Preis dafür ist? Clary, seine beste Freundin, hat kaum noch Zeit für ihn. Sie ist zu beschäftigt mit ihrer Ausbildung zur Schattenjägerin und ihrer großen Liebe Jace. Doch dann geschehen finstere Dinge in New York. Ist der Krieg, den Simon gewonnen glaubte, noch nicht vorbei?

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4)
- City of Lost Souls (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Nachdem Simon, Clarys bester Freund, streng genommen auch Ex-Freund und frisch verwandelter Vampir, in den vorherigen drei Bänden bloß Nebendarsteller war, wird er in diesem Buch Protagonist. Viele Szenen sind nun aus seiner Perspektive geschrieben, sodass es genauere Einblicke in das Leben als Vampir und Simons Gedanken und Gefühle gibt. In den vorherigen Bänden kam das häufig zu kurz, weil Clary bloß Augen und Ohren für Jace hatte. Hier wird nun berichtet, wie er sein Vampirdasein vor seiner Familie geheim zu halten versucht und wie er alles daran setzt, trotz Verwandlung sein ganz normales Mundie-Leben weiter leben zu können.
Generell habe ich Simon schon immer gemocht, sowohl als Mundie als auch als Vampir. Er hat das Herz am rechten Fleck und ist mutig und loyal und trotz allem immer noch ein Nerd. Als Nebenfigur fand ich ihn wirklich toll, denn immer wieder hat er die Handlung aufgemischt und der Geschichte zu überraschenden Wendungen verholfen. Daher habe ich mich darauf gefreut, dass die Geschichte in diesem Buch wohl hauptsächlich von ihm erzählt werden würde. Doch schon nach den ersten Kapiteln war ich ziemlich ernüchtert: als Protagonist ist Simon echt lahm. Statt den Leser in die spannende Welt der Vampire zu entführen, hat sich die Autorin dafür entschieden, ihn auf dieselbe Weise erzählen zu lassen wie Clary. Konkret bedeutet das, dass es mehr als die Hälfte der Zeit um Simons Liebesleben geht, das zwar nicht so kitschig ist wie Clarys, aber kein bisschen spannender. Daher war ich froh, dass auch in diesem Buch immer wieder die Perspektive gewechselt wird - zwar meist nur von einem Liebesdrama zum nächsten, aber immerhin ein Wechsel im Setting.

Wie schon in den vorherigen Bänden ist aber zum Glück auch hier nur der Anfang langweilig, schon bald entwickelt sich die erste Spannung. Diese ist sogar noch intensiver als in den vorherigen Bänden, denn bisher war immer Valentin der Gegner, gegen den es zu kämpfen galt. Das wussten alle und haben sich entsprechend vorbereitet. Nach seinem Tod blieb diese Stelle zunächst unbesetzt, sodass niemand wusste, von dem als nächstes die größte Gefahr ausgehen würde. Die heraufziehende Bedrohung war von allen Seiten zu spüren, ohne dass irgendwelche Maßnahmen dagegen hätten ergriffen werden können. Diese Ungewissheit sorgt für kribbelnde Nerven und hat mich sehr paranoid und misstrauisch gemacht. Jedem neuen Charakter bin ich mit Argwohn begegnet und habe gespannt darauf gewartet, ob er sich als Freund oder Feind herausstellt.

Diese Spannung hält sich bis zur letzten Seite. In meinen Augen ist das Ende das grausamste und packendste Finale, das die Reihe bisher zu bieten hatte. Doch schon der Weg dorthin ist geprägt von wirklich überraschenden Wendungen, die sich zum Teil dann doch bloß als Trick herausstellen, sodass die gesamte Handlung sich wieder in die andere Richtung wälzt. Gleichzeitig erhält der Leser auch neue Informationen über die Unterwelt. Wer glaubte, die Welt nach den ersten drei Teilen zu kennen, wird viele Überraschungen erleben. Die neuen Aspekte fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und greifen dabei Handlungsstränge auf, die längst als abgeschlossen angesehen werden konnten. Das hat mich wirklich begeistert.

Fazit:
Obwohl ich ihn als Nebenfigur immer sehr gerne mochte, hat sich Simon als ziemlich lahmer Protagonist herausgestellt. Auch er berichtet anfangs beinahe nur über sein langweiliges Liebensleben. Doch als dieser schleppende Beginn einmal überwunden war, konnte mich das Buch mehr begeistern als die drei Vorgänger. Da lange Zeit unklar ist, wer diesmal der Gegner der Schattenjäger ist, erreicht die Spannung einen neuen Höhepunkt. Die Ungewissheit ließ meine Nerven kribbeln, überraschende Wendungen konnten mich begeistern und neue Informationen habe ich begierig aufgesogen – bis zum Ende mit dem bisher packendsten Finale der Reihe. Wäre der öde Anfang nicht gewesen, würde ich dem Buch volle Punktzahl geben, so bekommt „City of Fallen Angels“ leider nur vier Schreibfedern.

Freitag, 1. Juli 2016

[Statistik] Juni 2016

Meine Flaute aus dem Mai ist noch flautiger geworden im Juni. Die Erhebungen für meine Bachelorarbeit haben mich ganz schön geschlaucht. Dazu kamen dann noch mehrfach Fahrten zu meinen Eltern, Ausarbeitungen für Referate, Besprechungen und Vorbereitungen für das Tutorium, das ich an der Uni halte. Zur Belohnung, dass ich diesen Monat geschafft habe, bin ich jetzt auch noch krank. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Leider wird es im Juli wohl auch nicht besser: Nachdem ich nun endlich die Daten für meine Arbeit habe, muss ich sie jetzt schreiben, weiterhin das Tutorium vorbereiten, die Berichte der Leute aus dem Tutorium Korrektur lesen und ganz nebenbei auch noch für meine Prüfungen lernen. Die einzige positive Nachricht ist: Bei all dem Stress blieb keine Zeit, neue Bücher zu kaufen. Nicht ein einziges, einsames, trauriges Buch ist im Juni bei mir eingezogen.


Neuzugänge:

Erschreckenderweise habe ich hier überhaupt gar nichts vorzuweisen.


Gesamtanzahl: 0 Bücher



Gelesen:

- "Göttlich verdammt" von Josephine Angelini (494 Seiten) [3/5]
- "Chroniken der Unterwelt - City of Glass" von Cassandra Clare (717 Seiten) [3/5]

Bücher insgesamt: 2 Bücher
Seiten insgesamt: 1211 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 3 von 5 Schreibfedern




Highlight des Monats:

Highlights waren die beiden Bücher, die ich diesen Monat gelesen habe, wirklich nicht.


Enttäuschung des Monats:

Obwohl ich beide Bücher nicht berauschend fand, sind sie aber trotzdem auch keine Enttäuschungen gewesen.