Sonntag, 30. März 2014

Neuzugänge #13

Die erste Hälfte meiner Geburtstagsbücher ist angekommen. Es sind zwar nur zwei, aber dafür kann ich die Ghostwalker-Reihe jetzt weiter lesen! (Und mein SuB bleibt halbwegs unter Kontrolle.)

Mit "Fluch der Wahrheit" und "Ruf der Erinnerung" besitze ich jetzt auch Teil 4 + 5 der Ghostwalker-Reihe von Michelle Raven.


Klappentext "Fluch der Wahrheit":
Der Berglöwenwandler Torik erfährt, dass die Autorin Caitlin Walker einen Roman geschrieben hat, dessen Held ihm auf unheimliche Weise gleicht. Er reist nach Montana, um herauszufinden, woher Caitlin so viel über ihn weiß. Als diese von skrupellosen Verbrechern überfallen wird, rettet Torik ihr das Leben. Und obwohl er die Menschenfrau auf Abstand halten sollte, kommen sich die beiden näher. Doch die Feinde der Wandler warten nur darauf, erneut zuzuschlagen ...


Klappentext "Ruf der Erinnerung":
Isabel Kerrilyan verfügt über eine besondere Verbindung zu den Gestaltwandlern und kann deren Gefühle spüren. Als sie von dem zwielichtigen Geschäftsmann Lee entführt wird, folgen die beiden Berglöwenwandler Keira und Sawyer ihrer Spur. Auch der junge Wandler Bowen, dem Isabel einst das Leben rettete, setzt alles daran, sie zu befreien. Doch der Entführer ist weit skrupelloser als angenommen, und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit ...


Der Reihe habe ich anfangs ziemlich skeptisch gegenüber gestanden, aber sie gefällt mir wirklich überraschend gut. Und die Tatsache, dass in Band 5 mit Isabel und Bowen wieder zwei meiner Lieblingscharaktere eine große Rolle spielen, freut mich wirklich sehr.

Kennt ihr die Ghostwalker-Reihe?
Was haltet ihr von Gestaltwandlern?

Mittwoch, 26. März 2014

[Rezension] Arkadien brennt – Kai Meyer



Titel: Arkadien brennt
Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2013
Einband: Softcover
Seiten: 416
ISBN: 978-3-551312-10-5
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Kämpfe zwischen Mafiaclans. Menschen, die sich in Tiere verwandeln. Die verbotene Liebe zu Alessandro ... Rosa braucht dringend eine Pause von Sizilien. Aber ihr "altes" Leben in New York ist nicht minder kompliziert - auch dort hat sie es jetzt mit mächtigen Vertretern der Mafia zu tun. Außerdem stößt Rosa auf beunruhigende Details über ihren toten Vater. Warum, zur Hölle, spielt dabei immer wieder Alessandro eine Rolle? In Rosa keimt ein schrecklicher Verdacht ...

Einordnung:
- Arkadien erwacht (Teil 1) 
- Arkadien brennt (Teil 2)
- Arkadien fällt (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nach dem Tod ihrer Tante Florinda und ihrer Schwester Zoe ist nun Rosa das neue Oberhaupt der Familie Alcantara. Das gefällt so natürlich niemandem. Die Geschäftsführer der diversen Firmen, die den Alcantaras gehören, unzählige Berater, der Familienanwalt und alle anderen, die in irgendeiner Art und Weise mit dem Clan verbunden sind, versuchen sie zu beeinflussen und für ihre Zwecke zu nutzen. Mit den Mafiageschäften lässt sich viel Geld verdienen, doch als capo trifft letztendlich Rosa die Entscheidungen und muss diverse Papiere unterschreiben. Ich halte es für sehr realistisch, dass alle versuchen, von dem jungen, naiven Mädchen mehr Befugnisse und Anteile zu erhalten, um ihr persönliches Ansehen und ihren Reichtum zu erhöhen. Zwar geht der Autor nur selten genauer auf die Manipulationsversuche ein, doch es ist mehr als offensichtlich, dass Rosa ständig von Beratern belagert wird, die ihr scheinbar Tipps geben wollen.
Natürlich weiß auch sie, dass niemand sie als capo haben möchte. Und genau deshalb nimmt sie, getreu ihres Charakters, die Herausforderung an. Da sie das letzte Mitglied der Familie Alcantara ist, stürzt sie im Zweifelsfall nur sich selbst und unzählige Männer, die sie ohnehin weder kennt noch mag, in den Ruin. Besonders gefällt mir, dass sich Rosa selbst treu bleibt und sich nicht einschüchtern lässt. Sie war von Anfang an nicht dafür geschaffen, Mitglied der Mafia zu sein. Deshalb gibt sie beispielsweise Anweisungen wie den Handel mit Waffen, Drogen und Menschen zu beenden.
Mich hat allerdings ein bisschen überrascht, dass es im ganzen Buch keine Rolle spielt, dass sie das letzte Mitglied der Familie, also die letzte Lamia ist. Sollte sie keine Kinder bekommen oder diese nicht das arkadische Vermächtnis in sich tragen (wer weiß, welche Folgen es hat, sollte sie ein Kind mit Alessandro bekommen), sind die Lamien ausgestorben, falls es nicht irgendwo eine weitere, bisher nie erwähnte Familie gibt. Natürlich ist das alles neu für Rosa, aber gerade deshalb hätte ich erwartet, dass sie sich da mehr Gedanken drum macht.

Nachdem im letzten Band die Tragödie in Rosas Vergangenheit nur im Hintergrund gestanden hat, spielt sie in diesem Teil eine viel größere Rolle. Um dem ganzen Stress auf Sizilien zu entkommen, flüchtet Rosa zurück nach New York. Eigentlich möchte sie von ihrer Mutter mehr über die mysteriöse Organisation TABULA erfahren, doch da schickt ihr der Familienanwalt ein Video von der Party, auf der sie damals vergewaltigt wurde. Obwohl sie ahnt, dass das alles sie bloß verunsichern soll, beginnt Rosa mit den Nachforschungen. Die Ergebnisse sind wirklich schockierend. Gerade an dieser Stelle war die Geschichte überhaupt nicht vorhersehbar und dem Autor ist es wunderbar gelungen, eine absolute Überraschung in die Handlung einzubauen.

Generell erfährt Rosa in diesem Buch auch viel über ihre Familie. Besonders ihre Großmutter Constanza spielt eine wichtige Rolle. Je genauer sich Rosa mit der Familienvergangenheit beschäftigt, desto grausamer wird es. Es ist wirklich entsetzlich, wie brutal es in der Mafia und besonders bei den Arkadischen Dynastien vorgeht. Mittlerweile ist es wirklich so weit, dass ich mit Rosa leide und die tiefe Abneigung gegenüber ihrer Familie teile.

Nach TABULA, der mysteriösen Verbindung zwischen Lamien und Panthera und den zahlreichen Intrigen, Morden und Verraten innerhalb und zwischen den Clans tritt in diesem Buch zusätzlich ein weiteres Problem auf den Plan – der Hungrige Mann. Die Gerüchte, dass er bald aus dem Gefängnis entlassen wird, mehren sich. Seine Hundiga, Hundemenschen, die ihm treu ergeben sind, tauchen auf Sizilien auf. Und zu allem Überfluss ist Rosa auch noch durch einen Deal an ihn gebunden. Damit spitzen sich die Probleme immer weiter zu, die merkwürdigsten Verbindungen tauchen auf und es ist einfach keine Lösung in Sicht. Dieses Buch ist wirklich zum Haare raufen.

Fazit:
Die Familienkrise kommt langsam richtig in Schwung. Rosa macht eine schockierende Entdeckung nach der anderen, muss nebenbei noch ihren Clan leiten und hat nach wie vor Probleme damit, die Kontrolle über ihre Verwandlungen zu erlangen. Von allen Seiten stürzen Probleme auf sie ein, aber sie nimmt fast trotzig jede Herausforderung an. Auch diesem Buch mangelt es bei weitem nicht an Spannung und diesmal war so gut wie nichts vorhersehbar. Ich bin geradezu durch die Seiten geflogen und kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie der Autor die zahlreichen Handlungsstränge auflöst. „Arkadien brennt“ ist noch besser als sein Vorgänger und bekommt daher fünf Schreibfedern.


Dienstag, 25. März 2014

[Rezension] Arkadien erwacht – Kai Meyer



Titel: Arkadien erwacht
Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: August 2012
Einband: Softcover
Seiten: 448
ISBN: 978-3-551311-47-4
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
»Er senkte den Pantherschädel, leckte die Menschenhaut wie Milch von ihrem Körper und entblößte die goldenen Schuppen ihres Schlangenleibs.«
Die Einsamkeit Siziliens birgt düstere Mythen und Legenden. Raubtiere jagen menschliche Beute in den Hügeln. Raubtiere, die sich hinter der Maske verfeindeter Mafia-Clans verbergen.
Als eine Tragödie Rosa aus New York nach Italien führt, ahnt sie nicht, dass sie viel mehr ist als nur ein Mädchen auf der Flucht. Bis sie Alessandro begegnet. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie. Nach den Gesetzen der Mafia müsste er ihr Todfeind sein – doch dann stoßen sie gemeinsam auf das uralte Geheimnis ihrer Familien...

Einordnung:
- Arkadien erwacht (Teil 1)
- Arkadien brennt (Teil 2)
- Arkadien fällt (Teil 3)

Rezension:
Die Hauptfigur dieses Buches heißt Rosa Alcantara. Von Anfang an bekommt der Leser den Eindruck, dass sie teilweise ein bisschen verdreht im Kopf ist. Ihre Wahrnehmung der Dinge ist manchmal sehr anders, doch das hilft im späteren Verlauf dabei, ihre Reaktionen als authentisch und nicht vollkommen abwegig einzustufen. Seit einem Vorfall in ihrem Leben, über den Genaueres erst später bekannt wird und der ihr ganzes Leben überschattet, lebt sie in der ständigen Erwartung von Gefahrensituationen. Damit sie im Zweifelsfall nicht davon überrascht wird, führt sie diese Situationen oft selbst herbei. Eine Möglichkeit dafür ist beispielsweise Diebstahl. Im Laufe der Geschichte erweist sie sich immer wieder als geschickte Diebin, die den Menschen sogar Ringe vom Finger stehlen kann, ohne dass diese das mitbekommen. Trotzdem tut sie es nur der Gefahr wegen und nicht, um sich zu bereichern, denn sie behält die gestohlenen Gegenstände niemals. Es scheint wie eine Zwangsneurose zu sein.

Im Grunde ist es aber kein Wunder, dass sie illegale Dinge tut, denn der Alcantara-Clan gehört schon seit Generationen zur Mafia. Fast das gesamte Buch dreht sich um das Leben als Mafioso, die ständige Polizeiüberwachung und immerwährende Fehden zwischen verschiedenen oder innerhalb eines Clans. Als Grund dafür hat der Autor aber ein Fantasyelement eingeführt, sodass es nicht auf typische Streitigkeiten um Territorien oder Geld hinausläuft. Die Arkadischen Dynastien verleihen der Geschichte einen ganz anderen Grundton, der mehr Spannung erzeugt als die üblichen Mafia-Auseinandersetzungen.
Da Rosa erst 17 Jahre alt ist und mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Zoe in Brooklyn gelebt hat, weiß sie kaum etwas über die Strukturen der Mafia oder die Familiengeschäfte. Als sie auf Sizilien landet, muss sie daher Schritt für Schritt in die Zusammenhänge eingeführt werden. Das erleichtert es dem Leser, sich mit den Eigenheiten der Cosa Nostra vertraut zu machen und in den diversen Begrifflichkeiten zurechtzufinden. So lernt Rosa, dass die Mafia einen Ehrenkodex besitzt, nachdem einem verstorbenen capo, wie die Oberhäupter der verschiedenen Clans heißen, bei der Beisetzung von allen anderen capi die letzte Ehre erwiesen wird, auch wenn sie zu Lebzeiten erwiesenermaßen Todfeinde waren. Eine solche Beisetzung ist der erste offizielle Termin, den sie mit ihrem Clan wahrnimmt. Und der Todfeind des Verstorbenen ist ausgerechnet ihre Familie.

Da der Clan einen Nachfolger für den verstorbenen capo braucht, reist sein Sohn aus einem amerikanischen Internat an: Alessandro Carnevare. Sobald er in wenigen Monaten volljährig ist, steht ihm das Amt seines Vaters zu. Da Rosa ihm schon im Flugzeug begegnet und sie ungefähr dasselbe Alter haben, ist von Anfang an klar, welche Rolle er spielen wird. Dass schon im ersten Moment, ohne überhaupt eine genauere Ahnung über die verschiedenen Clans der Mafia zu haben, offensichtlich ist, dass die Geschichte der beiden zu einer Mischung aus „Romeo und Julia“ und „West Side Story“ werden wird, finde ich ein bisschen schade.
Nichtsdestotrotz gefallen mit die beiden Charaktere sehr gut. Sie sind erstaunlich vielschichtig und es gibt immer wieder neue Seiten an ihnen zu entdecken, während sie in einem Dilemma aus Liebe und Verantwortung gegenüber der Familie stecken. Da sie beide auf der Schwelle zum Erwachsenenalter stehen, kann der Leser mit ihnen das arkadische Vermächtnis entdecken, das in ihnen steckt. Besonders diese Beschreibungen sind dem Autor gut gelungen, denn der Leser erlebt Rosas Verwirrung hautnah mit.

Das ganze Buch jagt ein Problem das nächste. Vom Schatten ihrer Vergangenheit verfolgt, erlebt Rosa Mord und Totschlag, Gewalt, Angst, Manipulation und Verrat. Auf niemanden ist Verlass, nicht einmal auf die eigene Familie. Jeder manipuliert und betrügt alle anderen nach allen Regeln der Kunst. Wo Worte nicht reichen, um einen ganzen Clan auseinander brechen zu lassen, wird brutal Gewalt angewandt. Als dann das Konkordat, das seit vielen Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten, einen Waffenstillstand zwischen den Alcantaras und den Carnevares sichert, für gebrochen erklärt wird, gerät die Situation zunehmend außer Kontrolle. Es herrscht eine unglaubliche Spannung und immer, wenn sie gerade abzuflauen droht, taucht eine neue Variable auf und heizt sie wieder an.
Denn die Clans sind sich nicht nur untereinander spinnefeind. Es gibt auch Bedrohungen von außerhalb und mysteriöse, ungelöste Rätsel. Doch was genau es mit der Organisation TABULA auf sich hat und worin die Verbindung zwischen den Lamien und den Panthera besteht, die beide Clans um jeden Preis tot schweigen wollen, hat sich der Autor für die nächsten beiden Teile aufgehoben.

Fazit:
Fast über das gesamte Buch hinweg herrscht große Spannung. Neben blutigen Morden, Verrat und Intrigen besitzt die Geschichte alle Elemente, die für einen Roman über die Mafia notwendig sind. Durch die fantastischen Elemente, die der Autor in die Geschichte eingefügt hat, eröffnet sich aber eine ganz neue Perspektive. Die Charaktere sind komplex und realitätsgetreu und helfen dem Leser dabei, sich in die Gegebenheiten der Geschichte einzufinden. Der einzige Makel des Buches ist, dass es an mehr als einer Stelle ziemlich vorhersehbar war, wodurch dann ein gehöriges Stück Drama gefehlt hat. Deshalb bekommt „Arkadien erwacht“ insgesamt vier Schreibfedern.


Samstag, 22. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Bewährung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Bewährung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011 (4. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 192
ISBN: 978-3-473368-35-8
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Sorens Schwester schwebt in höchster Gefahr: Eine dunkle Macht dringt in Eglantines Träume ein und steuert alles, was sie tut. Als sie dann auch noch spurlos verschwindet, herrscht im Ga’Hoole-Baum Alarmstufe Rot. Wird es Soren und seinen Freunden gelingen, Eglantine zu retten?

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Prinzipiell hat mir dieses Buch wieder gut gefallen, nur hege ich leider keinerlei Sympathien für die Hauptfigur. Die verweichlichte Eglantine ging mir mit ihrer unglaublichen Naivität schon in den letzten Teilen der Reihe auf die Nerven. Dass ich sie, ihre Gedanken und ihre Gefühle näher kennen gelernt habe im Laufe dieses Buches, ändert da leider auch nichts dran. Zwar entwickelt sie in dieser Geschichte einen starken eigenen Willen, aber der Schritt von Leichtgläubigkeit, Egoismus und Manipulierbarkeit zu Selbstlosigkeit und absolutem Durchblick geht deutlich zu schnell.

Ein Glück, dass es die Sperlingskäuzin Primel gibt. Eglantines beste Freundin ist mir richtig ans Herz gewachsen und mit ihr habe ich viel gelitten. Es ist nicht leicht für sie, als Eglantine immer mehr von ihr entfernt und stattdessen Zeit mit Ginger verbringt, der Schleiereule, die den Reinen angehört hat und im letzten Band von den Netzen verletzt wurde, sodass sie medizinisch versorgt werden musste. Doch trotz zahlreicher Zurückweisungen unterstützt Primel ihre beste Freundin, als sie merkt, dass diese immer häufiger merkwürdiges Verhalten zeigt. Vor dem Hintergrund von Eglantines Gleichgültigkeit ihr gegenüber ist diese Loyalität noch beeindruckender.

Die Verwirrung, mit der Eglantine zu kämpfen hat, beschreibt die Autorin sehr ausführlich. Schon seit sie von dem Tod ihrer Eltern gehört hat, vermisst sie die beiden und hofft darauf, sie noch einmal wiederzusehen. Als sie in einem Traum ihre Mutter wartend in einer Baumhöhle sitzen sieht, ist sie nur zu gern bereit zu glauben, dass ihre Eltern noch am Leben sind. Wie gefährlich solch eine Hoffnung ist, wird deutlich, als Eglantine beginnt, jedes Geschehnis so auszulegen, dass es ein Beweis für das Überleben ihrer Eltern ist. Wie sie sich an jeden Strohhalm klammert und alle Tatsachen so dreht, dass sie ihre Hoffnung bestätigen, zeigt eindrucksvoll, dass starke Emotionen eine objektive Beurteilung von Fakten beinahe unmöglich machen.

Natürlich spielen auch die Reinen wieder eine Rolle. Neben dem Anführer Kludd und seiner Gefährtin Nyra werden nun auch diverse Leutnants und Unterleutnants vorgestellt. Diese nehmen Befehle entgegen, führen sie aus und erstatten Bericht. Ähnlich wie im Sankt Ägolius Internat für verwaiste Eulen ist jedoch auch ihnen das eigenständige Denken untersagt. Zwar steht es scheinbar nicht unter Strafe, es ist jedoch offensichtlich, dass vor allem Nyra die Denkarbeit leistet. Von ihrer Armee fordert sie einzig und allein Disziplin. Doch lassen sich plötzliche Ideen kaum unterdrücken, sodass sich einer ihrer Unterleutnants zu fragen beginnt, ob Sieg oder Niederlage in einer Schlacht wirklich nur von der Disziplin abhängen. Dass er sich fragt, wann er das letzte Mal selbstständig seinen Verstand benutzt hat, macht Hoffnungen für die folgenden Teile. Nicht nur in einer Gemeinschaft mit offenem Geist kann es Verräter geben, gerade in Systemen, die eigenes Denken unterdrücken, gibt es Rebellen. Zumindest könnte der Unterleutnant ein erster Hinweis darauf sein.

Da die Eulenritter von dieser Entwicklung natürlich nichts ahnen, aber durchaus bemerkt haben, dass die Reinen niemals aufgeben werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben, beschließt das Parlament, Verbündete aus den Nordlanden anzuwerben. Dieser Ausblick auf die zukünftige Handlung deutet an, dass frischer Wind in die Geschichte kommen wird. Das hat die Autorin gut gelöst, denn die Situation ist eindeutig festgefahren und das Gebiet, in dem sich die Eulen bisher bewegt haben, ist inzwischen hinlänglich bekannt und beschrieben. Das etwas platte Ende dieses ziemlich kurzen Buches wird damit noch mal ein bisschen aufgelockert.

Wie in jedem Band findet sich auch hier wieder ein Anhang, in dem die wichtigsten Eulen, ihre Gattung, ihr wissenschaftlicher Name und praktisch ihr erster Auftritt aufgelistet sind. Das ist zwar schön und lehrreich, allerdings wäre ein Wörterbuch im Anhang deutlich hilfreicher. Es gibt nicht viele Begriffe, die die Autorin für ihre Welt neu geschöpft hat. Doch die wenigen Kreationen sind so weit von unseren menschlichen Wörtern entfernt, dass sich die Bedeutung allein aus dem Wort überhaupt nicht ergibt. Zwar wird das Wort im Text erklärt, wenn es das erste Mal auftaucht, aber ich musste schon intensiv nachdenken, worum es sich bei einem „Williwurm“ (zumindest glaube ich, dass das Wort so heißt, nicht einmal das kann ich mir merken) noch mal handelt, obwohl ich die fünf bisherigen Bücher an fünf aufeinander folgenden Tagen gelesen habe. Die Erklärungen zu „Gollimop“ beispielsweise konnte ich außerdem überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist zwar ein schönes Wort, aber wenn ich nicht weiß, was es heißt, hilft mir das wenig.

Fazit:
Dieses Buch hat für mich leider die falsche Hauptfigur. So kam keine richtige Spannung auf, weil sich die Handlung trotz der Kürze des Buches immer noch gezogen hat. Kleine Details wie Nyras Unterleutnant, Primels Loyalität und die weitere Erkundung der Wirkung von Tupfen sind es, die die Hochpunkte dieser Geschichte markieren. Dafür ist es inzwischen so weit, dass ich beginne, an der Sprache der Eulen zu scheitern. Für Fans von Eglantine ist dieses Buch vermutlich großartig, für mich leider nicht. Daher gibt es für „Die Legende der Wächter: Die Bewährung“ nur drei Schreibfedern.


Donnerstag, 20. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Belagerung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Belagerung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2011 (3. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 256
ISBN: 978-3-473368-23-5
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Kludd, der Anführer der "reinen" Schleiereulen, schmiedet finstere Pläne: Um die Macht über das Eulenreich an sich zu reißen, zieht er ein riesiges Heer zusammen und belagert den Ga'Hoole-Baum. Soren und die anderen Eulenritter geraten in größte Bedrängnis, denn im harten Winter werden die Vorräte knapp und zu allem Übel scheint es Verräter in den eigenen Reihen zu geben ...

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3) 
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Dieses Buch hat seinen Namen nicht verdient, finde ich. Sowohl der Titel aus auch die Kurzbeschreibung versprechen viel mehr als die Geschichte hält. Die Belagerung des Großen Ga’Hoole Baumes ist nicht das bestimmende Thema, sondern findet überhaupt nur auf den letzten paar Seiten statt. Auch die Ausführlichkeit lässt zu wünschen übrig. Gravierende Auswirkungen einer Belagerung, wie beispielsweise Nahrungsmittelknappheit, sind nicht nur körperlich belastend, sondern können auch die ganze Gruppe demoralisieren. Doch statt genauer darauf einzugehen, welche Auswirkungen es hat, dass die Eulen den Baum nicht verlassen können, erfährt der Leser nur schnell in zwei Sätzen, dass die Eulen alle abnehmen und ständig Hunger haben. Überhaupt wird die Belagerung fast ausschließlich im Zeitraffer und dazu noch ziemlich oberflächlich geschildert. Das hat mich enttäuscht, weil ich so nicht mitfühlen konnte und auch kaum Spannung aufkam.

Erst mit dem finalen Kampf, also im vorletzten Kapitel, wurde die Spannung erhöht. Die Schlacht an sich ist recht kurz und oberflächlich gehalten, schließlich handelt es sich eigentlich immer noch um ein Kinderbuch, aber bei der großen Menge an Gegnern sind Verluste ganz natürlich. Da die Geschichte zu dem Zeitpunkt aus Sorens Sicht geschildert wird und er alle Krallen voll damit zu tun hat, sein eigenes Leben zu retten, werden alle anderen Charaktere stark vernachlässigt, sodass jeder von ihnen, vorerst unbemerkt, sterben könnte. Da war ich wirklich neugierig, wen es wohl erwischt und habe um meine, zugegeben recht wenigen, Lieblingscharaktere gebangt.

Was in der Schlacht noch ein Pluspunkt war, ist danach aber ein weiterer Kritikpunkt. Immer wieder erwähnt die Autorin, dass es zu Verlusten gekommen ist. Doch es werden fast nie Namen genannt, sodass es zwar tragisch ist, mir aber kein bisschen nahe geht. Es kommen nicht nur unwichtige, namenlose Eulen ums Leben, aber bei niemandem hat mich der Tod wirklich berührt. Dadurch wirkt dann auch die Trauer von Soren und seinen Freunden viel zu entfernt. Natürlich ist es eigentlich nur ein Kinderbuch, aber in Anbetracht der extrem blutigen Szenen, die schon mehrfach ausführlich beschrieben wurden, denke ich, dass es dem Buch wirklich besser getan hätte, zumindest einen Charakter ums Leben kommen zu lassen, der die Sympathien der Leser hat.

Hinzu kommt auch noch, dass der groß im Klappentext angekündigte Verräter eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Von Anfang an ist mehr als offensichtlich, um wen es sich handelt. Das empfinden wohl auch die meisten Charaktere so, denn der Spion wird gar nicht erst mit wichtigen Aufgaben oder geheimen Informationen betraut. Ich muss sagen, dass es fast schon der schlechteste Verräter aller Zeiten ist. Falls es den Reinen irgendetwas bringt, jemanden im Ga’Hoole Baum auf ihrer Seite zu haben, außer in einer Schlacht einige namenlose Eulen töten zu können, dann geht das in der Geschichte völlig unter.

Außerdem ist mir der Sinn hinter fast zwei Drittel der Handlung noch nicht wirklich klar. Da das Parlament der Eulenritter glaubt, die Reinen würden die Tupfen aus dem Sankt Ägolius Internat für verwaiste Eulen stehlen wollen, beschließen sie, eine Gruppe Spione einzuschleusen. Dafür werden Soren und seine Freunde ausgewählt, die sich inzwischen die Brigade der Besten nennen. Mit einer wasserdichten Legende und allen möglichen Vorsichtsmaßnahmen schleichen sie sich in das Internat ein. Besonders für Gylfie und Soren ist das belastend, da die ja schon im ersten Teil dort gefangen waren.
Der genaue Auftrag der Brigade der Besten leuchtete mir schon auf ihrem Hinflug nicht ein und das hat sich mit der Ankunft auch nicht geändert. Sie alle werden für verschiedene Arbeiten eingeteilt, verbreiten Lügengeschichten und leben in einem Chaos aus ehrlich mondwirren Schleiereulen, Spionen der Reinen und Doppelspionen der Reinen, die von den Leitern des Sankt Äggie umgedreht wurden. Mitten im Durcheinander diverser Enttarnungen fliehen sie dann wieder. Und ich weiß immer noch nicht, was sie da eigentlich wollen. Es scheint fast als wäre der ganze Handlungsstrang nur darauf ausgelegt, dass die Eulen auf dem Rückweg die Armee der Reinen am Hoolemeer entdecken. Dafür mehr als die Hälfte des Inhalts des Buches zu verbrauchen, ist wirklich unnötig.

Der einzige Teil, der mir wirklich gefallen hat, sind Ezylrybs Ansprachen während der Belagerung. Schon im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie sich dabei an den Rundfunkansprachen Winston Churchills während des Zweiten Weltkriegs orientiert hat. Zwar sind die Reden ein bisschen zu kurz, um wirklich vollkommen mitreißend zu sein, aber ein bisschen Kampfgeist habe ich auch gespürt. Der erfahrene Kämpfer weiß wirklich, wie er seine Truppen motivieren kann. Und das, obwohl sie sich bloß verteidigen, da es gegen die Grundsätze der Eulenritter verstößt, andere Eulen anzugreifen!

Fazit:
Der Titel ist so kaum gerechtfertigt und auch der Klappentext verspricht viel zu viel. Die Belagerung nimmt nur einen kleinen Teil der Geschichte ein und ist enttäuschend oberflächlich beschrieben. Den größten Teil der Handlung nimmt die Spionagearbeit der Brigade der Besten in Sankt Äggie ein, die aber weder ein deutliches Ziel noch einen tieferen Sinn hat. An der missglückten Umsetzung dieser Belagerung können auch Ezylrybs feurige Schlachtreden kaum noch etwas retten. Daher bekommt „Die Legende der Wächter: Die Belagerung“ leider nur drei Schreibfedern von mir.



Mittwoch, 19. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Rettung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Rettung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2010 (4. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 224
ISBN: 978-3-473368-09-9
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Der grausame Eisenschnabel versetzt alle Eulen in Angst und Schrecken. Seine Gegner hält er in einem Magnetfeld gefangen und lässt sich von seinen Anhängern als „Hoher Tyto“ anbeten. Keiner weiß, wer sich hinter der eisernen Maske verbirgt. Nur eines ist klar: Er will um jeden Preis die Herrschaft über das Eulenreich an sich reißen. Der junge Eulenritter Soren und seine Freunde nehmen den Kampf mit dem Unbekannten auf …

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Die kaum greifbare Gefahr, die sich im letzten Teil immer mehr angekündigt hat, bekommt nun endlich einen Namen: Eisenschnabel. Die Ritter im Großen Ga’Hoole Baum wissen längst von der Gefahr, die von der grausamen Eule ausgeht, als Soren eine Warnung erhält, die ihm die Geisterschnäbel seiner Eltern überbringen. Wenn eine Eule eine Aufgabe zu erledigen hat, dann hindert sie nichts und niemand daran, auch nicht der Tod. Bevor diese Eulen nach Glaumora ins Eulenparadies gelangen, bleiben sie als Geisterschnäbel in einem der zahllosen Geisterwälder, bis sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Und Sorens Eltern scheinen die Aufgabe zu haben, ihren Sohn vor Eisenschnabel zu warnen.

Dieses Buch dreht sich hauptsächlich um den Verbleib des Wetterkunde- und Glutsammler-Rybs Ezylryb. Wer den alten, knurrigen Flecken-Kreischeulerich ins Herz geschlossen hat, wird definitiv mit Soren trauen und leiden. Auch nach zwei Monaten weiß immer noch niemand, wo Ezylryb steckt und ob er überhaupt noch lebt. Er könnte einem Feind in die Hände gefallen und ein Gefangener sein, möglicherweise sogar mond- oder steinwirr. Denn Feinde, das lernt der Leser ziemlich schnell, hat Ezylryb sehr viele.
Das Loch, das seine Abwesenheit in die Gemeinschaft der Eulen reißt, ist an allen Ecken und Enden sichtbar. Es beginnt schon damit, dass Poot, eigentlich erster Offizier, nun der Anführer der Wetterbrigade ist. Obwohl er sich Mühe gibt und sich nicht schlecht schlägt, ist er definitiv ein besserer Flieger als Lehrer. Oftmals müssen ihm die älteren und erfahreneren Mitglieder der Brigade unter die Flügel greifen. Denn beispielsweise der Sturm, in dem zwei junge Eulen auf ihre Fähigkeiten geprüft werden sollen, entpuppt sich als ausgewachsener Orkan, der die ganze Brigade überrascht.
Soren selbst vermisst seinen Lehrer sehr. Es hat mich ein bisschen überrascht, wie sehr er Ezylryb mag, denn das wird im letzten Buch leider nicht so deutlich. Doch der Kreischeulerich ist so warmherzig und sympathisch, da kann ich ihn gut verstehen. Als es Soren nicht mehr aushält, dass jede Brigade, die sich auf die Suche nach ihm macht, ohne Ergebnis zurückkehrt, trommelt er seine Freunde zusammen und macht sich selbst auf den Weg – ein Verstoß gegen das Gesetz, an dem die Verzweiflung gut sichtbar wird.
Außerdem wird Oktavia, die Nesthälterin Ezylrybs, immer seltsamer. Ihr Verhalten beunruhigt Soren und diese Unruhe überträgt sich auch auf den Leser. Sie kam vor langer Zeit gemeinsam mit der Kreischeule zum Großen Ga’Hoole Baum und weiß daher Dinge über seine Vergangenheit, die sonst niemand weiß. Das weckt die Neugier immer mehr, jedoch nicht ohne einen Funken Angst, dass Ezylryb nicht der sein könnte, für den ihn alle halten. Denn wenn eine Sache sehr schnell deutlich wird, dann diese: Ezylryb hat eine dunkle Vergangenheit.

Auch Figuren aus Sorens Vergangenheit tauchen wieder auf und schlagen so Brücken zwischen den bisherigen Büchern. Es steht sich heraus, dass die unfreiwilligen Retter der zahllosen Schleiereulenküken, die am Ende des letzten Buches gefunden wurden, die Lehrer und Leiterinnen des Sankt Ägolius Internats für verwaiste Eulen waren. Es bleibt bei einer kurzen Erwähnung, doch schon die hilft dabei, nach den ganzen Schreckensgeschichten über Eisenschnabel daran zu denken, dass auch noch eine andere Gefahr im Eulenreich lauert.
Auch Kludd, Sorens großer Bruder, hat wieder einen Auftritt. Sein Schicksal hat mich fast zu Tränen gerührt. Und dass er noch einmal eine Rolle spielen würde, hat mich wirklich überrascht.

Überraschung ist generell ein riesiger Pluspunkt für dieses Buch. Obwohl ich im Hinterkopf schon eine Idee hatte, wozu die rätselhaften Tupfen bösen Mächten dienen könnten, war ich doch nicht auf das Ausmaß vorbereitet. Da hat sich die Autorin wirklich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, das ihren Protagonisten mehr als angepasst ist. Außerdem gibt es in diesem Teil einen Wendepunkt, den ich vorher nicht im Ansatz erahnt habe. Da bin ich vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt worden, sodass mich die Geschichte noch mehr mitgerissen hat als ohnehin schon.

Fazit:
Das ganze Buch beschäftigt sich mal offensichtlich und mal unterschwellig mit Ezylrybs Verschwinden. Da er ein ziemlich sympathischer Charakter ist, hat mich das Buch berührt und mitgerissen. Der unerwartete Wendepunkt erhöht die Spannung noch um ein Vielfaches. Dieser Teil hat mich wirklich begeistert, sodass „Die Legende der Wächter: Die Rettung“ alle fünf Schreibfedern verdient.


Dienstag, 18. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Wanderschaft – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Wanderschaft
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2010 (4. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-473368-08-2
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Die Jungeulen Soren und Gylfie werden in die berühmte Schule der Eulenritter von Ga‘Hoole aufgenommen. Dort bildet man sie zu tapferen Flugkünstlern aus. Die Freude ist groß, als die Schüler bei einer Bergungsaktion Sorens verschollen geglaubte kleine Schwester Eglantine entdecken. Nur Sorens geliebter Lehrer Ezylryb kehrt von der Rettungsmission nicht mehr zurück.

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Die Reise zum Großen Ga’Hoole Baum geht weiter. Soren, Gylie, Morgengrau, Digger und Mrs. Plithiver sind entschlossen, sich den edlen Rittern anzuschließen. Doch auch, wenn sie den Weg dorthin zu kennen glauben, ist die Reise nicht leicht.

Mir gefallen die verschiedenen Hindernisse, auf die Soren und seine Freunde treffen. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, dass die ganze Wanderung, die abenteuerliche Suche, gar keine Rolle spielen würde. Dann hätte ich nicht nur den Titel des Buches nicht nachvollziehen können, sondern wäre auch ziemlich enttäuscht gewesen, da die Reise am Ende des letzten Teils so groß angekündigt wurde. Zum Glück haben sich meine Befürchtungen nach den ersten beiden Kapiteln als unbegründet erwiesen. Die Freunde werden von Krähen attackiert, treffen auf andere Eulen, die sich über sie lustig machen, weil sie die Legende vom Großen Ga’Hoole Baum nur für eine Legende halten, begeistern sich über alle Maßen für die Spiegelseen und geraten in einen Schneesturm, der sie weit über ihr Ziel hinaus befördert.
Doch es sind nicht nur die Ereignisse, die die Reise spannend machen. Angeblich soll der Große Ga’Hoole Baum von dichtem Nebel umwabert sein, der sich nur für Besucher mit „dem Glauben“ lichtet. Nachdem die jungen Eulen gerade erst dem Bann der Spiegelseen, die auch mich sehr faszinieren, entkommen sind und alle heimlich Sehnsucht nach ihnen haben, war ich nicht sicher, ob sie den Baum überhaupt finden würden. Eine zweite Angst, die nicht schon durch das Lesen der Inhaltsangabe beseitigt werden konnte, war die um Digger und Morgengrau. Digger ist weder besonders kampfstark noch mutig, er kann nicht einmal längere Strecken fliegen. Keine idealen Voraussetzungen für einen Ritter. Bei Morgengrau waren meine Zweifel allerdings noch größer, da er zwar loyal ist und absolut auf der richtigen Seite steht, aber sehr direkt, ungehobelt und über alle Maßen arrogant ist. Alles Eigenschaften, die edle Ritter eher nicht besitzen. Die Unwissenheit, wie es mit den beiden weiter geht, hat mich geradezu durch die Seiten fliegen lassen.

Frischer Wind kommt durch die Gemeinschaft der Eulenritter in die Beschreibung des Lebens der Eulen. Obwohl die fortschrittliche Lebensweise im Großen Ga’Hoole Baum definitiv Fiktion ist, bin ich fasziniert davon. Statt verschiedene Höhlen in verschiedenen Bäumen zu bewohnen, leben die Eulen in einer riesigen, strukturierten Wohnung in diesem einen Baum. Um ihn zu erhalten, hegen und pflegen sie ihn und lernen, jeden Teil zu nutzen. Damit erinnern sie mich ein bisschen an Indianer, die friedlich im Einklang mit der Natur leben. Die Eulen besitzen nicht nur eine große Bibliothek voller Unterhaltungslektüre und wissenschaftlicher Arbeiten, sie haben auch gelernt, das Feuer zu beherrschen. Daher gibt es bei ihnen gebratenes Fleisch und heißen Tee.

Das Wissen um die Nutzung des Feuers bringt jedoch auch Gefahren mit sich. Die grausamen Eulen des Sankt Ägolius Internats für verwaiste Eulen, die im letzten Teil die größte Gefahr für die Eulen zu sein scheinen, rücken in den Hintergrund und werden beinahe schon als unwichtige Unruhestifter abgeschrieben. Denn es gibt noch eine andere, namenlose Gefahr, auf die die vier jungen Eulen von einem sterbenden Kauz aufmerksam gemacht werden. Um den Kauz herum brennt es – und das Feuer könnte nicht nur aus der Höhle der Eule kommen, sondern auch von einem Ritter von Hoole mitgebracht worden sein.

Das Ende hingegen ist fast schon frustrierend. Aus einem unbekannten Grund geraten plötzlich viele junge Schleiereulen in Not, sodass der gesamte Große Ga’Hoole Baum mit der Bergung beschäftigt ist. Doch mit den Eulenküken stimmt etwas nicht, denn keine von ihnen ist ansprechbar und sie alle plappern etwas über den großen, wunderbaren Tytos vor sich hin. Weshalb sie sich so merkwürdig verhalten, wir aber nicht erklärt. Und zu allem Überfluss ist auch noch Ezylryb, Sorens Lehrer und Mentor, der trotz seiner brummigen Art wirklich sympathisch ist, spurlos verschwunden. Noch viel offener hätte das Ende nicht sein können.

Fazit:
Die Wanderschaft zum Großen Ga’Hoole Baum ist wirklich spannend. Die vier jungen Eulen stoßen immer wieder auf neue Hindernisse, bei denen nie feststeht, ob sie sie überwinden können oder nicht. Wichtige neue Charaktere führt die Autorin ausführlich genug ein, um sie schätzen oder missbilligen zu lernen, sie knuddeln oder ihnen die Schnäbel stopfen zu wollen. Außerdem entsteht eine Stimmung, als ob da etwas ganz Großes im Anmarsch wäre. Obwohl ich nichts Spezielles kritisieren kann an diesem Buch, hat es mich nicht vollständig vom Hocker gerissen. Daher bekommt „Die Legende der Wächter: Die Wanderschaft“ vier Schreibfedern.


Sonntag, 16. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Entführung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Entführung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2010 (5. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-473368-07-5
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Nachdem er aus dem Nest gefallen ist, wird der junge Schleiereulerich Soren entführt. Er landet in einer Schule für verwaiste Eulenkinder, wo er hart arbeiten muss und zu finsteren Zwecken ausgebildet wird. Doch Soren träumt davon, zu fliehen und sich den Eulenrittern von Ga'Hoole anzuschließen. Und tatsächlich: Eines Tages gelingt ihm mit seiner neuen Freundin, Elfenkauz Gylfie, die Flucht.

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Der Einstieg in das Buch fiel mir ein bisschen schwer. Das liegt aber weniger an der Geschichte als an mir. Die Charaktere sind fast alle Eulen. Da das ziemlich ungewöhnlich ist, dienen die ersten Kapitel als eine Art Einleitung in die Spezies. Vom Schlüpfen eines Jungvogels über die Tage als Nestling bis hin zu den ersten Ausflügen als Ästling wird Entwicklung sehr detailliert beschrieben, da Soren, der Protagonist, einen älteren Bruder namens Kludd hat und gerade eine jüngere Schwester, Eglantine, bekommt.
Doch nicht nur das, auch auf die Nahrungsaufnahme geht die Autorin ein. Und das war mir an einigen Stellen zu detailliert. Es ist zwar interessant, zu erfahren, dass Eulen neben Insekten und Mäusen beispielsweise auch Schlangenfleisch fressen, aber dass es kitzelt, wenn der Tausendfüßler die Kehle herunter läuft, und dass Eglantine vor lauter Neugierde nicht vergessen soll, die Beine der saftigen Grille zu essen, war mir an einigen Stellen doch deutlich zu ausführlich. Und jede Mahlzeit der jungen Vögel, bei der sie eine andere Nahrung bekommen, feiert die Familie ausgiebig. Da gibt es die Feier „Erstes Insekt“, darauf folgt „Erstes Fleisch“, dann „Erstes Fell“ und schließlich „Erste Knochen“. All diese freudigen Anlässe werden bis ins Detail beschrieben und manchmal mit einem Lied sogar noch darüber hinaus. In Grundsätzen wäre das in Ordnung, aber manchmal wurde es wirklich ekelhaft.

Die anderen Informationen, die das Buch enthält, sind aber sehr spannend. Die auftauchenden Eulen gehören alle anderen Gattungen an, sodass es viel zu lernen gibt. Soren und seine Familie gehören zu den Schleiereulen, seine beste Freundin Gylfie ist eine Elfenkäuzin. Im Sankt Ägolius Internat für verwaiste Eulen, in das die beiden entführt werden, treffen sie auf Virginia-Uhus, West-Kreischeulen, Waldohreulen, Schneeeulen, Raufußkauze und noch viele mehr. Wann immer Soren eine neue Gattung kennenlernt, wird das Aussehen der Eule beschrieben und zu den wichtigsten Charakteren finden sich Zeichnungen im vorderen Teil des Buches.
Da jede Gattung ein eigenes Königreich hat, sind die meisten Eulen nicht nur dem Leser, sondern auch Soren vollkommen fremd. Die Beobachtungen, die er bezüglich des Verhaltens macht, und die Erklärungen zu Besonderheiten und Eigenschaften, die die schlaue Gylfie beisteuern kann, führen den Leser also Schritt für Schritt gemeinsam mit Soren in die Welt der Eulen ein. Das ist auch für Kinder gut gemacht.

Viele Beschreibungen und Erklärungen sind ebenfalls kindgerecht gemacht. Waschbären, die zu den natürlichen Feinden der Eulen gehören, tragen beispielsweise schwarze Masken und haben nicht bloß schwarzes Fell im Gesicht. Auch viele kompliziertere Wörter kennt Soren nicht, sodass es sie sich von Gylfie erklären lassen muss.

Für die Altersempfehlung 10+ schon fast ungeeignet finde ich dagegen die seltenen, aber deshalb nicht weniger blutigen Szenen. Da Soren und Gylfie als Jungvögel entführt werden, können sie beide noch nicht fliegen. Ihr Gefieder muss erst vollständig auswachsen. Zudem brauchen sie jemanden, der ihnen zeigt, wie es funktioniert. Denn solange sie nicht fliegen können, ist an eine Fluch aus den Schluchten, in denen Sankt Ägolius liegt, nicht zu denken. Doch in einer Gemeinschaft, die einer Diktatur sehr ähnlich ist, Unterstützer für eine Rebellion zu finden, ist nicht einfach und geht nicht immer gut. Die Szenen an sich sind notwendig für die Geschichte, doch auch hier hätten es für die jüngere Altersklasse ein paar weniger Details auch getan.

Ein Punkt, der mir als Erwachsene sehr gut gefällt, bei dem ich nur nicht sicher bin, ob Kinder die gesamte Tragweite schon verstehen können, ist die Massenmanipulation und der kollektive Persönlichkeitsverlust in Sankt Äggie. Den entführten Jungvögeln wird eingeredet, sie seien Waisen, und statt ihres Namens bekommt jeder von ihnen eine Nummer zugeordnet. Soren beispielsweise ist Nummer 12-1. Es ist den Eulen verboten, Fragen zu stellen, ansonsten werden sie gerupft. Und bei nächtlichen Märschen müssen sie immer wieder ihren eigenen Namen vor sich hin sprechen, bis dieser seine Einzigartigkeit und seine Bedeutung verliert. So gibt es nichts mehr, woran sie sich festhalten können.
Die Massenmanipulation erfolgt durch sogenannte Mondwirrnis, die sich die Autorin ausgedacht hat. Wenn Eulen im Schein des vollen Mondes einschlafen, ereilt sie diese Krankheit. Dabei verlieren sie ihren Verstand und werden willenlos. Indem die Leiter des Internats alle entführten Eulen zwingen, im Licht des Vollmonds zu schlafen, stellen sie Gefügigkeit sicher, hintern am  Nachdenken und behalten die Kontrolle. So können sie in aller Ruhe ihre finsteren Pläne ausarbeiten.

Zwischendurch war ich verwirrt, wie viel vergangen ist. Die Schilderungen klingen wie die Zusammenfassung von Tagen oder gar Wochen, doch plötzlich ist wieder einfach nur der nächste Tag. Irgendwann war ich nicht einmal mehr sicher, ob es sich noch um den gleichen Vollmond oder schon einen oder etliche später handelt. Fest steht jedoch, dass sowohl Gylfie als auch Soren irgendwann ein vollständig ausgewachsenes Gefieder haben. Ihnen gelingt die Flucht aus dem Internet – mit dem Wissen, welchen heimtückischen Plan die Leiterin und ihre Stellvertreterin ausgeheckt haben.

Im Grunde dient also dieses erste Buch dazu, den Leser ein bisschen mit den Eigenschaften und Verhaltensweisen von Eulen bekannt zu machen, die Grundzüge der Welt erläutern, in der die Geschichte spielt, und als Prolog für die anderen Teile zu fungieren.

Fazit:
Mein Wissen über Eulen ist jetzt deutlich größer. Kathryn Lasky hat sympathische Charaktere erschaffen, die im Laufe der Geschichte gewachsen sind und ihre Naivität verloren haben. Das Buch beinhaltet sehr viel Potenzial für eine ganz große Auseinandersetzung. Wegen der Verwirrung bezüglich der vergangenen Zeit und der für mich viel zu ausführlichen Beschreibung der Nahrungsaufnahme vergebe ich an „Die Legende der Wächter: Die Entführung“ aber trotzdem nur vier Schreibfedern.


Freitag, 14. März 2014

[Rezension] Mercy: Gefangen – Rebecca Lim



Titel: Mercy – Gefangen
Autor: Rebecca Lim
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 256
ISBN: 978-3-473400-64-5
Preis: nur noch als E-Book erhältlich (12,99 € [D])

Klappentext:
Mercy weiß nicht, wer sie ist. Sie hat nicht mal einen eigenen Körper. Manchmal wacht sie einfach in einem anderen Menschen auf und übernimmt für kurze Zeit sein Leben. „Souljacking“ heißt dieser Fluch, dem sie willenlos ausgeliefert ist. Erst als sie Ryan trifft, wird alles anders: Mercy verliebt sich - zum allerersten Mal. Doch Ryan braucht mehr als ihre Liebe, er braucht Hilfe. Seine Schwester wurde entführt und nur Mercy kann sie finden. Denn in Mercy schlummert eine uralte Macht.

Einordnung:
- Gefangen (Teil 1)
- Erweckt (Teil 2)
- Besessen (Teil 3)
- Befreit (Teil 4)

Rezension:
Die Idee hinter der ganzen Geschichte ist wirklich gut. Vermutlich täte es der Idee aber besser, wenn sie eine Idee geblieben wäre. Die Umsetzung ist absolut nicht gelungen.

Positiv anmerken kann ich definitiv die Idee des „Souljackings“. Mercy, wie die Ich-Erzählerin sich selbst nennt, hat keinen eigenen Körper, sondern besteht mehr aus flüchtiger Luft. Sie wird auf eine nicht näher erläuterte Art immer wieder in einen menschlichen Körper gesteckt und übernimmt die Kontrolle über diesen. Mal ist es eine 26jährige ehemalige Drogenabhängige und mal ein Chormädchen aus der High School, so wie in dieser Geschichte. Wenn sie den Körper in Besitz nimmt, kann sie nicht mit dem Mädchen kommunizieren, der dieser Körper eigentlich gehört, und steuert das Leben daher eigenmächtig.

Wenn Mercy den Körper verlässt und in einem anderen aufwacht, kann sie sich nur noch vage an die Geschehnisse erinnern. Es scheint jedoch, dass sie immer in Körpern von Personen landet, die Hilfe brauchen, um ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Bis auf dieses Mal, denn jetzt braucht die Gastfamilie des Mädchens Carmen, deren Körper Mercy übernommen hat, dringend Hilfe, denn Lauren, die Tochter der Familie, ist vor zwei Jahren entführt worden. Dass Mercy sozusagen einspringt, damit das Leben der Mädchen oder in diesem Fall der Familie wieder in geordneten Bahnen verläuft, ist mal eine andere Idee als die sonst immer ganz plötzlich entstehenden Freundschaften und Beziehungen, sodass ein anderer Charakter Einfluss auf die Entwicklung nehmen kann.

Das waren aber auch schon alle positiven Dinge, die mir aufgefallen sind. Neben dem Leben der Carmen, das Mercy weiter führen muss, ist sie auch auf der Suche nach sich selbst. In ihren Träumen erscheint der mysteriöse Luc, der sie vor den Acht warnt und sie bittet, ihn zu finden. Diese Kapitel sind so wirr, dass sie den Fluss der Geschichte ziemlich unterbrechen. Den Sinn dahinter habe ich nicht verstanden, vermutlich muss ich die nächsten Teile der Reihe auch noch lesen, damit ich nicht bei allen Szenen, die sich um Mercys übernatürliches Wesen drehen, dicke Fragezeichen im Kopf habe. Allerdings sind diese Andeutungen eher störend als dass sie neugierig auf die nächsten Bände machen, so ganz geschickt ist das also nicht gelöst.

Im Gegensatz dazu steht der „irdische“ Handlungsstrang, der nicht verwirrend, sondern ziemlich durchsichtig ist. Obwohl jeder glaubt, dass Lauren Daley, die entführte Tochter der Gastfamilie, bereits tot ist, möchte Ryan, ihr Zwillingsbruder, das nicht wahrhaben. Er fühlt, dass Lauren noch lebt und träumt davon, dass sie in einem dunklen Raum gefangen gehalten wird und Kirchengesang durch die Mauern zu hören ist. Mercy schließt sich ihm in Carmens Körper an, um das Mädchen zu finden und den Entführer zu enttarnen. Die beiden laufen vielen Spuren hinterher und überprüfen zahlreiche sehr plausible Theorien, die den Leser wohl auf die falsche Spur locken sollen. Das ist leider überhaupt nicht geglückt, ich wusste bereits, wer der Entführer ist, noch bevor die beiden den ersten Verdächtigen hatten.

Immer entsetzter wurde ich im Laufe der Geschichte über die Charaktere. Nicht nur, dass sie absolut eindimensional sind wie beispielsweise Mercy und Ryan, es gibt auch niemanden, der einfach normal ist. Die Chorleiter, die oft genug erwähnt werden, um sich eine Meinung über sie bilden zu können, sind eine Furie, ein Perverser und ein so wunderbar junger Mann, dass sämtliche Schüler und vor allem Schülerinnen sich in ihn verlieben. Mr und besonders Mrs Daley, die Gasteltern von Carmen, trauern so intensiv, dass sie schon einen psychischen Schaden davon getragen haben. Die wenigen Jugendlichen, die nicht zum Chor gehören, sind Freaks aller Art.
Und schließlich sind die unzähligen Chormitglieder der vier Schulen, die zusammen ein Konzert geben wollen, erste Sahne High School Klischee. Zicken, die zur gleichen Clique gehören, obwohl sie sich gegenseitig am liebsten die Augen auskratzen würden. Arrogante, selbstverliebte Mädchen mit einer Tonne Make-up, die sich für die coolsten Stars halten. Sozial verarmte Bewunderer (sowohl männlich als auch weiblich), die ihnen auch noch am Rockzipfel hängen und immer zu derjenigen wechseln, die gerade die Nase vorn hat, in der Hoffnung, auch ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Und natürlich die verschüchterten Schüler, die keine Freunde finden und jeden Tag mindestens einmal mit dem Kopf in der Toilettenschüssel landen. Ich möchte nicht behaupten, dass es das alles nicht gibt, aber das ist doch ein bisschen viel auf einmal. Da gibt es wirklich niemanden, der halbwegs normal ist.

Zum Schluss möchte ich, neben der Tatsache, dass das gesamte Ende selbst für Fantasy ziemlich unrealistisch ist, noch anmerken, dass auch der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist. Gerade am Anfang machen die Sätze einen ziemlich plumpen Eindruck. Das wird mit der Zeit allerdings besser. Ungefähr in der Mitte des Buches habe ich dann auch bemerkt, dass es im Präsens geschrieben ist und mein Kopf einfach immer nur die Präteritumformen daraus gemacht hat, weil Präsens so ungewöhnlich ist. Sollte das also eine bestimmte Rolle spielen und nicht bloß Zufall sein, ist das an mir vorbei gegangen.
Und ein Kritikpunkt, den ich aber vermutlich eher der Übersetzerin als der Autorin in die Schuhe schieben sollte, ist die Tatsache, dass die Personen nicht immer gleich heißen. Mal heißt die Chorleiterin Miss Dustin, mal heißt sie Miss Justin. Carmens Gastfamilie heißt mal Darley und mal Daley. Da hätte wirklich jemand genauer drüber schauen können.

Fazit:
Die grundlegende Idee der Geschichte ist wirklich gut. Leider scheitert es bei der Umsetzung an allen Ecken und Enden. Die Charaktere sind entweder Freaks oder Klischees. Die Handlung ist entweder verwirrend und sinnlos oder viel zu transparent. An den Schreibstil konnte ich mich allerdings dann doch noch gewöhnen. Insgesamt bekommt „Mercy: Gefangen“ nur enttäuschende zwei Schreibfedern von mir.