Samstag, 8. April 2017

[Rezension] Der Schattenjäger-Codex – Cassandra Clare


Titel: Der Schattenjäger-Codex
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena
Erscheinungsdatum: 04. März 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 295 + 16 Seiten Zettelwirtschaft
ISBN: 978-3-401069-81-4
Preis: 15,99 € [D]

Klappentext:
Dies ist die ganz persönliche Ausgabe von Clarys Schattenjäger-Codex. Hier lernt sie den Umgang mit der Stele und erwirbt ihre Kenntnisse über Dämonen. Und weil Clary gerne zeichnet, finden sich darin ihre Skizzen von Freunden und Familie sowie handschriftliche Notizen am Rand. Irgendwie konnte sie Jace und Simon nicht davon abhalten, ebenfalls ihre Kommentare zu hinterlassen. Damit ist dieses Handbuch ein einzigartiges Werk – teils Nachschlagewerk, teils Geschichtsbuch, teils Trainingsanleitung, ergänzt mit Kommentaren von Schattenjägern, die schon viel erlebt haben.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe, enthält aber Spoiler bezüglich der Chroniken der Unterwelt und der Chroniken der Schattenjäger.

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der Chroniken der Unterwelt und der Chroniken der Schattenjäger enthalten!

Anfangs beinhaltet das Buch sehr viele Informationen, die ich mir unmöglich alle merken kann. Es werden zum Beispiel sämtliche Waffengattungen aufgeführt mit Vor- und Nachteilen, die aber zumeist noch logisch abgeleitet werden können (z. B. ist es logisch, dass ein Schwertkämpfer einen Dämon näher an sich heran lassen muss, um ihn töten zu können, als ein Bogenschütze). Im Anschluss daran werden allerdings alle Materialien aufgeführt, denen irgendeine magische oder für Schattenjäger nützliche Kraft innewohnt. Silber gegen Werwölfe sowie Adamant als Grundlage der Seraphklingen sind mir noch bekannt gewesen, aber als dann auch noch Gold, Kupfer, Eiche, Esche, Stahl, Eberesche und so weiter aufgeführt wurden, habe ich echt den Überblick verloren. Als Nachschlagewerk eignet sich das Buch da aber gut. Und es greift Details aus den Reihen auf, die einfach so hingenommen werden müssen. Beispielsweise werden die unterschiedlichen Dämonenarten genauer beschrieben und ihre Fähigkeiten erläutert. Zwar kann ich mir die auch nicht alle merken, aber über die häufigsten Dämonen gibt das einen guten Überblick.

Als ich mit der Waffenkunde, der Kampfkunst und der Dämonologie durch war, hat der Informationsgehalt des Buches allerdings immer weiter abgenommen. Es folgt eine Zusammenfassung der einzelnen Schattenweltler-Gruppen und ein Kapitel zu Engeln und Menschen, aber da gab es im Grunde beinahe keine Informationen, die nicht schon in den anderen Büchern des Schattenjäger-Universums geliefert wurden. Die Informationen sind lediglich gebündelt aufgelistet. Zudem ist der Codex an dieser Stelle extrem veraltet, denn Tessa Gray ist bereits 145 Jahre alt, der Codex behauptet aber immer noch, dass aus der Verbindung eines Dämons mit einem Schattenjäger keine Kinder hervorgehen können.
Nachdem dieser zumindest noch halbwegs interessante Teil abgehandelt war, wird das Buch in der letzten Hälfte aber tatsächlich staubtrocken. Für Clary ist es ein blödes, langweiliges Lehrbuch, aber auch für mich war es zu dem Zeitpunkt nicht mehr interessanter, obwohl es um eine faszinierende fantastische Welt geht. Die Auszüge aus dem Gesetz lasen sich tatsächlich trotz Zusammenfassung einfach nur wie dröge Gesetzestexte. Und der Auszug aus „Eine Geschichte der Nephilim“ war genauso langweilig wie Geschichtsbücher unserer Welt. Wobei das vermutlich hauptsächlich daran liegt, dass die dort geschilderten Ereignisse bereits in den Abschnitten zu den Brüdern der Stille, den Eisernen Schwestern, den Parabatai und in beinahe jedem anderen Kapitel schon einmal erzählt wurden. Je weiter ich gelesen habe, desto redundanter wurden die Informationen.

Die Entwicklung der Kommentare, die Clary, Simon und Jace im Codex hinterlassen haben, verläuft im Grunde parallel. Am Anfang sind die Anmerkungen noch wirklich witzig und interessant zu lesen. Simon macht ständig Wortwitze wie „Werwolf? Wiewolf? Waswolf?“ (S. 91) oder hinterlässt bei spannenden Abschnitten Kommentare, in denen er wie ein Fangirl klingt. Clarys Anmerkungen sind meist sarkastisch, weil der Codex ganz andere Dinge für selbstverständlich hält als ein Mundie, oder korrigieren die Angaben im Codex, wenn er, beispielsweise bezüglich des Engelsspiegels, veraltet ist. Und Jace versucht, Clarys Ausbildung ernsthaft voran zu bringen, indem er hilfreiche Ergänzungen hinterlässt oder Zettel mit Trainingsplänen zwischen die Seiten des Codex' legt (unter anderem daher stammen die 16 Seiten Zettelwirtschaft, die im Buch enthalten sind). Für diesen Fleiß und Enthusiasmus wird er von Clary und Simon gnadenlos auf den Arm genommen, zum Beispiel indem Clary statt des echten Kampftrainings lieber die Kampfszenen von Gladiator anschaut.
Nach dem ersten Drittel ist die Luft dann aber irgendwie raus. Die Kommentare werden immer seltener. Es gibt ganze Abschnitte, in denen niemand eine Anmerkung hinterlassen hat. Die wenigen Notizen, die noch zu finden sind, bestehen meist aus einem mehr oder weniger ernst gemeinten Flirt zwischen Clary und Jace, worunter Simon mindestens fünfmal kommentiert, dass die beiden sich ein Zimmer nehmen sollen. Neben der inhaltlichen Redundanz haben damit auch die Anmerkungen keinen wirklich Mehrwert mehr.

Fazit:
Die erste Hälfte des Buches ist sehr gelungen. Details aus den anderen Büchern werden aufgegriffen und ausführlicher erklärt. Informationen werden gebündelt dargestellt. Das Buch eignet sich sowohl zum Lesen als auch als Nachschlagewerk. Außerdem sind die Anmerkungen von Clary, Simon und Jace witzig und informativ. Ab der Mitte wird es aber immer langweiliger. Staubtrockene Gesetzestexte und Auszüge aus Geschichtsbüchern, deren Inhalt schon in fast jedem vorherigen Kapitel besprochen wurde, machen das Buch ziemlich dröge. Außerdem werden die Anmerkungen am Rand immer seltener und besonders Simon bringt immer nur noch den gleichen Spruch. Insgesamt vergebe ich an „Der Schattenjäger-Codex“ daher nur drei Schreibfedern.

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