Mittwoch, 30. August 2017

[Rezension] Plötzlich Banshee – Nina MacKay


Titel: Plötzlich Banshee
Autor: Nina MacKay
Verlag: IVI
Erscheinungsdatum: 01. September 2016
Einband: Softcover
Seiten: 393
ISBN: 978-3-492703-93-2
Preis: 15,00 € [D]


Alana ist ein Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Sie sieht über dem Kopf jedes Menschen eine rückwärts laufende Uhr, die in roten Ziffern die noch verbleibenden Monate, Tage, Stunden und Minuten seiner Lebenszeit anzeigt. Mit dieser Fähigkeit versucht Alana Leben zu retten – und gerät dabei immer wieder selbst in den größten Schlamassel. Denn Banshees ziehen das Pech an wie ein Magnet. Als man sie versehentlich mit mysteriösen Morden in der Stadt in Verbindung bringt, versucht Alana, den Täter selbst zu finden. Auch wenn das heißt, dass sie mit einem äußerst unverschämten Police Detective zusammenarbeiten muss, der obendrein ziemlich gut aussieht ...


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Ich sprang hinter den drei Typen auf den unter uns vorbeifahrenden Zug.
(Seite 7)


Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Wirklich schlecht war das Buch nicht, aber es gibt auch keinen Aspekt, der mir vorbehaltlos gefallen hat. Die größten Probleme hatte ich mit Protagonistin Alana. Sie ist nervtötend und für ihre 20 Jahre unfassbar naiv. Manchmal hätten ihr Verhalten und vor allem ihre Gedanken eher zu einer Zwölfjährigen gepasst. Sie hat keinen eigenen Willen und passt ihre Meinungen und Überzeugungen immer dem an, was ihr gerade irgendjemand erzählt. Deshalb nimmt sie unter anderem die Tatsache, dass sie eine Banshee ist, mehr oder weniger schulterzuckend hin. Das war keine wirklich überzeugende Reaktion. Außerdem zieht Alana, wie der Klappentext schon verrät, das Unglück echt an. Ihre Tollpatschigkeit ist meistens witzig und lockert die Situation auf, aber dass sie beispielsweise regelmäßig vor Schreck im wahrsten Sinne des Wortes vom Stuhl fällt, ist dann doch übertrieben.
Erwähnenswert finde ich zudem, dass ihr Job als Privatdetektivin wohl ein Witz ist, denn während des ganzen Buches arbeitet sie nicht ein einziges Mal an einem Fall. Hin und wieder denkt sie daran, dass sie mal wieder arbeiten sollte, um Geld zu verdienen, vergisst das gleich darauf aber wieder. Dabei scheint sie nicht einmal in der Lage zu sein, die Katze ihrer Auftraggeberin zu finden. Vielleicht ist das auch kein Wunder, wenn sie mit 20 Jahren glaubt, Privatdetektivin sein zu können. Im Laufe der Geschichte hinterlässt sie jedenfalls den Eindruck, dass sie in jedem anderen Beruf besser aufgehoben wäre.

Vermutlich hat die Autorin sich deshalb für den Beruf als Privatdetektivin entschieden, weil das eine Zusammenarbeit zwischen ihr und der Polizei ermöglicht. Das hätte sie sich allerdings sparen können, denn die Polizeiarbeit in diesem Buch ist dermaßen unrealistisch, dass die Zusammenarbeit mit einer möglicherweise in die Fälle verwickelten Privatperson es auch nicht mehr schlimmer gemacht hätte. Dylan, der Polizist, der aus dem Verhör mit Alana irgendwie eine Zusammenarbeit bastelt, frisst ihr vom ersten Moment an aus der Hand, ohne nach den Quellen ihrer Information zu fragen. Selbst scheint er gar nicht zu arbeiten, weil er stattdessen all ihren verrückten Ideen folgt, obwohl ihm bewusst ist, dass sie etwas verheimlicht.
Hauptsächlich besteht die Zusammenarbeit der beiden allerdings daraus, dass sie sich gegenseitig anschmachten. Schon bei der ersten Begegnung findet Alana seinen Körper wahnsinnig toll. Wann immer sie nicht an seiner Brust klebt, weil sie schon wieder gestolpert ist, redet sie sich ein, dass sie ihn für einen Idioten hält. Natürlich nur, bis er von einem tragischen Ereignis in seiner Vergangenheit erfährt, wonach sie ihn voll und ganz verstehen kann und unendlich viel Mitleid mit ihm hat. Natürlich müssen außerdem kurze Abschnitte der Buches aus Dylans Perspektive geschrieben sein. Diese erfüllen keinen anderen Zweck als den Leser wissen zu lassen, dass er Alana genauso anschmachtet. Gefühle habe ich in dieser Liebesgeschichte nicht wirklich gefunden.

Überhaupt sind Gefühle ein großes Problem des Buches. Es kommen nämlich so gut wie gar keine Emotionen auf. Dafür ist alles viel zu oberflächlich beschrieben. Bis auf Alana und Dylan bleiben beispielsweise die Charaktere alle fürchterlich platt. Daher hat es mir überhaupt nicht leid getan, wenn jemand gestorben ist. Das ist leider eine schlechte Voraussetzung für ein packendes, dramatisches Finale. Milde überrascht war ich durchaus, mehr aber auch nicht. Wie schon während des ganzen Buches war die Szene nicht besonders detailliert, sodass ich weder dort noch in irgendeiner anderen Situation wirklich von der Stimmung des Buches mitgerissen wurde.


Ich hatte richtig Lust auf das Buch, da irische Mythologie nicht besonders häufig betrachtet wird. Gefallen hat es mir dann leider nicht. Alana ist eine unfassbar nervtötende und naive Protagonistin. Sie ist übertrieben tollpatschig und den Großteil des Buches damit beschäftigt, den Polizisten anzuschmachten. Dieser schmachtet munter zurück, sodass es trotz Mordserie kaum Polizeiarbeit gibt. Das bisschen Arbeit, das tatsächlich gemacht wird, ist zudem mehr als unrealistisch. Hinzu kommen oberflächliche Beschreibungen, fehlende Stimmung und platte Nebencharaktere. Da ich ein wenig über irische Mythologie gelernt habe, dem Buch aber sonst im Grunde nichts abgewinnen konnte, bekommt „Plötzlich Banshee“ zwei Schreibfedern von mir.

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