Samstag, 17. Juni 2017

[Rezension] The Love Interest – Cale Dietrich


Titel: The Love Interest
Autor: Cale Dietrich
Verlag: Feiwel and Friends
Erscheinungsdatum: 16. Mai 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 373
ISBN: 978-1-250107-13-8
Preis: 15,99 € [D]

Klappentext:
There is a secret organization that cultivates teenage spies. The agents are called Love Interests because getting close with people destined for great power means obtaining valuable secrets.
Caden is a Nice: the boy next door, sculpted to physical perfection. Dylan is a Bad: the brooding, dark-souled guy who is dangerously handsome. The girl they are competing for is important to the organization, and each boy will pursue her. Will she choose the Nice or the Bad?
Both Caden and Dylan are living in the outside world for the first time. They are well-trained and at the top of their game. They have to be – whoever the girl doesn't choose will die. What the boys don't expect are feelings that are outside of their training. Feelings that could kill them both.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Ein Buch mit einem Liebesdreieck, bei dem die beiden Jungs das Mädchen ignorieren und sich stattdessen füreinander interessieren – wie cool ist das denn bitte?! Ich dachte bisher, solche Bücher würden nicht existieren. Dann bin ich über „The Love Interest“ gestolpert und es ist einfach perfekt! Die Idee, die Umsetzung, die Geschichte, die Charaktere – ich bin absolut begeistert von diesem tollen Buch und kann es jedem nur ans Herz legen, der keine Lust mehr auf die immer gleichen klischeehaften Liebesdreiecke in Jugendbüchern hat.

Meine Begeisterung erstreckt sich jedoch auch auf den Rest des Buches. Allein die Konzeption der Geschichte ist schon total spannend. In einem geheimen Labor werden Jugendliche darauf trainiert, alle Dinge zu wissen und zu beherrschen, die relevant sein könnten, um dafür zu sorgen, dass ihr Chosen sich später in sie verliebt. Dazu zählen viel körperliches Training für definierte Muskeln, Übungsstunden zum Küssen und Vorträge darüber, dass verletzte Männer heiß sind. Zusätzlich werden die Jugendlichen mit einer Geschichte und einer Persönlichkeit ausgestattet, die sie entweder zu einem Nice, dem sympathischen, lieben, treuen und fürsorglichen Jungen von nebenan, oder zu einem Bad, dem harten Kerl mit weichem Kern und tragischer Vergangenheit, machen. Das sind alles absolute Klischees, die aber in mehr Büchern vorkommen als mir lieb ist. „The Love Interest“ bricht aber mit diesen Klischees, nach denen die geheime Organisation die Jugendlichen formt, indem ziemlich schnell deutlich wird, dass Caden, der Erzähler, sich weder perfekt noch nett fühlt. Der Nice ist eine Rolle, die er spielen muss, während er rebellischen Gedanken nachhängt, heimlich ungesunde Lebensmittel isst und eine Lüge nach der anderen spinnt. Das macht die Geschichte unglaublich authentisch.

Mitgerissen haben mich auch die Charaktere. Ich finde sowohl Caden, den Erzähler, als auch Dyl, seinen Kontrahenden, als auch Juliet, das Mädchen, um das sie konkurrieren, sehr sympathisch. Deshalb wäre ich tatsächlich mit allen möglichen Beziehungen, die sich aus diesem Liebesdreieck hätten ergeben können, einverstanden gewesen. Das ist mir noch nie passiert. Nichtsdestotrotz war das Buch in dieser Hinsicht sehr lange sehr spannend. Denn außer dass Caden romantische Gefühle für Dyl entwickelt statt für Juliet, ist ihm genau wie dem Leser fast bis zum Schluss alles andere unklar. Da nie aus Dyls Perspektive berichtet wird, kann über seine Gefühlswelt nur spekuliert werden. Denn obwohl er Caden zu mögen scheint, befinden sie sich trotzdem in einem tödlichen Wettstreit. In dieser festgefahrenen Situation sind alle Lösungen möglich. Da das Buch außerdem in erster Linie als Science Fiction deklariert ist und nicht als Gay Romance, lässt auch das Genre keinen Schluss darüber zu, wie die Geschichte wahrscheinlich enden wird. Es hat mich einerseits ganz verrückt gemacht, keinen Ausweg zu wissen, und andererseits extrem durch die Seiten getrieben, um zu erfahren, wie das Buch denn nun tatsächlich endet.

Je mehr sich die Geschichte der finalen Auflösung näherte, desto spannender und dramatischer ist sie geworden. Es scheint tatsächlich keinen Ausweg zu geben, aber irgendeinen Ausgang muss der Wettbewerb ja haben, also habe ich im Grunde nur noch darauf gewartet, dass alles explodiert. Während Caden immer verzweifelter nach einer Lösung für diese vertrackte Situation sucht und Juliet keine Ahnung davon hat, dass sie dabei ist, jemanden zu töten, offenbaren sich nach und nach auch Dyls Motive. In den letzten Kapiteln hat die Geschichte mein Herz durch mehrfache überraschende Wendungen abwechselnd erwärmt und gebrochen. In diesem riesigen System aus Lügen, Verrat, Schauspielerei und Geheimnissen ergab sich dann immer irgendwo noch eine neue Entwicklung oder Offenbarung, die die ganze Situation wieder über den Haufen geworfen hat. Das Buch hat mich am Ende wirklich fertig gemacht. Insbesondere, da ich mich inzwischen so sehr mit Caden identifiziert hatte, dass es mir nicht mehr gelungen ist, die Bahnen seiner Gedanken zu verlassen und eigene Überlegungen anzustellen. So bin ich jedes Mal mit ihm auf alles hereingefallen, als die verzweifelte Situation sich zu einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle entwickelt hat.

Fazit:
Ich liebe dieses Buch. Es hat all meine Wünsche erfüllt. Es ist eine tolle Alternative zu den langweiligen, klischeehaften Liebesdreiecken. Außerdem hatte ich manchmal das Gefühl, dass das Buch auf einer gewissen Metaebene auch an anderen nervigen Klischees aus Jugendbüchern Kritik übt, unter anderem an den perfekten Charakteren und der ständigen Auseinandersetzung Good Boy vs. Bad Boy. Zudem sind mir überraschenderweise alle drei Charaktere des Liebesdreiecks sehr sympathisch. Darüber hinaus ist auch noch die Geschichte spannend, die Konzeption der Science-Fiction-Welt unglaublich interessant und die Handlung bis zum Schluss unvorhersehbar. „The Love Interest“ ist ein geniales Jugendbuch, das all meine Wünsche erfüllt hat und dafür natürlich alle fünf Schreibfedern bekommt.

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