Mittwoch, 29. März 2017

[Rezension] Lügen schützt vor Liebe nicht – Caitlin Daray


Titel: Lügen schützt vor Liebe nicht
Autor: Caitlin Daray
Verlag: Cursed Verlag
Erscheinungsdatum: 17. März 2016
Einband: Softcover
Seiten: 334
ISBN: 978-3-958230-48-4
Preis: 10,95 € [D]

Klappentext:
Als Mitläufer lässt sich Kian von Geldsorgen geplagt immer wieder von seiner Clique zu Einbrüchen überreden. Schnell rein, schnell raus, ohne dass jemand zu Schaden kommt – bis Wachmann Eric verletzt wird und Kians schlechtes Gewissen ihn dazu nötigt, Eric als scheinbar unbeteiligter Passant zu Hilfe zu kommen.
Als Kian seiner Einbrecherbande den Rücken kehren will und dafür zusammengeschlagen wird, ist es ausgerechnet Eric, der ihn aufliest und kurzerhand bei sich aufnimmt. Doch als die beiden sich näherkommen, steht nicht nur ihre Beziehung durch Kians Lügen auf dem Spiel, auch Erics Leben gerät in Gefahr. Denn Kians ehemaliger Bandenchef wittert nun eine Chance auf den ganz großen Coup...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Die Geschichte wird abwechselnd vom arbeitslosen Kian und vom Wachmann Eric erzählt. Dass dabei Erics Werdegang zum Wachmann im Prolog den Auftakt bildet, hat mir den Einstieg in das Buch etwas schwer gemacht, denn während Kians Clique zum Hassen gemacht ist, sind Erics Freunde eigentlich wirklich seine Freunde. Leider waren sie mir im Prolog aber dermaßen unsympathisch, dass ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, wie Eric mit ihnen befreundet sein kann. Dass er selbst genauso genervt war wie ich, hat nicht dazu beigetragen, dass ich ihn sympathischer fand oder mich in der Geschichte wohler gefühlt habe. Zum Glück ist mir zum einen Bastian im Laufe des Buches doch noch ans Herz gewachsen und taucht zum anderen im ersten Kapitel Erics Kollege Mark auf, der mir von der ersten Szene an absolut sympathisch war. Nach dem etwas missglückten Einstieg lief es dann sehr viel besser, sodass ich das Buch an einem Tag durchgelesen habe.

Als ich sie besser kennen gelernt habe, haben mir Kian und Eric als Charaktere wirklich gut gefallen, gerade weil sie mit einigen Klischees brechen. Eric ist ein einfach gestrickter, um nicht zu sagen beinahe naiver Mensch mit einem unglaublich großen Herzen, das er in jedem anderen Menschen auch sieht. Er ist keinesfalls dumm und lässt definitiv nicht alles über sich ergehen, aber ein raffinierter Intelligenzbolzen ist er eben auch nicht. Dass er außerdem nicht wirklich durchtrainiert ist und von einem Sixpack nur träumen kann, macht ihn zu einem ganz normalen Durchschnittsmenschen. Das ist mir sehr sympathisch. Genau wie Kian, der sein Leben kein bisschen im Griff hat und lange Zeit Ausreden erfindet, bevor er sich eingesteht, dass er einfach nur ein willenloser Mitläufer ist, der im Grunde nichts beizutragen hat. Er pendelt zwischen seinem nichtsnutzigen, alkoholkranken Vater und seinem gewalttätigen Freund hin und her, weil es der einfachste Weg ist. Als er dann Eric trifft, der ihm einen Ausweg aufzeigt, macht er eine wunderbare Entwicklung durch. Kian gewinnt Kontrolle zurück, findet eine Perspektive und gesteht sich endlich ein, dass er sein Leben hasst. Diese Entwicklung war authentisch beschrieben und schön zu beobachten.
Umso mehr Klischee war dagegen zum Teil die Beziehung der beiden. Zwar sind sie nicht nach dem ersten Kuss direkt ins Bett gestiegen und haben sich auch sonst sehr viel Zeit gelassen, aber insbesondere der Weg zur Beziehung hat bei mir mehr als nur ein Déjà-vu ausgelöst. Natürlich muss irgendwie deutlich werden, dass sie sich langsam ineinander verlieben, aber warum muss es auf dem Weg dahin immer eine Szene geben, in der einer über die weichen, sinnlichen Lippen des anderen nachdenkt und sich dann fragt, warum er da überhaupt drüber nachdenkt? Das habe ich gefühlt schon tausende Male gelesen. Herzklopfen kommt da nun wahrlich nicht mehr auf. Trotzdem hatte die Beziehung natürlich auch ihre individuellen Momente, die mir sehr gefallen haben. Besonders bei den ersten Küssen haben ich wirklich mitgefiebert, weil sie so süß und unschuldig waren. Außerdem bin ich ein Fan davon, wenn eine Beziehung nicht nur aus unendlich vielen bis ins letzte Detail ausgeschriebenen Sexszenen besteht. Das ist hier definitiv nicht der Fall, denn wie jeder normale Mensch haben die beiden wirklich noch anderen Dinge zu tun. Ihre Liebesgeschichte eingebunden in den ganz normalen Alltag zu beobachten, hat mir sehr viel Spaß gemacht, denn schließlich steht der Rest der Welt nicht still, nur weil die Protagonisten zueinander gefunden haben.

Außerdem kann das Buch die ganze Zeit mit einer unterschwelligen Spannung aufwarten, denn von Anfang an verstrickt sich Kian in ein Gerüst aus Lügen. Zwar erfährt Eric ziemlich bald seinen richtigen Namen, sein wahres Alter und auch von den schwierigen Verhältnissen in Kians Elternhaus, aber das ganz große Geheimnis, nämlich Kians Verbindung zur Einbrecherbande, bleibt sehr lange im Dunklen. Aber die Vergangenheit lässt Kian nicht los, Eric wird immer wieder mit Einbrüchen konfrontiert und Bastian, Erics bester Freund, schnüffelt ständig herum, um zu beweisen, dass Kian ein Nichtsnutz ist. Es war mitreißend zu lesen, wie Kian sehenden Auges auf die Katastrophe zusteuert, während Erics vollkommene Ahnungslosigkeit, die in den von ihm erzählten Kapiteln deutlich wird, alles irgendwie nur noch schlimmer gemacht hat.

Fazit:
Mit dem Prolog habe ich mich richtig schwer getan, aber danach wurde es so viel besser, dass ich das Buch an einem Tag beendet habe. Die Protagonisten waren mir sehr sympathisch, gerade weil sie mit ihren Hobbys, dem Körperbau und der geistigen Veranlagung absolut individuell waren. Auch die Beziehung war zum Teil individuell, wunderbar in den Alltag eingebettet und schön zu lesen, der Weg dorthin war allerdings gesäumt von Klischees. Spannend war das Buch außerdem auch, denn Kian verrennt sich immer mehr in seinen Lügen. Insgesamt hat mir „Lügen schützt vor Liebe nicht“ gefallen, bekommt aber wegen einiger Schwächen nur vier Schreibfedern.

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