Dienstag, 31. Januar 2017

[Rezension] Winston: Im Auftrag der Ölsardine – Frauke Scheunemann



Titel: Winston – Im Auftrag der Ölsardine
Autor: Frauke Scheunemann
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 234
ISBN: 978-3-785581-14-8
Preis: 12,95 € [D]

Klappentext:
Das hatte sich Kater Winston ganz anders vorgestellt: Statt die Vorfreude auf die Feiertage mit Kira und Familie Hagedorn genießen zu können, verdirbt er sich beim Naschen den Magen. Und zwar so heftig, dass er sogar in die Tierklinik muss. Dann der nächste Schock: Winston wurde vergiftet! Will jemand dem tierischen Ermittler an den Pelz? Die Spur führt zu Feinkosthändler Sandro, dessen Vitello Tonnato offenbar eine verdächtige Zutat enthält. Aber der ist doch ein Freund der Familie! Das riecht nach einem neuen Fall ...

Einordnung:
- Im Auftrag der Ölsardine (Teil 4)
- Kater undercover (Teil 5)
- ob weitere Teile folgen, ist unbekannt

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Der vierte Band um die Abenteuer des Katers Winston und seiner Freunde ist gleichermaßen witzig und spannend. Während sich im vorherigen Band meist bloß durch die Tatsache, dass Winston bestimmte Ausdrücke nicht kannte, gezeigt hat, dass er ein Kater und kein Mensch ist, hat die Autorin seine Sichtweise der Welt in diesem Buch wieder mehr ausgestaltet. Natürlich gibt es noch immer Dinge, die er als Kater nicht versteht. Beispielsweise denkt er, beim Fest Weihnachten ginge es darum, möglichst viel zu essen. Mit dieser Anschauung gerät er in Streit mit seinem Katerfreund Karamell, der der festen Überzeugung ist, beim Weihnachtsfest ginge es darum, viele Kerzen überall in der Wohnung zu verteilen. Schließlich wird sogar extra ein Baum ins Haus gestellt, um noch mehr Platz für Kerzen zu haben.
Aber es bleibt nicht bei diesen Unkenntnis von Begriffen, denn Winston nimmt als Kater auch den alltäglichen menschlichen Sprachgebrauch anders wahr. Dass Professor Hagedorn seine Anna mittlerweile „Spatzl“ nennt, bringt ihn beispielsweise zu der Feststellung, dass Menschen sich gegenseitig mit den Namen kleiner Tiere ansprechen, wenn sie sich mögen. Spatz, Maus und Hase sind nur einige Beispiele dafür. Kaum ist diese Erkenntnis verarbeitet, fügt Winston in herrlich nüchternem Tonfall hinzu, dass Menschen sich dann, wenn sie sich nicht mehr mögen, die Namen großer Tiere wie Esel, (dumme) Kuh oder Elefant (im Porzellanladen) geben.
Am meisten zum Lachen gebracht hat es mich aber, wenn Winston Wörter falsch versteht und diese dann so verwendet. Schon die „Muskeltiere“ waren lustig, aber dass die zweibeinige Mitbewohnerin des Katers Spike „Püschellogin“ ist, war noch besser. Das mag damit zusammen hängen, dass ich „Püschellogie“ studiere, aber ich habe mich auf jeden Fall köstlich amüsiert.

Das Buch war allerdings nicht nur witzig, sondern auch überraschend spannend. Da Winstons Vergiftung im Prolog geschildert wird und das erste Kapitel aber einige Tage zuvor beginnt, wird schon so Spannung aufgebaut. Es dauert noch eine ganze Weile, bevor die Handlung diesen Punkt wieder erreicht. Das hat mich viele Dinge sehr viel aufmerksamer lesen lassen, da ich schnell herausfinden wollte, was denn passiert ist. Dadurch, dass Winston diesmal selbst betroffen ist und seine Nase nicht bloß in fremde Angelegenheiten steckt, wirken die Entwicklungen außerdem dramatischer. Hinzu kommt, dass das Buch diesmal nicht nach dem „eine oder keine Spur“-Prinzip verläuft, sondern mehrere Geschichten gleichzeitig eine Rolle spielen. Winston und seine Freunde erhalten mehrere widersprüchliche Hinweise und müssen mehreren Personen und Katzen gleichzeitig helfen. Während Winston sich dadurch beinahe schon gestresst gefühlt hat, hat das für mich die Spannung erhöht, denn ich wusste lange tatsächlich nicht, worauf das Buch nun hinauslaufen würde.

Fazit:
Im vierten Teil der Reihe hat die Autorin zu ihrem alten Witz zurückgefunden. Winstons Sicht der Welt nimmt wieder mehr Raum ein. Sein fehlendes Wissen, das falsche Verständnis von Wörtern und die nüchterne Analyse der Eigenheiten des menschlichen Sprachgebrauchs haben mich mehrfach zum Lachen gebracht. Außerdem ist die Handlung diesmal sehr spannend, denn Winston selbst ist von den Vorfällen betroffen. Außerdem gibt es diesmal gleich mehrere Fälle und widersprüchliche Spuren, sodass ich genauso lange gebraucht habe wie die Kinder (und Katzen), um alles zu durchschauen. „Im Auftrag der Ölsardine“ hat mich bestens unterhalten und bekommt dafür fünf Schreibfedern.

Sonntag, 29. Januar 2017

[Rezension] Winston: Jagd auf die Tresorräuber – Frauke Scheunemann



Titel: Winston – Jagd auf die Tresorräuber
Autor: Frauke Scheunemann
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 09. März 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 233
ISBN: 978-3-785581-13-1
Preis: 12,95 € [D]

Klappentext:
Skandal an Kiras Schule: Jemand hat den Tresor mit den Abi-Klausuren geklaut! Toms älterer Bruder Nico ist verzweifelt und befürchtet, dass die Prüfung nun wiederholt werden muss. Aber wie sind die Unbekannten überhaupt in die Schule gelangt? Das riecht nach einem neuen Fall für Kater Winston! Mit Unterstützung seiner zwei- und vierbeinigen Freunde macht er sich daran, das Rätsel zu lösen, und legt sich mit einer gefährlichen Tresorräuberbande an. Aber dabei droht dem schlauen Kater diesmal richtig Ärger ...

Einordnung:
- Jagd auf die Tresorräuber (Teil 3)
- Kater undercover (Teil 5)
- ob weitere Teile folgen, ist unbekannt

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die ersten beiden Bücher der Reihe gelesen habe. Zwar habe ich noch gute Erinnerungen an die generellen Begebenheiten und die Charaktere, aber nicht mehr an die Kriminalfälle, die Winston und seine Freunde dort gelöst haben. Das war aber kein Problem, denn der angeberische Winston wirft immer wieder Kommentare und Erklärungen ein, die die Ereignisse in den vorherigen Büchern ausreichend auffrischen. Auf der einen Seite war das gut, um mich wieder an alles zu erinnern, auf der anderen Seite hat mir dadurch dieser dritte Teil nicht ganz so gut gefallen, denn es werden einige Entwicklungen für den aktuellen Fall wieder aufgegriffen. Damit meine ich nicht, dass Handlung weitergeführt wird, sondern dass einige Dinge aus den vorherigen Büchern einfach nochmals wiederholt werden. Das fand ich sehr schade, denn es hätte mit Sicherheit genügend Möglichkeiten gegeben, einen komplett neuen Fall zu basteln.

Ebenfalls nicht mehr so gut gefallen hat mir die Handlung an sich. Mehrfach hat sie sich selbst für ein Kinderbuch sehr gekünstelt angefühlt. Besonders sind mir dabei die Charaktere aufgefallen, die sich teilweise genauso benehmen wie die Kinder und in gewissen Gesichtspunkten genauso naiv sind. Die Tresorräuberbande besteht beispielsweise aus solchen begriffsstutzigen Idioten, dass ich beeindruckt davon bin, dass sie es organisiert bekommen haben, gleich mehrere Tresore zu stehlen. Außerdem kann ich verstehen, dass die Kinder abenteuerlustig sind und versuchen, den Fall auf eigene Faust zu lösen, aber dass sich Kiras Familie und der Professor anschließen, statt mit ihren Informationen zur Polizei zu gehen, konnte ich dann nicht mehr nachvollziehen. Daher hat mir in diesem Zusammenhang sehr gut gefallen, dass sie schlussendlich an einen strengen Polizisten geraten, der sie für ihre Arbeit als Hobbypolizei kritisiert und ihnen weitere Ermittlungen verbietet.

Positiv aufgefallen sind mir in diesem Buch die Weiterentwicklungen der Beziehungen. Am meisten wird natürlich auf Winstons Zuneigung zu Odette eingegangen. Doch während ich in den vorherigen Büchern das Gefühl hatte, in der Hinsicht irgendwie auf der Stelle zu treten, kommt jetzt Bewegung in die Sache. Das Gefühlsspektrum, das Winston in Odettes Nähe empfindet, erweitert sich. Verantwortlich dafür ist ein Kater, der neu in der Gegend ist und sich sehr um die Aufmerksamkeit der wunderschönen Katze bemüht. Mit der Zeit erkennt Winston, dass er den anderen Kater nicht ausstehen kann, weil er eifersüchtig ist. Damit fängt er an, den Empfindungen, die er in Odettes Nähe verspürt, Namen zu geben. Eine parallele Entwicklung gibt es auch bei den Menschen, denn Professor Hagedorn findet endlich den Mut, sich um seine Haushälterin Anna zu bemühen – oder es zumindest zu versuchen. Da er sich dabei nicht besonders geschickt anstellt, ist das Ergebnis immer wieder amüsant zu lesen.

Fazit:
In diesem dritten Teil hat mir die Handlung nicht mehr durchweg gefallen. Zum einen werden Aspekte aus vorherigen Büchern wiederholt, zum anderen wirkt die Handlung manchmal sehr gekünstelt. Dazu trägt bei, dass die Erwachsenen sich diesmal auch eher wie Kinder benehmen. Zum Glück werden sie dafür von der Polizei ordentlich gerügt, statt für ihren Leichtsinn auch noch belohnt zu werden. Außerdem haben mir die Beziehungen in diesem Band sehr gefallen. Winston fängt an, seinen Gefühlen für Odette Namen zu geben. Und der Professor versucht sich endlich um Anna zu bemühen. Dadurch gibt es auf dieser Ebene auf jeden Fall Weiterentwicklungen. Insgesamt hat mir „Jagd auf die Tresorräuber“ gefallen, bekommt aber wegen einiger Schwächen nur vier Schreibfedern.

Freitag, 27. Januar 2017

Neuzugänge #74


Dieses Mal freue ich mich richtig darüber, meine Neuzugänge vorzustellen, denn sie alle werden wohl nicht lange auf dem SuB verweilen. (Ja, ich fühle mich in letzter Zeit total gestresst vom SuB und arbeite ihn daher fleißig ab.) Allerdings sind das immer noch nicht alle Neuzugänge, denn von den ertauschten Büchern, die ich schon im letzten Neuzugänge-Post erwähnt habe, sind immer noch zwei unterwegs zu mir. Die werde ich dann beim nächsten Mal erwähnen. Oder beim übernächsten Mal. Oder so.



Ein Tauschbuch hat es allerdings schon zu mir geschafft. Über lovelybooks konnte ich "Der Blackthorn-Code" ergattern. Auf die Geschichte bin ich schon sehr neugierig. Und das Cover! Ich könnte es stundenlang anstarren. Wann genau ich das Buch lese, weiß ich allerdings noch nicht, denn für den Februar sind schon jede Menge andere Bücher geplant.
Relativ spontan und impulsiv habe ich mir "Him - Mit ihm allein" gekauft. Ich lese gerne Bücher mit schwulen Protagonisten, es begeistert mich, dass die Bücher bei LYX erschienen sind, also bei einem großen Verlag, obwohl die Protagonisten schwul sind, und Tina von Bookaholics hat auf Goodreads dermaßen von diesem Buch geschwärmt, dass ich mich einfach nicht beherrschen konnte. In zwei Nachtsitzungen habe ich es dann auch gleich verschlungen - und es ist echt gut!
Da musste ich mir dann die Fortsetzung auch gleich noch kaufen. "Us - Du und ich für immer" habe ich in meinem Lieblingsbuchladen erstanden. Meine Ausrede: Der Vorname der Autorin beginnt mit E und das ist der Buchstabe für den Februar für die Stadt, Land, Fluss Challenge! Und dann habe ich die Reihe beendet.
Die gleichen Ausreden müssen dann auch gleich noch mal für "Phase Null" herhalten. Dass ich noch jede Menge andere Bücher des Genres Endzeitroman im Regal stehen habe, ist an dieser Stelle bitte zu ignorieren. Wenigstens beendet ich damit die Reihe tatsächlich. Vielleicht. Je nachdem, ob James Dashner jetzt zufrieden ist oder aus der Trilogie doch lieber eine Hexalogie machen will...

Mittwoch, 25. Januar 2017

[Rezension] So kalt wie Eis, so klar wie Glas – Oliver Schlick



Titel: So kalt wie Eis, so klar wie Glas
Autor: Oliver Schlick
Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsdatum: 19. August 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 381
ISBN: 978-3-764170-43-1
Preis: 16,95 € [D]

Klappentext:
Rockenfeld ist ein wahr gewordenes Postkartenidyll. Der ganze Ort strahlt Ruhe und Frieden aus. Hier werden seit Generationen die schönsten Schneekugeln hergestellt: kleine Kunstwerke unter Glas, wundersame Welten in künstlichem Schnee, so malerisch wie Rockenfeld selbst.
Doch Cora, die nach  dem Tod ihrer Mutter nach Rockenfeld zieht, kommen schnell Zweifel an der friedlichen Fassade ihres neuen Zuhauses. Zu seltsam sind die Dinge, die sich beobachtet. Wer gibt nachts Lichtzeichen im Wald? Was verschweigt ihr der Junge mit den unvergesslichen Augen und den eiskalten Händen? Und was geschah wirklich vor vierundzwanzig Jahren, als ein Mädchen verschwand? Cora wird das Gefühl nicht los, dass das alles mit den Schneekugeln zu tun hat – und mit Menschen, die ihr sehr nahestehen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Mit Büchern, die in den Raunächten spielen, scheine ich kein Glück zu haben. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und war gespannt, wie Fantasy mit Schneekugeln verbunden wird. Jetzt muss ich sagen, dass diese Verbindung im Grunde alles ist, was mir an der Geschichte gefallen hat. Der Rest konnte mich überhaupt nicht überzeugen.

Am meisten enttäuscht bin ich von den Charakteren. Mit Cora, der Protagonistin, bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Sie ist insbesondere am Anfang reichlich zickig, hat aber ansonsten irgendwie keine Emotionen. Dass ihre Mutter gestorben ist, ist nach ein paar Seiten schon nicht mehr erwähnenswert und dass andere Menschen in ihren Armen sterben, lässt sie auch völlig kalt. Ob sie sich gut oder schlecht fühlt, konnte ich immer nur dem Text entnehmen, weil ich keinen Zugang zu ihr gefunden habe und damit auch nicht mitfühlen konnte. Das gilt in besonderem Maß für die Liebesgeschichte, die in meinen Augen absolut unglaubwürdig ist. Schon nach der ersten Begegnung ist Cora bis über beide Ohren verliebt, muss ständig an ihn denken, hat überhaupt keine Angst davor, dass er offensichtlich kein Mensch ist, und trotzdem schafft sie es nicht, auch nur eine einzige Emotion zu transportieren.
Dieser Mangel an Emotionen kann auch durch die anderen Charaktere nicht kompensiert werden, da diese allesamt blass bleiben. Jede Figur hat eine Eigenschaft, die sie ausmacht, und bei jeder Erwähnung der Person wird da nochmals kurz drauf eingegangen, damit das nicht in Vergessenheit gerät. Beispielsweise ist Elsa das tollpatschige Mannsweib, Julian der verzogene Schnösel, Toby ein hirnloser Schläger, Melly eine hyperaktive Idiotin, Zachariah ein missmutiger Spanner und Marlene eine umwerfende Schönheit. Hinzu kommen dann noch Polizisten, die wie idiotische, unfähige Karikaturen dargestellt sind, eine Psychologin, die total einen an der Klatsche hat und selbst eine Therapie bräuchte, und so weiter. Es gibt nicht eine Figur, die nicht wie ein ausgestanztes Klischee wirkt, und nur der stockschwule Moritz schafft es, trotz Stereotypisierung halbwegs witzig zu sein.

Leider konnte auch die Handlung das Ruder nicht herumreißen. Zwar hat mir die Idee gut gefallen und ich fand die Geschichte hinter der Geschichte interessant, die Umsetzung war aber leider ziemlich langweilig. Das Buch braucht lange, bis es halbwegs in Schwung gekommen ist, da Cora nach dem Tod ihrer Mutter zunächst einmal nach Rockenfeld umziehen und sich mit dem Dorf und den Personen dort vertraut machen muss. Allerdings sind die meisten Menschen, insbesondere ihre neuen Klassenkameraden, nicht einmal eine namentliche Erwähnung wert, sodass sich das Buch schon auf dem ersten Stück zieht. Das genaue Gegenteil, das leider trotzdem nicht gelungen ist, ist das Finale. Der Höhepunkt, auf den das ganze Buch hinausläuft, ist absolut unspektakulär, kein bisschen spannend und wird eben schnell auf einer Seite abgehandelt. Da hätte die Geschichte deutlich mehr Potenzial gehabt.
Am wenigsten gefallen hat mir jedoch der Mittelteil. Das liegt auch mit an der Protagonistin, die unfassbar schwer von Begriff ist. Das ganze Buch über reiht sich eine Vorhersehbarkeit an die andere, aber ihr muss immer erst jemand haarklein erklären, worum es jetzt genau geht. Besonders deutlich wird das, als ihr Großvater ihr beinahe wortwörtlich ein geheimes Versteck verrät und sie 150 Seiten braucht, um den Wink mit der Litfaßsäule zu verstehen. Zu Gute halten muss ich ihr da allerdings, dass alle anderen es auch nicht verstehen. Damit konnte mich das Buch weder am Anfang noch in der Mitte noch am Ende mitreißen. Dass die Geschichte außerdem nur in drei Teile und nicht in Kapitel unterteilt ist, hat die Lesedynamik auch nicht gefördert, denn statt „nur noch das Kapitel zu Ende“ zu lesen, habe ich immer einfach aufgehört, wenn ich keine Lust mehr hatte.

Fazit:
Das Buch konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Cora, die Protagonistin, ist zickig, unfassbar schwer von Begriff und schafft es während des ganzen Buches nicht, auch nur eine einzige Emotion zu transportieren. Dadurch sind die Todesfälle unemotional und die überstürzte Liebesgeschichte wirkt an den Haaren herbei gezogen. Alle anderen Charaktere sind ausgestanzte Klischees und blasse Stereotype. Auch die Handlung konnte mich nicht fesseln, da das Buch eine lange Anlaufzeit hat, im Mittelteil durch die Vorhersehbarkeiten ziemlich langweilig ist und das unspektakuläre Finale schnell auf einer Seite abgehandelt wird. Gefallen haben mir nur die Idee und einige wenige Witze von Moritz, dem stockschwulen Stereotyp. Daher kann ich „So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ nicht mehr als zwei Schreibfedern geben.

Donnerstag, 19. Januar 2017

[Aktion] Top Ten Thursday #23 | Deine 10 Flops aus 2016

Zwar war mein Lesejahr 2016 nicht ganz so gut wie die Jahre davor, allerdings habe ich zum Glück auch in diesem Jahr die zehn Enttäuschungen nicht voll bekommen. Insgesamt sind es nur sieben Bücher geworden, von denen ich zwei mit nur einer Schreibfeder und fünf immerhin noch mit zwei Schreibfedern bewertet habe. Da ich einige dieser Bücher aber unglücklicherweise direkt nacheinander gelesen habe, kam es mir vor wie mehr. Ich hoffe sehr, dass das Jahr 2017 nur gute bis geniale Bücher für mich bereithält. Und für euch natürlich auch! (Interessanterweise sind mehr als die Hälfte meiner Flops Rezensionsexemplare, die ich selbst angefragt habe... Dieses Jahr muss ich da unbedingt mehr selektieren!)
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
Deine 10 Flops aus 2016 

Meine Top Ten:

"Element 8 - Das Flüstern der Erde" hat sich auf den letzten Metern noch die zweite Schreibfeder erarbeitet. Während der ersten 350 Seiten habe ich den Sinn der Geschichte nämlich schlichtweg nicht verstanden. Die Charaktere sind bis auf eine Ausnahme vollkommen unsympathisch, die Handlung hat keinen Sinn, die Sprünge innerhalb der Perspektiven haben mich vollkommen verwirrt und schlussendlich habe ich das Buch eher überflogen.
Anders war es bei "Das Frostmädchen", das wegen des ganz netten Anfangs auch noch knapp zwei Schreibfedern bekommt. Durch dieses Buch habe ich mich gelangweilt. Es gibt eine völlig überstürzte, emotionslose Liebesgeschichte, keine Erklärungen für die Fantasy-Anteile der Geschichte und eine ständige Wiederholung der gleichen fünf Handlungsbausteine. Die Charaktere verlieren sich in seitenlangen Monologen darüber, wie toll sie sich finden, während sie durch den x-ten Schneesturm rennen. Echt langweilig.

Auf "Humpelgreed" habe ich mich schon sehr lange gefreut, weil mich die Idee hinter dem Buch angesprochen hat. Dafür hat die Geschichte dann auch am Ende noch ihre zweite Schreibfeder bekommen. Der Rest war eine pure Enttäuschung. Fünf Monate habe ich gebraucht, um mich durch dieses Buch zu quälen. Die Ausdrucksweise ist ungehobelt, der Schreibstil holprig und der Inhalt sprunghaft. Dieses Buch zu beenden war echt ein Kraftakt.
Bei "In einer anderen Welt" hingegen ist es der Schreibstil, für das das Buch die zweite Schreibfeder bekommen hat. In diesem Buch passiert nämlich gar nichts. Es handelt sich um das Tagebuch der Protagonistin Morwenna, deren Leben maximal unspektakulär ist. Sie erzählt ein wenig walisische Geschichte, listet in einer endlosen Abhandlung Namen und Herkunft sämtlicher Familienmitglieder der letzten fünf Generationen auf und zählt sonst bloß Titel und Autor der unendlich vielen Bücher auf, die sie liest. Das Buch hat weder einen Sinn noch ein Ziel und magisch ist es schon gar nicht.


Das erste Buch, das letztes Jahr nur eine Schreibfeder bekommen hat, ist "Numbers - Den Tod im Blick". Es war einfach entsetzlich. Die Protagonistin und ihr Freund sind dermaßen unsympathisch, dass ich mich teilweise sogar vor ihnen geekelt habe. Schlechtere Vorbilder lassen sich außerdem schwerlich finden. Niveauloser Ausdruck, Respektlosigkeit, vulgäre Sprache und eine dauerhafte Aneinanderreihung von Schimpfwörtern (und das im erzählten Teil außerhalb der Dialoge!) zerstören jegliches Lesevergnügen. Außerdem ist ein Kapitel langweiliger als das andere. Erst ganz zum Schluss gibt es etwas Handlung, die aber schon von Anfang an vorhersehbar war.
Auch "Die Rebellion der Maddie Freeman" hat im Grunde keine Handlung. Die Protagonistin schmachtet die ganze Zeit nur den Kerl an und sabbert seinem unglaublichen Körper hinterher. Der Klappentext behauptet zwar, sie würde eine Schlüsselrolle in der Rebellion spielen, aber davon ist nichts zu spüren. Sie hat mit der Rebellion überhaupt nichts am Hut und alles läuft auch ohne sie ganz wunderbar. Also umso mehr Zeit zum Schmachten. Zum Glück ist wenigstens das dystopische Setting gelungen, in dem es keine Bücher, kein Papier und keine Stifte mehr gibt und das Leben nur noch im Internet stattfindet. Damit hat sich das Buch die zweite Schreibfeder verdient.
Die hat "Survive the night" nicht bekommen. Die Protagonistin ist eine blasse Mitläuferin, trotz vieler Todesfälle ist das Buch völlig unemotional und die Hälfte der Zeit werden bloß irgendwelche Drogenexzesse geschildert. Die Erzählweise ist nicht besonders packend, weil die Autorin es mit der Dramatik übertreibt und immer fünfmal beschreiben muss, wie jemandem die Eingeweide heraushängen. Außerdem ist das Monster, vor dem die Charaktere weglaufen, fiktiv - es ist also eigentlich ein Fantasy-Buch, was ich dem Klappentext aber nicht entnehmen konnte. Oben drauf kommen dann noch zahllose Ungereimtheiten und Logikfehler. Das Buch war gar nicht nach meinem Geschmack.


Habt ihr auch eines der Bücher gelesen?
Was waren eure Flops des Jahres 2016?

Dienstag, 17. Januar 2017

[Rezension] Angelfall: Tage der Dunkelheit – Susan Ee


Titel: Angelfall – Tage der Dunkelheit
Autor: Susan Ee
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2017
Einband: Softcover
Seiten: 446
ISBN: 978-3-453317-48-2
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Kaum hat Penryn ihre kleine Schwester Paige aus dem Hauptquartier der Engel in San Francisco befreit, wird diese erneut entführt. Und so muss sich Penryn in den rauchenden Trümmern der Stadt erneut auf die Suche nach Paige machen. Dabei findet sie heraus, welch finstere Pläne die Engel wirklich verfolgen. Ihre letzte Hoffnung ist der gefallene Engel Raffe, der jedoch vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens steht: Soll er auf sein Herz hören und Penryn helfen, oder soll er versuchen, seine Flügel zurückzubekommen?

Einordnung:
- Nacht ohne Morgen (Teil 1) 
- Tage der Dunkelheit (Teil 2)
- End of Days (Teil 3, dt. unbekannt)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch macht genau an der Stelle weiter, an der der erste Band aufgehört hat. Penryn ist nach dem Stich des Skorpions noch immer gelähmt, aber alle halten sie für tot. Trotzdem nimmt der Widerstand sie mit ins neue Camp. Schon auf dem Weg dorthin löst sich die Lähmung allmählich, sodass Penryn wieder handlungsfähig ist. Das ist auch dringend notwendig, denn die Geschichte geht direkt rasant weiter ohne viel Zeit, die bisherigen Geschehnisse zu verarbeiten. Das Buch lässt keine Minute Zeit zum Durchatmen, denn schließlich herrscht auf der Erde Krieg. Die größten Schwierigkeiten bereitet Penryn allerdings ihre entstellte kleine Schwester, vor der sich alle gruseln und die nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich nicht mehr dieselbe ist. Auch Penryn fechtet in ihrer Nähe ständig einen inneren Kampf aus, denn obwohl Paige noch immer ihre geliebte kleine Schwester ist, bringt sie es weder über sich, sie anzusehen noch sie anzufassen. Dadurch, dass selbst die starken Familienbunde aus dem ersten Teil nicht mehr wirklich existieren, wird die Atmosphäre des Buches noch ein wenig düsterer.

Überhaupt ist es in diesem Band hauptsächlich die Atmosphäre, die mich mitgerissen hat, denn so sehr viel Handlung gibt es nicht, abgesehen vom rasanten Ende. Zwar geht der Überlebenskampf weiter, Paige verschwindet erneut und es gibt mehrere Scharmützel mit Engeln, Skorpionen und auch Menschen, aber insgesamt verbringt Penryn viel Zeit damit, einfach nur zu leben. Das ist jedoch keinesfalls langweilig, denn auch wenn gerade kein Angriff des Feindes erfolgt, ist das normale Alltagsleben geprägt von atemlosem Warten darauf, dass es wieder beginnt. Die Szenen mit Penryns Familie sind gleichermaßen emotional wie unheimlich. Und unterbrochen wird die Beschreibung der Gegenwart immer wieder durch Erinnerungen, die Raffes Schwert mit Penryn teilt. Dadurch gibt es nicht nur mehr Informationen über Raffe, sondern es wird auch seine innige Verbindung mit dem Schwert deutlich. Auch Penryns eigene Beziehung zum Schwert wird immer stärker und der vorsichtige Austausch von Gefühlen war irgendwie berührend. Das alles wird so intensiv geschildert und baut eine so spannungsgeladene Atmosphäre auf, dass ich bis mitten in der Nacht gelesen habe, weil ich einfach nicht aufhören konnte.

Neben Penryns Beziehung zu dem Schwert hat mir auch ihre Beziehung zu Raffe unheimlich gut gefallen. Sie denkt immer mal wieder zwischendurch an ihn und gestattet sich manchmal, einfach nur ein 17jähriges Mädchen zu sein. Aber generell ist sie so damit beschäftigt, zu überleben und ihre Schwester zu finden, dass für Raffe kaum Platz in ihrem Kopf ist. Da dieser Penryn für tot hält und sie dementsprechend auch nicht sucht, dauert es mehr als 300 Seiten, bis sie sich das erste Mal wieder über den Weg laufen. Zuvor taucht er nur in den Erinnerungen seines Schwertes auf. Diese Erinnerungsfetzen, die hin und wieder eingeschoben wurden, ohne dass er im Buch tatsächlich mal aktiv aufgetaucht wäre, haben in mir tatsächlich so etwas wie Sehnsucht entfacht. Zum Schluss, kurz bevor sie sich wiedersehen, habe ich ihn tatsächlich mehr vermisst als Penryn. Es ist mir in meiner ganzen Leserlaufbahn noch nie passiert, dass ich selbst den Kerl mehr vermisst habe als die Protagonistin. Aber dieses Buch hat es geschafft und davon bin ich noch immer beeindruckt.

Fazit:
Das Buch macht an der Stelle weiter, an der der vorherige Band aufgehört hat. Der nahtlose Übergang macht den Einstieg in die Geschichte leicht. Außerdem ist das Buch von der ersten Seite an spannend, auch wenn die Handlung erst gegen Ende richtig in Schwung kommt. Dafür ist bis zu diesem Punkt die Atmosphäre umso mitreißender. Egal, womit sich Penryn beschäftigt, alles ist unglaublich intensiv geschrieben. Und selbst bei Alltagsaktivitäten herrscht das atemlose Warten auf die Katastrophe. Dazwischen baut Penryn langsam eine berührende Beziehung zu Raffes Schwert auf und seine beiläufigen Erwähnungen haben mich sehnsüchtiger auf ihn warten lassen als Penryn. „Angelfall – Tage der Dunkelheit“ konnte mich absolut überzeugen und bekommt dafür fünf Schreibfedern.



Ich bedanke mich beim Heyne Verlag und beim Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 15. Januar 2017

Neuzugänge #73


Wie immer habe ich es auch letztes Jahr nicht geschafft, alle Neuzugänge des Jahres tatsächlich auch noch im gleichen Jahr vorzustellen. Glücklicherweise betrifft das dieses Mal nur ein Buch, das ich auf einer Weihnachtsfeier (mehr oder weniger) erwichtelt habe. Außerdem hat mich Anfang diesen Jahres schon wieder das erste Rezensionsexemplar erreicht. Und eigentlich wollte ich heute auch noch zwei Bücher vorstellen, die ich ertauscht habe, aber die Post lässt sich sehr viel Zeit damit, sie mir zu bringen, also gibt's die erst in den nächsten Neuzugängen.




Von der Weihnachtsfeier stammt "Skulduggery Pleasant". Das Buch ist mir in letzter Zeit von mehreren Seiten empfohlen worden und eigentlich wollte ich mir die Reihe irgendwann demnächst aus der Bibliothek ausleihen (lassen; Danke, Lisa xD). Dann wurde das Buch aber überraschend auf der Feier verwichtelt. Und nachdem am Ende niemand das hatte, was er gerne gehabt hätte, haben wir alle wild hin und her getauscht, bis ich tatsächlich das Buch in den Händen hielt. Eigentlich habe ich es also nur quasi-erwichtelt...
Als Rezensionsexemplar ist "Angelfall - Tage der Dunkelheit" bei mir eingetroffen. Nachdem mir der erste Band überraschend gut gefallen hat, musste ich den zweiten Teil auch unbedingt direkt haben. Vorgestern Abend wollte ich schon mal die ersten Kapitel lesen. Und zack, war es halb zwei nachts und ich hatte das Buch (beinahe) durch. Sehr spannend, unglaublich atmosphärisch und zwischenzeitlich hatte ich regelrecht Sehnsucht nach Raffe. Ganz tolles Buch! Meine Rezension folgt Dienstag.

Donnerstag, 12. Januar 2017

[Rezension] Erebos – Ursula Poznanski



Titel: Erebos
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 07. Januar 2010
Einband: Softcover
Seiten: 486
ISBN: 978-3-785569-57-3
Preis: 14,90 € [D]

Klappentext:
Nick ist süchtig nach Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Die Regeln sind äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen. Er muss dabei immer allein sein und darf mit niemandem über Erebos reden. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel auch nicht mehr starten. Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die nicht in der virtuellen Welt, sondern in der Wirklichkeit ausgeführt werden müssen. Fiktion und Realität verschwimmen auf irritierende Weise. Und dann befiehlt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch spannend und mitreißend geschrieben. Die Geschichte beginnt, als Nick, der Protagonist, beginnt, Veränderungen bei seinen Freunden und Klassenkameraden zu bemerken. Schnell stellt er fest, dass sie heimlich eine CD untereinander weiter reichen. Aber niemand will verraten, worum es sich dabei handelt. Eifersüchtig versucht er, ebenfalls an ein Exemplar der herumwandernden CD zu kommen, denn alle scheinen von ihrem Inhalt begeistert zu sein. Es dauert nicht lange, bis auch er ein Exemplar in den Händen hält und feststellt, dass es sich um ein Spiel mit dem Namen „Erebos“ handelt.
Meine anfänglichen Befürchtungen, es würde ab dort langweilig werden, seitenlang zu lesen, wie Nick auf Pfeiltasten drückt oder andere Tastenkombinationen ausprobiert, während er das Spiel spielt, haben sich als unbegründet herausgestellt, sobald das Spiel richtig beginnt. Ab diesem Zeitpunkt wechselt die Erzählperspektive nämlich zwischen Nick und seinem Charakter Sarius hin und her. Nick geht zur Schule, macht Hausaufgaben, isst mit seinen Eltern und spricht mit seinen Freunden. Und Sarius schleicht durch Labyrinthe, tötet Skorpione, nimmt an Arenakämpfen teil und unterhält sich mit Werwölfen, Vampiren, Zwergen und Barbaren. Dadurch, dass Sarius die Gefühle und Gedanken eingehaucht werden, die Nick vor dem Bildschirm empfindet, wirkt alles echter und mitreißender. Wann immer Nick das Spiel spielt und Sarius erzählt, liest sich das Buch mehr wie ein Fantasybuch und jedes Mal, wenn Nick unterbrochen wird und die Perspektive zurück zu ihm springt, musste ich mich daran erinnern, dass Sarius eine Spielfigur ist und nicht wirklich gerade um sein Leben gekämpft hat. Stellenweise ist das Buch damit spannender, wenn Nick das Spiel spielt, als wenn er sich im echten Leben bewegt. Das ändert sich aber schlagartig, als das Spiel beginnt, ihm Aufträge in der realen Welt zu erteilen. Um sein Spiel fortsetzen zu können, muss er Kisten von einem Ort zum anderen transportieren, Fotos von bestimmten Personen machen und so weiter. Dafür wird er in der Welt des Spiels mit einem höheren Level oder besserer Ausrüstung belohnt. Am unheimlichsten ist jedoch, dass das Spiel immer weiß, ob Nick seine Aufträge tatsächlich ordnungsgemäß ausgeführt hat oder nicht.

Etwa in der Mitte des Buches flachte die Spannung dann aber irgendwie ab. Es ist sehr deutlich geworden, dass alle Spieler schnell süchtig nach Erebos geworden sind, denn immer wieder fehlen viele Schüler in der Schule, diejenigen, die aus dem Spiel geflogen sind, suchen verzweifelt Wege zurück, immer wieder sind Schüler offensichtlich bei der Erledigung von Aufträgen zu beobachten und jeder hält sich akribisch an die Regeln, um bloß nicht den Missfallen des Spiels zu erregen. Realität und Fiktion verschwimmen immer mehr, indem Handlungen im Spiel in Aufträge in der Realität münden, die wiederum zu Belohnungen im Spiel führen. Das ist mehr als deutlich geworden, doch die Handlung verändert sich nicht. Nick spielt und Sarius kämpft, immer und immer wieder. Erst, als Nick den Auftrag bekommt, in der realen Welt einen Menschen zu töten, nimmt die Geschichte wieder Schwung auf. Ganz so spannend wie zu Beginn, als das Spiel mit all seinen Möglichkeiten eingeführt wird, wurde es aber nicht mehr.

Das mich die zweite Hälfte nicht mehr so mitreißen konnte, liegt wohl unter anderem daran, dass die einzigen drei Figuren der realen Welt, die ich außer Nick noch sympathisch fand, irgendwann dann doch alle auf seiner Seite stehen, sodass es dort im Gegensatz zum Anfang in der Realität mit seinen echten Freunden keine größeren Konflikte mehr gibt. Außerdem gefällt mir die Idee hinter der Geschichte zwar ziemlich gut und es ist geschickt gemacht, jeden Charakter nur einzelne Puzzelsteine wissen zu lassen, aber die Endauflösung hat mich irgendwie enttäuscht. Nicht unbedingt hinsichtlich des Ziels des Spiels, aber ich finde die Anzahl der Spieler, die das Spiel so eingewickelt und manipuliert hat, dass sie buchstäblich über Leichen gehen, dann doch übertrieben. Das Finale fing richtig gut an, als die Parallelen zwischen Spiel und Realität immer offensichtlicher wurden und Details aus dem Spiel sowie Aufträge in der echten Welt plötzlich Sinn bekamen. Damit hätte das Buch ebenso dramatisch wie realistisch abschließen können, aber in meinen Augen hat die Autorin auf den letzten Metern dann einfach etwas zu viel gewollt und den Abschluss zu groß aufgebauscht.

Fazit:
Am Anfang ist das Buch unglaublich spannend, als Nick beginnt, die Welt von Erebos zu erforschen. Dadurch, dass abwechselnd aus seiner Perspektive und der Sicht seines Spielcharakters berichtet wird, ist sowohl die Handlung in der Realität als auch im Spiel mitreißend. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als Realität und Fiktion anfangen zu verschwimmen, weil das Spiel Aufträge in der Realität erteilt, die zu Belohnungen im Spiel führen. Allerdings nimmt sich die Autorin sehr viel Zeit dafür, diesen Umstand mehr als deutlich zu machen, sodass die Spannung in der Mitte des Buches einen Hänger hat. Zum Ende hin wird es zwar wieder spannender und die Idee hinter der Geschichte gefällt mir richtig gut, aber das große Finale ist in meinen Augen mit zu vielen Charakteren so aufgebauscht, dass es nicht mehr realistisch ist. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen. Trotzdem bekommt „Erebos“ als spannendes Buch vier Schreibfedern von mir.

Donnerstag, 5. Januar 2017

[Aktion] Top Ten Thursday #22 | Deine 10 Highlights aus 2016

Letztes Mal habe ich mich mit diesem Thema ziemlich schwer getan, weil ich mich zwischen meinen ganzen Highlights entscheiden musste, welches es auf die Liste schafft und welches nicht. Dieses Mal ist es sehr viel leichter, denn ich habe genau zehn Bücher mit voller Punktzahl bewertet 2016. Das nennt sich dann wohl Punktlandung. Allerdings wäre es mir lieber, wenn ich im Rückblick auf 2017 wieder eine Auswahl treffen müsste. Das würde nämlich bedeuten, dass mein Lesejahr bedeutend besser wird als das letzte Jahr war.
Weitere Informationen zur Aktion findet ihr bei Steffis Bücherbloggeria. :)


Das heutige Thema:
Deine 10 Highlights aus 2016 

Meine Top Ten:

"Battle Island" war von Anfang bis Ende unheimlich mitreißend. Dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wurde, hat einen enormen Spannungsbogen aufgebaut. Das hat der Autor mit der vollständigen Eskalation der Situation am Ende noch gesteigert. Allein, wenn ich an das Buch denke, beschleunigt sich mein Pulsschlag wieder. Ein unglaublich packendes Buch!
Im Gegensatz zu den vorherigen Teilen platzte "City of Heavenly Fire" beinahe vor Handlung. Es herrscht das reinste Chaos mit Weltuntergangsstimmung. Viele Perspektivenwechsel ergeben eine Mischung aus Vorahnung, Geheimniskrämerei und offen aufbauender Dramatik. Zahllose Fäden laufen vollkommen schlüssig zusammen und mein absolut liebstes Lieblingspaar bekommt ein Happy End. Dieses Finale ist wirklich absolut perfekt.

Mein letztes Highlight des letzten Jahres war "Die Dämonenakademie - Der Erwählte". Von diesem Buch hatte ich mir gar nicht so viel versprochen, sodass es mich dann wirklich umgehauen hat. Von der ersten Seite an ist mir der Protagonist wahnsinnig sympathisch gewesen. Das hat sich bis zum Schluss nicht geändert, denn er trifft meinen Nerv wirklich auf ganzer Linie. Das Buch ist meine Entdeckung des Jahres.
Victoria Aveyard hat ein wahrhaft meisterliches Verständnis für Verwicklungen, Intrigen und Verrat. Das beweist sie auch in "Gläsernes Schwert" wieder. Die ständigen Wendungen, überraschenden Entwicklungen und tödlichen Hinterhalte haben mich dermaßen misstrauisch gemacht, dass ich jeden neuen Charakter am liebsten sofort weggesperrt hätte. Gleichzeitig nimmt die Rebellion immer größere Ausmaße an, sodass ich einfach nur überwältigt bin von diesem Buch.

Das erste Highlight des letzten Jahres war "Das Labyrinth erwacht". Das Buch ist wirklich unglaublich gemein, denn schon von Anfang an wissen Leser und Charaktere, dass nur eine Person diese Geschichte überleben wird. Es ist trotzdem unmöglich, eine Figur nicht zu mögen, denn es wird abwechselnd aus allen Perspektiven berichtet, sodass der Leser die Gedanken, Gefühle, Ängst und Erinnerungen jeder Figur kennenlernt. Auch den Charakteren selbst ist es unmöglich, sich nicht gegenseitig zu mögen. Sie wollen alle nicht, dass ihre Freunde sterben, und doch rennt schlussendlich jeder um sein eigenes Leben. Und der Leser hetzt hilflos hinterher, denn zum Nachdenken ist keine Zeit. Das Buch war wirklich, wirklich hart zu verdauen gewesen.
Im krassen Gegensatz dazu steht "Magnus Chase - Das Schwert des Sommers", denn dieses Buch ist einfach nur unglaublich witzig. Ich habe Rick Riordan schon immer geliebt, aber mit Magnus Chase hat er sich tatsächlich noch einmal gesteigert. Lange habe ich mich nicht mehr so amüsiert beim Lesen - und das begann schon beim Inhaltsverzeichnis. Magnus ist ein richtig witziger Erzähler und das Buch quillt über vor Situationskomik. Trotzdem mangelt es auch nicht an Spannung, berührenden Momenten und Dramatik. Außerdem sind nebenbei jede Menge Informationen über die nordische Mythologie in die Handlung eingebettet. Eine gelungene Mischung.

Von "Masterminds - Im Auge der Macht" bin ich wirklich überrascht gewesen. Die Geschichte hatte eine hohe Geschwindigkeit, da aus fünf Perspektiven berichtet wird und jede Figur etwas anderes darüber herausfindet, was in ihrer Stadt nicht stimmt. Obwohl der Leser dadurch frühzeitig viele Informationen hat, ist es bis zum Schluss kaum möglich, die Puzzelteile richtig zusammen zu setzen. Die Auflösung selbst war noch viel schrecklicher als ich sie mir ausgemalt hatte.
Nicht weniger überrascht war ich außerdem von "Selection - Die Krone". Nachdem mir der vierte Band irgendwie so gar nicht gefallen hatte, habe ich nicht mir so einem gelungenen Abschluss gerechnet. Dass Eadlyn in diesem Band endlich etwas zu tun bekommt, statt nur herumzustolzieren, tut ihr wirklich gut, denn sie wird richtig offen, freundlich und sympathisch. Das und die Tatsache, dass die übrigen Kandidaten alle miteinander befreundet sind und sich gegenseitig unterstützen, sorgt für eine besondere Atmosphäre. Dass sie sich am Ende auch noch für meinen Favoriten entscheidet, ist nur die Spitze des Eisbergs, der mich dieses Buch wirklich genießen lassen hat.

"Shilsas - In den Nebeln". Ich muss nur das Cover anschauen und schon kriecht mir eine Gänsehaut über den Rücken, mein Puls beschleunigt sich und das Atmen fällt mir schwerer. Die Atmosphäre in diesem Buch war gigantisch. Die Vielschichtigkeit der Welt und die Komplexität der Handlungsstränge haben mich immer mehr eingewickelt. Und die abstoßende, entsetzliche Stadt Shilsas, in der das Recht des Stärkeren gilt und der fast niemand jemals entkommen kann, hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich den Fehler gemacht habe, die beiden wichtigsten Grundsätze der Stadt zu vergessen: „Traue niemandem in Shilsas“ und „Jeder ist käuflich in Shilsas“. Bezahlt habe ich das mit Tränen, Fingernägeln und schlaflosen Nächten. Das Buch ist wirklich das Meisterwerk der Autorin.
Das letzte Highlight auf dieser Liste ist tatsächlich eine Autobiographie. Eigentlich ist "You're never weird on the internet (almost)" aber sehr viel mehr als eine Autobiographie. Das Buch ist gleichzeitig witzig und berührend, eine Warnung und eine Inspirationsquelle, eine Autobiographie und ein Ratgeber. Es liest sich nicht wie ein Buch, sondern eher wie ein persönliches Gespräch mit Felicia Day, die von ihren Hoch- und Tiefpunkten erzählt. Und aus allen Erfahrungen zieht sie immer eine Quintessenz, die für den Leser von Wert sein kann. Das Buch hat mich wirklich auf vielen Ebenen angesprochen und mir mehr als nur eine Lebenshilfe mit auf den Weg gegeben.


Habt ihr auch eines der Bücher?
Was waren eure Highlights des Jahres 2016?

Sonntag, 1. Januar 2017

[Statistik] Dezember 2016

Der letzte Monat des Jahres ging überraschend schnell vorbei. Dafür, dass ich die Hälfte des Monats frei hatte, habe ich allerdings nur relativ wenige Bücher gelesen. Aber da meine Abende beinahe vollständig von der Darts WM in Beschlag genommen werden, wundert mich das nicht. Leider war gerade der Anfang des Monats auch wegen der Qualität der Bücher ziemlich schleppend. Ich habe mich gleich hintereinander durch zwei ziemliche Enttäuschungen gequält. Dafür habe ich später aber auch ein weiteres Jahreshighlight gefunden. Insgesamt war der Monat also ziemlich gemischt, aber ich bin trotzdem zufrieden.


Neuzugänge:

- "Princess Reality: Gespieltes Leben" von Noemie Caruso [Rezensionsexemplar]
- "Amani: Rebellin des Sandes" von Alwyn Hamilton [Geschenk]
- "Elias & Laia: Eine Fackel im Dunkel der Nacht" von Sabaa Tahir [Gewinn]
- "Der Schattenjäger-Codex" von Cassandra Clare [Geschenk]
- "Die Legenden der Schattenjäger-Akademie" von Cassandra Clare [Geschenk]

Gesamtanzahl: 5 Bücher




Gelesen:

- "Das Frostmädchen" von Stefanie Lasthaus (399 Seiten) [2/5]
- "Humpelgreed" von August Gral (312 Seiten) [2/5]
- "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" von Joanne K. Rowling (96 Seiten) [4/5]
- "Die Dämonenakademie: Der Erwählte" von Taran Matharu (477 Seiten) [5/5]
- "Princess Reality: Gespieltes Leben" von Noemi Caruso (222 Seiten) [3/5]
- "Gewaltfreie Kommunikation" von Marshall B. Rosenberg (206 Seiten) [ohne Rezension]

Bücher insgesamt: 6 Bücher
Seiten insgesamt: 1712 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 3,2 von 5 Schreibfedern




Highlight des Monats:


Anfangs war ich skeptisch, aber das Buch ist schon nach den ersten Seiten zu einem absoluten Jahreshighlight geworden. Der Protagonist trifft meinen Nerv auf ganzer Linie. Und die Handlung ist wirklich abwechslungsreich und spannend. Ein ganz tolles Buch!


Enttäuschung des Monats:

 

Traurigerweise kann ich mich nicht entscheiden, welches Buch in diesem Monat die größte Enttäuschung war. "Das Frostmädchen" war einfach nur extrem langweilig, weil die gleichen fünf Handlungsbausteine immer wieder aneinander gereiht wurden und weil jede Menge Erklärungen fehlen. Durch "Humpelgreed" musste ich mich zum Teil wirklich durchquälen, weil der Schreibstil so holprig und der Ausdruck so unbeholfen war. Beide Bücher waren wirklich nicht schön zu lesen.