Donnerstag, 29. September 2016

[Rezension] Harry Potter und das verwunschene Kind – Joanne K. Rowling



Titel: Harry Potter und das verwunschene Kind
Autor: Joanne K. Rowling
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 24. September 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 324
ISBN: 978-3-551559-00-5
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden. Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.

Einordnung:
- Harry Potter und der Stein der Weisen (Teil 1)
- Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Teil 2)
- Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Teil 3)
- Harry Potter und der Feuerkelch (Teil 4)
- Harry Potter und der Orden des Phönix (Teil 5)
- Harry Potter und der Halbblutprinz (Teil 6)
- Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 7)
- Harry Potter und das verwunschene Kind (Teil 8)

Rezension:
Die Meinungen zum Buch gehen ziemlich auseinander. Die Hälfte der Leser liebt es, die andere Hälfte findet es völlig überflüssig. Meine Meinung zum achten Harry Potter ist auch zweigeteilt. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein Theaterstück handelt und nicht wirklich um ein achtes Buch, konnte ich über viele Dinge aber hinwegsehen, sodass mein Fazit auf jeden Fall positiv ausfällt.

Zu den Aspekten, über die ich hinweggesehen habe, gehört die manchmal sehr schnelle Handlungsentwicklung. Es braucht oft kaum mehr als zwei Wortwechsel, bevor eine Figur von der Ehrlichkeit oder dem Handlungsplan einer anderen Figur überzeugt ist. Während mir das in einem Buch viel zu schnell wäre, verstehe ich durchaus, dass in einem Theaterstück nicht unbegrenzt Zeit für die Entwicklung zur Verfügung steht. Natürlich sind auch die übrigen Beschreibungen recht dürftig, da sich lediglich am Anfang jeder Szene eine kurze Zusammenfassung befindet, wo sich die Charaktere aufhalten, und der Rest des Buches aus Dialogen besteht – wie es für Theaterdrehbücher eben üblich ist. Dieser Stil ist mir aber schon nach den ersten Seiten nicht mehr aufgefallen, da die Dialoge völlig ausreichend sind, um der Handlung zu folgen und eigene Vorstellungen von der Umgebung zu entwickeln.
Außerdem dauert es nicht lange, bis die Spannung in der Geschichte immer mehr zunimmt. Schnell konnte ich genauso mitfiebern wie in den anderen Büchern. Auch inhaltlich steht die Handlung den anderen Büchern kaum nach. Die Szenen und Entwicklungen, die beschrieben werden, sind genauso grausam und schrecklich wie Harrys Kampf gegen Voldemort. Und schnell wird deutlich, wie viel Glück Harry und seine Verbündeten hatten. Wenn ich die ersten sieben Bücher nochmals lese, werde ich viele Dinge in einem anderen Licht betrachten.

Allerdings haben mir einige Aspekte nicht so sehr oder gar nicht gefallen. Dazu gehört vor allem der Auslöser für diese Geschichte, den ich als sehr aus der Luft gegriffen empfinde. Es ist nicht so als hätte es darüber nicht schon viele Spekulationen gegeben, aber ursprünglich hatte Joanne K. Rowling diese Ideen dementiert, sodass sie sich jetzt eigentlich selbst widerspricht. Das hat mich enttäuscht, weil ich die Harry Potter Welt und alle von der Autorin gelieferten Zusatzinformationen bisher immer als sehr durchdacht empfunden habe.
Außerdem habe ich mich anfangs mit den Charakteren sehr schwer getan. Harry war mir beinahe noch unsympathischer als in den bisherigen Büchern und in den Szenen, in denen sich Albus noch wie ein bockiger Teenager benommen hat, mochte ich ihn auch gar nicht. Zum Glück hat sich das geändert, als die Geschichte richtig Fahrt aufgenommen hat. Im Grunde waren mir beide sympathischer, wann immer sie sich nicht im selben Raum aufgehalten haben. So sehr Harry auch der gute Vater sein will, den er nie hatte, bei Albus hat er gründlich versagt. Nach den ersten Szenen hatte ich daher die Befürchtung, dass dieses Buch alles zerstören würde – aber es wurde besser.
Am meisten enttäuscht hat mich allerdings die Entwicklung der Beziehung zwischen Albus und Scorpius. Schon auf den ersten zehn Seiten wird sehr eindeutig der Grundstein gelegt. An den wortwörtlichen Formulierungen gibt es im Grunde nichts mehr misszuverstehen. Trotzdem macht die Autorin dann doch noch einen Rückzieher. Sehr schade, denn die Stimmung, die das Buch vermittelt, ist völlig anders als die schlussendlichen Entscheidungen. Da hätte etwas ganz Tolles draus werden können, stattdessen ist es alles andere als zufriedenstellend.

Fazit:
Trotz einiger Schwächen ist auch der achte Harry Potter eine gute Geschichte. Einige Szenen werden im Theaterstück besser wirken als im Buch, aber ich konnte trotzdem mitfiebern. Die Idee ist gut und es kommt schnell viel Spannung auf. Zudem regt diese Geschichte wirklich zum Nachdenken über die Ereignisse in den vorherigen Büchern an. Enttäuscht haben mich nur der aus der Luft gegriffene Auslöser für die Geschichte und die Entwicklung der Beziehung zwischen Albus und Scorpius. Da wurde Potenzial verschenkt. Insgesamt bekommt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ daher vier Schreibfedern von mir.

Mittwoch, 28. September 2016

[Rezension] Schwestern der Wahrheit – Susan Dennard



Titel: Schwestern der Wahrheit
Autor: Susan Dennard
Verlag: penhaligon
Erscheinungsdatum: 22. August 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 507
ISBN: 978-3-764531-34-8
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Manche Menschen werden mit einer magischen Begabung geboren, die ihnen besondere Kräfte verleiht. Safiya kann Lüge von Wahrheit unterscheiden, ihre Freundin Iseult sieht Gedanken und Gefühle. Die beiden wollen frei sein und niemandem dienen. Als sie einen folgenschweren Fehler begehen und der Krieg immer näher rückt, müssen Safi und Iseult sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Doch die größte Gefahr trägt Safi in sich: Ihre Wahrmagie ist extrem selten und manche würden alles tun, um sie in ihre Gewalt zu bringen ...

Einordnung:
- Schwestern der Wahrheit (Teil 1)
- weitere Teile werden folgen

Rezension:
Der Einstieg in das Buch ist mir wirklich schwer gefallen. Safiya und Iseult sind gleichwertige Protagonistinnen, aus deren Perspektive abwechselnd berichtet wird. Allerdings wechselt die Perspektive zu Beginn gefühlt in jedem Absatz, ohne dass das irgendwie markiert wäre, und beide berichten gleichermaßen in der dritten Person. Dadurch fiel es mir unglaublich schwer, auseinander zu halten, an wessen Gedanken und Gefühlen ich gerade teilhatte. Dieses Problem erstreckte sich auch auf die Beschreibungen zum Aussehen der beiden jungen Frauen, obwohl sie so verschieden sind wie Tag und Nacht. Mir fehlte nur jeglicher Anhaltspunkt, um die ganzen genannten Merkmale und Eigenschaften einander und der entsprechenden Figur zuordnen zu können. Mehrfach musste ich zurückblättern, um bestimmte Erklärungen nochmals nachzulesen. Es hat mehr als 50 Seiten gedauert, bis ich halbwegs in der Lage war, mir zu merken, welcher Name zu welchem Aussehen, welchem Verhalten, welchen Gefühlen und Gedanken, welchen Fähigkeiten und welchem Wohnort gehört. Im späteren Verlauf wirkt die ständige Verschiebung der Perspektive sehr dynamisch, aber am Anfang hat das einfach nur für heillose Verwirrung gesorgt.

Nachdem ich die beiden Protagonistinnen endlich auseinander halten konnte, haben sie mir immer besser gefallen. Sowohl sie als auch die anderen Charaktere, aus deren Perspektive zum Teil ebenfalls berichtet wird, sind starke Figuren. Außerdem sind sogar viele Nebencharaktere vielschichtig konstruiert und dargestellt, sodass allein die Persönlichkeit der Charaktere immer wieder für eine Überraschung gesorgt hat. Nach diesem ersten Band sind trotz der bereits jetzt deutlichen Vielschichtigkeit einige Rollen, Hintergedanken und Loyalitäten noch immer unklar. Damit bleibt die Spannung für den nächsten Teil erhalten.

Gleiches gilt auch für die Handlung an sich. Im Laufe der Geschichte ist immer mehr Spannung aufgekommen, da nicht nur Safiya und Iseult, sondern auch die anderen Erzähler sich zunehmend weniger herum schubsen lassen. Nach und nach nehmen sie ihr Leben selbst in die Hand, obwohl die Situation dadurch immer vertrackter wird. Gleichzeitig brechen überall immer neue Handlungsstränge auf, sodass es ständig unvorhergesehene Wendungen gibt. Am Schluss mischen mit den Völkern der Marstoker, der Dalmotti, der Cartorrer und der Nubrevner sowie den Carawen-Mönchen, dem Rabenkönig, der Puppenspielerin und einer offenbar gut organisierten Geheimorganisation so viele Parteien mit, dass er schwierig ist, den Überblick zu behalten. Das stört jedoch nicht, da es authentisch den Eindruck einer wirklich großen Auseinandersetzung erzeugt, in der eine einzelne Person nicht viel Einfluss hat. Einige dieser Handlungsstränge verbinden sich bereits am Ende des ersten Teils, doch viel bleibt noch offen. Das vermittelt das Gefühl, dass im zweiten Band etwas ganz Großes auf Safiya und ihre Strangschwester Iseult zukommen wird, worauf ich wirklich schon sehr gespannt bin.

Fazit:
So verwirrend das Buch am Anfang ist, so großartig wird es später. In den ersten Kapiteln konnte ich beiden Protagonistinnen Safiya und Iseult, die ständig wechselnd beide in der dritten Person die Geschichte erzählen, einfach nicht auseinander halten. Namen, Fähigkeiten, Gedanken und Gefühle waren ein großer Mix, weil ich sie einander nicht zuordnen konnte. Das besserte sich aber im Laufe der Geschichte, sodass ich sie wie auch alle anderen Charaktere als sehr vielschichtig und detailreich wahrgenommen habe. Gleiches gilt auch für die Handlung. Dort sorgen immer neue Handlungsstränge für ständige Überraschungen und bauen dieses Buch zu etwas ganz Großem aus. Daher vergebe ich an „Schwestern der Wahrheit“ vier Schreibfedern.


Vielen Dank an den penhaligon Verlag und das Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 27. September 2016

Neuzugänge #68


So ganz war meine Glückssträhne wohl doch noch nicht gerissen. Es sind noch ein paar Bücher dazu gekommen. Damit ist es für diesen Monat aber erst mal gut. Sofern ich es schaffe, mich zu beherrschen, gibt es die nächsten Neuzugänge erst Ende Oktober - also habe ich genug Zeit, ganz viele bisherige Neuzugänge zu lesen!


Bei der Bewerbung zur Leserunde zu "Shilsas - In den Nebeln" hatte ich kein Glück, aber die Autorin war so nett, mir stattdessen ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Ich bin schon sehr gespannt, da mir bisher alle Bücher von Chris P. Rolls wirklich gut gefallen haben. Die zahlreichen Einblicke in das Buch, die sie auf Facebook gepostet hat, haben mich ausgesprochen neugierig gemacht. Sobald ich mit dem aktuellen Buch durch bin, werde ich mich darauf stürzen.
Dieses aktuelle Buch ist "Gefangen zwischen den Welten". Das habe ich bei lovelybooks für eine Leserunde gewonnen. Da mir der Klappentext und die Leseprobe gefallen haben und ich das Cover auch schön finde, muss jetzt nur noch der restliche Inhalt stimmig sein, um es zu einem Jahreshighlight zu machen. Leider bin ich mit dem Lesen gestern nicht über das erste Kapitel hinausgekommen.
Daran ist "Harry Potter und das verwunschene Kind" Schuld. Nachdem das Buch dann gestern endlich mal bei mir angekommen ist, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. Im ersten Moment dachte ich, diese Geschichte würde alles zerstören, weil mir Harry wieder extrem unsympathisch war und ich zu Albus auch keinen Zugang gefunden habe. Aber das hat sich dann zum Glück ziemlich schnell gelegt. Schlussendlich bin ich jetzt begeistert und finde es wirklich schade, dass ich das Stück wohl niemals auf der Bühne sehen werde. Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen.

Montag, 26. September 2016

[Rezension] In einer anderen Welt – Jo Walton



Titel: In einer anderen Welt
Autor: Jo Walton
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Einband: Softcover
Seiten: 415
ISBN: 978-3-734160-68-4
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Morwenna ist auf der Flucht vor der Erinnerung an den Tod ihrer Zwillingsschwester. Nun muss sie auch noch ihre Heimat, das märchenhafte Wales, verlassen und damit ihre einzigen Freunde. In einem Mädcheninternat hofft sie, wieder zu sich selbst zu finden, doch die Schülerinnen machen es ihr alles andere als einfach. Verzweifelt greift Morwenna daher zu der Magie, die sie seit ihrer Kindheit begleitet, und zu ihren Büchern. Denn diese öffnen Tore zu anderen Welten – und das nicht nur im übertragenen Sinne ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Der Titel des Buches und besonders der Klappentext legen die Vermutung nahe, dass die Protagonistin Morwenna entweder direkt in die Welten diverser Bücher reist oder zumindest mit den Figuren aus den Geschichten zu tun bekommt. Es ist jedoch weder das eine noch das andere der Fall. Die Bücher haben mit der Magie, die in dieser Geschichte vorkommt, schlichtweg überhaupt nichts zu tun, obwohl sie so gut wie alle dem Genre Science-Fiction zuzuordnen sind. Stattdessen besteht der Fantasy-Teil des Buches aus Feen, die fast nur Kinder sehen können, und verwirrender, abstrakter Magie, die Morwenna als Auslöser für zufällige Ereignisse betrachtet. Bis zum Schluss konnte ich dabei den Verdacht nicht abschütteln, dass das alles nur ihrer eigenen Fantasie entspringt, früher kindliche Vorstellungskraft war und jetzt als Verarbeitungsform für ihre posttraumatische Belastungsstörung wirkt. Doch selbst wenn die Feen und die Magie tatsächlich existieren, sind sie Auslöser für die Geschichte, aber sonst eigentlich vollkommen irrelevant.

Generell handelt es sich bei dem Buch um Morwennas Tagebuch. Es gibt daher keine einzelnen Kapitel, sondern nur das jeweilige Datum als Überschrift. Morwenna erzählt die Ereignisse des Tages, schildert ihre Gedanken und listet auf, welche Bücher sie gelesen hat. In so gut wie jeder anderen Geschichte wäre das vielleicht spannend gewesen, aber in Morwennas Leben passiert einfach nichts. Die Tagebucheinträge sind genauso langweilig wie es die Einträge der meisten Leser wohl auch wären.
Zu Beginn des Buches lässt sie sich ausführlich über Wales aus und darüber, wie die Täler in den Bergen besiedelt wurden. Zwischendurch erzählt sie ihren Familienstammbaum der letzten fünf Generationen. Obwohl sie selbst anmerkt, dass eine Zeichnung wohl praktischer gewesen wäre, finden sich ellenlange Abhandlungen darüber, wie ihre Ururgroßeltern und deren Geschwister hießen, wen sie geheiratet haben, woher sie stammten und welcher Religion sie angehört haben. Dazu gehört dann immer eine Auflistung der unzähligen Kinder (bis zu fünfzehn Kinder einer einzigen Person!), meist auch inklusive Namen, die ich alle im nächsten Satz schon wieder vergessen habe. Um alles noch verwirrender zu machen, berichtet sie nicht chronologisch über die Generationen und nennt beinahe jede weibliche Person in ihrer Familie „Tantchen“. Irgendjemand, der in den letzten fünf Generationen ihrer Familie angehört hat, war Franzose und irgendjemand anders Russe, mehr ist von den Dutzenden Seiten Familienstammbaum nicht hängen geblieben.
Neben den endlosen Beschreibungen der Vergangenheit, schildert Morwenna auch ihre aktuellen Erlebnisse an der neuen Schule. Dabei dreht sich fast alles nur um Honigbrötchen oder die Sportstunden, die sie wegen einer Behinderung in der Bibliothek verbringt. Sie führt ein relativ normales Leben und daran ändert sich auch im Laufe des Buches nichts. Sie ist einfach nur ein fünfzehnjähriges Mädchen, das zur Schule geht und Bücher liest. Das gipfelt in Einträgen wie dem vom 11. Dezember 1979, der außer „Klassenarbeiten. Mathe und Französisch.“ (S. 201) nichts besagt. Dieses Spannungsniveau hat das gesamte Buch.
Gefreut hatte ich mich am meisten auf die Bücher, die Morwenna im Laufe der Geschichte lesen würde. Ziemlich schnell hat sich allerdings herausgestellt, dass das auch nur eine langweilige Auflistung ist. Sie liest unglaublich viel, daher lässt sie sich nie ausführlich über die Bücher aus, sondern nennt meist nur Titel und Autor und in einem Satz ihre Meinung, hin und wieder erwähnt sie auch den Verlag oder stellt sich Fragen zum Inhalt, denen ich, da ich die Bücher beinahe alle nicht kenne, nicht folgen konnte. Es ist also unmöglich, dem Buch Leseempfehlungen zu entnehmen, da zum Inhalt der Bücher überhaupt nichts gesagt wird. Zudem verbringt Morwenna mehrere Stunden täglich in der Bibliothek, sodass sie im Laufe der Geschichte bestimmt eine dreistellige Anzahl von Titeln und Autoren erwähnt – davon kannte ich Der Herr der Ringe, Narnia und Per Anhalter durch die Galaxis.

Der einzig positive Punkt an diesem Buch ist der Schreibstil. Anfangs fand ich es störend, dass eine Fünfzehnjährige sich so gewählt und bildet ausdrückt wie eine Fünfzigjährige, aber daran habe ich mich gewöhnt. Obwohl in der Geschichte absolut überhaupt gar nichts passiert, ließen sich die Sätze doch flüssig lesen. Das Buch beginnt an einem beliebigen Punkt und endet auch dort, ohne dass dahinter ein tieferer Sinn steckt, aber ich hatte während des Lesens immerhin nie den Wunsch, dass es doch bitte endlich enden möge.

Fazit:
Titel und Klappentext des Buches führen in die Irre. Die wenige Magie, die in der Geschichte vorkommt, hat nichts mit Büchern zu tun und ist mir generell eher suspekt. Auch der Rest der Geschichte konnte mich nicht packen, weil einfach überhaupt nichts passiert. Das Buch ist das Tagebuch der Protagonistin Morwenna und sie erzählt lediglich ein wenig walisische Geschichte, listet in einer endlosen Abhandlung Namen und Herkunft ihrer unzähligen Familienmitglieder der letzten fünf Generationen auf, schildert ihre Erlebnisse in der Schule, die beinahe ausschließlich Stunden in der Bibliothek umfassen, und nennt eine unendliche Anzahl Bücher, die sie gelesen hat, ohne genauer auf den Inhalt einzugehen. Handlung gibt es im Grunde nicht. Mir hat lediglich der Schreibstil gefallen, da ich so immerhin flüssig durch die Langweile kam. Dafür bekommt „In einer anderen Welt“ gerade noch so zwei Schreibfedern.


Ich bedanke mit beim blanvalet Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] Nacht ohne Sterne – Gesa Schwartz



Titel: Nacht ohne Sterne
Autor: Gesa Schwartz
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 28. September 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 542
ISBN: 978-3-570163-20-7
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Die 16-jährige Naya ist Tochter einer Elfe und eines Menschen. Ein Mischwesen, das keine Magie zu beherrschen scheint und sich weder der geheimnisvollen Elfenwelt New Yorks noch der Welt der Menschen gänzlich zugehörig fühlt. Ihr bester Freund Jaron ist ein Lichtelf, der New York vor den Machenschaften der Dunkelelfen bewahren soll. Doch dann wird Naya mitten hinein gezogen in den jahrhundertealten Krieg zwischen den beiden Völkern. Und als sie den Dunkelelf Vidar kennenlernt, wird all ihr bisheriges Wissen auf den Kopf gestellt. Welche Ziele verfolgt Jaron, welche Geheimnisse verbirgt Vidar? Wem kann sie trauen? Naya muss auf ihr Herz hören, doch das ist leichter gesagt als getan ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch hat einen etwas anderen Ansatz, da der Protagonistin Naya schon zu Beginn des Buches bewusst ist, dass sie eine Halbelfe ist. Sie ist mit den Geschichten und Legenden der Licht- wie der Dunkelelfen aufgewachsen. Ihr ist bewusst, dass die Menschenwelt und die Elfenwelt sehr nah beieinander liegen und sich zum Teil sogar überschneiden. Zudem hatte sie bereits Auseinandersetzungen mit Wesen aus der Schattenwelt und Jaron, ihr bester Freund, ist ein Lichtelf. Damit muss sie die Welt der Elfen nicht völlig neu für sich entdecken, sondern ist über viele Dinge bereits informiert, die sie daher als selbstverständlich annimmt. Für den Leser werden allerdings trotzdem gerade genug Erklärungen mitgeliefert, damit die Handlung nachvollziehbar ist.

Doch da Geschichten und Legenden selten mehr als einen wahren Kern haben, gibt es auch für Naya noch viel Neues zu entdecken. Je mehr sie über die Welt der Elfen herausfindet, desto mehr wird sie von der passiven Erzählerin zur aktiven Protagonistin. Sie setzt ihren eigenen Willen durch, trifft ihre eigenen Entscheidungen und nimmt ihr Leben selbst in die Hand, sodass sie bis zum Schluss auf ihrer eigenen Seite steht. Dadurch ist sie in der Lage, über den blinden Hass zwischen den Licht- und den Dunkelelfen hinauszusehen. Letztlich hilft ihr das dabei zu erkennen, dass die Jahre voller Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfen mehr geprägt haben als die Wahrheit. Die überraschenden Entwicklungen, die daraus entstehen, machen das Buch sehr spannend. Gerade zum Ende hin überschlägt sich die Handlung, sodass die Geschichte immer mitreißender wird. Da es sich außerdem um einen Einzelband handelt und somit die gesamte Geschichte in einem Buch erzählt werden muss, gibt es keine unnötigen Längen oder langweilige Nebenhandlungen.

Durchweg spannend ist das Buch allerdings nicht, da einige Erkenntnisse und Geschehnisse doch sehr vorhersehbar sind. Das hält sich aber in Grenzen. Viel mehr hat meinen Lesefluss gestört, dass ich den weitschweifigen, kunterbunten Beschreibungen der Autorin häufig nicht folgen konnte. Das beginnt mit den Träumen, die für die Elfen eine große Rolle spielen. Sie stehlen sie den Menschen, da sie selbst nur selten träumen können. Allerdings ist mir bis zum Schluss nicht klar geworden, wofür sie die eigentlich brauchen. Mehrfach machen sie irgendetwas mit diesen Träumen, aber die farbenfrohen, rauschenden Beschreibungen haben mich so verwirrt, dass ich nie sicher war, ob da jetzt wirklich etwas geschieht oder ob das Metaphern sind.
Das gilt auch für viele andere Situationen. Immer wieder tauchen Szenen und Erinnerungen als bunte Lichter auf, Orte verändern sich ständig und Geräusche und Gespräche lang Verstorbener wehen durch die Luft. Die Beschreibungen der Autorin sind sanft und flüssig, aber trotzdem irgendwie nicht greifbar. Ich wusste nie, was genau ich mir unter den Beschreibungen vorstellen sollte. Außerdem konnte nicht unterscheiden, ob die Charaktere sich tatsächlich an einem Ort befunden haben oder das nur durch irgendeine Magie vor ihrem inneren Auge gesehen haben, weil sich diese Alternativen ständig miteinander vermischt haben. Häufig hatte ich das Gefühl, dass sich Naya schwerelos durch ein buntes Traumland bewegt hat, während sie aber dann aber tatsächlich auch irgendwie den Ort gewechselt hat. Und das alles war immer begleitet durch zahllose Farben und Töne, Geräusche und Empfindungen, die in einer unzusammenhängenden Kaskade über mich hinweg geflutet sind. Prinzipiell wirkt dieser Stil mit seinen vielen Metaphern beinahe magisch, allerdings habe ich deshalb viele Aspekte der Handlung nicht richtig nachvollziehen können. Häufig wusste ich schlichtweg nicht, was gerade tatsächlich passiert und Naya tatsächlich gefährlich werden kann, und was einfach nur farbenfroh beschriebene, kreative Auswüchse ihrer Fantasie waren.

Fazit:
Zu Beginn des Buches ist die Protagonistin Naya auf einem anderen Wissensstand als der Leser, da ihr die Welt der Elfen bereits bekannt ist. Dennoch reichen die Erklärungen aus, um der Geschichte folgen zu können. Im Laufe der Handlung wird bald außerdem deutlich, dass blinder Hass und Vorurteile die Geschichten über die Elfenwelt mehr geprägt haben als die Wahrheit. Dadurch gibt es viele überraschende Wendungen, die das Buch spannend machen. Es ist außerdem mitreißend geschrieben und hin und wieder wirkt der Stil beinahe magisch. Allerdings kam ich mir manchmal vor wie in einem Kaleidoskop, in dem ich nicht zwischen Traum und Realität unterscheiden konnte, sodass ich den Faden der Handlung verloren habe. Etwas weniger vage Farbkaskaden hätten es auch getan, dann wäre die Handlung greifbarer gewesen. Daher bekommt „Nacht ohne Sterne“ insgesamt vier Schreibfedern.

Mittwoch, 14. September 2016

[Rezension] Angelfall: Nacht ohne Morgen – Susan Ee



Titel: Angelfall – Nacht ohne Morgen
Autor: Susan Ee
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 08. August 2016
Einband: Softcover
Seiten: 397
ISBN: 978-3-453315-20-4
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Zerstörte Städte, rauchende Trümmer und verängstigte Menschen, die von Schatten zu Schatten huschen – sechs Wochen nach der Apokalypse gehören diese Bilder zum Alltag. Ebenso wie die Engel, die jetzt über die Erde herrschen und die wahllos Menschen entführen. Doch als sie die kleine Schwester der toughen Penryn verschleppen, beschließt diese zu kämpfen und ihre Schwester zurückzuholen. Koste es, was es wolle ...

Einordnung:
- Nacht ohne Morgen (Teil 1)
- Tage der Dunkelheit (Teil 2)
- End of Days (Teil 3, dt. unbekannt)

Rezension:
Schon mit dem ersten Kapitel wird der Leser mitten in die postapokalyptische Welt geworfen, in der die Protagonistin Penryn mit ihrer Mutter und ihrer Schwester lebt. Im Schutz der Dunkelheit verlassen sie ihre Wohnung, um einen sichereren Zufluchtsort zu finden. Doch unterwegs wird Penryns kleine Schwester Paige entführt. Von da an zählt für Penryn nur noch die Suche nach ihrer Schwester. Sie will sie um jeden Preis finden und retten. Dabei hat sie keine Ahnung, worauf sie sich eigentlich einlässt. Da geht es ihr ebenso wie dem Leser. In den ersten Kapiteln hatte ich damit noch meine Schwierigkeiten, weil ich mich erst in dieser neuen Welt zurechtfinden musste. Doch mit der Zeit steigt die Spannung immer mehr an, da nie klar ist, was als nächstes passieren wird. Auf der Erde herrschen Tod, Zerstörung und Gewalt. Doch hinter jedem Baum, hinter jeder Tür, in jedem Schatten könnte etwas noch Schrecklicheres warten. Immer wieder erwischen die neuen Erkenntnisse auch Penryn auf dem falschen Fuß, sodass jede neue Situation Spannung bereithält.

Penryn selbst ist eine starke Protagonistin. Obwohl sie kaum Kontrolle über ihr Leben hat, ist sie sehr gefasst. Außerdem beherrscht sie jede erdenkliche Kampfsportart, sodass sie sich gut zur Wehr setzen kann. Mehrfach kommt ihr das in der Geschichte zugute. Das wirkt gleichzeitig aber nicht abgehoben oder übertrieben, denn es gibt einen sehr guten Grund dafür, dass sie schon früh gelernt hat, sich auf jede erdenklich Weise zu verteidigen. Das tut sie jedoch nicht nur mit sich, sondern auch mit ihrer Familie. Insbesondere ihrer Schwester gegenüber verhält sie sich sehr loyal. Sie hält ihre Ideale hoch, auch wenn die Zivilisation in Trümmern liegt. Das macht sie zu einer sehr sympathischen Protagonistin.

Obwohl Penryn 17 Jahre alt ist, also das prototypische Alter einer Protagonistin aus einer Jugendbuch-Dystopie hat, wirkt sie in vielen Szenen sehr viel älter und reifer. Das gesamte Buch macht oft nicht den Eindruck eines Jugendbuches. Der Stil ist anspruchsvoller als erwartet. Außerdem hat sich die Autorin viel Zeit gelassen für die einzelnen Entwicklungen von Situationen, Intrigen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Dadurch wirkt die Geschichte authentischer. Dazu passt auch das Ende dieses ersten Buches, das durchaus Lichtblicke hat, insgesamt aber doch eher einer Katastrophe ist.

Fazit:
Es hat einige Kapitel dauert, bis ich in die Geschichte hinein gefunden habe, aber dann war ich begeistert. Protagonistin Penryn ist eine sehr sympathische, starke junge Frau. Sie wirkt häufig älter als 17 Jahre und beeindruckt durch kämpferische Fähigkeiten und Loyalität. Da sie ebenso wenig eine Ahnung hat, worauf sie sich einlässt, wie der Leser, entsteht außerdem viel Spannung. Das alles in eingebettet in authentische Entwicklungen und anspruchsvollen Stil, sodass das Buch nur selten wie ein Jugendbuch wirkt. Insgesamt vergebe ich an „Angelfall – Nacht ohne Morgen“ daher vier Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 9. September 2016

[Rezension] Anything Could Happen – Will Walton



Titel: Anything Could Happen
Autor: Will Walton
Verlag: Push Verlag
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 281
ISBN: 978-0-545709-54-5
Preis: 15,83 € [D]

Klappentext:
Tretch lives in a very small town where everybody's in everybody else's business. Which makes it hard for him to be in love with his straight best friend. For his part, Matt is completely oblivious to the way Tretch feels and Tretch can't tell whether that makes it better or worse. 
The problem with living a lie is that the lie can slowly become your life. For Tretch, the problem isn't just with Matt. His family has no idea who he really is and what he's really thinking. The girl at the local bookstore has no clue how off-base her crush on him is. And the guy at school who's a thorn in Tretch's side doesn't realize how close to the truth he's hitting. 
Tretch has spent a lot of time dancing alone in his room, but now he's got to step outside his comfort zone and into the wider world. Because like love, a true self can rarely be contained.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Dass bereits im Klappentext erklärt wird, dass Tretchs bester Freund Matt, den er heimlich liebt, heterosexuell ist, hat mich nachdenklich gestimmt. Das schienen mit nicht die besten Voraussetzungen für ein Happy End zu sein. Bereits nach den ersten Seiten wusste ich aber: Ich würde mit jedem Ende zufrieden sein, auch wenn Tretch und Matt nicht zueinander finden würden. Das Buch ist von Beginn an so herzerwärmend geschrieben, dass allein das Lesen an sich ein absoluter Genuss war.

Daher stört es mich nicht, dass die Handlung in diesem Buch weniger wichtig ist als die Essenz, die Tretch daraus zieht. Im Grunde folgt die Handlung auch nicht wirklich einem roten Faden. Es wird erzählt, wie die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest getroffen werden, wie das Fest selbst stattfindet, wie die Tanzparty am Silvesterabend verläuft und wie eine Kuh mit Hilfe von Tretchs Familie ein Kalb zur Welt bringt. Dies könnte jedoch durch beliebige andere Ereignisse ausgetauscht werden, denn wirklich wichtig sind die zwischenmenschlichen Begegnungen und die Entwicklung. Der Leser kann Tretch begleiten auf dem Weg, einen Platz in der Welt zu finden. Es gibt viele Ereignisse, an denen er wächst. Dabei spielt die Tatsache, dass er schwul ist, nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich muss er sich damit beschäftigen, dass er sich irgendwann wird outen müssen. Aber im Laufe der Geschichte muss er sich außerdem mit dem Tod auseinandersetzen, sich von einer Liebe, die niemals erwidert werden wird, nicht zerstören lassen, Demütigung überstehen, Traurigkeit erfahren, Zufriedenheit verspüren, neue Freundschaften schließen und feststellen, dass Liebe sehr vielseitig ist. Doch obwohl das alles viel wichtiger ist als die eigentliche Handlung, driftet das Buch nie in philosophische Monologe ab.

Um all das zu erzählen, schlägt der Autor sehr sanfte und weiche Töne an. Obwohl seine Liebe zu Matt aussichtslos ist, ist Tretch nicht verbittert. Er versucht sich sogar für ihn zu freuen, als Matt eine Freundin findet. Das ist ein sehr sympathischer Charakterzug. Dass Tretch feststellen muss, dass er sich manchmal aber einfach nicht für die beiden freuen kann, so sehr er es auch versucht, macht ihn nur umso liebenswerter. Das Buch schildert sehr gefühlvoll und berührend, wie Tretch sich entwickelt. Dabei erfährt er jedoch nicht nur die negativen, dramatischen Seiten des Lebens, sondern auch die positiven, freudvollen Dinge. Bis zum Schluss ist fast jeder Augenblick passend gewählt, jeder Erkenntnis gefühlvoll in Szene gesetzt und das alles verpackt in eine perfekte Mischung aus Dingen, die passieren, und Dingen, die eben gerade im Rahmen dieses Buches nicht passieren.

Fazit:
Bereits nach den ersten Seiten hatte das Buch mich voll und ganz überzeugt. Es ist so herzerwärmend geschrieben, dass es mich wirklich berührt hat. Obwohl die Handlung weniger wichtig ist als die Essenz, die Tretch daraus zieht, sind philosophische Monologe in diesem Buch nicht zu finden. Es geht in der Geschichte nicht um einen unglücklich verliebten, schwulen Jungen, sondern um die Vielseitigkeit des Lebens, um Freundschaft und Liebe und darum, einen Platz in der Welt zu finden, um sich selbst zu entfalten. Insgesamt mochte ich das Buch sehr gern, allerdings muss man dafür wirklich die richtige Stimmung erwischen. Daher bekommt „Anything Could Happen“ vier Schreibfedern von mir.

Mittwoch, 7. September 2016

[Rezension] Survive the night – Danielle Vega


Titel: Survive the night
Autor: Danielle Vega
Verlag: Beltz & Gelberg Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 266
ISBN: 978-3-407747-31-0
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Casey hat gerade einen Drogenentzug hinter sich und lässt sich von ihrer Freundin Shana überreden, auf eine der legendären illegalen »Survive the night«-Parties mitzukommen. Die findet in einem stillgelegten U-Bahn-Tunnel statt und die Stimmung ist gigantisch. Bis Julie, ein Mädchen aus ihrer Clique, tot aufgefunden wird. Grausam zugerichtet. Casey, Shana und ihre Freunde sind schockiert. Sie wollen fliehen. Denn der Mörder scheint unter ihnen zu sein. Schon gibt es ein neues Opfer. Die Panik steigt. Wer oder was ist hinter ihnen her? Und wird Casey diese Nacht überleben? 

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch ist von der ersten Seite an nicht besonders emotional, trotz zahlreicher Todesfälle, weil ich keinen einzigen Charakter sympathisch finde. Caseys alte Freunde, die nur zu Beginn der Geschichte kurz auftauchen, machen den Eindruck als seien sie überhebliche, aufgetakelte, verwöhnte Mädchen. Die Clique, mit der Casey für den Rest des Buches unterwegs ist, ist da in gewisser Weise das Gegenteil, da sie alle rauchen, trinken und Drogen nehmen, eine Liebschaft nach der anderen haben und für den Adrenalinkick alles tun würden, auch in einer lebensgefährlichen Aktion mit 150km/h auf dem Fahrstreifen des Gegenverkehrs fahren, bis es fast einen Frontalzusammenstoß gibt. Casey selbst ist im Vergleich zu beiden Gruppen blass, obwohl sie die Protagonistin ist. Sie entscheidet nicht selbst, sondern ist nur Mitläuferin. Besonders bei Shana ist sie übertrieben hörig und tut alles, worum sie gebeten wird. Das hat sie auch vor dem Entzug schon getan, wie in Rückblicken immer wieder geschildert wird, sodass die Hälfte der Geschichte eigentlich nur eine Beschreibung von Drogenexzessen ist.

Neben den Charakteren konnte mich aber auch die Geschichte nicht packen. Besonders zu Anfang ist die Dramatik überhaupt nicht zu spüren, da Casey high ist und offensichtlich Halluzinationen hat. Beispielsweise sieht sie Leute an und hat das Gefühl, ihnen würde das Gesicht zerfließen und zu Boden tropfen. Von dem Zeitpunkt an konnte ich nichts, was sie allein entdeckt, mehr ernst nehmen. Doch selbst als ihre Freunde zu ihr stoßen und die Dinge bestätigen, die sie sieht, kommt keine Spannung auf. Das liegt wohl auch mit daran, dass die Autorin die Dramatik übertrieben intensiv aufzubauschen versucht. Aber bei der fünften Beschreibung, wie jemandem die Eingeweide heraushängen, konnte ich wirklich nur noch die Augen verdrehen. Dieser Thriller ist nicht wirklich blutig, sondern eher ekelig, da „Eingeweide“ vermutlich das am häufigsten verwendete Wort in diesem Buch ist. Komplette zerstört hat die mögliche Spannung dann aber die Tatsache, dass in der Geschichte übernatürliche Elemente vorkommen, vor denen ich mich im richtigen Leben natürlich nicht gruseln kann. Ich habe das Buch angefangen in der Erwartung, es würde sich um einen menschlichen Serienmörder handelt. Stattdessen rennen die Charaktere die ganze Zeit vor einem fiktiven Monster weg, von dem ich bis zum Schluss nicht weiß, was genau das denn eigentlich ist.

Hinzu kommen eine Menge Ungereimtheiten. Natürlich ist es möglich, dass Casey durch die Drogen so benebelt war, dass sie nicht wirklich mitbekommen hat, wie die Zeit vergangen ist, aber als es plötzlich vier Uhr morgens ist, habe ich mich wirklich gefragt, wie sich die wenigen Handlung über mehrere Stunden erstrecken sollte. Eine Inkonsistenz, die es mir außerdem schwer gemacht hat, mir den Ort vorzustellen, an dem die Charaktere sich befinden, ist die Beschreibung des Lichts. Sie befinden sich die ganze Zeit unten in den U-Bahn-Tunneln, also sollte eigentlich konstante Beleuchtung herrschen – nämlich gar keine. Stattdessen ist es nur manchmal so dunkel, dass nichts zu sehen ist. Manchmal ist es aber aus irgendeinem Grund auch hell genug, dass sie sich gegenseitig ansehen können. Dann wiederum brauchen sie das Handylicht, um sich umzusehen. Aber plötzlich können sie auch ohne jegliches Hilfsmittel erkennen, wo sie sich befinden. Genauso verhält es sich mit Caseys verletztem Knie. Ursprünglich tablettensüchtig wurde sie, weil ihr nach einer Fußballverletzung Tabletten verschrieben wurden. Während der Flucht durch die U-Bahn Tunnel bricht diese Verletzung wieder auf oder sie fügt sich eine neue Verletzung zu, das konnte ich dem Buch nicht entnehmen. Jedenfalls ändert sich der Schmerzpegel dauerhaft. In einem Moment kann sie vor Schmerzen kaum laufen, im nächsten Moment rennt sie den Tunnel entlang. Dann wiederum ist sie so schwer verletzt, dass es ihr die Tränen in die Augen treibt, aber im nächsten Moment geht sie auf und ab als wäre nichts passiert. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sie das Knie gar nicht mehr belasten kann, aber in der nächsten Szene kann sie seltsamerweise trotzdem herumkrabbeln. Das machte die Geschichte für mich auch in ihren Details schwer nachzuvollziehen.

Fazit:
Das Buch ist ganz anders als erwartet. Ich bin von einem spannenden, blutigen Thriller mit einem Serienmörder ausgegangen, doch stattdessen handelt es sich eher um eine ekelige Horrorgeschichte mit übernatürlichen Wesen. Das hat meinen Geschmack überhaupt nicht getroffen. Wegen der unsympathischen Charaktere, der Mitläufer-Protagonistin, der fehlenden Spannung und der vielen Ungereimtheiten und Inkonsistenzen habe ich die Geschichte irgendwann nur noch überflogen. Daher kann ich für „Survive the night“ nicht mehr als eine Schreibfeder vergeben.


Ich bedanke mich beim Beltz Verlag und bei Bloggdeinbuch für das Rezensionsexemplar.
 

Montag, 5. September 2016

[Rezension] Been here all along – Sandy Hall



Titel: Been here all along
Autor: Sandy Hall
Verlag: Swoon Reads
Erscheinungsdatum: 30. August 2016
Einband: Softcover
Seiten: 214
ISBN: 978-1-250100-65-8
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Gideon always has a plan. His plans include running for class president, leading the yearbook committee, and having his choice of colleges. They do not include falling head over heels for his best friend and next-door neighbor, Kyle. It’s a distraction. It’s pointless, as Kyle is already dating the gorgeous and popular head cheerleader, Ruby. And Gideon doesn’t know what to do ...
Kyle finally feels like he has a handle on life. He has a wonderful girlfriend, a best friend willing to debate the finer points of Lord of the Rings, and social acceptance as captain of the basketball team. Then both Ruby and Gideon start acting really weird, just as his spot on the team is threatened, and Kyle can’t quite figure out what he did wrong ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Der Klappentext deutet darauf hin, dass in diesem Buch alle Klischees zu Romanzen mit schwulen Protagonisten und zu Geschichten, die an der High School spielen, erfüllt werden: Der heiße Captain des Basketballteams ist mit der hübschen, aber auch arroganten und verwöhnten Cheerleaderin zusammen, der unscheinbare Nerd verliebt sich in den Basketballer, der sich aber leider für heterosexuell hält, und als er dann herausfindet, dass er das nicht ist, gibt es ein riesiges Drama. Mit dieser Konstellation habe ich gerechnet, sodass mich das Buch immer wieder positiv überrascht hat, denn obwohl all diese Klischees in gewisser Weise angesprochen werden, werden sie trotzdem nicht bedient. In dieser Geschichte bedeutet Captain des Basketballteams zu sein nicht automatisch, der beliebteste Junge an der Schule zu sein. Dem ganzen riesigen „Oh Gott, ich bin schwul“ Problem wird schon im ersten Kapitel der Wind aus den Segeln genommen, da sich Kyle seiner Bisexualität bereits bewusst und auch schon vor einigen Menschen geoutet ist. Und so sehr ich mich auch angestrengt habe, die manchmal wirklich gemeine und hinterhältige Ruby unsympathisch zu finden, konnte ich doch nicht anders als sie irgendwo auch zu mögen. Allein dadurch, dass Handlung und Charaktere nicht so prototypisch sind, ist das Buch sehr erfrischend.

Mich persönlich hat es außerdem gepackt, da ich mich wunderbar mit Gideon identifizieren konnte. Obwohl er ein richtiger Nerd ist, hat er trotzdem soziale Kontakte und kann mit diesen auch gut umgehen, sodass er nicht völlig abgedreht ist. Außerdem teile ich seine Begeisterung für die „Herr der Ringe“ Trilogie und habe sie, genau wie er, auch gelesen und nicht nur gesehen. Seine Diskussionen mit Kyle über eigentlich vollkommen unwichtige Details sind ebenso amüsant wie herzerwärmend. Gleiches gilt für Gideons Angewohnheit, Listen für alles zu schreiben, um seine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Das ist nicht nur sehr sympathisch, sondern manchmal auch richtig witzig, wenn er beispielsweise in seinem Gefühlschaos eine Liste mit dem Titel „Am I gay or Kyle-sexual?“ (S. 41) anfertigt. Da die Geschichte jedoch nicht nur aus Gideons, sondern auch aus Kyles, Rubys und Ezras Perspektive geschildert wird, gibt es auch für andere Leser genügend Möglichkeiten, sich mit einem Erzähler zu identifizieren.

Im Nachhinein betrachtet sind es vor allem diese lustigen Szenen, die mich wirklich gepackt haben, während das in anderen Momenten leider nicht immer der Fall war. Traurigkeit und Resignation konnte ich mit Gideon und den anderen Charakteren erleben, dafür kamen Aufregung, Nervosität und Herzklopfen nicht immer bei mir an. Manchmal wurden die Situationen einfach zu sachlich geschildert und die emotionale Ebene der Charaktere wurde in der Beschreibung vernachlässigt. An anderen Stellen bin ich mir aber nicht sicher, ob mich tatsächlich einfach die Stimmung nicht erreichen konnte oder ob mir da nicht die englische Sprache ein wenig im Weg stand. Insgesamt ist das Buch keineswegs emotionslos, ich habe häufig mit den Charakteren gefühlt, das hätte für meinen Geschmack nur manchmal ein wenig intensiver sein können.

Fazit:
Obwohl der Klappentext etwas anderes vermuten lässt, kommt dieses Buch völlig ohne Klischees aus. Weder die Handlung noch die Charaktere entsprechen den Prototypen für schwule Romanzen und High School Geschichten. Das macht sie alle sehr sympathisch, auch wenn sie dem Glück der Protagonisten manchmal im Weg stehen. Ich persönlich konnte mich besonders mit Gideon von der ersten Seite an wunderbar identifizieren, denn er ist eine herrliche Mischung aus Streber, Nerd und Listenschreiber. In einigen Szenen hätten die Emotionen gerne noch etwas intensiver sein können, aber insgesamt ist „Been here all along“ ein tolles Buch, das vier Schreibfedern bekommt.

Samstag, 3. September 2016

Neuzugänge #67


Kaum hat der neue Monat angefangen, hat es das letzte Rezensionsexemplar auch zu mir geschafft. Dazu habe ich mir gleich auch noch ein sehr niedliches, englisches Buch gekauft, das ich am gleichen Tag noch verschlungen habe. Diese beiden Neuzugänge werden also wohl mit die kürzeste Wartezeit haben, die Bücher auf meinem SuB jemals hatten. Damit ist meine Glückssträhne (zum Glück?) aber auch erst mal abgerissen, sodass ich mich wieder meinem SuB widmen kann, statt immer neue Bücher zu bekommen.


Bei Bloggdeinbuch habe ich mich für "Survive the night" beworben. Nachdem die Post das erste Buch wohl tatsächlich verloren hat, habe ich auf Nachfrage ein zweites Exemplar zugeschickt bekommen. Ich bin wirklich gespannt, wie es mir gefallen wird, da Jugendthriller relativ selten meinen Geschmack treffen. Die ersten Seiten sind für die Geschichte ganz vielversprechend, auch wenn ich noch nicht einen einzigen Charakter sympathisch fand - und es sind schon mehr aufgetreten als ich erinnern kann.
Auf "Been here all along" hat mich Lisa aufmerksam gemacht. Das Buch klang so niedlich, dass ich es dann gleich vorbestellen musste. Ich habe eine Schwäche für schwule Protagonisten (falls irgendwer das noch nicht gemerkt haben sollte). Dafür ignoriere ich auch gerne mal, dass es ein englisches Buch ist und ich daher zum Lesen etwas länger brauche - Wörter aus dem Kontext zu erschließen ist nicht gerade meine Stärke. Direkt auf dem Rückweg von der Buchhandlung habe ich es angefangen und noch am selben Abend ausgelesen. Manchmal war etwas wenig Gefühl zu spüren, aber sonst ist das Buch wirklich gelungen und nicht so voller Klischees wie erwartet. Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen.

Donnerstag, 1. September 2016

[Statistik] August 2016

Auch im August ist wieder ein Buch mehr bei mir eingezogen als ich gelesen habe. Aber dafür hatte ich einen echten Highlight-Monat mit gleich drei Büchern, die volle Punktzahl von mir bekommen haben. Ich bin also trotzdem zufrieden. Und die drei noch nicht gelesenen Neuzugänge sind auf jeden Fall jetzt im September fällig, weil es alles Rezensionsexemplare sind. Das heißt, das sie alle nicht lange auf dem SuB verstauben werden. So darf es gerne weiter gehen!


Neuzugänge:

- "Angelfall - Nacht ohne Morgen" von Susan Ee [Rezensionsexemplar]
- "In einer anderen Welt" von Jo Walton [Rezensionsexemplar]
- "Girl in Black" von Mara Lang [Leserundenexemplar]
- "Selection - Die Krone" [Kauf]
- "Schwestern der Wahrheit" von Susan Dennard [Rezensionsexemplar]
- "Magnus Chase - Das Schwert des Sommers" von Rick Riordan [Leserundenexemplar]


Gesamtanzahl: 6 Bücher




Gelesen:

- "GoodDreams - Wir kaufen deine Träume" von Claudia Pietschmann (353 Seiten) [4/5]
- "Battle Island" von Peter Freund (544 Seiten) [5/5]
- "Magnus Chase - Das Schwert des Sommers" von Rick Riordan (551 Seiten) [5/5]
- "Girl in Black" von Mara Lang (396 Seiten) [3/5]
- "Selection - Die Krone" von Kiera Cass (325 Seiten) [5/5]

Bücher insgesamt: 5 Bücher
Seiten insgesamt: 2169 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 4,4 von 5 Schreibfedern



Highlight des Monats:


Bei gleich drei Büchern mit fünf Schreibfedern war es schwer, einen Favoriten zu finden, aber "Battle Island" hat dann doch den meisten Eindruck hinterlassen. Genial gemacht und wahnsinnig spannend.


Enttäuschung des Monats:


Eigentlich hatte ich nicht so eine richtige Enttäuschung diesen Monat, da selbst "Girl in Black" noch drei Schreibfedern bekommen hat. Aber ich hatte von einem Buch mit Mafia und Fantasy im Klappentext mehr erwartet als eine Modenschau nach der anderen.