Donnerstag, 21. September 2017

[Rezension] Moon Chosen 1: Gefährten einer neuen Welt – P. C. Cast


Titel: Moon Chosen – Gefährten einer neuen Welt
Autor: P. C. Cast
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: 21. September 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 700
ISBN: 978-3-841440-14-3
Preis: 19,99 € [D]


Mari gehört zum Stamm der Erdwanderer und ist die Tochter der Mondfrau ihres Clans, Erbin der einzigartigen Heilkräfte ihrer Mutter. Es ist ihre Bestimmung, einmal ihren Platz einzunehmen und die Frauen und Männer des Stammes regelmäßig vom Nachtfieber zu reinigen. Doch sie birgt ein Geheimnis. Und sie fühlt sich noch nicht bereit, ihrem Schicksal zu folgen.
Als ein todbringender Angriff ihre Welt aus den Angeln hebt, enthüllt Mari die Macht ihrer Fähigkeiten und entschließt sich, ihr Volk zu retten. Ihr läuft ein Hund zu, der ihr nicht mehr von der Seite weicht. Ihr neuer Begleiter wird allerdings schon gesucht – von ihren Feinden.
Als Mari dem Sohn des Anführers, Nik, begegnet, verspürt sie ein zuvor nie gekanntes Gefühl. Sie bricht die Gesetze des Clans und verbündet sich mit ihm, um die Kräfte zu besiegen, die sie alle zu zerstören drohen.


- Gefährten einer neuen Welt (Teil 1)
- weitere Teile werden folgen


Ansteckendes Frauengelächter hallte durch den warmen, gemütlichen Bau.
(Seite 7)


Als ich das Buch das erste Mal zur Seite gelegt habe, weil ich keine Lust mehr hatte, es weiter zu lesen, war ich auf Seite 35. Ich denke, das macht schon gut deutlich, was für ein Kampf es war, dieses Buch zu beendet. Die beiden Male, die ich das Buch tatsächlich absichtlich pausiert habe, hat Protagonistin Mari zu verantworten. Generell wird die Geschichte in drei Handlungssträngen geschildert, aber hauptsächlich dreht sie sich um Mari, die daher auch viele Kapitel erzählt. Angeblich soll sie 18 Jahre alt sein, aber sie benimmt sich wie ein höchstens zehnjähriges, quengeliges, trotziges Mädchen, manchmal sogar eher wie ein Kleinkind. Ihre unreife Sprache, das in unendlich vielen Sätzen im Dialog sowie im Erzähltext eingebaute Wort „Mama“, ihre kindliche Sprunghaftigkeit und ihr trotziges Verhalten in Kombination mit ihrer überbeschützenden Helikopter-Mutter haben sie zu einer so anstrengenden Figur gemacht, dass meine Nerven nach dem zweiten Kapitel bereits blank lagen.
Dieses Verhalten hat sich eine ganze Weile nicht geändert. Es ist eher noch schlimmer geworden. Am Höhepunkt ihres trotzigen Verhaltens hatte ich zum zweiten Mal keine Lust mehr auf das Buch. Zum diesem Zeitpunkt weigert sich Mari aus purer Aufmüpfigkeit, ihrem Clan mit ihren einzigartigen Heilkräften zu helfen. Während die Menschen ihres Clan qualvoll leiden, tanzt Mari glücklich und entspannt ihren Namen im Mondlicht. Da konnte ich wirklich nur den Kopf schütteln. Zwar wird sie zum Ende des ersten Bandes erwachsener, allerdings passiert das unbegründet und mit einem Fingerschnippen, sodass dieser Wandel dann auch nichts mehr herausreißen konnte. Zum Glück wurden immer wieder einige Kapitel aus der Perspektive des Gefährten Nik geschildert, sodass ich beim Lesen manchmal Pause von der fürchterlichen Protagonistin hatte.

Leider fand ich die Welt, die die Autorin sich ausgedacht hat, und ihre Implementierung in die Geschichte ebenfalls misslungen. Alle Informationen über den kleinen Ausschnitt der Welt, in dem die Geschichte spielt, sind in die ersten Kapitel gestopft. Es werden drei Clans aus drei unterschiedlichen Stämmen vorgestellt mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihrer Religion und Gesellschaftsstruktur, mit wichtigen Figuren und Krankheiten. Als hätte die Autorin die Steckbriefe in ganzen Sätzen formuliert. Dadurch ist der Anfang des Buches dermaßen mit unzusammenhängenden Informationen überladen, dass ich einfach nur verwirrt war. Nach diesen ersten Kapiteln hatte sich die Vorstellung der Welt dann allerdings vollständig erledigt. Es wurde nichts weiter ausgeführt und über den Tellerrand hinausgeschaut wird nur in zwei Nebensätzen. Die ganze Welt wirkte total unausgereift, weil bis zum Ende dieses ersten Bandes, was immerhin 700 Seiten sind, keine einzige Erklärung geliefert wurde. Aspekte wie das mysteriöse Nachtfieber der Erdwanderer werden wieder und wieder und wieder angesprochen, aber es gibt nicht einmal einen Ansatz zur Erklärung, was das eigentlich ist.
Diese fehlenden Erklärungen sind insbesondere auch deshalb problematisch, weil die Autorin versucht hat, die Fantasygeschichte in ein dystopisches Setting zu stopfen. Schon in den ersten Kapiteln wird erklärt, wie die Sonne sämtliche technologische Errungenschaften zerstört hat, sodass sich die Menschen in die Wälder zurückziehen und ein naturverbundenes Leben beginnen mussten, um zu überleben. Zu diesem dystopischen Setting passen aber weder die merkwürdigen Krankheiten noch die mutierten Tiere noch die geradezu magischen Fähigkeiten noch die ganzen anderen Fantasyaspekte. Da die Autorin sich sämtliche Erklärungen für diese Aspekte gespart hat, wirkt die Welt unrealistisch, unglaubwürdig und inkonsistent.

Neben der Protagonistin und der Welt gab es aber auch noch viele andere Dinge, mit denen ich Schwierigkeiten hatte. Unter anderem gehört dazu die fehlende Geschwindigkeit der Handlung. Nachdem die ersten Kapitel mit Informationen voll gestopft waren, ist die Handlung schnell abgeflacht. Hin und wieder gab es spannende, stringente Handlungsabläufe, aber die wurden meist nur kurz im Nebensatz angerissen. Dazwischen drehte sich die Geschichte im Kreis und kam einfach nicht vom Fleck. Ich habe mich zwischenzeitlich wirklich gelangweilt. Das änderte sich erst spät in der zweiten Hälfte, als sich die Handlungsstränge langsam verbunden haben. Die 450 Seiten Anlaufzeit, die das Buch bis dahin gebraucht hat, waren aber echt langatmig.
Außerdem war an vielen Stellen die Handlung vorhersehbar. Die Autorin hat jedes Mal mit ziemlich deutlichen Hinweisen verraten, was als nächstes passieren würde, wenn es nicht auch so schon offensichtlich war. Da die Ereignisse dann leider auch nicht packend erzählt wurden, hat das dem Buch eine Menge Spannung genommen. Das einzige Mal, das die Autorin mich wirklich überraschen konnte, hat sie den Moment gleich wieder zunichte gemacht, indem sie genau die gleiche Szene mit den gleichen Personen am gleichen Ort direkt im Anschluss noch einmal geschrieben und dabei das vorhersehbare Ereignis hat eintreten lassen.
Nachdem sich die Geschichte eigentlich immer weiter gesteigert hatte, war das Ende dann wieder sehr schwach. Die Handlung hat sich weiter aufgeschaukelt, die Spannung ist gestiegen und die Dramatik hat zugenommen. Und dann wirkte es, als hätte die Autorin sich in einer Sackgasse wiedergefunden, und um die Situation lösen zu können, musste sie irgendein göttliches Wesen erscheinen lassen. Damit ist die Spannung einfach verpufft. Die Hälfte des Endes, die nicht Spannung, sondern Liebesgeschichte war, war da leider auch nicht überzeugender. Das Buch ist wirklich dick, aber trotzdem hat die Autorin die obligatorische Instant-Liebe benutzt, bei der die Charaktere schon beim zweiten Treffen wissen, dass sie unsterblich ineinander verliebt sind und den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen. So war die Liebesgeschichte leider völlig unnötig.


Es war ein Kampf, dieses Buch zu beenden. Einer der Erzähler, Nik, war mir sympathisch. Außerdem gab es hin und wieder spannende Stellen, die insbesondere zum Ende hin auch häufiger wurden. Sonst habe ich leider nur Negatives zu berichten. Protagonistin Mari war einfach fürchterlich, zweimal hätte ich das Buch beinahe abgebrochen, die ersten Kapitel waren völlig konfus und mit Informationen überladen, mehrfach kommt die Handlung nicht vom Fleck, die Fantasygeschichte im dystopischen Setting ist unglaubwürdig, die gesamte Welt wirkt unausgereift, es gibt keine Erklärungen, oftmals ist die Handlung vorhersehbar, das Ende ist schwach und die obligatorische Instant-Liebe unrealistisch. „Moon Chosen: Gefährten einer neuen Welt“ wirkte eher wie ein vorläufiges, konfuses, unausgereiftes Manuskript und bekommt daher nur zwei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Fischer Verlag und bei Lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hallo:)
    ich bin gerade auf Deinen Blog gestoßen und finde ihn richtig schön:)
    schade das Dir dieses Buch nicht so gut gefallen hat, aber ich bin mir sicher, es werden bald wieder bessere Lesestunden auf Dich zukommen:)
    Da mir Dein Schreibstil gefällt, lasse ich mal ein Abo da und würde mich sehr freuen, wenn Du mal bei mir vorbeischaust auf einen Gegenbesuch!
    Mach weiter so.
    http://www.printbalance.blogspot.de
    Liebste Grüße
    Andrea

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    1. Hey Andrea,

      herzlich Willkommen! Und vielen Dank. ;)
      Ich denke auch, dass ich demnächst wieder Bücher lesen werde, die mir mehr zusagen. Es gibt so ein paar Autorin, wie Rick Riordan, die einfach nie enttäuschen, sodass ich im Zweifelsfall ein Buch von ihnen einschiebe, wenn es zu schlimm wird. :D

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

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  2. Interessant wie unterschiedlich die Meinungen zu diesem Buch sind. Mir hat es total gut gefallen. Ich habe Dich unter meiner Rezension verlinkt. Ich hoffe das ist Ok für Dich!
    https://lieblingsleseplatz.wordpress.com/2017/09/27/moonchosen/
    Liebe Grüße,
    Verena

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    1. Hey Verena,

      na klar ist das okay. ;) Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Aber so findet wenigstens jeder etwas.

      Grüße zurück,
      Jenny

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  3. Liebe Jenni! Eine schöne Rezension! Ich würde dich gerne unter meiner Rezension verlinken, wenn es dir nichts ausmacht :)
    Liebe Grüße
    Svenja (https://pantaubooks.wordpress.com/)

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    1. Hey Svenja,
      du darfst mich gerne verlinken, vielen Dank!
      Liebe Grüße,
      Jenny

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