Sonntag, 30. Oktober 2016

[Rezension] Die Chroniken des Magnus Bane – Cassandra Clare



Titel: Die Chroniken des Magnus Bane
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 23. Juni 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 555
ISBN: 978-3-401069-75-3
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Der schillernde Oberste Hexenmeister von Brooklyn hat ein ereignisreiches Leben hinter sich. Sei es die Französische Revolution in Paris, der Börsencrash von New York oder das frühe London – Magnus war immer dabei und hatte seine funkensprühenden Finger im Spiel. Keine Frage, dass es dabei auch manchmal riskant wird für den vorlauten und lebenslustigen Draufgänger. Wenn man ewig lebt, muss man sich schließlich die Zeit vertreiben, da kommt eine kleine Romanze dann und wann gerade recht. Und wenn eine Situation doch mal zu heiß wird, gibt es ja immer noch den alles verhüllenden Zauberglanz.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe, spielt aber im Schattenjäger-Universum von Cassandra Clare und führt einige erwähnte Szenen genauer aus.

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der anderen Bücher des Schattenjäger-Universums enthalten (Chroniken der Unterwelt und Chroniken der Schattenjäger)!

Das Buch enthält zehn Kurzgeschichten, die alle in Verbindung zu den Chroniken der Unterwelt oder den Chroniken der Schattenjäger stehen, wenn auch manchmal nur durch winzige Details. Der Leser erfährt beispielsweise mehr über die mysteriösen Geschehnisse in Peru, die nicht einmal Jace über die Lippen bringt, wie Magnus die französische Königin kennengelernt hat, zu welchem Anlass die Schattenjäger das Geschirr, das von Schattenweltlern berührt wurde, direkt in den Müll befördert haben, wie Raphael zum Vampir wurde, wie die Beziehung zwischen Magnus und Camille begann und endete, und natürlich wie das erste Date von Magnus und Alec abgelaufen ist. Damit eignet sich das Buch eher für Leser, die die Chroniken der Unterwelt schon gelesen haben, denn sonst wirkt diese Kurzgeschichtensammlung willkürlich zusammengewürfelt und zusammenhangslos. Außerdem enthält fast jede Geschichte mindestens einen Spoiler. Mir als Fan der Chroniken der Unterwelt hat es aber gefallen, zu einigen Details noch nähere Informationen zu bekommen.

So wie die Jahrhunderte wechseln auch die Emotionen und die Spannung zwischen den Kurzgeschichten. Während ich die erste Geschichte („Was geschah tatsächlich in Peru?“) gelesen habe, bin ich mehrfach in schallendes Gelächter ausgebrochen. In jungen Jahren war Magnus wirklich ein amüsanter Regelbrecher, der seine Grenzen nicht kannte oder sie absichtlich ständig überschritten hat. Hinein gemischt in den Witz hat sich ein wenig bittersüßer Schmerz, wann immer Magnus von einem oder einer seiner zahlreichen Geliebten das Herz gebrochen wurde. Obwohl ich Malec liebe, hat mich das immer etwas traurig gemacht, denn Magnus‘ Gefühle werden schnell deutlich, auch wenn er sie zu überspielen versucht. Andere Geschichten sind dagegen sehr spannend, denn es tauchen immer wieder sympathische Charaktere auf, bei denen anders als bei Magnus, Raphael oder Camille nicht von Anfang an klar ist, dass sie die Ereignisse überleben werden.

Fast allen Geschichten gemein war aber, dass sie mich etwas frustriert zurückgelassen haben. Die Kurzgeschichten sind immer nur Ausschnitte aus Magnus‘ Leben, sodass die Monate und Jahre davor und danach natürlich nicht beschrieben werden. Damit werden auch die Geschichten der Charaktere, die Magnus trifft, nur für einen kurzen Augenblick beleuchtet, bis Magnus sich nicht länger damit auseinander setzen möchte. Wann immer Magnus beschließt, weiter zu ziehen oder mit einer Sache abzuschließen, endet die Erzählung genau an dieser Stelle. Dabei bleiben viele Fragen, die ich mir gestellt habe, und Details, über die ich gerne mehr erfahren hätte, offen. Während ich das bei den meisten Geschichten noch nachvollziehen kann, da Magnus schließlich der Erzähler ist, hat mich das gerade bei der ersten Geschichte wirklich frustriert. Es wird über mehrere Jahre hinweg berichtet, welche fragwürdigen Erlebnisse Magnus in Peru hat, doch die Frage, warum er von dort verbannt wurde, wird bis zum Schluss nicht beantwortet. Das hätte nach 60 Seiten Alkohol, Party und Gesetzesbruch ruhig auch noch kurz erwähnt werden können.

Fazit:
Das Buch greift zehn in den anderen Büchern des Schattenjäger-Universums erwähnte Details auf und führt sie weiter aus. Damit ist es eher für Leser geeignet, die diese anderen Bücher schon gelesen haben, damit die Zusammenhänge verstanden und Spoiler vermieden werden. Ich habe die anderen Bücher schon gelesen und fand die zusätzlichen Details und Informationen daher sehr interessant. Die Kurzgeschichten spielen verteilt über die Jahrhunderte, die Magnus schon lebt, und wecken verschiedenste Emotionen, da sie mal lustig, mal traurig und mal spannend sind. Mich hat es lediglich etwas frustriert, dass es immer nur Ausschnitte aus Magnus‘ Leben und damit auch nur Ausschnitte aus dem Leben anderer Charaktere sind, sodass viele interessante Fragen offen bleiben. Daher bekommt „Die Chroniken des Magnus Bane“ insgesamt vier Schreibfedern.

Freitag, 28. Oktober 2016

Neuzugänge #70


Halloween hält dieses Jahr eine Menge interessanter Neuerscheinungen bereit. Zwei davon haben schon den Weg zu mir gefunden. Allerdings hoffe ich beinahe, dass die anderen Bücher noch eine Weile auf sich warten lassen, weil ich momentan das Gefühl habe, mich wirklich im Lesestress zu befinden. So viele so dicke Bücher machen mir ein wenig zu schaffen. Und mit dem riesigen SuB im Rücken ist mir tatsächlich irgendwie die Lust vergangen, mir neue Bücher zuzulegen.


Nichtsdestotrotz habe ich "Helix" von Marc Elsberg als Rezensionsexemplar angefragt und tatsächlich auch bekommen. Seit Monaten (oder Jahren?) schleiche ich um das Buch "Blackout" des Autors herum, gerade weil es auch so dick ist. Aber bei "Helix" konnte ich dann nicht mehr Nein sagen, weil mich die Thematik der Genmanipulation in Büchern sehr interessiert. Vielleicht finde ich damit Zugang zum Autor, sobald ich mich einmal an diesen Schinken ran getraut habe.
Nicht weniger dick ist "Talon - Drachennacht", der dritte Teil der Reihe von Julie Kagawa. Da werde ich mich als nächstes drauf stürzen, weil es vermutlich leichter zu lesen ist. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht, auch wenn mich der zweite Band nicht mehr so sehr überzeugen konnte. Der Klappentext macht Hoffnung, dass es viel um Garret geht, den ich eindeutig am liebsten mag.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Heavenly Fire – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Heavenly Fire
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 889
ISBN: 978-3-401066-74-5
Preis: 24,99 € [D]

Klappentext:
Jace trägt das Himmlische Feuer in sich und Sebastian verkündet den finalen Schlag gegen die irdische Welt. Um zu verhindern, dass Dämonen über die Städte herfallen, müssen Clary und Jace mit ihren Freunden in die Schattenwelt eindringen. Wird es ihnen gelingen, Sebastians finstere Pläne zu stoppen, ohne selbst Schaden zu nehmen? Als sie auf Clarys dunklen Bruder treffen, stellt er Clary vor eine schier unlösbare Aufgabe: Entweder sie kommt an seine Seite oder er vernichtet ihre Familie und Freunde, die Welt und alle Schattenjäger ...

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4) 
- City of Lost Souls (Teil 5) 
- City of Heavenly Fire (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten fünf Teile enthalten!

Das Buch platzt geradezu vor Handlung. Während den diversen Liebesbeziehungen in den ersten fünf Büchern noch extrem viel Raum eingeräumt wurde, ist im finalen Band kaum noch Platz dafür. Die Autorin verliert die Auf-und-Abs zwar nie aus den Augen, aber jede Entwicklung wird nur einmal geschildert und das auch nicht in übertriebener Ausführlichkeit. Für viel mehr als Händchen halten und Abschiedsküsse haben die Charaktere auch gar keine Zeit, denn Sebastian ist dabei, die Schattenjäger zu vernichten. Ein Angriff jagt den nächsten, zum Teil schneller als die Kommunikation möglich ist. Während der Rat in aller Ruhe Kinder der schmerzhaften Befragung mit dem Engelsschwert unterzieht und sich mit seiner Ignoranz selbst einen Strick dreht, wissen Clary und ihre Freunde, dass sie die Sache selbst in die Hand nehmen müssen. Gleichzeitig setzt Sebastian immer wieder kleine Nadelstiche, die die wackeligen Allianzen der Nephilim mit den Schattenweltlern zerstören könnten. Und auch innerhalb der Clans und Rudel entstehen Streitigkeiten und Machtkämpfe. Es scheinen kaum genug besonnene Charaktere übrig zu sein, um zu verhindern, dass sich Schattenjäger wie Schattenweltler selbst vernichten. Es herrscht das reinste Chaos, sodass alle 889 Seiten des Buches vollgestopft sind mit Handlung, um irgendwie den Untergang der Welt zu verhindern.

Besonders spannend ist das Buch aber nicht nur wegen der schier unendlichen Anzahl mehr oder weniger lebensbedrohlicher Konflikte, sondern auch, weil der Perspektivenwechsel aus den vorherigen Büchern hier noch mehr ausgeweitet wird. Nahezu jede Figur bekommt eine Stimme. Damit wird der Leser nicht nur über die Taten und Wahrnehmungen von Clary und ihren Freunden informiert, sondern erhält auch die Möglichkeit, alles in Lukes oder Jocelyns Perspektive zu erleben und dabei Informationen über die Vergangenheit zu bekommen, die den Jugendlichen gar nicht bewusst sind. Darüber hinaus erzählen jedoch auch Charaktere wie die Feenkönigin und Sebastian Teile der Geschichte. Der Leser ist damit immer direkt über Pläne und Absichten informiert und erlebt nicht gemeinsam mit Clary und Co. gute oder böse Überraschungen. Das macht das Buch allerdings nicht weniger spannend, denn zu beobachten, wie die Charaktere ins offene Messer laufen, ist noch nervenaufreibender als mit ihnen auf den nächsten Hinterhalt zu warten. Nichtsdestotrotz bewahrt sich das Buch auch seine Geheimnisse, da nicht immer alles vorweg genommen wird. Die gelungene Mischung aus böser Vorahnung, Geheimniskrämerei und sich offen aufbauender Dramatik ist richtig packend.

Das alles mündete bei mir in die Erkenntnis, wie unglaublich komplex diese Welt und die in ihr spielende Geschichte eigentlich sind. Das alles wird verknüpft mit den Ereignissen, die in den Chroniken der Schattenjäger, Lady Midnight und den Chroniken des Magnus Bane geschildert oder erwähnt werden. Dadurch, dass Charaktere, Orte und Objekte nicht nur im Rahmen der Chroniken der Unterwelt existieren, sondern auch eine Vergangenheit und eine Zukunft haben, die an anderer Stelle aktiv geschildert werden, wirkt die Welt unglaublich echt. Sie beschränkt sich nicht auf den Rahmen der Bücher, sondern hat meine Gedanken auch mehrfach darüber hinaus geführt. Dazu trägt wohl auch bei, dass die Geschichte sich nicht auf New York und fiktive Orte wie Idris beschränkt, sondern Städte überall auf der Erde einbezieht. Die fiktive Welt scheint wie eine zweite Haut über der echten Welt – der ganzen echten Welt – zu liegen, wodurch viel Authentizität entsteht.
Der Autorin gelingt es außerdem wirklich gut, in dieser komplexen, weiten Welt die unzähligen Fäden und Handlungsstränge, von denen mir manchmal nicht einmal bewusst war, dass sie wichtige Details enthalten, miteinander zu verknüpfen. An irgendeinem Punkt der Geschichte fügt sich jeder Faden wieder ins Knäul ein, sodass am Ende alles zusammen gelaufen ist, allerdings ohne dass das große Finale unübersichtlich wird oder überspitzt erscheint. Ich bin wirklich beeindruckt und kann mir gar nicht vorstellen, wie viel Hirnschmalz es gekostet haben muss, das auf die Beine zu stellen.

Fazit:
Das Finale der Reihe ist perfekt. Obwohl das Buch unglaublich dick ist, platzt es fast vor Handlung. Dabei reihen sich aber nicht nur unendlich viele Geschehnisse aneinander, sondern sie ergeben sich als Konsequenz aus den vorherigen Ereignissen. Geschildert werden diese Ereignisse aus vielen verschiedenen Perspektiven, die Clary und ihre Freunde, aber auch Mitglieder des Rates und Sebastian einschließen, sodass der Leser häufig Dinge vor den Charakteren weiß. Es ist nervenaufreibend, dann zusehen zu müssen, wie jemand ins offene Messer rennt. Neben aller Spannung hat mir das Buch außerdem offenbart, wie komplex die Welt und die Geschichte eigentlich sind. Zahllose Fäden, von deren Existenz ich manchmal nicht einmal wusste, werden im finalen Band der Reihe zusammengeführt und die unendliche Weite der Welt, in der es immer noch etwas Neues zu entdecken gibt, hat mich wirklich beeindruckt. „City of Heavenly Fire“ ist ein grandioser Abschluss und bekommt auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern von mir.

Dienstag, 25. Oktober 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Lost Souls – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Lost Souls
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 677
ISBN: 978-3-401066-67-7
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Die Dämonin Lilith ist besiegt und Jace aus ihren Fängen befreit. Aber als die Schattenjäger am Schauplatz eintreffen, finden sie nur noch Blut und zerbrochenes Glas. Nicht nur von Jace, den Clary über alles liebt, fehlt jede Spur, auch ihr dunkler Halbbruder Sebastian, den sie aus tiefstem Herzen hasst, ist verschwunden. Doch Jace findet Clary wieder und enthüllt sein schreckliches Schicksal: Durch Liliths Magie ist er auf immer mit Sebastian und den dunklen Mächten verbunden. Nur ein kleiner Trupp glaubt daran, dass Jace noch gerettet werden kann. Dazu müssen sich allerdings auch die Schattenjäger der dunklen Magie verschreiben. Clary geht den gefährlichsten Weg: Sie möchte Jace’s Seele retten. Aber kann sie Jace überhaupt noch trauen?

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3) 
- City of Fallen Angels (Teil 4) 
- City of Lost Souls (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Auch dieses Buch wird wieder aus ganz vielen unterschiedlichen Perspektiven geschildert, sodass neben der Handlung auch die individuellen Probleme vorangetrieben werden. Beinahe jeder wichtigere Charakter erzählt an einem gewissen Punkt des Buches einen Teil der  Geschichte. Das ist durchaus spannend, da die Figuren sich nicht immer am gleichen Ort befinden und gerade zu Beginn auch andere zwischenmenschliche Beziehungen eine Rolle spielen als die bloßen Liebesbeziehungen. Beispielsweise wird Simons Verhältnis zu seiner Mutter einiges an Platz eingeräumt, denn als Vampir hat er sich nicht gerade unwesentlich verändert. Auch Clarys Beziehung zu ihrer Mutter spielt immer wieder eine Rolle, da Jocelyn erst vor kurzem aus dem Koma erweckt wurde und somit als aktiver Charakter noch so gut wie unbekannt ist. Hier ergeben sich besondere Konflikte daraus, dass sie nie ein Schattenjägerleben für Clary gewollt hat und das nach wie vor am liebsten alles sofort beenden würde. Diese Überbeschützer-Mutter stößt nicht nur bei Clary auf völliges Unverständnis.

Nichtsdestotrotz sind die meisten betrachteten zwischenmenschlichen Beziehungen natürlich die diversen Liebesdramen. Zwischendurch wird nur noch von einer Beziehung oder auch Nicht-mehr- bzw. Noch-nicht-Beziehung zur nächsten gesprungen, ohne dass das etwas mit der grundlegenden Geschichte des Buches zu tun hätte. Damit sorgt der ständige Perspektivenwechsel, wegen dem natürlich auch jede einzelne Beziehung mehrfach beleuchtet werden muss, irgendwann dafür, dass das Buch unnötig aufgebläht wird. Letztlich hat dieser fünfte Teil der Reihe mehr Seiten als Handlung. Das mündet darin, dass die Erzählungen der Werwölfe Maia und Jordan sich nur noch darum drehen, was sie gerade beim Lieferdienst bestellt haben und wie sie schon wieder im Bett landen. Prinzipiell finde ich es gut, dass nicht jede Szene für die Entwicklung der Geschichte wichtig ist, sondern die Charaktere auch im Alltagsleben beleuchtet werden. Allerdings dreht sich das Buch irgendwann nur noch im Kreis, sodass es sich etwas zieht.

Wenn es aber tatsächlich um die Handlung der Geschichte geht, ist das Buch wieder so spannend wie die Vorgänger. Sebastian ist immer noch schwer zu durchschauen. Selbst, als er im Laufe der Geschichte länger in den Vordergrund rückt als für kurze Begegnungen, sind seine Ziele noch immer unklar. Diese Unberechenbarkeit bringt viel Spannung mit sich. Solange niemand weiß, was Sebastian tatsächlich vorhat, ist es zudem nie sicher, wann er die Wahrheit erzählt, wann er lügt und wann er sich die Wahrheit zurecht biegt. Viele Dinge, die er erzählt und angeblich plant, passen nicht zu dem bösen jungen Mann, für den ihn alle halten. Auch einige seiner Handlungen lassen ihn mutig und entschlossen erscheinen und nicht wie den Verrückten, als der er gefürchtet wird.
Gleichzeitig suchen Jace’s Freunde nach einem Weg, die unmögliche Rettung möglich zu machen. Dabei sind sie auf mehr Macht angewiesen als sie selbst besitzen. Während verzweifelte Situationen also verzweifelte Handlungen erfordern, verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse immer mehr. Es ist unglaublich interessant zu beobachten, wie auch die Charaktere nach und nach feststellen müssen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Sebastian sammelt an einigen Stellen durchaus Sympathiepunkte, während insbesondere Alec sie ständig verliert. Dass damit die Zweiteilung aus Gut und Böse, mag ich und mag ich nicht, soll gewinnen und soll verlieren langsam aufgehoben wird, verschiebt das ganze Charakterkonstrukt und löst neue Dynamiken aus.

Fazit:
Dieses Buch bietet wieder viel Spannung. Durch Sebastians Unberechenbarkeit lässt sich die Handlung meist schwer voraussehen. Wahrheit und Lüge offenbaren sich immer erst, wenn es schon zu spät ist. Doch für den Moment wirkt Sebastian hin und wieder sogar vernünftig und sympathisch. Dagegen verstoßen Jace’s Freunde gegen immer mehr Gesetze, sodass die Grenze zwischen Gut und Böse langsam verschwindet und die Welt nicht länger schwarz und weiß ist. Neben der Handlung werden auch die zwischenmenschlichen Beziehungen weiter ausgeführt. Anfangs ist das interessant, doch zwischendurch dreht sich die Geschichte durch die wiederholte Beschreibung sämtlicher Liebesbeziehungen im Kreis. Das Buch wird dadurch unnötig aufgebläht. Daher bekommt „City of Lost Souls“ nur vier Schreibfedern.

Samstag, 15. Oktober 2016

Neuzugänge #69


Letztes Wochenende hatte ich Besuch von der lieben Sophia von Sophias Bookplanet. Natürlich sind wir da bei unserem Stadtrundgang auch mehrmals in Buchläden gelandet. Obwohl ich eigentlich wirklich nichts kaufen wollte, hat mich dann ein preisreduziertes Buch doch angesprungen. Und Sophia war nicht gerade hilfreich, mir das auszureden. Weil sich ein einzelnes Buch in den Neuzugängen aber so einsam fühlt, habe ich dann doch zwei gebrauchte Bücher bestellt. Und schon sind es wieder drei Neuzugänge...


Aus dem Laden mitgenommen habe ich "Schnee wie Asche". Ich weiß nicht, ob die Weltbild-Filiale bei mir um die Ecke schließt oder ob es nur ein Super-Sale war, aber es waren so gut wie alle Artikel preisreduziert. Da ist es wohl schon Glück gewesen, dass wir so spät da waren, dass die Büchertische schon fast leer gekauft waren. Sonst wären es noch deutlich mehr Neuzugänge geworden, glaube ich.
Gebraucht habe ich dann zunächst den dritten Band der "Helden des Olymp"-Reihe von Rick Riordan bestellt: "Das Zeichen der Athene". Fehlen nur noch zweimal Versandkosten oder einsame Neuzugänge, dann habe ich die Reihe komplett. Bisher sind nämlich alle Teile der Reihe mehr oder weniger ungeplant in den Einkaufskorb gerutscht. Vielleicht komme ich dann, wenn ich die Reihe vollständig habe, auch endlich dazu, sie mal zu lesen.
Eigentlich sollte es das mit neuen Büchern gewesen sein, aber wie das immer so ist, hat sich dann auch noch "Starters" in meinen Warenkorb geschlichen. Ich habe mich durch meine Wunschliste geklickt und geschaut, welche Bücher denn gerade gebraucht für einen vernünftigen Preis zur Verfügung standen. Als ich "Starters" da einmal entdeckt hatte, konnte ich die Chance natürlich nicht einfach so verstreichen lassen.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

[Aktion] Top Ten Thursday #17 | 10 Bücher, die du gerne im Herbst 2016 lesen möchtest

Schon wieder ein Thema, das nach einer Leseliste fragt. Irgendwie scheinen mir diese Top Ten Thursdays am meisten zu liegen - zumindest zum Posten, das Lesen ist eine andere Geschichte. Bei allen drei bisherigen Leselisten (Herbst 2015, Winter 2015 und 'als nächstes'), die ich im Rahmen des TTTs geteilt habe, habe ich genau die Hälfte der Bücher gelesen. Irgendwie ist da eindeutig der Wurm drin. Da ich noch viel Luft nach oben habe, versuche ich es jetzt mal mit der nächsten Liste. Irgendwann muss es ja mal funktionieren, obwohl am 24. November schon die Weihnachtsleseliste fällig ist. Muss ich mich wohl ranhalten!
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
10 Bücher, die du gerne im Herbst lesen möchtest 

Meine Top Ten:

"City of Heavenly Fire" war beim letzten Mal schon dabei, aber ich habe es bisher nur in die Mitte von "City of Lost Souls" geschafft, danach ist das Buch aber auf jeden Fall dran.
"Humpelgreed" habe ich vor Monaten angefangen und bin nach 50 Seiten stecken geblieben, weil es mir gar nicht gefallen hat. Jetzt will ich es endlich mal beenden.

Die beiden "Liberty 9" Bücher gehören zu den neusten Büchern auf meinem SuB. Und dieses Jahr versuche ich, die Neuzugänge direkt auch wegzulesen. Daher wird die Reihe auf jeden Fall bald dran glauben müssen.

"Red Shark" ist mir auf lovelybooks als Buch für den Oktober ausgesucht worden. Jetzt ist der Oktober schon halb vorbei, da muss ich mich echt ranhalten. Aber ich bin schon sehr gespannt und damit käme dann endlich eine SuB-Leiche weg.
Ganz im Gegensatz dazu ist "Schnee wie Asche" noch so neu auf dem SuB, dass der Neuzugänge-Post noch nicht einmal online ist. Ich bin sehr gespannt und versuche das Buch bald zu lesen, bevor im Januar schon der zweite Teil erscheint.

Mit diesen beiden Büchern steht es genauso. "Die Seiten der Welt" wird wohl das Buch werden, das mir auf lovelybooks für den November ausgesucht wird. Es ist zwar noch ein halber Monat Zeit zum Abstimmen, aber der Vorsprung ist doch schon relativ deutlich, sodass ich mich bereits darauf eingerichtet habe.
Und "Starters" ist das allerneuste Buch auf meinem SuB, das ist nämlich bisher noch nicht mal angekommen. Heute oder morgen sollte mir der Postbote das Buch in die Hand drücken. Da will ich es dann natürlich auch direkt weglesen.

Sehr gespannt bin ich auf "Talon - Drachennacht", das erst am 31. Oktober erscheint. Da werde ich es aber auf jeden Fall direkt verschlingen, auch wenn mir der vorherige Teil nicht so gut gefallen hat.
Und zum Schluss habe ich mir noch "You're Never Weird On The Internet (Almost)" von der lieben Sophia von Sophias Bookplanet ausgeliehen. Ich liebe Felicia Day und hoffe immer noch, dass sie nächstes Jahr zur Convention nach Deutschland kommt. Aber selbst wenn nicht, muss ich dieses Buch unbedingt lesen!

Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?
Welche Bücher nehmt ihr euch für den Herbst vor?

Mittwoch, 12. Oktober 2016

[Rezension] Shilsas: In den Nebeln – Chris P. Rolls



Titel: Shilsas – In den Nebeln
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2016
Einband: eBook
Seiten: 688
ISBN: 978-1-539095-87-3
Preis: 7,99 € [D]

Klappentext:
Hoch über nebeligen Schluchten liegt die Stadt Shilsas, nur durch Seilbahnen zu erreichen. Stadt der Sünde und des Elends, in der einzig der Tod Gesetz ist. Navasirt Dadashian ist nur eine einfache Hure, versucht indes lange genug zu überleben, um die Ablösesumme und Passage über die Schlucht bezahlen und der Stadt entkommen zu können. Leichtsinn und Mut führen ihn zu dem gefürchtetsten Mann der Stadt: Matous Azatyan, genannt Hazar Maher, Herr der tausend Tode, den er wider Erwarten beeindruckt. Und auch Nava bekommt den geheimnisvollen Assassinen nicht mehr aus dem Kopf. Bald schon wird er hineingezogen in ein Chaos aus Argwohn, Fragen und Intrigen. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Matous? Welcher mächtige Feind zieht die Fäden des Netzes, das sich immer enger um Nava und Matous spinnt? Nava weiß nur eines: Traue niemandem in Shilsas.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Mein Gott, ist das ein gutes Buch. Ich muss nur daran zurückdenken und schon spüre ich mein Herz rasen und meine Nerven kribbeln. Die Geschichte ist von der ersten Seite an unglaublich spannend. Nava, der Protagonist, wird gleich zu Beginn des Buches um seinen Lohn betrogen. Obwohl er selbst weiß, wie verrückt und leichtsinnig es ist, macht er sich auf den Weg zum gefürchteten Herrn der tausend Tode, um sein Geld einzutreiben. Statt auf dieser Szene eine rasante Abfolge von Ereignissen aufbauen zu lassen, nimmt sich die Autorin im Anschluss die Zeit, die Stadt Shilsas, ihre Bevölkerung, die Lebensbedingungen und Navas Arbeitskollegen näher zu beschreiben. Dabei flacht die Spannung jedoch nicht ab, sondern baut sich Dank der atemberaubenden Atmosphäre immer weiter auf. Dieses Warten, während im Grunde nichts passiert, ist unglaublich nervenaufreibend. Als die Handlung dann Fahrt aufnimmt, verschafft das jedoch auch keine Erleichterung, denn aus dem nervösen Warten wird mitreißende Spannung. Der Autorin ist es gelungen, eine solch aufgeladene Atmosphäre zu entwickeln, dass mein Puls nie zur Ruhe kam, völlig unabhängig davon, was in dem Buch gerade beschrieben wurde.

Begeistert hat mich auch die Welt, die die Autorin sich ausgedacht hat. Die Stadt Shilsas liegt auf einem Hochplateau und kann daher nur über Seilbahnen erreicht oder verlassen werden. Schon daraus entsteht ein Gefühl der Bedrängnis, denn die Preise für die Überfahrt sind horrend. Den meisten Menschen ist es niemals möglich, Shilsas zu verlassen. Sie sind ihr Leben lang gefangen in einer Stadt, in der das Gesetz des Stärkeren gilt. Damit ist Shilsas ein Paradies für Kriminelle jeglicher Art. Kinder, Alte und Kranke haben kaum eine Überlebenschance, in den Straßen liegen verwesende Leichen, es riecht nach Schweiß, Blut und Urin, viele Gebäude und architektonische Gebilde sind halb zerstört oder verfallen und es gibt ganze Viertel, in die die meisten Menschen niemals einen Fuß setzen würde. Diese düstere Stimmung hat mich von Anfang an in ihren Bann geschlagen. Und über allem liegt das Grauen, wenn sich die Nebel über der Stadt ausbreiten, die Sicht auf wenige Meter beschränken, jede Ritze durchdringen, alles klamm und feucht werden lassen und tödliche Krankheiten mit sich bringen. Das Buch ist so atmosphärisch, dass ich mich dem einfach nicht entziehen konnte. Zugleich haben die Vielschichtigkeit der Welt und die Komplexität der Handlungsstränge mich immer mehr eingewickelt und diese abstoßende, entsetzliche Stadt hat mich so in ihren Bann gezogen, sodass ich die beiden wichtigsten Grundsätze vergessen habe: „Traue niemandem in Shilsas“ und „Jeder ist käuflich in Shilsas“.

Es sind jedoch nicht nur Spannung und Atmosphäre, die mich begeistert haben. Der Aufbau der gesamten Welt und der Handlung ist unglaublich komplex, aber trotzdem finden sich nie Logikfehler und irgendwer werden auch die unterschiedlichsten Handlungsstränge überraschend sinnvoll zusammengeführt. Es steckt so viel in diesem Buch, explizit wie implizit, dass ich noch immer nicht aufhören konnte, darüber nachzudenken. Gleiches gilt auch für die Charaktere. Selbst in den letzten Kapiteln konnten sie mich mit neuen Offenbarungen noch immer überraschen, die sich so perfekt in den Charakter einfügen, dass ich mich frage, wieso ich da nicht vorher schon drüber nachgedacht habe. Durch diese Vielschichtigkeit der Charaktere wird auch eine Fülle von Emotionen vermittelt. Diese sind so mitreißend, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte, ebenso zu empfinden wie die Figuren, auch wenn ich das manchmal gar nicht wollte. Die Intensität der Gefühle ist wirklich beeindruckend. In dem Zusammenhang hat mir am meisten gefallen, dass der Fokus sehr viel auf der Geschichte und den daraus entstehenden Emotionen liegt und weniger auf der Beschreibung von expliziten, leidenschaftlichen Sexszenen. Natürlich gibt es einige solcher Szenen, aber dass die Handlung hier deutlich mehr Raum einnimmt, finde ich auf jeden Fall positiv erwähnenswert. Dasselbe gilt für das Ende des Buches, das rund und zufriedenstellend ist, ohne eine offensichtliche Hintertür für einen möglichen Folgeteil offen zu lassen. Die Geschichte ist perfekt, wenngleich auch irgendwie erschreckend abgeschlossen.

Fazit:
Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Die Atmosphäre ist gigantisch. Selbst wenn in der Geschichte eigentlich überhaupt nichts passiert, ist die Spannung nervenaufreibend. Die Beschreibungen der Stadt Shilsas, der dort lebenden Menschen und der düster aus dem Abgrund heraufziehenden Nebeln verbreiten immer wieder entsetzliches Grauen. Hinzu kommen ein Protagonist mit einem packenden Erzählstil und eine enorme Intensität der Gefühle, die absolut mitreißend ist. Welt und Handlung sind vielschichtig und komplex, aber perfekt ineinander integriert. Mir geht es nach Abschluss des Buches wie den meisten Menschen in Shilsas: Ich kann der Stadt für eine ganze Weile nicht mehr entkommen. Für „Shilsas – In den Nebeln“, das Meisterwerk der Autorin, vergebe ich mit fünf Schreibfedern alles, was ich habe.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin Chris P. Rolls für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 9. Oktober 2016

[Rezension] Gefangen zwischen den Welten – Sara Oliver



Titel: Gefangen zwischen den Welten
Autor: Sara Oliver
Verlag: Ravensburger
Erscheinungsdatum: 24. August 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 414
ISBN: 978-3-473401-44-4
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Ve und Nicky sehen genau gleich aus. Doch die beiden sind keine Zwillingsschwestern. Zwischen ihnen liegen, im wahrsten Sinne des Wortes, Welten. Ein mysteriöses Portal hat Ve in ein Paralleluniversum katapultiert – mitten hinein in das Leben ihrer Doppelgängerin Nicky. Um in ihre eigene Welt zurückzukehren, muss Ve sich mit Nicky verbünden, ihre schlimmsten Ängste überwunden und ihre große Liebe Finn für immer verlassen ...

Einordnung:
- Gefangen zwischen den Welten (Teil 1)
- noch unbekannt (Teil 2)
- noch unbekannt (Teil 3)

Rezension:
Der Klappentext klingt viel spannender und dramatischer als das Buch eigentlich ist. Es stimmt, dass die Protagonistin Ve in einem Paralleluniversum landet, in dem sie sieht, wie ihr Leben hätte verlaufen können, wenn andere Entscheidungen getroffen worden wären – dort nennt sich ihr anderes Selbst noch immer Nicky. Allerdings ist es kein Problem für sie, in ihre eigene Welt zurückzukehren – sie müsste einfach nur das Portal ein weiteres Mal nutzen. Dass sie das nicht tut, liegt zu Beginn der Geschichte daran, dass nicht nur Ves, sondern auch Nickys Vater verschwunden ist. Beide sorgen sich um ihre Väter und wollen versuchen, sie zu finden. Zumindest bis Nicky sich auf den Weg machen muss, um rechtzeitig bei der Mathe AG zu sein, und Ve beschließt, sich trotz der Gefahr, dass sie beide gleichzeitig gesehen werden könnten, das Dorf anzusehen. Ab diesem Zeitpunkt sind die verschwundenen Väter eigentlich vollkommen egal, die Drohmail auf dem Computer nicht so wichtig und dass Ve und Nicky sich jetzt eine Welt teilen, macht auch nichts. Nur hin und wieder wird noch mal die Tatsache eingeworfen, dass die Väter immer noch verschwunden sind. Damit geht der eigentliche Aufhänger der Geschichte ziemlich verloren. Stattdessen beschäftigen sich die beiden Mädchen lieber mit Nachhilfe, AGs, Wettbewerben, Sport und Dates. Diese Setzung der Prioritäten ist ziemlich merkwürdig und ein Beispiel für die fehlende Emotionalität des Buches.
Die Emotionslosigkeit zeigt sich auch an vielen weiteren Stellen. Beispielsweise schon bei Ves Ankunft in der Parallelwelt, bei der sie weder sonderlich überrascht noch durch den Wind ist, obwohl sie nichts von der Existenz von Parallelwelten wusste. Es gibt keine Sekunde Unglaube oder Überforderung, nur ein einziges Mal steht in der Geschichte, dass Ve Angst hat, allerdings konnte ich diese Emotion da auch nur mit dem Verstand nachvollziehen, nicht mit dem Herzen. Statt also Angst zu haben und sich in Nickys Zimmer zu verstecken, läuft sie bei erstbester Gelegenheit durch das Dorf und unterhält sich mit mehreren Menschen, die sie zum Teil nicht einmal aus ihrer eigenen Welt kennt. Statt vorsichtig und misstrauisch zu sein, ist sie schon nach zwei Treffen so unglaublich verliebt in Finn und sich seiner Liebe so absolut sicher, dass sie sogar überlegt, für immer in dieser Welt zu bleiben. Und statt verunsichert oder überwältigt zu sein, lässt sich Ve gedanklich über Nicky aus und macht sich darüber lustig, dass sie ein Streber ist. Zum Teil hat sie damit Recht, Nicky ist wirklich extrem intelligent im naturwissenschaftlichen Bereich, aber vermutlich fällt Ve das so enorm auf, weil sie selbst wirklich dumm ist. Schon bei der leisesten Andeutung einer Erklärung für die Parallelwelten macht sich völlig zu und fasst die gesamte Erklärung mit „sie redete wirres Zeug“ zusammen. Damit gibt es auch für den Leser kaum Erklärungen und es entsteht somit der Eindruck, dass die Autorin entweder keine Lust hatte zu recherchieren oder aber glaubt, die Leser könnten die Erklärungen ohnehin nicht verstehen. Wirklich schade. Eigentlich lässt sich jeder wissenschaftliche Inhalt so herunter brechen, dass auch die Zielgruppe ab 12 Jahren den groben Zusammenhang verstehen kann.

Generell hat mir die Idee zu den Parallelwelten aber sehr gut gefallen. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich Nicky und Ve und ihr Umfeld entwickelt haben. In der einen Welt versteht Ve nichts von Naturwissenschaften, in der anderen Welt nimmt Nicky an wissenschaftlichen Wettbewerben teil. In der einen Welt sind ihre Eltern noch verheiratet, in der anderen Welt leben sie getrennt. In der einen Welt arbeitet die Mutter, in der anderen Welt der Vater. Das hat mich neugierig darauf gemacht, wie wohl eine Parallelwelt mit meinem anderen Selbst aussehen würde.
Allerdings muss ich an diesem Punkt auch anmerken, dass die Unterschiede zwischen den beiden Welten manchmal völlig übertrieben waren. Häufig ist es eine Darstellung in schwarz-weiß, weil die Welten die genauen Gegenteile sind. Ves Mutter ist sportlich, selbstsicher und erfolgreich, während Nickys Mutter als dick, depressiv, arbeitslos und alkoholabhängig beschrieben wird. Da fiel es mir schwer, mir vorzustellen, dass das im Grunde die gleiche Person ist. Außerdem ist Ves Welt die Welt, wie wir sie auch kennen, während in Nickys Welt riesige Unternehmen wie Facebook, YouTube und Starbucks entweder gar nicht existieren oder vollkommen unwichtig sind. Dabei hat sich das Konzept aber trotzdem durchgesetzt, die Namen sind nur verändert. Zum Teil fand ich diese extremen Unterschiede unglaubwürdig. Es macht beinahe den Eindruck als hätte die Autorin mit aller Macht so viele offensichtliche Unterschiede wie möglich einbauen wollen, damit der Leser auf gar keinen Fall übersehen kann, dass Nickys Welt eben nicht Ves Welt ist. Weniger Unterschiede mit mehr Erklärungen für diese Unterschiede hätten mir deutlich besser gefallen.

Neben den merkwürdigen Prioritäten, der völlig abwegigen und unnötigen Liebesgeschichte, den fehlenden Emotionen und den übertriebenen Unterschieden gibt es noch eine Menge andere Dinge, die mir an diesem Buch nicht gefallen haben. Dazu gehören die allesamt unsympathischen Charaktere, die zum Teil selbst als Erwachsene noch übertrieben naiv handeln, und das überflüssige offene Ende, das ich kein Stück nachvollziehen kann und das im Grunde die Handlung für die beiden Folgebände schon vorwegnimmt.
Nichtsdestotrotz hat das Buch neben der schönen Idee der Parallelwelten auch gute Momente, die mir gefallen haben. Dazu gehören die Gedanken, die sich die Autorin rund um die Gefahr gemacht hat, die das offene Portal zwischen den Welten darstellt. Falls sich die folgenden Teile weniger um die Liebesgeschichte drehen, könnte daraus eine Menge Spannung entstehen. Außerdem lässt sich das Buch sehr gut lesen. Der Schreibstil ist so flüssig, dass die Seiten geradezu vorbei fliegen.

Fazit:
Das Buch war ganz anders als erhofft. Die Charaktere sind unsympathisch, Jugendliche wie Erwachsene handeln völlig naiv und die Liebesgeschichte ist absolut unglaubwürdig. Merkwürdige Prioritätensetzung und Emotionslosigkeit ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Gelungen ist die Idee zu den Parallelwelten und die Überlegungen, welche Chancen und Gefahren durch ein offenes Portal zwischen zwei Welten entstehen, sind interessant. Leider werden die Welten so übertrieben unterschiedlich dargestellt, damit sie bloß niemand verwechseln kann, dass es schon wieder unglaubwürdig wird. Durchweg gelungen ist lediglich der Schreibstil, der das Buch flüssig lesen lässt. Für eine gute Idee mit ziemlich missglückter Umsetzung bekommt „Gefangen zwischen den Welten“ gerade noch drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Ravensburger Buchverlag und bei lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 2. Oktober 2016

[Statistik] September 2016

Der September war ein guter Lesemonat. Zwischen dem Ende des Bachelor- und dem Anfang des Masterstudiums hatte ich endlich mal wieder gar nichts zu tun. Also habe ich zwei Wochen nur herumgesessen und nichts getan. Dabei habe ich dann auch einige Bücher verschlungen. Acht Bücher in einem Monat habe ich zuletzt im Juli letzten Jahres geschafft. Mein SuB-Abbau schreitet also weiter voran!


Neuzugänge:

- "Shilsas - In den Nebeln" von Chris P. Rolls [Rezensionsexemplar]
- "Gefangen zwischen den Welten" von Sara Oliver [Leserundenexemplar]
- "Harry Potter und das verwunschene Kind" von Joanne K. Rowling [Kauf]
- "Survive the night" von Danielle Vega [Rezensionsexemplar]
- "Been here all along" von Sandy Hall [Kauf]

Gesamtanzahl: 5 Bücher



Gelesen:

- "Been here all along" von Sandy Hall (214 Seiten) [4/5]
- "Survive the night" von Danielle Vega (266 Seiten) [1/5]
- "Anything Could Happen" von Will Walton (281 Seiten) [4/5]
- "Angelfall - Nacht ohne Morgen" von Susan Ee (397 Seiten) [4/5]
- "Nacht ohne Sterne" von Gesa Schwartz (542 Seiten) [4/5]
- "In einer anderen Welt" von Jo Walton (415 Seiten) [2/5]
- "Schwestern der Wahrheit" von Susan Dennard (507 Seiten) [4/5]
- "Harry Potter und das verwunsche Kind" von Joanne K. Rowling (324 Seiten) [4/5]

Bücher insgesamt: 8 Bücher
Seiten insgesamt: 2946 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 3,375 von 5 Schreibfedern



Highlight des Monats:

  

Es hat zwar kein Buch fünf Schreibfedern bekommen in diesem Monat, aber am positivsten überrascht war ich von "Angelfall" und "Schwestern der Wahrheit". Bei beiden war ich skeptisch, ob sie meinen Geschmack treffen werden. Aber sie haben mich so begeistert, dass ich schon gespannt auf die Fortsetzungen warte.


Enttäuschung des Monats:


Das Buch ist definitiv meine Enttäuschung des Monats. Meine Erwartungen waren nicht wirklich hoch, aber das Buch war tatsächlich noch mal schlechter. Die Protagonistin ist unsympathisch und ein Mitläufer, die Spannung fehlt und es gibt jede Menge Inkonsistenzen. Das war gar nicht mein Ding.