Donnerstag, 7. September 2017

[Rezension] Nevernight: Die Prüfung – Jay Kristoff


Titel: Nevernight – Die Prüfung
Autor: Jay Kristoff
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: 24. August 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 699
ISBN: 978-3-596297-57-3
Preis: 22,99 € [D]


Mia Corvere ist ein Kind der Schatten, und sie kennt nur ein einziges Ziel: Rache an den Männern zu üben, die ihre Familie zerstört haben. Ihre Feinde sind die Mächtigen des Reiches – ein General, ein Konsul und ein Kardinal –, doch Mia ist zu allem entschlossen. Sie macht sich auf den Weg zur Enklave der Roten Kirche, einem geheimen Assassinenorden, um die Kunst des Tötens zu erlernen.


- Die Prüfung (Teil 1)
- noch unbekannt (Teil 2)
- noch unbekannt (Teil 3)


Wenn Menschen sterben, scheißen sie sich oft in die Hosen.
(Seite 9)


Dieses Buch ist ein klassischer Fall von „Gut gedacht, schlecht gemacht“. Zwischendurch war ich so genervt von der Geschichte, dass ich sie beinahe pausiert und ein zweites Buch nebenher gelesen hätte – und das mache ich wirklich nie. Ich bin dann doch dabei geblieben, weil es nach diesem ersten Tiefpunkt bald wieder bergauf ging. So wechselhaft blieb dann leider das gesamte Buch, weil sich an jede gute Idee ein erzählerischer Tiefpunkt angeschlossen hat.

Grundsätzlich ist das Buch sehr anders als die Bücher, die ich bisher gelesen habe. Es handelt sich nicht um einen Roman, sondern um eine Chronik – die Chronik des Lebens der Mia Covere. Dementsprechend spielt das Buch einmal auf der Ebene der Geschichte um Mia und einmal auf der Ebene des erzählenden Chronisten. Dieser bislang namenlose Chronist schreibt das Vor- sowie das Nachwort, spricht den Leser immer wieder direkt an und versieht die Erzählung mit Fußnoten, wenn Erklärungen zu Ereignissen oder Wesen notwendig sind. Am Anfang fand ich die Idee faszinierend, nicht einfach eine Fantasygeschichte zu lesen, sondern zu lesen, wie jemand diese Fantasygeschichte erzählt. Mit der Zeit gefiel mir das aber immer weniger.
Der Hauptgrund dafür ist, dass die Fußnoten mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen haben. Zum einen konnte ich nicht richtig in die Geschichte eintauchen, weil ich sie immer wieder verlassen musste, um stattdessen am Fuß der Seite Erklärungen nachlesen. Bei einem so dicken Buch war es echt anstrengend, mir die ganze Zeit der Tatsache bewusst zu sein, dass ich bloß ein Buch lese, statt die Geschichte mitzuerleben. Zum anderen beinhalteten die Fußnoten manchmal ganze geschichtliche Abrisse, die auf der nächsten Seite noch weiter gingen, sodass ich am Ende der Fußnote nicht mehr wusste, wo ich denn gerade eigentlich im Text unterbrochen wurde. Mehrfach habe ich an der falschen Stelle weiter gelesen und musste dann noch mal zurück blättern. Nachdem sich die erste Begeisterung über diesen ungewöhnlichen Erzählstil gelegt hatte, war das einfach nur noch nervig. Zum Glück wurden es mir der Zeit weniger Fußnoten, da nicht mehr so viele Erklärungen notwendig waren.

Genau so verhält es sich auch mit allen anderen Aspekten des Buches. Zu Beginn gefiel mir immer alles gut, es war überraschend, spannend und interessant. Aber dann folgte ziemlich bald ein Tiefpunkt, bevor es mit einer neuen Idee und einem neuen Höhepunkt weiter ging. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Autor jedes Mal den Moment verpasst hat, in dem er sich einer neuen Idee oder Entwicklung hätte zuwenden sollen. Mias Weg zur Roten Kirche ist am Anfang durchaus spannend, gerade weil die Welt mir noch nicht bekannt war. Auch die Beschreibungen des Unterrichts haben mich interessiert, unter anderem weil die Ausbildung mit potenziell tödlichen Prüfungen verbunden ist. Allerdings hat der Autor jeden dieser Aspekte dann in aller Ausführlichkeit unendlich lang ausgewalzt, bis mir selbst die tollste Idee zum Hals heraushing. Der Unterricht an der Assassinenschule hat mich sehr interessiert, aber 400 Seiten lang muss ich das dann beim besten Willen doch nicht lesen.

Die Idee des Buches hat mir gut gefallen. Hätte es nur halb so viele Seiten gehabt, wäre es ein echtes Highlight geworden. Das wurde besonders auf den letzten 100 Seiten deutlich, als die Handlung immer weiter ging, jede Menge passiert ist und eine Situation in die nächste überging. Da war das Buch nämlich richtig spannend und hatte eine überraschende Wendung parat, mit der ich absolut nicht gerechnet habe. Es hätte echt genial sein können. Nur war es vorher leider eine Berg- und Talfahrt, denn das Buch hat zu viel von allem: zu viele Adjektive, zu viele Metaphern, zu viele Beschreibungen, zu viele Seiten, zu viel bildliche Sprache, zu viele vollkommen unwichtige, namenlose Tote und vor allem zu viele Fußnoten.


Wäre das gesamte Buch so spannend, mitreißend und überraschend gewesen wie die letzten 100 Seiten, wäre es ein absolutes Highlight geworden. Leider ist es davor eine Berg- und Talfahrt. Der Autor hatte viele gute Ideen und spannende Ansätze, die er dann leider so lang ausgewalzt hat, dass ich einfach nur noch genervt war, bis endlich die nächste Idee umgesetzt wurde. Zudem ist das Buch nicht als Roman konzipiert, sondern als Chronik, sodass ein Chronist die Geschichte erzählt und Anmerkungen macht. Am Anfang fand ich das noch faszinierend, aber mit der Zeit gingen mir die unzähligen Fußnoten dermaßen auf die Nerven, dass ich das Buch beinahe vorerst pausiert hätte. „Nevernight: Die Prüfung“ ist gut gedacht, aber teilweise schlecht gemacht, weil das Buch einfach viel zu viel von allem hat, sodass ich nur drei Schreibfedern vergeben kann.

Kommentare:

  1. Hey Jenny ♥

    da musste ich gleich mal vorbei schauen und die Rezension lesen.
    Hmmm, das mit den Fußnoten hört sich nicht so toll an. Ich habe bisher erst ein paar Seiten gelesen und bin daher noch nicht ganz dahinter gekommen, wer was erzählt ^^
    Ich bin gespannt, ob ich ähnlich empfinde und alles etwas zu viel ist.

    Liebste Grüße Sine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Sine,

      wer das Buch tatsächlich erzählt, wird nicht verraten. Aber irgendwann (okay, im Epilog) dämmerte mir, wer es wohl ist. Ich stimme dir aber zu. Als ich das erste Kapitel gelesen hatte, dachte ich "Klingt cool, auch wenn ich kein Wort verstehe". Das Verständnis kam, aber dafür wurden die Fußnoten immer nerviger. Ich bin auf deine Meinung gespannt.

      Grüße zurück,
      Jenny

      Löschen
  2. Um mal eine andere Meinung zu vertreten, ich fand ich Fußnoten zum Beispiel total faszinierend und hatte das Gefühl, dass die letzte Hälfte des Buches nicht mehr so orinell war wie die Erste. Allerdings kann ich einen anderen Gesichtspunkt auch total nachvollziehen.
    Hier ist meine Rezi, in der ich meine MEinung noch einmal darlege: https://buecherfieber.blogspot.de/2017/09/nevernight-die-prufung-1-jay-kristoff.html
    Ich selber finde es immer total interessant auch einmal andere Meinungen zu einem Buch zu hören und ich scheine in der Minderheit zu sein.
    Deine Svenja

    AntwortenLöschen