Samstag, 21. Oktober 2017

[Rezension] App „Operation Helix“ zum Roman von Marc Elsberg

Startbildschirm

Name: Operation Helix
Entwickler: Verlagsgruppe Random House GmbH
Kategorie: Spiele > Abenteuer
Preis: 2,99 € [D]

Worum geht’s?
Plötzlich bist du mittendrin: Phil schickt dir eine Nachricht und bittet dich verzweifelt um Hilfe. Er ist Erzieher in einer abgeschirmten Forschungseinrichtung, in der das Verhalten von Kindern studiert wird. Aber mit diesen Kindern stimmt etwas ganz und gar nicht … Phil kann niemandem trauen, seine Kontakte werden überwacht und selbst Polizei und Geheimdienste stecken in der Sache mit drin. Als die Lage im Forschungszentrum eskaliert bist du der Einzige, der ihm jetzt noch helfen kann. Hilf Phil zu entkommen und das Rätsel um die mysteriösen Kinder zu lüften!

Wie funktioniert's?
Es handelt sich um ein interaktives Messenger-Abenteuer. Protagonist Phil hält den Spieler mit Textnachrichten auf dem Laufenden darüber, was in der Forschungseinrichtung passiert. Darin beschreibt er unter anderem immer die aktuelle Situation und seinen derzeitigen Standort. Im Laufe der Geschichte müssen immer wieder Entscheidungen getroffen werden, die der Spieler für Phil übernimmt. Je nachdem, wofür der Spieler sich entschieden hat, geht das Spiel unterschiedlich weiter – bis Phil auffliegt oder das Ziel erreicht hat.

Erste Entscheidung


Wie hat's mir gefallen?

Die Geschichte: Mein persönliches Gefühl ist, dass die Geschichte weder verständlich noch spannend ist, wenn man das Buch „Helix“ von Marc Elsberg nicht gelesen hat. Es wird zwar mitgeteilt, dass es um genetisch modifizierte Kinder geht, aber ansonsten wird sehr an Details gespart. Im Grunde rennt Protagonist Phil nur von einem Versteck ins nächste und beschreibt hin und wieder, dass überall bewaffnete Leute herumstehen. Eine richtige Geschichte entwickelt sich daraus allerdings nicht. Ich habe das Buch gelesen, konnte mir daher die Situation, das Gelände und den Hintergrund des Spiels vorstellen, aber besonders packend oder informationsreich fand ich es auch nicht. Die Idee des Spiels ist nett, aber ein einsam herumschleichender Mitarbeiter, der abwechselnd „Ich weiß nichts. Was soll ich tun?“ und „Es wird geschossen. Was soll ich tun?“ schreibt, reicht bei Weitem nicht aus, um wirklich eine lohnenswerte Storyline zu entwickeln.

Die Entscheidungen: Wirklich interaktiv war die Geschichte nicht, weil die Wahlmöglichkeiten extrem eingeschränkt sind. Es gibt nie mehr als zwei Alternativen. Häufig steht sogar nur eine einzige Möglichkeit „zur Wahl“, die ich dann gezwungenermaßen nehmen musste. Doch selbst, wenn es zwei Alternativen gibt, laufen sie manchmal direkt auf dieselbe Fortsetzung hinaus. Beispielsweise wähle ich A und Phil sagt mir, dass A nicht funktioniert und er jetzt B macht. Da frage ich mich dann, wozu ich überhaupt vor die Wahl gestellt wurde. Außerdem bin ich einmal mit der Mission gescheitert, weil ich Phil gesagt habe, er soll sich verstecken, er aber munter nach draußen marschiert ist. Manchmal sind die getroffenen Entscheidungen also vollkommen irrelevant, weil Phil ohnehin etwas anderes tut. Hinzu kommt, dass die Beschriftung der Alternativen manchmal irreführend oder zusammenhangslos ist. Die Wahlmöglichkeiten werden immer nur mit wenigen Worten beschriftet, während im Chatverlauf dann oft ein ganzer Roman erscheint, der mit den gestellten Fragen oder erteilten Anweisungen auf einen ganz anderen Aspekt hinausläuft als die Beschriftung vorgegaukelt hat.

Die Pausen: Ich bin hin und her gerissen, ob es mir gefällt oder nicht, dass das Spiel in Echtzeit läuft. Echtzeit in dem Sinne, dass wenn Phil „Ich melde mich in 20 Minuten“ sagt, tatsächlich 20 Minuten Zeit vergehen, bevor er die nächste Nachricht schickt. Am Anfang hat mir das noch sehr gut gefallen, allerdings macht Phil meist keine Zeitangaben. Er sagt einfach nur „Bis später“. Dieses Später kann dann zwei Minuten oder auch mal mehr als eine Stunde später sein. Bis es dann endlich weiter ging, hatte ich das Spiel schon wieder vergessen und mir ist erst Stunden später eingefallen, dass ich ja mal die nächste Entscheidung treffen könnte. Zum Teil ist es meine Schuld, weil ich die Benachrichtigungen ausgeschaltet habe, mit denen das Spiel auf sich aufmerksam macht, wenn die unbekannte Wartezeit abgelaufen ist. Zum Teil hatte ich allerdings auch einfach keine Lust mehr, die App zu öffnen, um dann eine oder zwei Entscheidungen zu treffen und dann wieder eine Ewigkeit warten zu müssen. Insbesondere im Mittelteil ist Phil nämlich sehr oft herum geschlichen und hat sich erst aus dem nächsten Versteck wieder gemeldet. Das hat das ganze Spiel sehr zerhackt. Nach einem Update gab es dann die Möglichkeit, die Pausen auszuschalten. Als ich das gemacht hatte, hat es ganze zehn Minuten gedauert, bis ich das komplette Spiel einmal durch gespielt hatte. Dementsprechend finde ich das Verhältnis von Spielzeit zu Wartezeit sehr unausgewogen.

Mission beendet

Fazit
Die Idee ist nett, allerdings wirkt die App noch sehr unausgereift. Für Spieler, die das Buch „Helix“ nicht gelesen haben, wird das Spiel kaum verständlich sein, weil nicht wirklich eine Geschichte entsteht. Inhaltlich ist das Spiel eher nicht lohnenswert. Die Umsetzung hat mir leider auch nicht gefallen. Es gibt immer nur eine oder zwei Wahlmöglichkeiten, wenn man bei einer Alternative überhaupt von einer Wahl sprechen kann. Wenn es zwei Alternativen waren, dann liefen sie manchmal auf dieselbe Fortsetzung hinaus. Manchmal hat Phil die Wahl ganz ignoriert und die Beschriftung war mehrfach irreführend. Zudem ist das Verhältnis von Spielzeit zu Wartezeit sehr unausgewogen, weil das Spiel in Echtzeit läuft und Phil oftmals nach jeder Entscheidung bis zu eine Stunde braucht, bis er sich wieder meldet, sodass die nächste Entscheidung getroffenen werden kann. Das zerlegt das Spiel in viel zu viele Bruchstücke. Als ich die Pausen ausgeschaltet hatte, war ich dann nach zehn Minuten schon durch. Es wird also deutlich länger gewartet als gespielt. Mir hat „Operation Helix“ nicht wirklich Spaß gemacht, daher kann ich es nicht empfehlen und vergebe nur zwei Schreibfedern.


Ich bedanke mich beim Blanvalet Verlag für den Promo-Code.

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