Dienstag, 17. Januar 2017

[Rezension] Angelfall: Tage der Dunkelheit – Susan Ee


Titel: Angelfall – Tage der Dunkelheit
Autor: Susan Ee
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2017
Einband: Softcover
Seiten: 446
ISBN: 978-3-453317-48-2
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Kaum hat Penryn ihre kleine Schwester Paige aus dem Hauptquartier der Engel in San Francisco befreit, wird diese erneut entführt. Und so muss sich Penryn in den rauchenden Trümmern der Stadt erneut auf die Suche nach Paige machen. Dabei findet sie heraus, welch finstere Pläne die Engel wirklich verfolgen. Ihre letzte Hoffnung ist der gefallene Engel Raffe, der jedoch vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens steht: Soll er auf sein Herz hören und Penryn helfen, oder soll er versuchen, seine Flügel zurückzubekommen?

Einordnung:
- Nacht ohne Morgen (Teil 1) 
- Tage der Dunkelheit (Teil 2)
- End of Days (Teil 3, dt. unbekannt)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch macht genau an der Stelle weiter, an der der erste Band aufgehört hat. Penryn ist nach dem Stich des Skorpions noch immer gelähmt, aber alle halten sie für tot. Trotzdem nimmt der Widerstand sie mit ins neue Camp. Schon auf dem Weg dorthin löst sich die Lähmung allmählich, sodass Penryn wieder handlungsfähig ist. Das ist auch dringend notwendig, denn die Geschichte geht direkt rasant weiter ohne viel Zeit, die bisherigen Geschehnisse zu verarbeiten. Das Buch lässt keine Minute Zeit zum Durchatmen, denn schließlich herrscht auf der Erde Krieg. Die größten Schwierigkeiten bereitet Penryn allerdings ihre entstellte kleine Schwester, vor der sich alle gruseln und die nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich nicht mehr dieselbe ist. Auch Penryn fechtet in ihrer Nähe ständig einen inneren Kampf aus, denn obwohl Paige noch immer ihre geliebte kleine Schwester ist, bringt sie es weder über sich, sie anzusehen noch sie anzufassen. Dadurch, dass selbst die starken Familienbunde aus dem ersten Teil nicht mehr wirklich existieren, wird die Atmosphäre des Buches noch ein wenig düsterer.

Überhaupt ist es in diesem Band hauptsächlich die Atmosphäre, die mich mitgerissen hat, denn so sehr viel Handlung gibt es nicht, abgesehen vom rasanten Ende. Zwar geht der Überlebenskampf weiter, Paige verschwindet erneut und es gibt mehrere Scharmützel mit Engeln, Skorpionen und auch Menschen, aber insgesamt verbringt Penryn viel Zeit damit, einfach nur zu leben. Das ist jedoch keinesfalls langweilig, denn auch wenn gerade kein Angriff des Feindes erfolgt, ist das normale Alltagsleben geprägt von atemlosem Warten darauf, dass es wieder beginnt. Die Szenen mit Penryns Familie sind gleichermaßen emotional wie unheimlich. Und unterbrochen wird die Beschreibung der Gegenwart immer wieder durch Erinnerungen, die Raffes Schwert mit Penryn teilt. Dadurch gibt es nicht nur mehr Informationen über Raffe, sondern es wird auch seine innige Verbindung mit dem Schwert deutlich. Auch Penryns eigene Beziehung zum Schwert wird immer stärker und der vorsichtige Austausch von Gefühlen war irgendwie berührend. Das alles wird so intensiv geschildert und baut eine so spannungsgeladene Atmosphäre auf, dass ich bis mitten in der Nacht gelesen habe, weil ich einfach nicht aufhören konnte.

Neben Penryns Beziehung zu dem Schwert hat mir auch ihre Beziehung zu Raffe unheimlich gut gefallen. Sie denkt immer mal wieder zwischendurch an ihn und gestattet sich manchmal, einfach nur ein 17jähriges Mädchen zu sein. Aber generell ist sie so damit beschäftigt, zu überleben und ihre Schwester zu finden, dass für Raffe kaum Platz in ihrem Kopf ist. Da dieser Penryn für tot hält und sie dementsprechend auch nicht sucht, dauert es mehr als 300 Seiten, bis sie sich das erste Mal wieder über den Weg laufen. Zuvor taucht er nur in den Erinnerungen seines Schwertes auf. Diese Erinnerungsfetzen, die hin und wieder eingeschoben wurden, ohne dass er im Buch tatsächlich mal aktiv aufgetaucht wäre, haben in mir tatsächlich so etwas wie Sehnsucht entfacht. Zum Schluss, kurz bevor sie sich wiedersehen, habe ich ihn tatsächlich mehr vermisst als Penryn. Es ist mir in meiner ganzen Leserlaufbahn noch nie passiert, dass ich selbst den Kerl mehr vermisst habe als die Protagonistin. Aber dieses Buch hat es geschafft und davon bin ich noch immer beeindruckt.

Fazit:
Das Buch macht an der Stelle weiter, an der der vorherige Band aufgehört hat. Der nahtlose Übergang macht den Einstieg in die Geschichte leicht. Außerdem ist das Buch von der ersten Seite an spannend, auch wenn die Handlung erst gegen Ende richtig in Schwung kommt. Dafür ist bis zu diesem Punkt die Atmosphäre umso mitreißender. Egal, womit sich Penryn beschäftigt, alles ist unglaublich intensiv geschrieben. Und selbst bei Alltagsaktivitäten herrscht das atemlose Warten auf die Katastrophe. Dazwischen baut Penryn langsam eine berührende Beziehung zu Raffes Schwert auf und seine beiläufigen Erwähnungen haben mich sehnsüchtiger auf ihn warten lassen als Penryn. „Angelfall – Tage der Dunkelheit“ konnte mich absolut überzeugen und bekommt dafür fünf Schreibfedern.



Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

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