Samstag, 15. Juli 2017

[Rezension] Liberty 9: Sicherheitszone – Rainer M. Schröder


Titel: Liberty 9 - Sicherheitszone
Autor: Rainer M. Schröder
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 27. August 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 490
ISBN: 978-3-570154-64-9
Preis: 18,99 € [D]

Klappentext:
Kendira beherrscht die Regeln. Liberty 9, das riesige Valley samt der beeindruckenden Lichtburg, in der 200 junge Auserwählte leben, ist ihr Zuhause. In völliger Abgeschiedenheit vom Rest der Welt und umgeben von undurchdringlichen Schutzanlagen, leben die so genannten Electoren nach einem vorgegebenen Tagesrhythmus: Morgenappell, Unterricht, hochkonzentrierte computeranimierte Trainings für Körper und Geist. Kendira glaube zu wissen, warum. Sie trainiert für einen höheren Zweck – doch nicht alle in Liberty 9 sind so privilegiert wie sie.
Der junge Dante hat keine Zukunft. Kendira darf er sich eigentlich gar nicht nähern, aber eine unwiderstehliche Anziehungskraft bringt die beiden zusammen. Dantes Zweifel am grausamen System machen auch Kendira misstrauisch – und bringen beide in größte Gefahr. Denn Liberty 9 ist sicher – todsicher.

Einordnung:
- Sicherheitszone (Teil 1)
- Todeszone (Teil 2)

Rezension:
Durch dieses Buch habe ich mich echt gequält. Schon auf der vierten Seite war mir klar, dass der Schreibstil und ich nicht zusammen passen. Und je mehr ich gelesen habe, desto schlimmer wurde es. Es fing damit an, dass der Autor, der Deutscher ist, von Anfang an wild mit englischen oder aus dem Englischen eingedeutschten Begriffen um sich geworfen hat. Kendira und die anderen Auserwählten heißen „Electoren“, die Diener werden „Servanten“ genannt und die Wächter sind die „Guardians“. Außerhalb von „Liberty 9“ hält sich zudem eine Rebellengruppe auf, die als „Nightraiders“ bezeichnet wird. Auf dem Gelände der Sicherheitszone befinden sich mehrere Gebäude, unter anderem das „Gym“ und die „Tube“. In der „Tube“ werden computeranimierte Spiele gespielt und bei jedem „Run“ hoffen alle Auserwählten, dass sie zum „Driver“ bestimmt werden. Zudem sind die Regeln in der Sicherheitszone wirklich hart und wer einen Verstoß dagegen begeht, dessen Gehirn wird mittels Elektrode bearbeitet, indem der Strom große Teile des Gewebes zerstört, sodass der Verurteilte entweder stirbt oder schwerste geistige Einschränkungen erfährt. Diese Straft wird „Cleansing“ genannt. Und das sind nur einige Beispiele für englische Begriffe, generell gibt es kaum einen Absatz, in dem nicht mindestens eines dieser Wörter vorkommt. Die Geschichte spielt zwar in den USA, aber da die Hälfte der sozialen Ränge und Gebäude ausschließlich deutsche Namen trägt, finde ich die vielen englischen Begriffe irgendwie inkonsequent.
Noch viel mehr Schwierigkeiten hatte ich jedoch mit den sich dauernd wiederholenden, übertrieben detaillierten Beschreibungen. Es ist keinerlei Fantasie notwendig, um sich die Sicherheitszone und die einzelnen Gebäude vorzustellen, denn alles wird bis ins letzte Detail beschrieben. Wenn die Charaktere einen neuen Raum betreten, erfolgen zuerst Beschreibungen der Wände, des Bodens, der Decke und der Möbel sowie aller anderen Dinge, die sich in diesem Raum befinden. Gleiches gilt jedoch auch für Orte unter freiem Himmel und überhaupt alles andere. Teilweise musste ich an die Schreibtipps denken, die überall im Internet für angehende Autoren zu finden sind: Benutze Adjektive! Das hat der Autor in dieser Geschichte wirklich nach Lehrbuch getan. Mir ist in den ellenlangen Beschreibungen leider häufig die Handlung verloren gegangen. Insbesondere, da es mit der ersten Beschreibung leider nicht vorbei war. Jede Person, jeder Ort und jedes Objekt hat mindestens ein charakteristisches Adjektiv zugewiesen bekommen, das jedes Mal genannt werden musste, wenn die Person, der Ort oder das Objekt genannt wurden. Besonders hat sich mir da die „hagere, asketische Gestalt“ des Primas Templeton eingebrannt. Als diese Wortkombination zum fünften Mal auftauchte, habe ich aufgehört zu zählen.

Diese Adjektive, die den Personen zugeordnet sind, sind außerdem beinahe die einzigen Eigenschaften, die die Charaktere haben. Ansonsten sind sie bis zum Schluss alle platt, emotionslos und stereotyp geblieben. Kendira ist zwar die Protagonistin, ihr Weg wird aber von einem allwissenden Erzähler begleitet, sodass es nur hin und wieder Einblicke in ihre Gefühle und Gedanken gibt. Neben ihr sind, natürlich, noch zwei Jungen wichtig: Dante, der aufregende, rebellische Diener, und Carson, der begabte, gut aussehende Auserwählte. Dass beide sich in Kendira verlieben und Kendira ebenfalls für beide Gefühle entwickelt, muss ich wohl kaum erwähnen. Viel mehr als diese prototypische Konstellation gibt es zu den Charakteren auch nicht zu sagen, denn das ist alles, was sie ausmacht. Vielleicht abgesehen davon, dass alle Auserwählten leichtgläubig, wankelmütig und manipulierbar sind. Denn die Argumente, die Dante für seine Zweifel am System äußert, sind so schwach, unbegründet und aus der Luft gegriffen, dass sie eigentlich niemanden überzeugen sollten, der von Geburt an mit allen Lügen und Manipulationen in der Sicherheitszone gelebt hat.

Damit sind auch schon zwei Punkte angesprochen, die dafür sorgen, dass im Grunde keinerlei Spannung aufkommt: Die Entdeckungen, die Dante macht, sind beim besten Willen nicht dramatisch genug, um sich darüber aufzuregen, und der allwissende Erzähler nimmt jede Szene, die Spannungspotenzial hätte, eindeutig vorweg. Außerdem sind auch die restlichen Elemente der Geschichte vorhersehbar. Für mich gab es keine einzige Überraschung in den 52 Kapiteln. In gewisser Weise ist das kein Wunder, denn dieser erste Band beantwortet keine einzige Frage, die in der Geschichte aufgeworfen wird. Der Leser wird gemeinsam mit den Charakteren in jeder Hinsicht auf den zweiten Teil vertröstet. Das wird dann allerdings wohl dazu führen, dass mich der zweite Band auch nicht fesseln kann, denn bei mehreren Aspekten, die dort hoffentlich endlich enthüllt werden, bin ich mir sicher, dass ich das jetzt schon weiß. Der erste Band der Reihe ist jedenfalls in jeder Hinsicht durchsichtig.

Fazit:
Durch das Buch habe ich mich gequält. Mit dem Schreibstil kam ich von Anfang an nicht zurecht. Die vielen englischen oder eingedeutschten Begriffe haben mich gestört. Außerdem waren die ellenlangen Beschreibungen so detailliert, dass die Handlung dazwischen verloren gegangen ist. Zudem sind die Adjektive, mit der eine Person oder ein Objekt beschrieben wurden, bei jeder Nennung der Person oder des Objekts ebenfalls wieder genannt worden, sodass das Buch fast nur aus ständigen Wiederholungen derselben Wortkombinationen besteht. Die platten, wankelmütigen Charaktere mit dem prototypischen Liebesdreieck konnte mich ebenfalls gar nicht ansprechen. Und die durchsichtige Handlung sowie der allwissende Erzähler, der immer alles schon vorher verraten hat, haben dem Buch jegliche Spannung geraubt. Als anstrengendes, plattes, langweiliges, vorhersehbares Buch bekommt „Liberty 9 – Sicherheitszone“ nur eine Schreibfeder von mir.

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