Dienstag, 12. September 2017

[Rezension] Die Abenteuer des Apollo: Das verborgene Orakel – Rick Riordan


Titel: Die Abenteuer des Apollo – Das verborgene Orakel
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 31. August 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 387
ISBN: 978-3-551556-88-2
Preis: 17,99 € [D]


Der Gott Apollo fällt vom Himmel direkt in ein paar Mülltonnen – er ist bei Zeus in Ungnade gefallen und wurde zur Strafe seiner Unsterblichkeit beraubt! Prompt wird er auch noch überfallen, doch zum Glück springt ihm Meg zur Seite – frech, kampflustig, höchstens zwölf und zweifelsfrei eine Halbgöttin. Mithilfe eines gewissen Percy Jackson machen sich die beiden auf nach Camp Half-Blood, doch dort lauern weitere Gefahren. Und noch dazu funktioniert das Orakel von Delphi nicht mehr, denn es ist immer noch von Apollos altem Feind Python besetzt ...


- Das verborgene Orakel (Teil 1)
- vier weitere Teile werden folgen


Mein Name ist Apollo.
(Seite 7)


Alle Bücher, die Rick Riordan schreibt, spielen im selben Universum und hängen in irgendeine Art und Weise miteinander zusammen. Auch in diesem Buch tauchen viele bekannte Elemente und Figuren auf, aber trotzdem ist die Perspektive dieser Geschichte ganz anders als in den bisherigen Reihen des Autors. Mit Apollo ist nämlich zum ersten Mal ein früherer Gott, der jetzt ein Sterblicher ist, der Protagonist – und kein Halbgott. Mit seiner göttlichen Kraft verliert Apollo auch einen Teil seines Gedächtnisses und der Rest verblasst zunehmend, weil das menschliche Gehirn einfach nicht dafür geschaffen ist, Wissen und Erinnerungen von mehr als vier Jahrtausenden präsent zu halten. Daher ist er hilfloser, machtloser und schwächer als die Halbgötter. Hin und wieder flackert aber auch seine göttliche Kraft auf, die die Fähigkeiten der Halbgötter weit in den Schatten stellt. Unberechenbar schwankt er zwischen diesen beiden Extremen. Das gibt der Geschichte eine ungewöhnliche Perspektive.
Am meisten unterscheidet sich Apollo allerdings durch seine unerschütterliche Arroganz, seine unglaubliche Eitelkeit und seinen unendlichen Narzissmus von den Protagonisten der anderen Reihen. Es ist ihm eindeutig zu Kopf gestiegen, dass er Jahrtausende lang ein gut aussehender, mächtiger Gott war. Doch so unsympathisch wie das auch klingen mag, der Autor verkauft Apollo so, dass er einfach nicht ernst zu nehmen und wirklich lustig ist. Denn seine selbstverliebte Persönlichkeit sorgt immer wieder für Situationskomik. Es ist beispielsweise vollkommen irrelevant, in welcher Situation er sich befindet, er bezieht zuallererst alles auf sich. Dafür legt er den anderen Charakteren manchmal Worte in den Mund oder Gedanken in den Kopf, die sie ganz eindeutig nicht haben. Außer Apollo ist das auch offensichtlich allen bewusst. Dadurch unterlaufen ihm so häufig absolute Fehlinterpretationen der Situation, dass es einfach nur unendlich witzig ist. Hinzu kommt unter anderem, dass die Kapitelüberschriften in Haikus verfasst sind, die so unfassbar schlecht sind und einfach nur aus unzusammenhängenden Wörtern bestehen, sodass Apollos Stolz auf seine Dichtkunst herrlich amüsant ist. Obwohl ich die meiste Zeit über ihn gelacht habe, ist mir Apollo trotzdem nach und nach ans Herz gewachsen.

Neben dem üblichen Humor spielt auch Spannung eine Rolle in diesem Buch. Es hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Noch bevor die Handlung rund um Apollos Weg zurück zum Gott richtig angefangen hat, werden kleine Rätsel aufgeworfen, wie beispielsweise die Frage nach Megs göttlichem Elternteil. Diese kleinen Dinge haben mich schon so neugierig gemacht, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Das hat sich bis zum Schluss nicht geändert, weil auch der Haupthandlungsstrang wirklich spannend und unvorhersehbar war. Dem Autor gelingt es wirklich jedes Mal, sich etwas Neues auszudenken. Für jede Reihe und jedes Buch findet er immer noch neue Informationen, Personen, Wesen und Mythen, um die sich die Geschichte drehen kann, die bisher noch nicht erwähnt wurden. Dadurch gab es auch diesmal wieder einige Dinge zu lernen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass es mehrere Orakel gibt und nicht alle mit Apollo in Verbindung stehen.

Gleichzeitig erweitert der Autor den Rahmen der anderen Reihen, insbesondere „Percy Jackson“ und „Helden des Olymp“, die beide zeitlich früher spielen. Dieses Buch hat eine vollkommen eigenständige Handlung, beantwortet aber trotzdem Fragen, die ich mir bisher gar nicht gestellt habe, obwohl rückblickend noch einige Dinge zu klären sind. Die Geschichte rund um Percy Jackson scheint mit jeder neuen Reihe größer zu werden, obwohl Percy in diesem Buch nicht mehr als zwei kurze Gastauftritte hat. Immer wieder finden sich weiterführende Erklärungen oder manchmal auch lediglich Anspielungen auf die anderen Reihen, die dadurch miteinander verwoben und immer komplexer werden. Reihenübergreifend sind beispielsweise auch Prophezeiungen. An deren Stil hat sich ebenfalls nichts geändert, denn sie sind absolut undurchschaubar, bis sie aufgelöst werden, um dann rückblickend mehr als offensichtlich zu sein. Rick Riordan ist ein Meister der undurchschaubaren Offensichtlichkeiten.


Das Buch war ein typischer Riordan. Und es hat mich absolut begeistert. Apollo ist ein ganz anderer, ungewöhnlicher Protagonist. Sein Narzissmus ist amüsant, sorgt für viel Situationskomik und seine vollkommen weltfremde Wahrnehmung hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Gleichzeitig ist das Buch spannend und vollkommen unvorhersehbar. Es hat mich von Anfang an gefesselt und immer wieder überrascht. Der Autor hat sich wieder etwas Neues ausgedacht, neue Mythen ausgegraben und es trotzdem geschafft, Bezug zu seinen anderen Reihen zu nehmen und deren Rahmen noch zu erweitern. „Die Abenteuer des Apollo: Das verborgene Orakel“ war perfekt und bekommt fünf Schreibfedern dafür.

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