Mittwoch, 25. Januar 2017

[Rezension] So kalt wie Eis, so klar wie Glas – Oliver Schlick



Titel: So kalt wie Eis, so klar wie Glas
Autor: Oliver Schlick
Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsdatum: 19. August 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 381
ISBN: 978-3-764170-43-1
Preis: 16,95 € [D]

Klappentext:
Rockenfeld ist ein wahr gewordenes Postkartenidyll. Der ganze Ort strahlt Ruhe und Frieden aus. Hier werden seit Generationen die schönsten Schneekugeln hergestellt: kleine Kunstwerke unter Glas, wundersame Welten in künstlichem Schnee, so malerisch wie Rockenfeld selbst.
Doch Cora, die nach  dem Tod ihrer Mutter nach Rockenfeld zieht, kommen schnell Zweifel an der friedlichen Fassade ihres neuen Zuhauses. Zu seltsam sind die Dinge, die sich beobachtet. Wer gibt nachts Lichtzeichen im Wald? Was verschweigt ihr der Junge mit den unvergesslichen Augen und den eiskalten Händen? Und was geschah wirklich vor vierundzwanzig Jahren, als ein Mädchen verschwand? Cora wird das Gefühl nicht los, dass das alles mit den Schneekugeln zu tun hat – und mit Menschen, die ihr sehr nahestehen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Mit Büchern, die in den Raunächten spielen, scheine ich kein Glück zu haben. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und war gespannt, wie Fantasy mit Schneekugeln verbunden wird. Jetzt muss ich sagen, dass diese Verbindung im Grunde alles ist, was mir an der Geschichte gefallen hat. Der Rest konnte mich überhaupt nicht überzeugen.

Am meisten enttäuscht bin ich von den Charakteren. Mit Cora, der Protagonistin, bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Sie ist insbesondere am Anfang reichlich zickig, hat aber ansonsten irgendwie keine Emotionen. Dass ihre Mutter gestorben ist, ist nach ein paar Seiten schon nicht mehr erwähnenswert und dass andere Menschen in ihren Armen sterben, lässt sie auch völlig kalt. Ob sie sich gut oder schlecht fühlt, konnte ich immer nur dem Text entnehmen, weil ich keinen Zugang zu ihr gefunden habe und damit auch nicht mitfühlen konnte. Das gilt in besonderem Maß für die Liebesgeschichte, die in meinen Augen absolut unglaubwürdig ist. Schon nach der ersten Begegnung ist Cora bis über beide Ohren verliebt, muss ständig an ihn denken, hat überhaupt keine Angst davor, dass er offensichtlich kein Mensch ist, und trotzdem schafft sie es nicht, auch nur eine einzige Emotion zu transportieren.
Dieser Mangel an Emotionen kann auch durch die anderen Charaktere nicht kompensiert werden, da diese allesamt blass bleiben. Jede Figur hat eine Eigenschaft, die sie ausmacht, und bei jeder Erwähnung der Person wird da nochmals kurz drauf eingegangen, damit das nicht in Vergessenheit gerät. Beispielsweise ist Elsa das tollpatschige Mannsweib, Julian der verzogene Schnösel, Toby ein hirnloser Schläger, Melly eine hyperaktive Idiotin, Zachariah ein missmutiger Spanner und Marlene eine umwerfende Schönheit. Hinzu kommen dann noch Polizisten, die wie idiotische, unfähige Karikaturen dargestellt sind, eine Psychologin, die total einen an der Klatsche hat und selbst eine Therapie bräuchte, und so weiter. Es gibt nicht eine Figur, die nicht wie ein ausgestanztes Klischee wirkt, und nur der stockschwule Moritz schafft es, trotz Stereotypisierung halbwegs witzig zu sein.

Leider konnte auch die Handlung das Ruder nicht herumreißen. Zwar hat mir die Idee gut gefallen und ich fand die Geschichte hinter der Geschichte interessant, die Umsetzung war aber leider ziemlich langweilig. Das Buch braucht lange, bis es halbwegs in Schwung gekommen ist, da Cora nach dem Tod ihrer Mutter zunächst einmal nach Rockenfeld umziehen und sich mit dem Dorf und den Personen dort vertraut machen muss. Allerdings sind die meisten Menschen, insbesondere ihre neuen Klassenkameraden, nicht einmal eine namentliche Erwähnung wert, sodass sich das Buch schon auf dem ersten Stück zieht. Das genaue Gegenteil, das leider trotzdem nicht gelungen ist, ist das Finale. Der Höhepunkt, auf den das ganze Buch hinausläuft, ist absolut unspektakulär, kein bisschen spannend und wird eben schnell auf einer Seite abgehandelt. Da hätte die Geschichte deutlich mehr Potenzial gehabt.
Am wenigsten gefallen hat mir jedoch der Mittelteil. Das liegt auch mit an der Protagonistin, die unfassbar schwer von Begriff ist. Das ganze Buch über reiht sich eine Vorhersehbarkeit an die andere, aber ihr muss immer erst jemand haarklein erklären, worum es jetzt genau geht. Besonders deutlich wird das, als ihr Großvater ihr beinahe wortwörtlich ein geheimes Versteck verrät und sie 150 Seiten braucht, um den Wink mit der Litfaßsäule zu verstehen. Zu Gute halten muss ich ihr da allerdings, dass alle anderen es auch nicht verstehen. Damit konnte mich das Buch weder am Anfang noch in der Mitte noch am Ende mitreißen. Dass die Geschichte außerdem nur in drei Teile und nicht in Kapitel unterteilt ist, hat die Lesedynamik auch nicht gefördert, denn statt „nur noch das Kapitel zu Ende“ zu lesen, habe ich immer einfach aufgehört, wenn ich keine Lust mehr hatte.

Fazit:
Das Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Cora, die Protagonistin, ist zickig, unfassbar schwer von Begriff und schafft es während des ganzen Buches nicht, auch nur eine einzige Emotion zu transportieren. Dadurch sind die Todesfälle unemotional und die überstürzte Liebesgeschichte wirkt an den Haaren herbei gezogen. Alle anderen Charaktere sind ausgestanzte Klischees und blasse Stereotype. Auch die Handlung konnte mich nicht fesseln, da das Buch eine lange Anlaufzeit hat, im Mittelteil durch die Vorhersehbarkeiten ziemlich langweilig ist und das unspektakuläre Finale schnell auf einer Seite abgehandelt wird. Gefallen haben mir nur die Idee und einige wenige Witze von Moritz, dem stockschwulen Stereotyp. Daher kann ich „So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ nicht mehr als zwei Schreibfedern geben.

Kommentare:

  1. Guten Abend,

    schade, das Buch hat es vor kurzem erst auf meine Wunschliste geschafft. Eine Bloggerin, die ich sehr schätze, mag das Buch sehr, allerdings, wenn ich deine Rezension so sehe, erwäge ich das Buch direkt wieder zu streichen.
    Du sprichst eine Menge Details an, die ich in Büchern, so gar nicht ausstehen könnte.

    Danke dafür :)
    Gruß, Ina

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    1. Hey Ina,

      na, die Meinungen sind sehr verschieden zu diesem Buch. Mir hat es zwar irgendwie nicht wirklich zugesagt, aber ich weiß von anderen Leuten, die das Buch lieben. Also probier es vielleicht einfach mal für dich selbst aus. ;)

      Grüße zurück und ich danke dir, dass du meine Rezensionen tatsächlich liest. xD

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