Samstag, 22. September 2018

Neuzugänge #101

Obwohl ich auch diesen Monat wieder Neuzugänge zu verzeichnen habe, bin ich sehr stolz darauf, dass es diesmal nur zwei Bücher sind. Beides sind Rezensionsexemplare und sie sind auch beide zumindest schon angefangen. Da ich mitten im Umzug stecke, habe ich mich sehr zusammen genommen, auch sehr interessante Neuerscheinungen nicht direkt zu kaufen. Alle gleichzeitig könnte ich sie ohnehin nicht lesen. Vielleicht sollte ich jeden Monat umziehen ...


Amani 3: Helden des Morgenrots (Q)
Den letzten Teil der Reihe von Alwyn Hamilton habe ich über das Bloggerportal erhalten und auch gleich gelesen. Ich war wirklich gespannt, wie die zahlreichen Kriege verlaufen und welche Charaktere am Ende noch am Leben sein würden. Mir hat der Abschluss der Reihe gut gefallen. Es werden alle losen Fäden zusammen geführt und sogar noch Aspekte wieder aufgegriffen, die ich als bereits abgeschlossen angesehen habe. Außerdem tauchen alle bekannten Charaktere noch einmal auf. Nichtsdestotrotz hat das Buch nicht dieselbe Stimmung vermittelt wie die Vorgänger.


Das Lied der Wächter 1: Das Erwachen (Q)
Auf die Reihe von Thomas Erle bin ich per Überraschungspost aufmerksam geworden und habe auch direkt ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Die Geschichte, die mir sehr dystopisch klingt, spielt im Schwarzwald: Dort habe ich früher oft Urlaub gemacht und werde passenderweise auch den Jahreswechsel dort verbringen. Deshalb bin ich auch auf das Setting sehr gespannt. Gestern habe ich schon die ersten Seiten gelesen und bisher gefällt es mir gut - nur verraten darf ich noch nichts, da das Buch erst am 04. Oktober erscheint.

Donnerstag, 20. September 2018

[Rezension] Mecklenburger Winter – Chris P. Rolls


Titel: Mecklenburger Winter
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 31. Dezember 2012
Einband: Softcover
Seiten: 490
ISBN: 978-1-481871-31-0
Preis: 15,00 € [D]

Klappentext
Der Winter hält das westliche Mecklenburg fest im Griff. Trotz eisiger Temperaturen hat der ehrgeizige Triathlet Kai nur ein großes Ziel vor Augen: den Sieg der Challenge Roth. Beim Training landet er unfreiwillig in einer Schneewehe und wird von dem jungen Leon gerettet. Der sportliche Reiter ist zwar alles andere als begeistert von Kais frecher Art und seinen offensiven Flirtversuchen, dennoch entsteht zwischen ihnen eine besondere Freundschaft. Je besser Kai Leon kennenlernt, umso komplizierter wird es allerdings. Aber Kai liebt Herausforderungen und seine Stärken sind enorme Ausdauer und ein absoluter Siegeswille ...

Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe, es tauchen aber Figuren aus der „Irgendwie“-Reihe, „Bodycaught“, „Bokeh“ und weiteren Büchern der Autorin auf.

Erster Satz
Ein grauer Himmel hing über dem westlichen Mecklenburg.
(Seite 3)

Rezension
Ein Aspekt, der mich an den Büchern von Chris P. Rolls immer überzeugt, ist die mitreißende Schilderung der Emotionen. Das hat sie auch in diesem Buch wieder geschafft, denn die sportlichen Aspekte der Geschichte hatten mich sofort. Jeder Wettkampf, ob nur Kai, Leon oder Lars angetreten ist, hat mich mitgerissen und ich habe die Daumen gedrückt. Selbst einfach mit den Charakteren Fotos zu betrachten oder Erzählungen vergangener Wettbewerbe zu lauschen, hat mir Gänsehaut beschert. An diesen Stellen waren die Emotionen sehr packend. Melancholisch gestimmt haben mich darüber hinaus die zahlreichen Gastauftritte oder Erwähnungen der Figuren, die ich bereits aus anderen Büchern der Autorin kenne und dort lieben gelernt habe: Alex, Markus, Dirk, Mike, Tom und viele mehr.

Leider kamen diese Gastauftritte sowie die Wettkämpfe nur sporadisch vor, während mich der gesamte Rest des Buches nicht erreichen konnte. Mit Kai als Erzähler habe ich mich extrem schwer getan. Hin und wieder waren seine direkten Anmachen witzig, sonst ging er mir aber eher auf die Nerven. Im Laufe des Buches ist er mir sogar regelrecht unsympathisch geworden, weil er behauptet, verständnisvoll zu sein, es aber überhaupt nicht ist. Die Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Kai und Leon hätte mir richtig gut gefallen können. Aus Fremden werden langsam Freunde und dann entsteht mehr zwischen ihnen. Diese Entwicklungen verlaufen sehr zart und langsam, weil Leon erst mit seiner Homosexualität umzugehen lernen muss und unter seinem homophoben, prügelnden Vater leidet. Bei Kai findet er Schutz und kann er selbst sein.
Leider hat Kai es mir mit seiner Ungeduld jedes Mal versaut. Es geht ihm einfach nicht schnell genug. Statt anzuerkennen, wenn Leon sich einen weiteren Schritt getraut hat, bedauert er, dass sie immer noch keinen Sex gehabt haben. Er bekommt den Hals einfach nicht voll, redet sich selbst ein, er habe viel Verständnis für Leon und drängt ihn doch ständig weiter als Leon gehen möchte. Vollkommen unten durch war Kai bei mir als er Leon nach dem ersten Sex zu einem Outing zu zwingen versucht: Entweder Leon, der bis vor kurzem noch minderjährig war, keine Freunde hat und finanziell auf seine Eltern angewiesen ist, outet sich vor seinem homophoben, prügelnden Vater und seiner verständnislosen, angeekelten Mutter oder Kai beendet die Beziehung. Dafür konnte ich dann wirklich überhaupt kein Verständnis mehr aufbringen.

Hinzu kommt, dass das Buch kaum Handlung hat, weil alles von Kais ständigen Sexfantasien überlagert wird. Es war sehr ermüdend, dass er sich mindestens auf jeder zweiten Seite ausführlich vorgestellt hat, mit Leon Sex zu haben. Das tat er nicht nur, wie bereits erwähnt, sobald sich Leon einen Schritt weiter getraut hat, und sei es nur, sein Gesicht zu berühren, sondern auch bei allen anderen Aktivitäten: Ob er nun arbeitet, trainiert oder vor dem Fernseher sitzt, ununterbrochen denkt er an Sex. Darüber rückt die übrige, ohnehin nicht besonders ausgeprägte Handlung völlig in den Hintergrund. Viele Sexszenen sind in den Büchern der Autorin nicht ungewöhnlich, aber diesmal herrschte ein so großes Ungleichgewicht zwischen Sexhandlung und restlicher Handlung, dass ich das letzte Drittel des Buches tatsächlich nur noch überflogen habe.

Fazit
Obwohl Chris P. Rolls zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, konnte mich dieses Buch überhaupt nicht überzeugen. Grund dafür ist Erzähler Kai, der mir immer unsympathischer geworden ist. Er kann Leon gar nicht schnell genug ins Bett bekommen, erpresst ihn zwischenzeitlich und denkt überhaupt ununterbrochen an Sex. Darüber kommt der spärliche Rest der Handlung viel zu kurz. Packend wie gewöhnlich waren nur die Szenen der wenigen sportlichen Wettkämpfe. Da ich das letzte Drittel von „Mecklenburger Winter“ nur noch überflogen habe, kann ich nicht mehr als zwei Schreibfedern vergeben.

Dienstag, 18. September 2018

[Rezension] Schattengrün – Anna Kleve


Titel: Schattengrün
Autor: Anna Kleve
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2018
Einband: Softcover
Seiten: 406
ISBN: 978-1-717953-07-0
Preis: 12,79 € [D]

Klappentext
Zwei Dinge hat der etwas arrogante, aber charmante Löwenwandler Atrejus in seinem Leben unter Menschen gelernt: Selbstbeherrschung und Verschleierungstaktiken. Er hielt sich für einzigartig, doch dann trifft er nach einem Umzug andere Wandler. Besonders der junge Hyänenwandler Jeremy, der kurz vor seiner ersten Verwandlung steht und auf Grund einer alten Fehde der zwei ortsansässigen Rudel eine Abneigung gegen Löwen hat, löst ungewohnte Gefühle in ihm aus. Nur scheint eine solche Liebe keine Perspektive zu haben. Und plötzlich sieht es so aus, als würde die alte Fehde zwischen Löwen und Hyänen neu entzündet, als einige junge Hyänen bei einem Bombenanschlag fast ihr Leben verlieren. Aber noch ist fraglich, ob dieser Verdacht stimmt oder ob dieser und weitere Anschläge mit Atrejus' verlorenem Rudel in Zusammenhang stehen.

Einordnung
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Erster Satz
Mit einem fast wilden Hyänenrudel zusammenzuleben ist nichts, was besonders einfach ist.
(Seite 10)

Rezension
Am meisten gefallen hat mir an diesem Buch die Situationskomik. Jeremy und Atrejus haben mich, meist vermutlich unabsichtlich, immer wieder zum Lachen gebracht. Unter anderem deshalb mochte ich sie beide als Erzähler. Doch auch als Figuren waren sie mir sympathisch. Atrejus als selbstbewusster und mächtiger Löwenwandler hat es mir angetan, auch wenn er sich seiner Kräfte gar nicht bewusst war. Jeremy hat oftmals trotzig oder rebellisch reagiert, woran ich mich aber gar nicht gestört habe, denn in meinen Augen hat er die angemessenere, vorurteilsfreie Position vertreten. Auch ihre Beziehung hat mir gefallen. Sie entwickelt sich zwar nicht besonders langsam, aber die beiden Wandler passen gut zusammen und es hat mir Spaß gemacht, über sie zu lesen.

Die Grundidee der Geschichte finde ich ebenfalls gelungen. Es geht nicht einfach nur um eine verbotene Liebe und rivalisierende Rudel. Tatsächlich berücksichtigt die Autorin auch die Welt abseits des direkten Handlungsschauplatzes. Beispielsweise steckt hinter dem Gestaltwandler-Dasein eine ganze Kultur, die über die Anpassung an die ahnungslose Menschheit hinausgeht. Außerdem tauchen immer wieder neue Spieler und weitere Rudel auf dem Brett auf. Es werden Hintergründe und Identitäten enthüllt, sodass die Geschichte mit der Zeit durchaus komplex wird.

Leider verlaufen diese vielen, interessanten Ideen und Ansätze oftmals im Sand, denn die Geschichte ist relativ grob und oberflächlich geschildert. Einige Aspekte haben mir an sich zwar gut gefallen, aber die Hintergründe kamen viel zu kurz als dass ich sie tatsächlich hätte verstehen und in den Kontext einbetten können. In dieser Hinsicht trügt auch die Seitenzahl der Print-Ausgabe: Das Buch ist in riesiger Schrift mit einer Menge Seitenrand gedruckt, sodass mir die Angabe von 203 Seiten bei der elektronischen Ausgabe passender erscheint. Und auf knapp 200 Seiten ist leider nicht genug Platz gewesen, um die in Ansätzen komplexe Geschichte richtig auszuarbeiten und die verschiedenen Aspekte zu erklären und zu verbinden. Das Buch war nett für zwischendurch, ging mir aber einfach viel zu wenig in die Tiefe, um mich wirklich zu überzeugen.

Fazit
Die beiden Erzähler der Geschichte waren mir als Figuren sympathisch und ich habe gerne über ihre Beziehung gelesen. Durch ihre Gedanken und Handlungen entstand immer wieder gelungene Situationskomik. Auch die Grundidee hat mir gefallen. Es gibt viele interessante Ideen und komplexe Ansätze. Leider ist die Geschichte sehr oberflächlich geschildert, geht kaum in die Tiefe und bietet damit nur sehr selten Erklärungen und Verbindungen. „Schattengrün“ hat nette, kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch geboten, ist aber nicht ausgereift genug für mehr als drei Schreibfedern.


Ich bedanke mich bei Autorin Anna Kleve für das Rezensionsexemplar.