Montag, 9. Oktober 2017

[Rezension] Coldworth City – Mona Kasten


Titel: Coldworth City
Autor: Mona Kasten
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 01. September 2017
Einband: Softcover
Seiten: 318
ISBN: 978-3-426520-41-3
Preis: 12,99 € [D]


Vor drei Jahren täuschte die junge Raven ihren Tod vor, um der skrupellosen Forschungsorganisation AID zu entkommen. Seitdem ist sie auf der Flucht, denn Raven ist eine Mutantin, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, und AID würde alles tun, um sie wieder in ihre Gewalt zu bringen. Raven lebt seither versteckt in Coldworth City – bis der geheimnisvolle Wade auftaucht und ihr anbietet, sie im Umgang mit ihren Fähigkeiten zu unterrichten. Damit ist die Zeit des Versteckens vorüber, und schon bald sieht sich Raven einer Verschwörung gegenüber, die nicht nur das Ende der Mutanten bedeuten, sondern auch die ganze Welt ins Chaos stürzen könnte.


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


„Wann?“


Ich gehöre nicht zu den Menschen, die in jedem Buch Ähnlichkeiten zu anderen Geschichten suchen. Das Rad lässt sich nicht neu erfinden. Irgendwo wird es also immer Überschneidungen oder Anlehnungen geben. Allerdings bin bei diesem Buch selbst ich nicht umhin gekommen, das Gefühl zu haben, dass es sich eigentlich um eine (leider ziemlich schlechte) X-Men Fanfiktion handelt. Protagonistin Jean Grey Raven hat Angst vor ihren Fähigkeiten, die sehr stark und sehr zerstörerisch sind, und verwendet daher nur Telekinese und Telepathie. Eine reiche Person, die sich für die Gleichberechtigung von Menschen und Mutanten einsetzt, stellt eine Villa ein Hotel zur Verfügung, in dem jeder Zuflucht finden und in dem Mutanten ihre Fähigkeiten trainieren können. Gegner ist eine mit Mutanten experimentierende Forschungsorganisation unter der Leitung von William Stryker namens Advanced Interference Defence. Unterwegs wird dann unter anderem noch Storm ein Mutant vorgestellt, dessen Augen weiß werden, wenn er Stürme erzeugt. Und so weiter. Gegen Ähnlichkeiten habe ich wirklich nichts, aber dieses Buch las sich als hätte die Autorin alle Aspekte, die ihr an X-Men gefallen haben, in einen Topf geworfen und daraus eine Geschichte gebastelt.

Leider trifft der Ausdruck „gebastelt“ dann auch bei der Konzeption des Buches auf den Punkt. Es wirkt nämlich wie aus dem Baukasten. Es gibt ein paar Szenen rund um Raven, die detailliert ausgeschmückt und beschrieben sind. Aber es fehlt die sinnvolle Verknüpfung, weil einfach eine Szene an die andere gereiht ist. Die Wechsel der Stimmungslage sind deshalb viel zu schnell und die Lösungen jeglicher Probleme viel zu einfach. Außerdem durfte ich bloß nicht auf die Idee kommen, auf Ravens Weg mal nach links oder rechts zu schielen. Erklärungen und Beschreibungen, die über Ravens unmittelbare Umgebung hinausgehen, fehlen nämlich vollständig. Bis zum Schluss habe ich keine Vorstellung davon bekommen, in welcher Welt die Geschichte eigentlich spielt. Die Entstehung der Welt und die aktuellen Begebenheiten werden nur so weit angerissen, dass verständlich ist, dass Mutanten gleichberechtigt sein sollten, es aber nicht sind. Was es mit Coldworth City auf sich hat und wie der Rest der Welt aussieht, wird einfach völlig ignoriert. Es wirkt, als hätte die Autorin einige Handlungsideen für die Protagonistin gehabt und diese hintereinander runter geschrieben, ohne sich einen größeren Kontext dafür auszudenken.

Außerdem fehlt es an allen Ecken und Enden an Logik. Beispielsweise ist mir völlig schleierhaft, wie die Untergrundorganisation in einem öffentlichen Hotel mit Trainingsraum, Hightech IT-Abteilung und massenhaft entflohenen Mutanten im Speiseraum nie entdeckt wird. Außerdem soll der Großteil des Hotels von Mutanten des Untergrunds bewohnt sein, aber auf Missionen wird immer die gleiche Gruppe Jugendlicher geschickt. Zugegeben, die Missionen sind nicht besonders kompliziert, weil selbst das Geheimlabor des Bösewichts und die Forschungseinrichtungen, in der Mutanten gefoltert werden, so unfassbar schlecht gesichert sind, dass die anfängliche Dramatik solcher Missionen völlig ins Lächerliche gezogen wurde. Das gesamte Buch ist voller Momente, in denen diese fehlende Logik oder die absolut unrealistische Einfachheit der Problemlösung die ganze Idee zerstört hat. Zudem waren manche Enthüllungen extrem vorhersehbar. Es spricht nicht für die Charaktere, wenn sie 200 Seiten brauchen, um auf die Idee zu kommen, dass ein Mensch, bei dem sich Wunden sofort schließen, möglicherweise ein Mutant mit Selbstheilungskräften sein könnte. Die Geschichte wirkt überhaupt nicht ausgearbeitet. Den Höhepunkt hat dies am Ende des Buches gefunden, bei dem mit großen Reden nach komplizierter Planung eine ganze Menge Mutanten auf eine gefährliche Mission geschickt werden – die allerdings schon längst ganz einfach von bloß zwei Mutanten (zu denen Raven nicht gehört!) hätte erledigt sein können, selbst wenn man die unnötige Zerstörung eines Gebäudes einbezieht. Raven als unglaublich starke, wichtige Mutantin aufzubauschen war also eigentlich nichts weiter als heiße Luft.


Bei diesem Buch handelt es sich um eine leider ziemlich schlechte X-Men Fanfiktion. Es stecken kaum eigene Ideen in der Geschichte, weil die Überschneidungen mit der X-Men Serie doch enorm sind. Außerdem ist die Umsetzung in meinen Augen nicht gelungen. Das Buch wirkt wie aus dem Baukasten. Szenen reihen sich ohne vernünftige Verknüpfung aneinander und der größere Kontext fehlt, weil der Fokus immer ganz eng auf die Protagonistin fixiert ist. Logik lässt die Geschichte auch vermissen. Im Grunde ist beinahe alles viel zu einfach und unrealistisch. Da sich „Coldworth City“ aber zumindest ganz gut lesen lässt und ein, zwei nette Nebencharaktere hat, vergebe ich noch zwei Schreibfedern.

Kommentare:

  1. Huhu,

    also alleine vom Klappentext habe ich das Buch interessant gefunden. Wer hätte gedacht das es dann so abstürzt? Wow. Aber ich kann deine Kritik gut verstehen. Und auch wenn es Sci-fi sit sollte eine Grundlogik dennoch vorhanden sein. Das rutscht wohl erstmal wieder von der WuLi.

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hey Ruby,

      ich fand den Klappentext auch interessant, deshalb habe ich das Buch gekauft. Leider stimmt die Handlung irgendwie nicht mit dem Klappentext überein. Rein auf die Handlung betrachtet natürlich schon, aber im Klappentext klingt das alles so bombastisch. Im Buch ist das dann alles nur unwichtiges Zeug, was versucht wurde, so aufzubauschen, dass es einfach nur noch unrealistisch ist... Ich kann's dir also leider echt nicht empfehlen.

      Liebe Grüße,
      Jenny

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