Mittwoch, 27. September 2017

[Rezension] Phoenix 1: Tochter der Asche – Ann-Kathrin Karschnick


Titel: Phoenix – Tochter der Asche
Autor: Ann-Kathrin Karschnick
Verlag: Papierverzierer
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2014
Einband: Softcover
Seiten: 393
ISBN: 978-3-944544-50-2
Preis: 14,95 € [D]


Europa liegt nach einem fehlgeschlagenen Experiment im Jahr 1913 und diversen Kriegen mit Amerika in Trümmern. Mithilfe des damals führenden Wissenschaftlers Nicola Tesla bauten die Saiwalo, eine überirdische Macht, Europa langsam wieder auf. 120 Jahre später erschüttert eine Mordserie Hamburg, die sich niemand erklären kann. Leon, ein Anhänger der Saiwalo und Mitglied der Kontinentalarmee, wird auf die Fälle angesetzt und trifft bei seinen Ermittlungen auf die rätselhafte Tavi. Wer ist sie und wieso ist sie so fest von der Schuld der Saiwalo an den Morden überzeugt?


- Tochter der Asche (Teil 1)
- Erbe des Feuers (Teil 2)
- Kinderder Glut (Teil 3)


Das Experiment hatte alles verändert, dachte Tavi bitter und warf einen gehetzten Blick um die Hausecke.
(Seite 9)


Der Einstieg in die Geschichte ist mir wunderbar gelungen, weil beide Perspektiven sofort interessant waren. Tavi, die das erste Kapitel erzählt, wird als starke, selbstständige Frau dargestellt. Damit ist sie mir direkt ans Herz gewachsen. Leon, der anschließend das zweite Kapitel erzählt, hat mich neugierig gemacht. Da er als Mitglied der Kontinentalarmee unter anderem die Aufgabe hat, Wesen wie Tavi einzufangen, versprach diese Konstellation aus Protagonisten von Anfang an spannend zu werden. Tatsächlich war der spannendste Teil dann aber nicht das Warten auf ihre erste Begegnung, sondern die Tatsache, dass der Leser durch den Perspektivenwechsel weiß, dass Leon Tavi nach Strich und Faden hereinlegt, während Tavi selbst ahnungslos ist. Es war nervenaufreibend, das mitzuverfolgen. Spannung kam zudem auch auf, weil sich sehr schnell herausstellt, dass Leon bestimmte Dinge wahrnehmen kann, die ihm als Sterblichem eigentlich verborgen bleiben sollten. Neben der Frage, wie der Konflikt zwischen ihm und Tavi ausgeht, stellt sich also auch noch die Frage, wer er denn eigentlich wirklich ist.

Auch die Konzeption der Welt hat mir gut gefallen. Die Mischung aus realen Fakten und Fantasy war sehr gut gelungen. Das Buch war viel mehr in der realen Welt verankert als ich erwartet habe, wo die Geschichte der Erde doch spätestens ab 1913 völlig verändert wurde. Doch Personen und Hintergründe haben mich mehrfach damit überrascht, dass sie viel recherchierter und tiefgründiger waren als gedacht. Außerdem waren auch einige Fantasyaspekte sehr interessant, insbesondere die übernatürlichen Wesen, die die Autorin in ihre Geschichte aufgenommen hat, wie Hexen und Phönixe beispielsweise. All diese Wesen waren einmal sterbliche Menschen, die im Augenblick ihres Todes irgendeine Emotion sehr intensiv erlebt haben. Je nachdem, um welche Emotion es sich handelt, beispielsweise Liebe, Zorn oder Hass, erstehen diese Menschen als ein anderes Wesen auf. Die Idee finde ich nach wie vor sehr ungewöhnlich und faszinierend.

Nicht ganz meinen Geschmack getroffen haben eigentlich nur zwei Dinge: es handelt sich fast mehr um einen Krimi als um Fantasy und das Ende war überstürzt. Wie der Klappentext bereits erwähnt, ist Leon mit der Ermittlung bezüglich der Mordfälle beauftragt. Da das seine tagtägliche Arbeit ist, befassen sich viele seiner Kapitel, insbesondere am Anfang, mit Besuchen an Tatorten, Sicherung von Beweismitteln und Zeugenbefragungen. Doch auch Tavi beschäftigt sich mit den Morden, da sie das Gefühl hat, dass sie etwas mit ihr zu tun haben. Das erste Drittel des Buches befasst sich daher im Grunde nur mit Mordermittlungen. Obwohl diese Ermittlungen im späteren Verlauf weitergehen, spielen die Begegnungen zwischen Leon und Tavi sowie die Fantasy-Aspekte dann eine größere Rolle, sodass mich das Buch dann mehr ansprechen konnte. Jedenfalls abgesehen vom Ende, das zwar durchaus spannend und dramatisch ist, aber einige Dinge auch sehr überstürzt. Unter anderem wird die zuvor sehr langsame, unterschwellige Liebesgeschichte plötzlich mittels einer heißen Sexszene zu unsterblicher Liebe. Tavi, die ihr gesamtes Leben nach einem bestimmten Ziel ausgerichtet hat, wirft plötzlich alles über Bord. Und Leons ausgeprägte Verbohrtheit verpufft mit einem Mal. Da hätten mir etwas weichere Übergänge besser gefallen.


Am Anfang liegt mir der Fokus zu sehr auf den Mordermittlungen und am Ende sind einige Dinge etwas überstürzt, aber sonst hat mir das Buch gut gefallen. Beide Protagonisten sind von Anfang an sympathisch und interessant. Gerade Leons Perspektive hat mich neugierig gemacht und war teilweise nervenaufreibend. Außerdem hat mir die Mischung als Realität und Fantasy sehr gut gefallen. Das Buch war recherchierter und mehr in der echten Welt verankert als erwartet. Gleichzeitig waren die Fantasy-Aspekte faszinierend und ungewöhnlich. „Phoenix – Tochter der Asche“ bekommt als interessanter Reihenauftakt vier Schreibfedern von mir.

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