Dienstag, 28. Februar 2017

[Rezension] Ein ganzes Jahr Liebe – Kuschelgang


 Titel: Ein ganzes Jahr Liebe
Autor: Kuschelgang
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2015
Einband: Softcover
Seiten: 367
ISBN: 978-1-507816-28-8
Preis: 14,00 € [D]

Klappentext:
Ein Jahrbuch der besonderen Art: Jeden Monat eine Geschichte voller Gefühle, Verwicklungen, Schicksalsschlägen, Romantik und eben ... Liebe.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe. Es beinhaltet zwölf Kurzgeschichten von zehn Autoren.

Rezension:
Dieses Buch ist in jeglicher Hinsicht abwechslungsreich. Die Protagonisten der Geschichten sind zwar allesamt schwul, aber ansonsten grundverschieden. Der Leser trifft beispielsweise auf einen Brasilianer, einen Friedhofsgärtner, einen Weihnachtsfanatiker und einen sechzehnjährigen Schüler. Sie alle haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht in ihrem Leben, sodass es lustige und traurige, spannende und ergreifende Geschichten gibt. Außerdem befinden sich die Charaktere alle in verschiedenen Stadien ihrer Beziehung, sodass nicht jede Geschichte eine Wiederholung der vorhergehenden ist, sondern Beziehungsalltag auf eine erste Begegnung folgt und die Gründung einer Familie sich mit Trennungen und One-Night-Stands abwechselt. Als Gesamtwerk ist die Anthologie damit vielfältig und abwechslungsreich.

Leider schwankt auch die Qualität der einzelnen Geschichten sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Ein inhaltliches Problem, das beinahe alle Geschichten aufweisen, ist das Pacing. Da die Beiträge durchschnittlich nur 30 Seiten haben, muss viel Handlung auf wenigen Seiten beschrieben werden. Dadurch kommt die Lösung tiefgehender Probleme oftmals viel zu einfach, die große Verliebtheit zu schnell und das „Ich liebe dich“ zu früh. Manchmal ist das einfach der Tatsache geschuldet, dass es ich um Kurzgeschichten handelt, hin und wieder hätte aber beispielsweise einfach das „Ich liebe dich“ im letzten Absatz weggelassen werden können, um am Ende nicht doch noch alles zu überstürzen. Leider haben nur wenige Geschichten das Erzähltempo auf den Punkt gebracht.
Doch auch abgesehen davon konnten mich einige Geschichten nicht packen. Manche waren mir zu handlungsarm, weil im Grunde nur philosophische Gedankenmonologe geschildert wurden. Bei anderen wechselte die Erzählperspektive häufig mitten im Absatz, sodass ich kaum folgen konnte, wessen Gedanken gerade wiedergegeben wurden. Zu dieser Verwirrung hat auch beigetragen, dass manchmal die Namen der Charaktere vertauscht wurden, mitten in der Handlung die Rolle wechselte oder Namen innerhalb einer Geschichte beinahe identisch waren. Das sind Dinge, über die ich auch bei Self-Publishern nicht hinwegsehen möchte.

Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch Geschichten, die mich begeistert haben. Allen voran sind da zwei Autoren zu nennen, die mich schon mit anderen Büchern überzeugen konnten: S. B. Sasori und Chris P. Rolls. Die Geschichte von S. B. Sasori ist so gespickt mit Details und weiterführenden Andeutungen, dass der Eindruck entsteht, die Kurzgeschichte sei nur ein kleiner Einblick in eine viel größere Welt. Es wird nichts künstlich vereinfacht oder verkürzt, um es in den Rahmen zu quetschen, sodass die Geschichte in alle Richtungen überquillt, obwohl sie in sich durchaus abgeschlossen ist. Chris P. Rolls dagegen bringt es in ihrer Geschichte in allen Belangen auf den Punkt. Ihre Beschreibungen der Emotionen sind mitreißend wie immer, die Charaktere sind ausgearbeitet und das Timing ist optimal. Darüber hinaus habe ich mit Nico Morleen und Karo Stein zwei neue Autoren entdeckt, deren Bücher ich mir genauer ansehen werde. Beide haben sympathische Charaktere geschaffen, ergreifende Emotionen beschrieben und ein gutes Gespür für das passende Erzähltempo.

Fazit:
Das Buch ist in jeder Hinsicht abwechslungsreich. Die Charaktere sind grundverschieden und befinden sich in unterschiedlichen Beziehungsstadien, sodass die Geschichten sich nicht wiederholen. Leider schwankte die Qualität der Geschichten sehr. Altbekannte Autoren konnten mich überzeugen und ich habe neue Highlights entdeckt, andere Beiträge wiederum haben mich gar nicht gepackt, weil sie zu philosophisch, zu handlungsarm oder stilistisch zu verwirrend waren. Insgesamt hat mir „Ein ganzes Jahr Liebe“ mal gar nicht, mal sehr gut gefallen, sodass ich drei Schreibfedern vergebe.

Sonntag, 26. Februar 2017

[Rezension] A little something different – Sandy Hall


 Titel: A little something different
Autor: Sandy Hall
Verlag: Swoon Reads
Erscheinungsdatum: 28. August 2014
Einband: Softcover
Seiten: 242
ISBN: 978-1-447273-83-7
Preis: 7,99 € [D]

Klappentext:
Lea and Gabe are in the same creative writing class. They get the same pop-culture references, order the same Chinese food and hang out in the same places. Unfortunately, Lea is reserved, Gabe has issues, and despite their initial mutual crush it looks like they are never going to work things out.
But somehow, even when nothing is going on, something is happening between them, and everyone can see it. Their creative-writing teacher pushes them together. The baristas at the local Starbucks watch their relationship like a TV show. Their bus driver tells his wife about them. The waitress at the diner automatically seats them together. Now they just need to realize that they're meant for each other, and start falling in love ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Normalerweise lese ich keine Liebesromanzen. Aber ich mag Sandy Hall als Autorin. Außerdem ist das Buch kein typischer Liebesroman, denn die Geschichte wird erzählt aus vierzehn Perspektiven. Die Idee fand ich von Anfang an faszinierend, insbesondere, da Lea und Gabe, die eigentlichen Protagonisten, gar nicht zu den Erzählern gehören. Stattdessen berichten ihre Lehrerin und deren Ehefrau, ihre Klassenkameraden, ein Busfahrer, eine Kellnerin, ein Starbucks-Mitarbeiterin, Gabes Bruder, Freunde sowie Mitbewohner der beiden, ein Eichhörnchen und eine Parkbank. Da vor jedem Abschnitt nicht nur der Name des Erzählers, sondern auch seine Verbindung zu Lea oder Gabe genannt wird, z. B. „Sam – Gabe’s brother“, sind diese vielen Perspektiven überhaupt nicht verwirrend. Die Autorin schafft es, dass schon bei der ersten Erwähnung einer Person ein einmaliges Bild von ihr entsteht.

„It smells like snow and I can’t remember where I hid all of my acorns.“
(Squirrel, S. 105)

Auch die Geschichte selbst hat mir wirklich gut gefallen. Größtenteils ist das Buch wirklich witzig. Das ist zwar weniger der Handlung als viel mehr den Erzählern geschuldet, deshalb aber nicht weniger lustig. Insbesondere die Parkbank, die über die Hintern der Personen philosophiert, die sich auf sie setzen, und das Eichhörnchen, das ständig nur ans Essen denkt, haben es mir angetan. Gleichzeitig wird aber auch ein wenig Spannung aufgebaut, denn vielen Erzählern fällt auf, dass mit Gabe irgendetwas nicht stimmt. Da Gabe nie selbst erzählt, kann der Leser lange Zeit miträtseln, was ihm widerfahren ist. Außerdem hat mir auch die Liebesgeschichte selbst gefallen. Lea und Gabe sind wirklich ein Traumpaar. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, warum die Erzähler alle solchen Gefallen an den beiden finden, auch wenn sie es gar nicht wollen. Wie sie sich immer zu unterschiedlichen Zeiten anschauen, kaum mehr als Entschuldigungen miteinander sprechen und sich doch offensichtlich zueinander hingezogen fühlen, ist wirklich niedlich.

„And you two assholes are the most annoyingly cute thing I’ve ever seen.“
(Victor, S. 225)

Obwohl mir die Liebesgeschichte generell gefallen hat, ist sie gleichzeitig auch mein einziger Kritikpunkt. Dadurch, dass die Geschichte nur von anderen Personen erzählt wird, müssen sich Lea und Gabe häufig an öffentlichen Orten über den Weg laufen, damit es einen Zeugen für ihre Begegnung gibt. Dass sie zusätzlich sogar in der Uni noch nebeneinander sitzen und nach mehreren Monaten trotzdem noch kein Wort miteinander gesprochen haben, finde ich dann doch etwas unrealistisch. Mehrfach hatte ich außerdem das Gefühl, dass sie verknallte Teenager sind. Beide haben sich häufig nicht ihrem Alter entsprechend verhalten (Gabe ist 21, Lea etwas jünger), sondern als wären sie fünf oder sechs Jahre jünger. Manchmal war mir damit der Versuch, die beiden süß darzustellen, dann doch etwas zu übertrieben.

Fazit:
Die Idee, eine Liebesgeschichte aus den Perspektiven von vierzehn Beobachtern zu schildern, finde ich immer noch faszinierend. Die Autorin hat das auf eine Weise umgesetzt, die jedem Erzähler einen eigenen Charakter verliehen haben, sodass keine Verwechslungsgefahr besteht. Das Buch ist gleichzeitig witzig, spannend und niedlich. Wie den Erzählern war es auch mir nicht möglich, Lea und Gabe nicht zu mögen. Nur hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass sie beide eher jüngere Teenager als Erwachsene sind. Da war mir die Niedlichkeit dann zu übertrieben. Insgesamt ist „A little something different“ aber ein tolles und süßes Buch, das von mir vier Schreibfedern bekommt.

Freitag, 24. Februar 2017

[Rezension] Tote Mädchen lügen nicht – Jay Asher


Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 08. Oktober 2012
Einband: Softcover
Seiten: 283
ISBN: 978-3-570308-43-1
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Eine Ewigkeit lag das Buch auf meinem SuB, obwohl mich die Geschichte von Anfang an interessiert hat. Jetzt habe ich es endlich erlöst. Leider bin ich in allen Belangen ziemlich enttäuscht worden. Unter anderem der Erzählstil hat es mir schwer gemacht, in die Geschichte einzutauchen. Erzählt wird das Buch nämlich auf zwei Ebenen gleichzeitig: Hannah hat Kassetten mit ihrer Geschichte, ihren Erlebnissen und ihren Gedanken besprochen, die nun abgespielt werden. Dadurch erfährt der Leser die Gründe für ihren Selbstmord. Angehört werden die Kassetten von Clay, der gleichzeitig berichtet, was er gerade tut, wie er durch die Straßen läuft und was er über Hannahs Erzählungen denkt. Prinzipiell hat mir die Idee gefallen, auch wenn Clays Ausführungen manchmal überhaupt nichts mit dem zu tun hatten, was Hannah soeben auf der Kassette gesagt hat. Allerdings wechselt das Buch dermaßen schnell zwischen Kassette und Realität hin und her, dass mir regelrecht schwindelig geworden ist. Manchmal wird alle zwei Sätze gewechselt. Und obwohl Hannahs Geschichte in kursiv und Clays Erzählungen in normaler Schrift gedruckt sind, hat mein Hirn bei so vielen schnellen Wechseln irgendwann einfach abgeschaltet. Immer wieder musste ich Seiten mehrfach lesen, um nachvollziehen zu können, wer welchen Satz erzählt hat. Es hat so viel Aufmerksamkeit erfordert, die Formatierungen zu beachten, dass ich bis zum Schluss nie wirklich in die Geschichte eintauchen konnte.

Inhaltlich hatte ich mit der Geschichte auch so meine Probleme. Weder mit Clay noch mit Hannah konnte ich mich wirklich identifizieren. Manchmal hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass ich mit 21 Jahren schon viel zu alt bin, um überdramatische, theatralische Teenager noch verstehen zu können. Gerade in der ersten Hälfte des Buches erzählt Hannah in meinen Augen nämlich eigentlich nur Lappalien. Am Anfang der ersten Kassette sagt sie, dass jeder, der auf den Kassetten erwähnt wird, mit für ihren Selbstmord verantwortlich ist. Aber die ersten Ereignisse, die sie dann schildert, sind beim besten Willen nicht mehr als Nichtigkeiten. Diesen Personen die Kassetten zu schicken und ihnen damit die Schuld für ihren Selbstmord in die Schuhe zu schieben, ist meiner Meinung nach sehr viel schlimmer als die Dinge, die Hannah widerfahren sind. Dadurch konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, wie sie an den Punkt gelangt ist, an dem sie beschlossen hat, sich das Leben nehmen zu wollen.
Als sie diesen Punkt einmal erreicht hatte, wurde das Buch allerdings besser. Ab diesem Moment sind Hannahs Handlungen nur noch auf Selbstzerstörung ausgelegt. Das hat der Autor sehr eindrücklich beschrieben. Damit werden die Dinge, die Hannah widerfahren, in der zweiten Hälfte des Buches deutlich heftiger. Allerdings finde ich es auch hier wiederum unfair, den erwähnten Personen die Schuld in die Schuhe zu schieben, schließlich hat sie das alles absichtlich und sehenden Auges über sich ergehen lassen. Richtig packend fand ich allerdings nur das Ende. Die letzte auf den Kassetten erwähnte Person kann tatsächlich für ihren Selbstmord verantwortlich gemacht werden. Leider hat es damit sehr lange gedauert, bis die Geschichte an einem Punkt ankam, an dem ich sie nachvollziehen konnte.

Obwohl das meine beiden Hauptkritikpunkt an dem Buch sind, habe ich mich auch an vielen Kleinigkeiten gestört, die für mich einfach nicht stimmig waren. Beispielsweise wandert Clay durch die Nacht, während er die Kassetten hört. Er ist völlig gefangen in den Erzählungen und steigt einfach ohne hinzusehen in irgendwelche Busse ein, die dann aber zufälligerweise immer dahin fahren, wo er hin will. Außerdem zwingt Hannah alle auf den Kassetten erwähnten Personen, sie vollständig anzuhören und an den nächsten genannten Namen weiter zu schicken, damit ein zweiter Kassettensatz nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Wieso die Person, die den zweiten Kassettensatz hat, diesen allerdings der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte, ist mir schleierhaft. Außerdem finde ich die Rolle, die Clay bei Hannahs Selbstmord spielt und den Grund, warum er auf den Kassetten vorkommt, mehr als enttäuschend.
Insgesamt finde ich das Buch auch als Schullektüre nicht sonderlich geeignet, denn es werden zwar einige Warnsignale genannt, die auf suizidale Absichten hinweisen können (drastische Veränderungen im Aussehen, Verschenken von Eigentum etc.), aber außer dass jeder nett zu seinen Mitschülern und Mitmenschen sein sollte, enthält das Buch keine Botschaft. Es macht nicht einmal deutlich, dass Suizid kein legitimer Ausweg sein sollte. Nur Lehrer sollte sich das Buch vielleicht einmal ansehen, um sich an den in der Geschichte vorkommenden Lehrern auf keinen Fall ein Beispiel zu nehmen.

Fazit:
Das Buch war für mich eher eine Enttäuschung. Mit dem Erzählstil habe ich mich zum Schluss schwer getan. Den extrem schnellen Wechseln zwischen den Kassetten und der Realität konnte ich manchmal kaum folgen. Außerdem hat mich gerade die erste Hälfte inhaltlich nicht wirklich angesprochen. Ich konnte mich nicht in Hannah hineinversetzen, weil sie in meinen Augen alles einfach überdramatisiert. Erst gegen Ende wurde die Geschichte spannender und nachvollziehbarer. Hinzu kommen dann noch jede Menge Kleinigkeiten, die für mich einfach nicht stimmig waren. Insgesamt war das Buch okay, aber gelesen haben muss man es nicht. Daher bekommt „Tote Mädchen lügen nicht“ drei Schreibfedern von mir.

Dienstag, 21. Februar 2017

[Reading With] Sophias Bookplanet: Tote Mädchen lügen nicht - Update #3

Hier folgt nun das dritte und letzte Update zu meinem "Reading With" mit Sophia von Sophias Bookplanet. Es hat wirklich Spaß gemacht, sich so viel über die Geschichte auszutauschen. Inzwischen haben wir das Buch beendet, also enthält dieser Post mit ziemlicher Sicherheit Spoiler!


Welches Buch lesen wir?


Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 283
ISBN: 978-3-570307-34-2
Preis: 9,99€ [D]

Klappentext:
Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" - und hört Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat.
Mit Hannahs Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben.
Clay ist einer davon ...


Wann gibt's die Updates?

#1 - Am Anfang - Sa, 11.02.
#2 - In der Mitte - Di, 14.02.
#3 - Am Ende - Di, 21.02.


Wo sind wir gerade?

Seite 283
Das Buch ist damit beendet.


Sophias Fragen:


1. Wie hat sich deine Meinung über den Protagonisten in der letzten Hälfte verändert?
Er hat mir besser gefallen, insbesondere ganz zum Schluss. In der ersten Hälfte hatte ich das Gefühl, dass er einfach nur eine leblose Marionette ist, die nach Hannahs Anweisungen quer durch die Stadt rennt. Das ist in der zweiten Hälfte langsam weniger geworden und insbesondere zum Schluss, als die Kassetten zu Ende sind und Clay endlich nur von sich selbst erzählt, hatte ich das Gefühl, tatsächlich die Erzählung eines Menschen zu lesen.

2. Konntest du Hannahs Entscheidung nun besser nachvollziehen?
Ein Stück weit konnte ich sie besser nachvollziehen, ja. Insbesondere auf der letzten Kassette wird die Ausweglosigkeit der Situation schon deutlich. Nichtsdestotrotz geht es in dem zweiten Teil des Buches ja eigentlich gar nicht mehr darum, ob oder ob nicht. Sie hat die Entscheidung längst getroffen und fährt nur noch einen harten Selbstzerstörungskurs, um sich in ihrer Entscheidung zu bestätigen. Von daher habe ich immer noch Schwierigkeiten, zu verstehen, wie sie an diesen Punkt gekommen ist, aber die Entwicklung von der Entscheidung zur Umsetzung kann ich voll und ganz nachvollziehen.

3. Hättest du gerne erfahren, wie die anderen auf die Kassetten reagiert haben?
Teilweise habe ich das ja erfahren, denn Toby erzählt einige Dinge und Marcus trifft Clay sogar selbst, ebenso wie den Lehrer. Tylers Reaktion lässt sich implizit erschließen und bei Courtney hat Clay auch bestimmte Dinge beobachtet. Also im Grunde werden ziemlich viele Reaktionen auf die Kassetten deutlich. Und das hat mir voll und ganz gereicht. Den Rest kann ich mir gut selbst denken.


Meine Fragen:


1. Wie hat dir das Buch generell gefallen?
Die erste Hälfte fand ich nicht besonders gelungen. In der zweiten Hälfte ist es dann besser geworden, aber mehr als durchschnittlich fand ich das Buch trotzdem nicht. Ich glaube, ich bin einfach zu alt für diese Geschichte. Außerdem bin ich durch mein Psychologie-Studium ziemlich abgehärtet (ich habe echte Menschen getroffen, die aus dem Fenster gesprungen sind oder Tabletten genommen haben). Und ich mag Geschichten nicht, bei denen mir die Moral praktisch ins Gesicht springt. Eine schöne Geschichte, die außerdem noch lehrreich ist, ist schön und gut. Aber eine Moral auszuwählen und da dann eine Geschichte drum rum zu stopfen, geht für meinen Geschmack leider viel zu oft daneben.

2. Hättest du an Clays Stelle die Kassetten auch weiter geschickt?
Ich bin nicht sicher. Vermutlich nicht. Ich denke, ich hätte mit Toby gesprochen und wäre mit ihm und den Kassetten zur Polizei gegangen. Die hätte sich dann um die Dinge kümmern können. Es gibt einige Personen, deren Verhalten durchaus Konsequenzen haben sollte, insbesondere denke ich da an Bryce und den Lehrer. Aber es sind eben auch ziemlich viele Geschichten auf den Kassetten, die längst nicht so dramatisch sind, dass die Protagonisten der jeweiligen Geschichte es verdienen, bis an ihr Lebensende diese Schuld mit sich herum zu tragen. Die erwähnten Personen mögen Hannahs Leben zerstört haben, aber mit diesen Kassetten zerstört sie gleich zwölf Leben! (Ja, zwölf, der Klappentext irrt nicht nur in der Anzahl der Kassetten, sondern auch in der Anzahl der Personen.)

3. Welche Person ist deiner Meinung nach am meisten für Hannahs Selbstmord verantwortlich?
Ganz eindeutig der Lehrer. Er ist erwachsen, während alle anderen nur dumme Teenager sind. Zudem ist er (fast) der einzige, dem Hannah wortwörtlich ins Gesicht sagt, dass sie sich das Leben nehmen wird. Und er tut nichts. Er folgt ihr nicht, er informiert nicht die Eltern, nicht die Schulleitung, nicht die Polizei, nicht den Notarzt. Er tut einfach nichts. Damit ist völlig egal, welche Dinge vorher passiert sind, wer ihr was angetan hat, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte und wer alles vielleicht etwas hätte merken können. Er ist die einzige Person, die wusste, dass sie mit der Absicht, sich das Leben zu nehmen, durch seine Tür gegangen ist. Und weil er nichts getan hat, ist es allein seine Schuld, dass sie es tatsächlich getan hat.


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Rezension folgt am: 24.02.

Sonntag, 19. Februar 2017

[Rezension] Die Auserwählten: Phase Null – James Dashner


Titel: Die Auserwählten – Phase Null
Autor: James Dashner
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 25. November 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 437
ISBN: 978-3-551520-77-7
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Sie sind die Auserwählten. Dazu erkoren, eine Welt zu retten, die längst verloren scheint. Sie sind die Zukunft der Menschheit und ihre einzige Hoffnung. Das glauben sie zumindest. Denn noch ahnen sie nichts von geheimen Allianzen, schockierenden Geheimnissen und unverzeihlichen Lügen. Sie wissen nur, dass sie von ANGST auf die erste Phase des Experiments vorbereitet werden. Das macht die Auserwählten zu Freunden – und damit beginnt der Verrat an Thomas.

Einordnung:
- Kill Order (Prequel) 
- Phase Null (Sequel zum Prequel und Prequel zur Trilogie)
- Im Labyrinth (Teil 1) 
- In der Brandwüste (Teil 2) 
- In der Todeszone (Teil 3) 
Hinweis: Die Einordnung erfolgt anhand der inhaltlichen Chronologie. Da die beiden Prequels jedoch Spoiler zur Trilogie erhalten, empfehle ich Trilogie – Kill Order – Phase Null als Lesereihenfolge.

Rezension:
Kann Spoiler zur Trilogie und zu Kill Order enthalten!

Das Buch, das zeitlich genau die Lücke zwischen dem Epilog aus „Kill Order“ und dem ersten Kapitel aus „Im Labyrinth“ füllt, wird von Thomas erzählt. Es beginnt Ende des Jahres 221, zwei Tage nachdem der fünfjährige Thomas von ANGST abgeholt wurde, und endet am Neujahrstag im Jahr 232, als der dann Fünfzehnjährige ins Labyrinth geschickt wird. Damit erzählt er über einen Zeitraum von zehn Jahren. Allerdings klingt er dabei immer gleich, also von Anfang an wie ein Teenager. Deshalb musste ich tatsächlich jedes Mal die Datumsangabe am Anfang des Kapitels lesen und mir überlegen, wie alt Thomas denn jetzt gerade ist. Denn die Unterschiede bezüglich Satzlänge, Satzverschachtelung und Vokabular sowie logischen Schlussfolgerungen und emotionalem Ausdruck, die ich zwischen einem Fünfjährigen und einem Fünfzehnjährigen erwarten würde, waren für mich absolut nicht ersichtlich.

Dass über einen so großen Zeitraum berichtet wird, zerpflückt außerdem die Handlung ziemlich, weil es nur selten vorkommt, dass aufeinander folgende Kapitel dieselbe Szene beschreiben. Meist finden zwischen den Kapitel Zeitsprünge von mehreren Wochen bis hin zu Jahren statt. Anfangs, als Thomas jeden Tag isoliert von anderen Kindern in seinem Zimmer und beim Unterricht oder beim Arzt verbringt, dachte ich noch, dass das eine gute Methode ist, einen Einblick in Thomas Leben zu geben, ohne den Leser zu langweilen. Allerdings ändert sich dieser Stil bis zum Schluss nicht. Bis zum Ende wird zwischen den Kapitel mal mehr, mal weniger Zeit übersprungen. Da die Kapitel außerdem ziemlich kurz sind (im Schnitt weniger als sieben Seiten), kam in den einzelnen Szenen weder Spannung noch Gefühl auf. Immer, wenn ich gerade soweit war, mich emotional auf das Erleben der Charaktere einzulassen, war das Kapitel schon wieder zu Ende Und das folgende Kapitel begann so gut wie immer mit groben Zusammenfassungen wie „Die vergangene Woche war die längste seines Lebens gewesen.“ (S. 76) oder „Fast ein Jahr war vergangen, seit (...)“ (S. 154). Solche Formulierungen sind optimal, um den Spannungsbogen zu brechen, aber nicht, um ihn aufrecht zu erhalten. Schlussendlich ist das Buch dadurch manchmal regelrecht langweilig gewesen.

Allein auf der sachlichen Informationsebene hat mir das Buch ganz gut gefallen. Zwar gibt es keine größeren Wendungen oder Überraschungen, da die Hintergrundgeschichte und der Weg der Charaktere ins Labyrinth eigentlich schon aus der Trilogie bekannt sind. Nichtsdestotrotz war es eine nette Auffrischung, noch mal auf einige Zusammenhänge hingewiesen zu werden, die Figuren ins Gedächtnis gerufen zu bekommen und hautnah die ganze Skrupellosigkeit von ANGST mitzuerleben. Viel mehr als mich in meiner Meinung zu den Charakteren zu bestärken, hat das Buch allerdings nicht gebracht.

Fazit:
Das Buch schildert aus Thomas‘ Perspektive die Handlung der zehn Jahren, die zwischen „Kill Order“ und der Trilogie liegen. Allerdings wird aus dem Erzählstil nicht deutlich, dass er zu Beginn fünf und zum Schluss fünfzehn Jahre alt ist, weil die Gedanken und Formulierungen immer gleich sind. Er macht keine sichtbare Entwicklung durch. Außerdem zerpflücken viele Zeitsprünge die gesamte Handlung. Jedes Kapitel ist eine abgehackte Szene, in der weder Spannung noch Gefühl aufkommen. Auf der Informationsebene war das Buch aber eine schöne Auffrischung der Ereignisse aus der Trilogie und hat mich in meiner Meinung bezüglich der Charaktere bestärkt. Als Fan der Reihe vergebe ich für das Wachrufen schöner Erinnerungen an das ansonsten langweilige Buch „Phase Null“ drei Schreibfedern.

Freitag, 17. Februar 2017

Neuzugänge #75


Natürlich vergeht auch der Februar nicht, ohne dass neue Bücher bei mir einziehen. Eines der beiden ertauschten Bücher ist endlich bei mir angekommen, ich hatte keine Lust auf Versandkosten und irgendwie musste ich dann einfach auch noch andere Bücher kaufen. Allerdings weiß ich noch nicht, wann ich dazu komme, die Bücher zu lesen. Mein März ist ziemlich ausgebucht.



Auf die Versandkosten verzichtet habe ich durch den Kauf von "A little something different". Da war ich so neugierig drauf, dass ich es gemeinsam mit einer Freundin direkt gelesen habe. Eigentlich sind Liebesromanzen nicht so mein Ding, aber diese Geschichte, die aus den Perspektiven von vierzehn Beobachtern (darunter ein Eichhörnchen!) geschrieben ist, hat mich sehr interessiert. Und es hat sich wirklich gelohnt! Das Buch ist unglaublich witzig und Lea und Gabe sind echt niedlich. Die Rezension folgt nächste Woche Samstag.
Das Tauschbuch, das bei mir angekommen ist, ist "Plötzlich Banshee". Über lovelybooks habe ich dafür ein ungeliebtes Buch vertauscht. Prinzipiell stehe ich der Geschichte erst mal skeptisch gegenüber, aber da ich noch nie ein Buch mit einer Banshee gelesen habe, will ich es auf jeden Fall mal versuchen. Wann auch immer ich dazu komme.
Gekauft habe ich relativ spontan "Oblivion", weil das Buch, das ich eigentlich haben wollte, nicht vorrätig war. Damit könnte ich dann zumindest die Lux-Reihe beenden, sofern die Autorin nicht beschließt, alle anderen Bücher auch noch aus Daemons Perspektive zu schildern. Andererseits ist es das einzige Buch mit "O", das ich besitze, also vielleicht warte ich doch lieber, ob in der Stadt, Land, Fluss Challenge noch ein "O" dran kommt...
Der Kauf von "Nightmares - Die Stunde der Ungeheuer" war dagegen geplant. Nachdem das Erscheinungsdatum dreimal verschoben wurde, bin ich froh, dass es jetzt endlich tatsächlich erhältlich ist. Nicht, dass ich es in der Wartezeit geschafft hätte, mal den zweiten Band zu lesen. Aber jetzt habe ich wenigstens beide Teile da, um die Reihe zu beenden!

Dienstag, 14. Februar 2017

[Reading With] Sophias Bookplanet: Tote Mädchen lügen nicht - Update #2

Heute gibt es das zweite Update zu meinem ersten "Reading With"! Sophia von Sophias Bookplanet und ich lesen momentan gemeinsam ein Buch. Bisher hat das wunderbar funktioniert und wir haben uns während des Lesens viel ausgetauscht. Jetzt gibt es auch ein Update für euch, ungefähr aus der Mitte des Buches. Es könnten Spoiler enthalten sein, also seid gewarnt!


Welches Buch lesen wir?


Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 283
ISBN: 978-3-570307-34-2
Preis: 9,99€ [D]

Klappentext:
Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" - und hört Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat.
Mit Hannahs Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben.
Clay ist einer davon ...


Wann gibt's die Updates?

#1 - Am Anfang - Sa, 11.02.
#2 - In der Mitte - Di, 14.02.
#3 - Am Ende - Di, 21.02.


Wo sind wir gerade?

Seite 148
Dort beginnt das Kapitel "Kassette 4: Seite A".


Sophias Fragen:


1. Wie gefällt dir unser Protagonist Clay bisher?
So richtig viel erfährt man nicht über Clay, finde ich. Von daher habe ich nicht so viele Anhaltspunkte, um ihn sympathisch oder unsympathisch zu finden. Er scheint mir aber ein anständiger Kerl zu sein. Vor allem, weil er ziemlich gut darüber reflektieren kann, dass er sich auch nicht davon frei sprechen kann, an die Gerüchte geglaubt zu haben. Und dass er irgendwie etwas hätte merken müssen. Das gefällt mir, aber sonst ist Clay bisher eher Mittel zum Zweck, um jemanden die Kassetten hören zu lassen.

2. Wem von unseren sechs bisherigen Nummern würdest du am liebsten Mal gehörig die Meinung geigen?
Ich muss gestehen, dass ich bisher keine Nummer so richtig dramatisch fand. Das sind halt alles Teenager. Nichtsdestotrotz würde ich vermutlich mit Tyler das böseste Gespräch führen. Nicht mal unbedingt, weil er sie durch's Fenster beobachtet hat - bei einem Zimmer im Erdgeschoss ist sie selbst Schuld, wenn sie die Jalousien nicht runter macht. Aber dass er Fotos gemacht hat, ist dann doch eindeutig zu viel. Wenn die jemandem versehentlich in die Finger fallen...

3. Kannst du Hannahs Ansichten, die zu ihrer Entscheidung führten, nachvollziehen?
Bisher nicht, ehrlich gesagt. Natürlich sind einige ihrer Erlebnisse nicht gerade prickelnd. Außerdem sind Gerüchte eine gefährliche Sache, denn wenn sie gut genug klingen, interessiert sich keiner mehr für die Wahrheit. Trotzdem habe ich bisher das Gefühl, dass sie das alles überdramatisiert. Sie wirkt wie ein hysterischer Teenager, der ausflippt, weil nicht alles nach ihrem Willen läuft. Subjektiv mag für sie alles tatsächlich dramatisch und auswegslos aussehen, aber da ich das objektiv nicht nachvollziehen und mich auch nicht in sie hineinversetzen kann, verstehe ich ihre Entscheidung momentan noch nicht.


Meine Fragen:


1. Wie kommst du mit der Erzählweise des Protagonisten zurecht?
Schlecht. Alles, was Hannah auf den Kassetten sagt, ist kursiv geschrieben, und alles, was Clay erzählt, ist in normaler Schrift geschrieben. Eigentlich sollte das zur Unterscheidung genug sein. Aber es gibt keine Absätze, wenn von der Kassette in die Realität gewechselt wird oder andersherum. Und außerdem erfolgen diese Wechsel so schnell, dass ich die Formatierung meist gar nicht wahr genommen habe. Schon mehrfach musste ich eine Seite neu lesen, weil nichts Sinn gemacht hat. Es ist echt anstrengend, alle zwei oder drei Sätze zwischen der Kassette und der Realität hin und her zu springen.

2. Welche der ersten sechs Nummern fandest du am wenigsten dramatisch?
Wie schon erwähnt, finde ich alle Nummern bisher nicht übertrieben dramatisch. Aber am wenigsten zu suchen hat auf den Kassetten bisher Justin. Ja, es gibt Gerüchte über Hannahs ersten Kuss mit ihm, aber es wird nie abschließend geklärt, ob tatsächlich Justin diese Gerüchte in die Welt gesetzt hat. Und überhaupt, ihm die Mitschuld an ihrem Selbstmord in die Schuhe zu schieben, weil er eine schöne Erinnerung von ihr zerstört hat? Ihn auf diesen Kassetten zu erwähnen finde ich schlimmer als das, was er angeblich getan haben soll.

3. Wie gefällt dir das Buch bisher und was müsste in der zweiten Hälfte passieren, damit es dir besser gefällt?
Vermutlich wurde schon deutlich, dass mir das Buch bisher nicht besonders gefällt. Ich komme mit dem Erzählstil nicht zurecht, weil es zu häufig zwischen Kassette und Realität wechselt. Außerdem hat das, was Clay denkt, häufig überhaupt nichts mit dem zu tun, was Hannah soeben gesagt hat. Außerdem kann ich Hannahs Entscheidung nicht nachvollziehen, weil sie zwar Dinge erlebt hat, die nicht unbedingt angenehm sind, aber auch längst nicht so dramatisch wie sie das darstellt. Zudem kann ich mich bisher weder mit Clay noch mit Hannah besonders identifizieren, sodass die großen Emotionen ausbleiben. Das alles dürfte sich in der zweiten Hälfte gerne ändern. Es würde mir besser gefallen, wenn Hannah noch wirklich nachvollziehbare Gründe für ihren Selbstmord nennt. Und wenn Clay etwas anderes werden würde als Mittel zum Zweck. Wenn er also nicht mehr nur als leblose Hülle stumpf nach Hannahs Anweisungen durch die Stadt läuft und fährt und dabei zufällig auch noch immer genau passend den richtigen Bus erwischt.


Zu Sophias Antworten geht es hier: Klick!

Nächstes Update: 21.02.

Samstag, 11. Februar 2017

[Reading With] Sophias Bookplanet: Tote Mädchen lügen nicht - Update #1

Heute gibt es mal einen etwas anderen Post! Zum ersten Mal, seit es meinen Blog gibt, lese ich nämlich ein Buch mit einer anderen Bloggerin gemeinsam. Sophia von Sophias Bookplanet und ich haben es tatsächlich geschafft, Termine zu finden, diese Aktion zu planen und jetzt auch umzusetzen.


Welches Buch lesen wir?


Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 283
ISBN: 978-3-570307-34-2
Preis: 9,99€ [D]

Klappentext:
Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" - und hört Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat.
Mit Hannahs Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben.
Clay ist einer davon ...


Wann gibt's die Updates?

#1 - Am Anfang - Sa, 11.02.
#2 - In der Mitte - Di, 14.02.
#3 - Am Ende - Di, 21.02.


Sophias Fragen:


1. Warum hast du dieses Buch gekauft oder warum möchtest du es lesen?
Gekauft habe ich das Buch, weil es meiner Meinung nach zu den modernen Klassikern gehört. Zumindest habe ich das Gefühl, dass jeder das Buch schon mal gelesen hat. Außerdem steht es auf ungefähr  jeder "100 Jugendbücher, die jeder gelesen haben sollte"-Liste, die ich finden konnte. Also möchte ich es lesen, nur um sagen zu können, dass ich es gelesen habe. (Na gut, es klingt schon auch spannend und die Geschichte interessiert mich durchaus auch.)

2. Hast du bereits andere Bücher des Autors gelesen?
Kurz und bündig: Nope. Ich habe mich durch die anderen Bücher geklickt, die der Autor so geschrieben hat, und "Dein Leuchten" kannte ich sogar vom Sehen. Aber da Titel, Cover und Klappentext immer nach unglaublichen Liebesschnulzen klingen, wird es wohl auch dabei bleiben, dass ich kein weiteres Buch des Autors lesen werde.

3. Wie findest du den deutschen Titel im Vergleich zum Originalen ("Thirteen Reasons Why")?
Prinzipiell frage ich mich immer, warum englische Titel nicht einfach übersetzt werden können. So schwer kann das doch nicht sein. Allerdings muss ich gestehen, dass "Thirteen Reasons Why" zwar noch ganz gut klingt (auf Englisch klingt alles irgendwie besser), sich mir bei "Dreizehn Gründe warum" aber die Fußnägel hochrollen. Philosophischen Liebeskitsch mit schmalzigem Drama trifft meinen Geschmack so ungefähr gar nicht. Mit dem Titel hätte ich das Buch also bestimmt nie angerührt, Klassikerliste hin oder her. Dagegen klingt "Tote Mädchen lügen nicht" eher spannend und spricht mich daher sehr viel mehr an. Außerdem scheint der Titel tatsächlich zum Inhalt zu passen, was eindeutig noch ein Pluspunkt ist. Fazit: Der deutsche Titel gefällt mir besser.


Meine Fragen:


1. Wie lange liegt das Buch schon auf deinem SuB und warum willst du es gerade jetzt erlösen?
Das Buch liegt seit dem 20. Februar 2014 auf meinem SuB. Ein Hoch auf die Neuzugänge-Posts. Das sind heute genau 1.087 Tage. Upps. Da sieht man, wie eilig ich es hatte, dieses Buch zu lesen. Dass es ausgerechnet jetzt so weit ist, hat zwei Gründe: Erstens würde es dieses Reading With sonst nicht geben. Und zweitens ist mir das Buch auf Lovelybooks bei der SuB-Abbau-Challenge für dieses Jahr ausgesucht worden, sodass ich es im Laufe des Jahres ohnehin irgendwann noch gelesen hätte.

2. Was glaubst du, hat Clay getan, was zu Hannahs Selbstmord beigetragen hat?
Die Frage ist schwer. Warum habe ich die noch mal gestellt? Also ich entnehme dem Klappentext, dass Clay sich seiner Schuld an Hannahs Selbstmord nicht bewusst ist. Daher muss er irgendetwas getan haben, dass er gar nicht mitbekommen hat. Und da das trotzdem immer noch ein Jugendbuch ist und es natürlich nicht an einer dramatischen Liebesgeschichte mangeln darf, denke ich, dass Hannah in Clay verliebt war und aber keine Chance gesehen hat. Weil er sie ignoriert hat, aus Angst, sie könnte seine Gefühle sonst bemerken.

3. Wie gefällt dir das Cover?
Schlichte Cover sind absolut mein Ding. Außerdem mag ich die Farbkombination aus Rot, Grün und Schwarz. Und es sind keine unnötigen Dinge dargestellt, da die grünen Striche vermutlich für die dreizehn Personen stehen, die ihren Anteil an Hannahs Selbstmord haben. Möglicherweise hat es ja sogar etwas zu bedeuten, dass die Striche aussehen wie mit Farbe gemalt. Mir gefällt das Cover sehr gut!


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Nächstes Update: 14.02.

Donnerstag, 9. Februar 2017

[Rezension] Us: Du und ich für immer – Sarina Bowen und Elle Kennedy


 Titel: Us – Du und ich für immer
Autor: Sarina Bowen und Elle Kennedy
Verlag: LYX
Erscheinungsdatum: 13. Januar 2017
Einband: Softcover
Seiten: 350
ISBN: 978-3-736303-85-0
Preis: 10,00 € [D]

Klappentext:
Ryans und Jamies gemeinsames Glück droht wie eine Seifenblase zu zerplatzen, als Ryans Teamkollege in das Apartment über ihnen einzieht. Jetzt könnte auffliegen, dass sie ein Paar und bis über beide Ohren ineinander verliebt sind. Denn eins ist sicher: Sollten die Medien erfahren, dass Ryan Wesley – aufstrebender Star der National Hockey League und Liebling der Fans – schwul ist, wird das seine Karriere zerstören. Und plötzlich steht Wes vor der schwersten Entscheidung seines Lebens ...

Einordnung:
- Him: Mit ihm allein (Teil 1) 
- Us: Du und ich für immer (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem ich den ersten Band der Reihe verschlungen habe, musste der zweite Teil auch direkt bei mir einziehen. Innerhalb eines Tages habe ich das Buch inhaliert. Es hat mir tatsächlich noch besser gefallen als der erste Teil, weil alle positiven Aspekte weiter ausgebaut wurden und mein Kritikpunkt hier kaum zum Tragen kam, denn besonders viel Sex haben die beiden Protagonisten in diesem Teil nicht. Außerdem habe ich jetzt das dringende Bedürfnis, mir mal ein Eishockeyspiel anzusehen.

Dieses Buch war wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Obwohl Jamie und Wes geplant haben, wie es mit ihrem Leben weiter gehen soll, stellt sich das alles als nicht ganz so einfach heraus. Bis zum Ende der ersten Saison will Wes mit seinem Outing warten, um vielleicht bis dahin so viel Fuß gefasst zu haben, dass seine Karriere keinen größeren Schaden nimmt. Doch das bedeutet auch, dass er sich ständig zwischen seinen Teamkameraden und Jamie entscheiden muss, wenn es um die Planung abendlicher Aktivitäten geht. Außerdem sehen sie sich ohnehin nicht mehr besonders häufig, denn Wes‘ Spiele, für die er quer durch Kanada und die USA reisen muss, überschneiden sich häufig mit der Zeit, in der Jamies Mannschaft ausnahmsweise mal kein Spiel hat – und andersherum. Darüber hinaus trainiert Jamie sechzehnjährige Teenager, die morgens um 6.30 Uhr noch vor der Schule zur ersten Trainingseinheit anrücken, sodass er abends immer früh ins Bett geht, während Wes oftmals erst spät am Abend nach Hause kommt und dafür bis in den Vormittag schläft. Allein zu lesen, wie sie sich die Türklinke oft nur in die Hand geben, hat mich schon ganz verrückt gemacht. Da kamen Jamie und Wes deutlich besser mit der Situation zu Recht.
Aber gleichzeitig merkt Wes, dass eine Profikarriere im Eishockey tatsächlich sein Lebenstraum ist. Für diesen Traum gibt er alles, auch wenn er versucht, Karriere und Beziehung unter einen Hut zu bringen. So leidenschaftlich, wie Wes vom Eishockey berichtet, konnte ich ihn da absolut nachvollziehen. Jedes Mal, wenn nach einem Tor oder einem Sieg oder einem Lob das Adrenalin durch seine Adern gerauscht ist, dann konnte ich das auch spüren und war stolz auf ihn. Diese Freude war wirklich mitreißend.
Auf der anderen Seite berichtet aber gleichzeitig Jamie von Schwierigkeiten in seinem Beruf als Coach und von den Zweifeln, die ihm bezüglich Wes kommen. Für ihn ist es nicht leicht, ihre Beziehung geheim zu halten. Gerade wenn sie sich zufällig in der Öffentlichkeit treffen und so tun müssen als wären sie nur Mitbewohner, wird seine Verzweiflung sehr deutlich. Ich habe mit ihm gelitten, als sich nach und nach seine Probleme mit Wes, seine Schwierigkeiten im Job, das ungewohnt ungemütliche Klima und die Tatsache, dass er keinerlei Freunde in Toronto hat, vor ihm aufgetürmt haben. Er braucht dieses Outing genauso sehr wie Wes es gar nicht gebrauchen kann. Dass ich beide Perspektiven gleichermaßen nachvollziehen konnte, war wirklich herzzerreißend.

Gott sei Dank ist das Buch aber nicht nur dramatisch und düster, denn es gibt auch viele witzigen Szenen. Beinahe immer daran beteiligt ist Wes‘ Teamkollege Blake, der ins gleiche Haus zieht, überhaupt keinen Respekt vor Privatsphäre hat und zudem dermaßen taktlos ist, dass mir manchmal der Mund offen stehen geblieben ist. Ständig platzt er zu Wes und Jamie in die Wohnung, für die er sich einfach so einen Zweitschlüssel hat anfertigen lassen, okkupiert ihren Fernseher und plündert ihren Kühlschrank. Mehrfach stört er dabei die romantische Zweisamkeit und belastet die Beziehung der beiden noch mehr. Doch wie schon Jamie und Wes hatte auch ich meine Probleme, ihm böse zu sein. Obwohl sein Verhalten und seine ganze Art darauf ausgelegt sind, nervtötend zu sein, ist er so loyal, kindlich begeistert und hoffnungslos gutherzig, dass ich ihn einfach mögen musste. Ab dem Moment, in dem mir das klar wurde, bin ich jedes Mal in prustendes Gelächter ausgebrochen, wenn er ungestüm durch die Tür gerauscht kam.
Das gilt übrigens nicht nur für Blake, sondern auch für viele andere Teamkameraden. Oftmals benehmen sie sich einfach wie übergroße Kinder mit viel zu viel Energie. Das macht sie sehr liebenswert und führt zu der einen oder anderen witzigen Situation. Trotzdem zeigen sie in den richtigen Momenten, dass sie reife, erwachsene Männer sind. Ihr Umgangston ist häufig ziemlich rau, aber sie stellen immer sicher, dass die Botschaften, die hinter den wüsten Ausdrücken stecken, auch wirklich ankommen. Und sie sind ein so selbstbewusst und selbstverständlich loyaler Haufen, dass es jedes Mal herzerwärmend war, von ihnen zu lesen.

Fazit:
Für die Rezension über dieses Buch nachzudenken, hat mich so begeistert, dass ich es direkt noch einmal lesen könnte. Ich bin wirklich hin und weg. Das Buch war eine Berg- und Talfahrt für die Emotionen. Wes‘ unbändige Freude am Eishockey ist jedes Mal zu spüren, wenn er das Eis betritt. Gleichzeitig habe ich mit Jamie gelitten, weil sein Leben längst nicht so verlaufen ist wie geplant. Dass ich beide Positionen nachvollziehen, aber keine Lösung sehen konnte, war wirklich herzzerreißend. Mit Wes‘ Teamkollegen hat das Buch außerdem aber auch noch jede Menge Witz. Insbesondere der Kindskopf Blake hat mich Tränen lachen lassen. Doch auch die anderen sind so schrecklich loyal, charmant und gutherzig, dass Szenen mit ihnen mich wirklich berührt haben. „Us – Du und ich für immer“ wird mir noch lange im Kopf bleiben und bekommt dafür definitiv alle fünf Schreibfedern.

Sonntag, 5. Februar 2017

[Rezension] Him: Mit ihm allein – Sarina Bowen und Elle Kennedy


Titel: Him – Mit ihm allein
Autor: Sarina Bowen und Elle Kennedy
Verlag: LYX
Erscheinungsdatum: 09. September 2016
Einband: Softcover
Seiten: 384
ISBN: 978-3-736302-51-8
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Zwei Dinge weiß Jamie ganz sicher: Erstens, er wird nach dem College professionell Eishockey spielen. Und zweitens, er steht auf Frauen. Daran hat auch die heiße Nacht, die er damals im Trainingscamp mit seinem besten Freund Wes verbrachte, nichts geändert. Doch dann stehen sich die beiden nach vier Jahren plötzlich wieder gegenüber. Und Jamie muss feststellen, dass die Gefühle, die Wes in ihm hervorruft, alles andere als freundschaftlich sind ...

Einordnung:
- Him: Mit ihm allein (Teil 1)
- Us: Du und ich für immer (Teil 2)

Rezension:
Von Eishockey habe ich überhaupt keine Ahnung. Normalerweise ist Fußball eher mein Gebiet, wenn es um schwule Romanzen im Sport geht. Dank Lisa, die ein ziemlich gutes Gespür hat für Gay Romances, die mir gefallen könnten, ist das Buch trotzdem auf meiner Liste gelandet. Und nachdem ich die überwältigten, euphorischen Kommentare von Tina (von Bookaholics) auf Goodreads verfolgt habe, lag das Buch ganz schnell auf meinem Nachttisch. Fast genauso schnell war es dort wieder verschwunden, weil ich es nach zwei Tagen schon durch hatte. Das Buch war so mitreißend, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Zweimal habe ich bis mitten in der Nacht gelesen, weil aus „nur noch ein Kapitel“ schnell um die hundert Seiten geworden sind. Es hat sich also absolut gelohnt!

Erzählt wird die Geschichte, anders als im Klappentext dargestellt, nicht nur von Jamie, sondern auch von seinem ehemaligen besten Freund Wes. Beide sind gerade dabei, das College zu beenden und anschließend eine Profikarriere im Eishockey anzustreben. Seit vier Jahren hatten sie keinen Kontakt mehr, doch zum Halbfinale um die Collegemeisterschaft stehen sie sich plötzlich wieder gegenüber. Da ist natürlich mehr als vorhersehbar, dass es zwischen ihnen ordentlich knistern wird, aber das macht die Geschichte nicht weniger spannend und interessant. Da Jamie der festen Überzeugung ist, heterosexuell zu sein (eine Überzeugung, die Wes teilt), war ich gespannt darauf, wie er erkennt, dass dem offensichtlich nicht so ist. Den Weg dorthin haben die Autorinnen sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet. Mehrfach wird Jamies Verwirrung deutlich und er probiert verschiedene Dinge aus, um zu verstehen, was mit ihm und seinem Körper los ist. Einen riesigen Pluspunkt hat die Geschichte bei mir gesammelt, als Jamie zum Schluss kommt, dass er doch nicht ausschließlich an Frauen interessiert und damit wohl bisexuell ist und nicht bloß „gay for you“. Mit dieser Erfindung des Gay Romance Genres, dass ein Mann nur für einen einzigen anderen Mann kurz aufhört, heterosexuell zu sein, kann ich nämlich überhaupt nichts anfangen.

In diesem Zusammenhang hat mir auch wunderbar gefallen, dass das Buch auf übertriebene Dramen verzichtet und damit ganz anders ist als ich es erwartet hatte. Das beginnt damit, dass Jamie selbst sagt, dass er geschockt ist, wie wenig geschockt er von der Feststellung ist, dass er bisexuell ist. Er akzeptiert diese Tatsache und sich selbst als vollkommen normal und sieht keinen Grund, da eine große Sache draus zu machen. Ähnliche Reaktionen gibt es auch von anderen Charakteren, die geradezu prädestiniert für homophobe Kommentare sind, immerhin spielt die Geschichte am Rande des Profisports und Jamies Familie will auch informiert werden. Es ist wunderbar erfrischend, dass die beiden Protagonisten selbst die Dramatik und die Traurigkeit in die Geschichte bringen und keine außenstehenden Figuren dafür herhalten müssen.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nicht ganz in den Himmel loben, denn so schön und mitreißend der Schreibstil auch war, in den intimeren Szenen hat mich die Wortwahl besonders zu Beginn völlig aus dem Lesefluss gerissen. An Formulierungen wie „Schwanz“ und „Eier“ bin ich aus anderen Büchern gewöhnt, diese Wortwahl scheint fast schon normal zu sein. Dagegen habe ich „Leck mich“ in diesem Zusammenhang noch nie gelesen und insbesondere beim Wort „Pussy“ war es dann jedes Mal vorbei. Daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen.
Außerdem ist die Geschichte irgendwann ein bisschen sehr sexlastig geworden. Ich weiß, dass das Buch ins Genre Erotik eingeordnet ist und dass Sex da auch dazu gehört und habe auch kein Problem damit. Aber wenn der zehnte Blowjob bis ins letzte Detail beschrieben wird, fange ich irgendwann an, die Seiten nur noch zu überfliegen. Mehr Abwechslung im Bett oder weniger explizite Beschreibungen hätten mir da besser gefallen.

Fazit:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist mitreißend, sodass ich zweimal bis mitten in der Nacht gelesen habe. Jamie und Wes, die Erzähler, sind sehr sympathisch und machen eine authentische Entwicklung durch. Insbesondere Jamies Weg zu Feststellung, dass er bisexuell ist, ist nachvollziehbar beleuchtet. Außerdem konnte das Buch mich mehrfach überraschen, da die großen Dramen ausbleiben. Die Protagonisten selbst sorgen für die Dramatik, sodass die anderen Charaktere sich nicht klischeehaft verhalten müssen. Lediglich die immer gleiche Beschreibung der immer gleichen Sexszenen ist mir irgendwann zu langweilig geworden. Insgesamt bekommt „Him – Mit ihm allein“ daher vier Schreibfedern.