Dienstag, 31. Januar 2017

[Rezension] Winston: Im Auftrag der Ölsardine – Frauke Scheunemann



Titel: Winston – Im Auftrag der Ölsardine
Autor: Frauke Scheunemann
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 234
ISBN: 978-3-785581-14-8
Preis: 12,95 € [D]

Klappentext:
Das hatte sich Kater Winston ganz anders vorgestellt: Statt die Vorfreude auf die Feiertage mit Kira und Familie Hagedorn genießen zu können, verdirbt er sich beim Naschen den Magen. Und zwar so heftig, dass er sogar in die Tierklinik muss. Dann der nächste Schock: Winston wurde vergiftet! Will jemand dem tierischen Ermittler an den Pelz? Die Spur führt zu Feinkosthändler Sandro, dessen Vitello Tonnato offenbar eine verdächtige Zutat enthält. Aber der ist doch ein Freund der Familie! Das riecht nach einem neuen Fall ...

Einordnung:
- Im Auftrag der Ölsardine (Teil 4)
- Kater undercover (Teil 5)
- ob weitere Teile folgen, ist unbekannt

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Der vierte Band um die Abenteuer des Katers Winston und seiner Freunde ist gleichermaßen witzig und spannend. Während sich im vorherigen Band meist bloß durch die Tatsache, dass Winston bestimmte Ausdrücke nicht kannte, gezeigt hat, dass er ein Kater und kein Mensch ist, hat die Autorin seine Sichtweise der Welt in diesem Buch wieder mehr ausgestaltet. Natürlich gibt es noch immer Dinge, die er als Kater nicht versteht. Beispielsweise denkt er, beim Fest Weihnachten ginge es darum, möglichst viel zu essen. Mit dieser Anschauung gerät er in Streit mit seinem Katerfreund Karamell, der der festen Überzeugung ist, beim Weihnachtsfest ginge es darum, viele Kerzen überall in der Wohnung zu verteilen. Schließlich wird sogar extra ein Baum ins Haus gestellt, um noch mehr Platz für Kerzen zu haben.
Aber es bleibt nicht bei diesen Unkenntnis von Begriffen, denn Winston nimmt als Kater auch den alltäglichen menschlichen Sprachgebrauch anders wahr. Dass Professor Hagedorn seine Anna mittlerweile „Spatzl“ nennt, bringt ihn beispielsweise zu der Feststellung, dass Menschen sich gegenseitig mit den Namen kleiner Tiere ansprechen, wenn sie sich mögen. Spatz, Maus und Hase sind nur einige Beispiele dafür. Kaum ist diese Erkenntnis verarbeitet, fügt Winston in herrlich nüchternem Tonfall hinzu, dass Menschen sich dann, wenn sie sich nicht mehr mögen, die Namen großer Tiere wie Esel, (dumme) Kuh oder Elefant (im Porzellanladen) geben.
Am meisten zum Lachen gebracht hat es mich aber, wenn Winston Wörter falsch versteht und diese dann so verwendet. Schon die „Muskeltiere“ waren lustig, aber dass die zweibeinige Mitbewohnerin des Katers Spike „Püschellogin“ ist, war noch besser. Das mag damit zusammen hängen, dass ich „Püschellogie“ studiere, aber ich habe mich auf jeden Fall köstlich amüsiert.

Das Buch war allerdings nicht nur witzig, sondern auch überraschend spannend. Da Winstons Vergiftung im Prolog geschildert wird und das erste Kapitel aber einige Tage zuvor beginnt, wird schon so Spannung aufgebaut. Es dauert noch eine ganze Weile, bevor die Handlung diesen Punkt wieder erreicht. Das hat mich viele Dinge sehr viel aufmerksamer lesen lassen, da ich schnell herausfinden wollte, was denn passiert ist. Dadurch, dass Winston diesmal selbst betroffen ist und seine Nase nicht bloß in fremde Angelegenheiten steckt, wirken die Entwicklungen außerdem dramatischer. Hinzu kommt, dass das Buch diesmal nicht nach dem „eine oder keine Spur“-Prinzip verläuft, sondern mehrere Geschichten gleichzeitig eine Rolle spielen. Winston und seine Freunde erhalten mehrere widersprüchliche Hinweise und müssen mehreren Personen und Katzen gleichzeitig helfen. Während Winston sich dadurch beinahe schon gestresst gefühlt hat, hat das für mich die Spannung erhöht, denn ich wusste lange tatsächlich nicht, worauf das Buch nun hinauslaufen würde.

Fazit:
Im vierten Teil der Reihe hat die Autorin zu ihrem alten Witz zurückgefunden. Winstons Sicht der Welt nimmt wieder mehr Raum ein. Sein fehlendes Wissen, das falsche Verständnis von Wörtern und die nüchterne Analyse der Eigenheiten des menschlichen Sprachgebrauchs haben mich mehrfach zum Lachen gebracht. Außerdem ist die Handlung diesmal sehr spannend, denn Winston selbst ist von den Vorfällen betroffen. Außerdem gibt es diesmal gleich mehrere Fälle und widersprüchliche Spuren, sodass ich genauso lange gebraucht habe wie die Kinder (und Katzen), um alles zu durchschauen. „Im Auftrag der Ölsardine“ hat mich bestens unterhalten und bekommt dafür fünf Schreibfedern.

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