Dienstag, 28. Februar 2017

[Rezension] Ein ganzes Jahr Liebe – Kuschelgang


 Titel: Ein ganzes Jahr Liebe
Autor: Kuschelgang
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2015
Einband: Softcover
Seiten: 367
ISBN: 978-1-507816-28-8
Preis: 14,00 € [D]

Klappentext:
Ein Jahrbuch der besonderen Art: Jeden Monat eine Geschichte voller Gefühle, Verwicklungen, Schicksalsschlägen, Romantik und eben ... Liebe.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe. Es beinhaltet zwölf Kurzgeschichten von zehn Autoren.

Rezension:
Dieses Buch ist in jeglicher Hinsicht abwechslungsreich. Die Protagonisten der Geschichten sind zwar allesamt schwul, aber ansonsten grundverschieden. Der Leser trifft beispielsweise auf einen Brasilianer, einen Friedhofsgärtner, einen Weihnachtsfanatiker und einen sechzehnjährigen Schüler. Sie alle haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht in ihrem Leben, sodass es lustige und traurige, spannende und ergreifende Geschichten gibt. Außerdem befinden sich die Charaktere alle in verschiedenen Stadien ihrer Beziehung, sodass nicht jede Geschichte eine Wiederholung der vorhergehenden ist, sondern Beziehungsalltag auf eine erste Begegnung folgt und die Gründung einer Familie sich mit Trennungen und One-Night-Stands abwechselt. Als Gesamtwerk ist die Anthologie damit vielfältig und abwechslungsreich.

Leider schwankt auch die Qualität der einzelnen Geschichten sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Ein inhaltliches Problem, das beinahe alle Geschichten aufweisen, ist das Pacing. Da die Beiträge durchschnittlich nur 30 Seiten haben, muss viel Handlung auf wenigen Seiten beschrieben werden. Dadurch kommt die Lösung tiefgehender Probleme oftmals viel zu einfach, die große Verliebtheit zu schnell und das „Ich liebe dich“ zu früh. Manchmal ist das einfach der Tatsache geschuldet, dass es ich um Kurzgeschichten handelt, hin und wieder hätte aber beispielsweise einfach das „Ich liebe dich“ im letzten Absatz weggelassen werden können, um am Ende nicht doch noch alles zu überstürzen. Leider haben nur wenige Geschichten das Erzähltempo auf den Punkt gebracht.
Doch auch abgesehen davon konnten mich einige Geschichten nicht packen. Manche waren mir zu handlungsarm, weil im Grunde nur philosophische Gedankenmonologe geschildert wurden. Bei anderen wechselte die Erzählperspektive häufig mitten im Absatz, sodass ich kaum folgen konnte, wessen Gedanken gerade wiedergegeben wurden. Zu dieser Verwirrung hat auch beigetragen, dass manchmal die Namen der Charaktere vertauscht wurden, mitten in der Handlung die Rolle wechselte oder Namen innerhalb einer Geschichte beinahe identisch waren. Das sind Dinge, über die ich auch bei Self-Publishern nicht hinwegsehen möchte.

Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch Geschichten, die mich begeistert haben. Allen voran sind da zwei Autoren zu nennen, die mich schon mit anderen Büchern überzeugen konnten: S. B. Sasori und Chris P. Rolls. Die Geschichte von S. B. Sasori ist so gespickt mit Details und weiterführenden Andeutungen, dass der Eindruck entsteht, die Kurzgeschichte sei nur ein kleiner Einblick in eine viel größere Welt. Es wird nichts künstlich vereinfacht oder verkürzt, um es in den Rahmen zu quetschen, sodass die Geschichte in alle Richtungen überquillt, obwohl sie in sich durchaus abgeschlossen ist. Chris P. Rolls dagegen bringt es in ihrer Geschichte in allen Belangen auf den Punkt. Ihre Beschreibungen der Emotionen sind mitreißend wie immer, die Charaktere sind ausgearbeitet und das Timing ist optimal. Darüber hinaus habe ich mit Nico Morleen und Karo Stein zwei neue Autoren entdeckt, deren Bücher ich mir genauer ansehen werde. Beide haben sympathische Charaktere geschaffen, ergreifende Emotionen beschrieben und ein gutes Gespür für das passende Erzähltempo.

Fazit:
Das Buch ist in jeder Hinsicht abwechslungsreich. Die Charaktere sind grundverschieden und befinden sich in unterschiedlichen Beziehungsstadien, sodass die Geschichten sich nicht wiederholen. Leider schwankte die Qualität der Geschichten sehr. Altbekannte Autoren konnten mich überzeugen und ich habe neue Highlights entdeckt, andere Beiträge wiederum haben mich gar nicht gepackt, weil sie zu philosophisch, zu handlungsarm oder stilistisch zu verwirrend waren. Insgesamt hat mir „Ein ganzes Jahr Liebe“ mal gar nicht, mal sehr gut gefallen, sodass ich drei Schreibfedern vergebe.

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