Sonntag, 13. August 2017

[Rezension] Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück – S. J. Goslee


Titel: Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück
Autor: S. J. Goslee
Verlag: Dressler
Erscheinungsdatum: 20. März 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 315
ISBN: 978-3-791500-30-0
Preis: 16,99 € [D]


Noch vor ein paar Tagen war Mikes Leben ziemlich in Ordnung. Lisa war seine Freundin. Er hatte super Kumpel und eine sehr schlechte Band. Tim Wallace war der schlimmste Typ der Welt. Klare Verhältnisse, alles ganz locker. Und jetzt? Lisa hat Schluss gemacht. Statt bei der Bandprobe hängt Mike auf einmal bei Abschlussball-Planungssitzungen fest. Ätzend! Und Wallace ... Wallace ist plötzlich überall ... Vor allem ist er in Mikes Gedanken ... Und dann schlägt Mikes Herz wie verrückt ... Absolutes Chaos!


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


"Mike Tate steht im Moment gerade mehr als nur ein bisschen neben sich."
(Seite 7)


Nachdem ich die ersten Sätze des Buches gelesen hatte, war ich nicht sicher, ob mir die Geschichte zusagen würde. Mike und seine Freunde sind gerade auf einer Party und liegen betrunken und bekifft im Garten. Schnell stellt sich heraus, dass das kein Ausnahmezustand ist, weil Gras zu rauchen offenbar eines ihrer Hobbys ist. Im Zusammenspiel mit der ungehobelten, jugendlichen Ausdrucksweise hat mich das befürchten lassen, dass das Buch anstrengend zu lesen werden würde. Doch schon im zweiten Kapitel, noch bevor die Handlung richtig Fahrt aufnimmt, ändert sich das. Denn zum Teil war das Buch zum Brüllen komisch. Ich habe Tränen über Mikes absolut witzige, ziemlich asoziale Freunde gelacht. Sie alle wissen, dass Mike Angst vor Tim Wallace hat. Es weiß nur niemand, weshalb. Weil sie die Angst nicht nachvollziehen können, machen sie sich einen Spaß daraus, unerwartete Begegnungen zwischen den beiden zu arrangieren. Die Autorin bringt die Situationskomik sehr gut herüber, sodass ich diese Szenen jedes Mal wieder witzig fand.

Das Buch bleibt jedoch nicht so oberflächlich, sondern geht auch durchaus in die Tiefe. Das dauert ein wenig, weil es wirklich ein seeehr langsames Buch ist, dafür ist es aber auch sehr realistisch. Es greift ganz alltägliche Gedanken und Sorgen auf, wie die Frage, wer bei einem Date denn wohl im Kino bezahlt. Es spricht offen und ohne Scheu an, dass körperliche Intimität, gerade wenn die Leidenschaft einmal abgeflaut ist, mitunter auch seltsam sein kann. Jeder Schritt von Mikes Selbstfindung wird in seinen Gefühlen und Gedanken offen und mit aller Unsicherheit und Peinlichkeit erläutert. Damit ist die Geschichte überhaupt nicht spannend und sehr vorhersehbar, aber der Anspruch des Buches liegt auch woanders. Es schildert das Geschehen und die Entwicklungen sehr echt, Mike macht sich viele Gedanken und die Emotionen werden langsam und intensiv ausgebaut. Die Geschichte liest sich nicht wie ein geschöntes Jugendbuch, sondern spricht auch all die Aspekte an, die normalerweise taktvoll ignoriert werden.


Anfangs dachte ich, das würde eine anstrengende Lektüre werden. Doch dann hat mich das Buch ziemlich schnell überrascht. Zu Beginn hat mich vor allem der Humor angesprochen, denn Mike hat Freunde, die auf eine wirklich witzige Art und Weise unglaublich asozial sind. Im späteren Verlauf hat mir vor allem die Echtheit der Geschichte gefallen. Alle Entwicklungen sind langsam, peinliche Details werden nicht geschönt und alltägliche Gedanken, die in diesem Moment Mikes Welt bewegen, werden realistisch behandelt. „Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück“ ist keine schöne Liebesgeschichte, sondern ein sehr echter Selbstfindungsroman und bekommt dafür vier Schreibfedern von mir.

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