Mittwoch, 21. Juni 2017

[Rezension] Die Roboterchroniken V: Die zweite Schöpfung – Wolfgang Bellaire


Titel: Die Roboterchroniken V – Die zweite Schöpfung
Autor: Wolfgang Bellaire
Verlag: Nordfriesischer Kinderbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 18. September 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 197
ISBN: 978-3-944243-20-7
Preis: 17,90 € [D]

Klappentext:
Die Künstliche Intelligenz BETTY hat mit dem BioFabber den Einstieg in die industrielle Herstellung von Menschen geschafft. Sie erfindet den Homo sapiens ganz neu. Die Menschheit, die ihr dabei im Wege steht, soll an einem Killervirus zugrunde gehen. Roboterjunge Jonathan und die Wobotniks kämpfen verzweifelt um jeden Menschen, aber können sie BETTY überhaupt noch stoppen? Kann ein Impfstoff rechtzeitig hergestellt und verteilt werden? In der Wildnis Lapplands erfüllt sich ihr Schicksal und das der Kinder, die ihnen anvertraut sind. Jonathan setzt alles auf eine Karte, doch BETTYS Agenten sind ihm hart auf den Fersen ...

Einordnung:
- Die Roboter kommen (Teil 1) 
- Die Roboter im Eis (Teil 3) 
nach Neuauflage der gesamten Reihe sind außerdem erschienen:
- Die zweite Schöpfung (Teil 5)
nach diesen Teil wird die noch nicht abgeschlossene Reihe nicht mehr fortgesetzt

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Auch der fünfte Teil der Reihe erzählt wieder eine spannende Geschichte. Jonathan ist dem Cyberspace zwar entkommen, doch auch BETTY hat die reale Welt betreten. Außerdem ist es ihr gelungen, einen 3D-Drucker zu entwickeln, der ihr vollkommen hörige Menschen produziert. Mit diesen Menschen möchte sie die Welt bevölkern, da die echte Menschheit in ihren Augen schlecht und böse ist. Sie führt Experimente durch, um diese These zu beweisen. Daraus ergibt sich die interessante Diskussion, ob Menschen grundsätzlich böse sind oder durch widrige äußere Umstände zu schrecklichen Taten bewegt werden. Denn grausame Umstände hat das Buch eine Menge zu bieten, da BETTY einen Killervirus freigesetzt hat, der nach und nach die gesamte Menschheit vernichtet, während sie jeden Versuch, ein Heilmittel zu finden, unterbindet.

BETTY ist damit eine absolut übermächtige Gegnerin, vor der es kein Entkommen gibt. Sie hat nicht eine einzige Schwäche, an der Jonathan und seine Familie, die diesmal abwechselnd die Geschichte erzählen, ansetzen könnten. Das ist für mich allerdings ein Schwachpunkt des Buches, denn so läuft es darauf hinaus, dass alle Vorhaben, alle Rebellionen und alle Fluchtversuche scheitern. Keiner der Helden hat BETTY in irgendeiner Hinsicht etwas entgegen zu setzen, sodass sie einfach (zumindest unblutig) abgeschlachtet werden. Das mag zwar realistisch sein, war als Geschichte aber nicht besonders schön zu lesen. Es waren zwar noch mehr Bücher für die Reihe geplant, in denen sich bestimmt ein Mittel gegen BETTY gefunden hätte, aber das ändert nichts daran, dass die Helden in diesem fünften Teil keinen einzigen strahlenden Moment haben. Insbesondere da gescheiterte Missionen so gut wie immer mit dem Tod des Erzählers oder der Erzählerin sowie unzähliger Menschen enden. Das fand ich deprimierend zu lesen.

Ein Punkt, den ich bei diesem letzten Teil noch ansprechen möchte, betrifft die Nebencharaktere. Im Laufe dieser Geschichte wie auch der vorherigen vier Teile werden immer wieder neue Nebencharaktere vorgestellt, teilweise sogar recht ausführlich. Aber sofern sie nicht an der Seite der Wobotniks bleiben, tauchen sie danach nie wieder auf. Beispielsweise verschwendet Jonathan nie einen Gedanken an Patrick, den Jungen, der im ersten Teil sogar der Erzähler war, obwohl die Menschheit gerade dabei ist, auszusterben. Gleiches gilt für Gabriel, einen Jungen, den Großmutter und Großvater Wobotnik in diesem Buch kennen lernen. Er wird verletzt, sie bringen ihn ins Krankenhaus und damit endet seine Geschichte. Es sind mehrere sympathische Figuren, insbesondere Kinder, vorgestellt worden in den bisherigen fünf Bänden, aber ihre Schicksale werden dann nicht mehr weiter verfolgt und nicht wieder aufgegriffen. Die Handlungsfäden verlaufen einfach ins Nichts. Das finde ich schade, denn die Protagonisten sind in meinen Augen nicht die einzigen wichtigen Charaktere einer Geschichte.

Fazit:
Der fünfte Teil der Roboter-Chroniken hat die Handlung wieder interessant weitergeführt. Der Kampf im Cyberspace aus dem vierten Band hat sich in die echte Welt verlagert. BETTY vernichtet nach und nach die Menschheit, während sie gleichzeitig industriell neue Menschen produziert. Dagegen sind die Wobotniks leider vollkommen machtlos. Sie erleiden in diesem Buch nur Fehlschläge, sterben gemeinsam mit unzähligen Menschen und haben generell keinen einzigen Erfolgsmoment. Das war echt deprimierend zu lesen. Außerdem tauchen auch in diesem Buch wieder neue Nebencharaktere auf, deren Handlungsfäden einfach ins Leere laufen. Insgesamt vergebe ich an „Die Roboterchroniken V – Die zweite Schöpfung“ trotz der Schwächen für die interessante Geschichte drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich herzlich bei Autor Wolfgang Bellaire für das Rezensionsexemplar.

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