Samstag, 10. Juni 2017

[Rezension] Magnus Chase: Der Hammer des Thor – Rick Riordan


Titel: Magnus Chase – Der Hammer des Thor
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 497
ISBN: 978-3-551556-69-1
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Der Donnergott Thor hat mal wieder seinen Hammer Mjöllnir verloren – die stärkste Waffe in allen Neun Welten! Und diesmal ist der Hammer zu allem Übel in Feindeshände geraten. Magnus und seine Freunde müssen ihn so schnell wie möglich zurückholen, denn ohne ihn ist die Welt der Sterblichen einem Angriff der Riesen wehrlos ausgeliefert. Der Weltuntergang Ragnarök droht! Als Verbündeten braucht Magnus ausgerechnet den gerissenen Gott Loki – doch der Preis für seine Hilfe ist hoch ...

Einordnung:
- Der Hammer des Thor (Teil 2)
- weitere Teile werden folgen

Rezension:
Der zweite Band der Reihe um Magnus Chase ist genauso spannend wie sein Vorgänger, der Fokus ist jedoch etwas anders. Denn obwohl sich Magnus und seine Freunde auf die Suche nach Thors Hammer machen und dabei allerlei Abenteuer erleben, stehen diesmal eher die Charaktere, ihr Leben und ihre Vergangenheit im Vordergrund. Beispielsweise spielt Sams Verlobter Amir eine größere Rolle als im vorherigen Teil. Um ihre Beziehung zu retten, weiht sie ihn in ihr geheimes Leben als Walküre ein und zeigt ihm die mythischen Dinge, die normale Sterbliche eigentlich nicht sehen können, weil ihr Gehirn dieses Ausmaß an Unlogik nicht verarbeiten kann. Außerdem erfährt der Leser mehr über Hearth Vergangenheit, als die Suche nach dem Hammer ihn, Magnus und Blitzen in seine Heimatwelt und ins Haus seines Vaters führt. Viele Anspielungen, die im ersten Band gemacht wurden, werden hier wieder aufgegriffen und genauer erläutert. Dadurch werden die Charaktere alle weiter ausgestaltet und bekommen noch mehr Tiefe.

Die Figur, mit der sich das Buch aber am meisten beschäftigt, heißt Alex, ist ein Kind des Loki und genderfluid. Das hat mich vom ersten Moment an fasziniert, denn homosexuelle Charakter sind mittlerweile in so gut wie jeder Geschichte anzutreffen, einem genderfluiden Charakter bin ich aber noch nie über den Weg gelaufen. Diese Lücke füllt Autor Rick Riordan mit einer sehr sympathischen Figur und vielen Erklärungen. Zum Beispiel wird erläutert, dass schon bei allen alten Völkern, wie den Griechen und den Wikingern, Menschen bekannt waren, die sich abwechselnd mit dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht identifiziert haben. Diese Personen wurden, zumindest bei den Wikingern, mit dem altnordischen Begriff „Ergi“ (dt. Unmännlichkeit) bezeichnet. Diese Beleidigung benutzt auch im Buch viele Charaktere, manchmal tatsächlich herablassend, manchmal auch einfach nur als das Label der Schublade, in die Alex gesteckt wird. Gegen das Wort und die Schublade wehrt sich Alex das ganze Buch über, unterstützt von Magnus und seinen Freunden. Denn gerade für Magnus ist es überhaupt nichts Besonderes, da er in seiner Zeit auf der Straße viele Jugendliche kennen gelernt hat, die von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden, weil sie homosexuell, transgender oder genderfluid sind. Da Magnus der Ich-Erzähler ist, wird das Thema dadurch mit einer selbstverständlichen Akzeptanz und toleranten Neugierde besprochen. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass Magnus sich ein bisschen zu Alex hingezogen fühlt. Das alles hat mir nicht nur auf Ebene der Geschichte, sondern darüber hinaus auch auf der moralischen, lehrreichen Ebene sehr gefallen, und lässt mich neugierig zurück.

Neben den Charakterentwicklungen und der Lehrstunde in Toleranz wird natürlich trotzdem die Handlung weitergetrieben. Magnus und seine Freunde müssen unbedingt Thors Hammer finden, wobei ihnen ein Haufen nutzloser Götter im Weg herumsteht. Ausgerechnet der Gott Loki ist jedoch alles andere als nutzlos, denn er hat den Hammer aufgespürt und einen Weg gefunden, um ihn zurück zu holen. Dafür schickt er Magnus und seine Freunde auf eine wahre Schnitzeljagd, bei der sie wohl oder übel mitmachen müssen. Diese Jagd führt sie von einer gefährlichen Situation in die nächste, wo sie manchmal kaum mit dem Leben davon kommen, und quer durch die Neun Welten. Allerdings hat es für meinen Geschmack fast etwas zu lange gedauert, bis die Handlung wirklich angefangen hat, weil am Anfang eine Ewigkeit lang die Ereignisse aus Band 1 wiederholt und Alex als neuer Charakter eingeführt wurde. Da ist dann auch der für Rick Riordan so typische Humor manchmal etwas auf der Strecke geblieben.

Fazit:
In diesem Band hat der Autor viel Wert auf die Ausarbeitung der Charaktere gelegt. Es wird aus der Vergangenheit bereits bekannter Charaktere berichten, das aktuelle Leben anderer Charaktere wird ausgearbeitet und mit Alex wird eine neue, sehr interessante, sehr detailliert ausgearbeitete Figur eingeführt. Da Alex genderfluid ist, ist dieses Buch außerdem nicht nur in Bezug auf die nordische Mythologie lehrreich, sondern auch in Bereichen der Akzeptanz und Toleranz. Damit war Alex für mich auf allen Ebenen die interessanteste Figur der Geschichte. Allerdings hat seine Einführung so lange gedauert, dass Handlung und Humor am Anfang etwas auf der Strecke geblieben sind. Später ist das Buch dann aber wie gewohnt witzig, spannend und sehr unterhaltsam gewesen. Daher bekommt „Der Hammer des Thor“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.

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