Samstag, 30. September 2017

[Rezension] Dass Ich Ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass Du Du bist – Todd Hasak-Lowy


Titel: Dass Ich Ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass Du Du bist
Autor: Todd Hasak-Lowy
Verlag: Beltz
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 651
ISBN: 978-3-407821-71-3
Preis: 18,95 € [D]


Darrens Leben war schon mal besser: seine Eltern haben sich getrennt, sein großer Bruder Nate ist weggezogen und sein Liebesleben befindet sich auf dem Tiefpunkt. Und dann steht eines Morgens sein Dad mit einem Schokodonut in der Küche und eröffnet ihm etwas, das Darren vollends aus der Bahn wirft. Kurzerhand flüchtet Darren für ein verrücktes Wochenende zu Nate und kommt dort der seltsam faszinierenden Zoey näher. Einfacher wird Darrens Leben dadurch aber auch nicht ...


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


4 widersprüchliche Regungen in Darren Jacobs' Brust, die er heftig zu ignorieren versucht, kurz bevor er ein bestimmtes Mädchen aus der elften Klasse um einen echt großen Gefallen bittet.
(Seite 5)


An diesem Buch ist mir als erstes ein Zusatz auf dem Cover ins Auge gesprungen: „Ein Roman in Listen“. Da ich ein absoluter Fan von Listen bin, war ich sehr neugierig, wie der Autor ein gesamtes Buch lediglich in Listen erzählen wollte. Solche besonderen Stilmittel bergen immer die Gefahr, „gut gedacht, aber schlecht gemacht“ zu sein. Tatsächlich ist es bei diesem Buch jedoch der umgekehrte Fall. Mit dem Listen-Stil kam ich wunderbar zurecht. Das Buch ließ sich locker und flüssig lesen, gerade weil nicht jede Seite vollständig bedruckt ist, wenn die Liste nur ein oder zwei Punkte beinhaltet. Außerdem hat der Autor es auf faszinierende Art geschafft, tatsächlich fortlaufende Handlungen zu erzählen. Tagesabläufe, Gedanken, Dialoge und Beschreibungen der Umgebung werden auf ungewöhnliche Weise geliefert. Ich konnte der Handlung folgen und habe alles für die Geschichte Wichtige mitbekommen, obwohl ich Listen mit Spanischvokabeln gelesen habe. In der Umsetzung ist dieses Buch wirklich gelungen.

Leider hat der Autor keine interessante Geschichte zu erzählen gefunden. Die ersten 100 Seiten haben mir noch gefallen, sodass ich einen guten Start ins Buch hatte. Wie der Klappentext bereits erwähnt, steht Darrens Vater eines Morgens in der Küche und teilt ihm etwas mit. Es handelt sich um ein durchaus ernsthaftes Thema, das der Autor sehr sanft behandelt. Darren reagiert mit seinen 15 Jahren sehr reif auf die Eröffnung. Er gibt offen zu, Schwierigkeiten zu haben, das zu verarbeiten. Er informiert sich und stellt Nachforschungen an, um mehr als eine vage Vorstellung zu haben. Er denkt viel über das Thema nach und passt seine Weltsicht dementsprechend an. Das Buch schien mir mit seiner Reife und Sanftheit wunderbar geeignet, um Jugendlichen ein gutes Beispiel zu sein.

Leider ist die Geschichte nach diesem gelungenen Beginn völlig abgestürzt. Es gab kaum noch Handlung, stattdessen folgten ellenlange Listen mit Darrens blühendsten Fantasien. Er beginnt zu rauchen. Sein Bruder, der mir anfangs noch sympathisch war, stellt sich als ununterbrochen high heraus und dreht Darren auch immer wieder Drogen an. Bier trinkt er auch mehr als er sollte. Und eine Menge Listen befassen sich mit sexuellen Handlungen zwischen ihm und verschiedenen Mädchen. Unterbrochen wird der ständige aufgrund seines Alters vollkommen illegale Drogenkonsum nur von Kapiteln, in denen er der verschwundenen Zoey hinterher schmachtet. Natürlich kann das durchaus realistisch sein, aber es ist ansonsten einfach überhaupt gar nichts anderes mehr passiert. Irgendwie ist aus dem schönen Anfang ein oberflächliches Teenager-Selbstfindungs-Zeug geworden – nur ohne die schlussendliche Selbstfindung. Das Buch wurde zäh, langweilig, abgedreht und die restlichen 550 Seiten sind mehr als langatmig gewesen. Es gibt tatsächlich keinen Zielpunkt, kein Fazit worauf diese Geschichte hinausläuft, weder der ernsthafte Anfang noch die betrunkene, bekiffte, voll gequalmte Schmachterei. Die gelungene Umsetzung ist leider völlig verschwendet worden an eine Geschichte, die überhaupt nichts zu erzählen hat.


Ein Buch vollständig in Listenform zu schreiben, ist dem Autor wunderbar gelungen. Das Buch liest sich locker und flüssig und auf faszinierende Art entsteht daraus tatsächlich eine Geschichte. Zu Beginn hat mich auch der Inhalt überzeugt, denn ein ernstes Thema wird sehr sanft, reif und realistisch besprochen. Leider stürzte die Geschichte ziemlich bald völlig ab. Es gab kaum noch Handlung, es ging nur noch um Drogen und Schmachterei. Alles drehte sich im Kreis, wurde langweilig, langatmig und zäh. Die tolle Idee mit den Listen ist an eine fürchterliche, handlungslose Geschichte verschwendet worden. „Dass Ich Ich bin, ist genauso verrückt wie die Tatsache, dass Du Du bist“ bekommt nur wegen der Listen noch zwei Schreibfedern.

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