Sonntag, 15. Oktober 2017

[Rezension] Feinde der Zeit – Julie Cross


Titel: Feinde der Zeit
Autor: Julie Cross
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: 22. August 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 540
ISBN: 978-3-841422-10-1
Preis: 16,99 € [D]


Jackson Meyer wirft sich voller Elan in seine Rolle als Agent für Tempest – die geheimnisvolle CIA-Abteilung, die für alle mit Zeitreisen verbundenen Bedrohungen zuständig ist. Trotz seines Kummers darüber, dass er seine große Liebe aufgeben musste, zeigt Jackson, dass er ein hervorragender Agent ist – auch ohne, das er seine eigenen Kräfte nutzt und durch die Zeit springt. All das ändert sich jedoch, als Holly erneut in sein Leben tritt. Dann wird plötzlich Eyewall, eine gegnerische CIA-Abteilung, aktiv. Die Mitarbeiter von Tempest werden angegriffen und müssen fliehen. Jackson erkennt, dass die Welt um ihn herum sich verändert hat. Jemand weiß von seiner ausgelöschten Beziehung zu Holly, so dass sie beide wieder in Gefahr sind.


- Sturz in die Zeit (Teil 1)
- Feinde der Zeit (Teil 2)
- Sturmder Zeit (Teil 3)


Ohne die Erinnerungsbilder, die in mir aufblitzten, hätte ich wohl nie die Kraft gefunden, von dieser Stelle im Gras aufzustehen und mich weiter von Holly zu entfernen.
(Seite 7)


Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an direkt wieder gepackt. Auch nach zwei Jahren Pause zwischen diesem und dem ersten Teil hatte ich keinerlei Probleme, sofort wieder in die Handlung einzusteigen. Durch Jacksons Ausbildung und sein Tagebuch werden alle Irrungen und Wirrungen der bisherigen Geschehnisse noch einmal wiederholt und systematisch veranschaulicht. Es gibt sogar Abbildungen von Zeitstrahlen, um deutlich zu machen, in welcher Reihenfolge und zu welcher Zeit Jackson von einer Welt in eine andere gesprungen ist. Zudem lernt er in der Ausbildung mehr Details über Zeitreisen, sodass seine vollen Sprünge sowie die Halbsprünge genauer erklärt werden. Damit wird der komplexe Teil über Zeitreisen so weit veranschaulicht, dass ich alles verstehen und nachvollziehen konnte, obwohl ich mich kaum noch an den ersten Band erinnern konnte. Das ist der Autorin wunderbar gelungen. Und die verschiedenen Methoden der Darstellung, beispielsweise den unterschiedlichen Parallelwelten verschiedene Namen zu geben, werden durch das ganze Buch immer weiter verwendet, sodass es kein Problem ist, den neuen Erkenntnissen und wechselnden Welten und Daten zu folgen. Ein gewisses Grundmaß an Verwirrung bleibt nur dadurch bestehen, dass selbst Jackson nicht zweifelsfrei sagen kann, durch wie viele Welten er nun eigentlich gesprungen ist. Ich als Leser wurde also lediglich auf dem gleichen Niveau der Unsicherheit gehalten, das auch bei den Charakteren vorherrscht.

Auch unabhängig von den Erklärungen zu den Zeitreisen war die Handlung anfangs spannend. Jacksons Ausbildung bei der CIA war interessant beschrieben und die unterschiedlichen Missionen, die er durchführen musste, waren jedes Mal packend, weil sie manchmal doch etwas aus dem Ruder gelaufen sind. Zudem tritt immer wieder die gegnerische CIA-Abteilung Eyewall in Erscheinung. Während Jacksons Abteilung Tempest vollständig bekannt ist, weiß er über Eyewall-Agenten nur sehr wenig. Dadurch gab es immer wieder überraschende Momente, wenn ein neuer Agent enttarnt wurde. Wie in jeder CIA-Geschichte gibt es aber natürlich auch hier Doppelagenten und Personen, die eigentlich nur ihr eigenes Interesse verfolgen. Bis zum Schluss war daher nie klar, welche Person offiziell zu welcher Abteilung gehört, welche Person heimlich für wen arbeitet, wer wie viel weiß und manchmal sogar, aus welcher Zeit die jeweilige Person stammt. Zugehörigkeiten und Absichten hat die Autorin sehr gut verschleiert und zusätzlich immer wieder Situationen geschaffen, in denen sich doch wieder alles geändert hat.

Nichtsdestotrotz war das Buch am Schluss etwas handlungsarm. So spannend Jacksons Ausbildung am Anfang auch war, sie hat irgendwie kein Ende gefunden. Zwar gab es dramatische Missionen, aber keine davon hat die Geschichte tatsächlich weiter gebracht. Nach zwei Dritteln hatte ich das Gefühl, dass die Handlung stecken geblieben ist. Es folgte eine Auseinandersetzung zwischen Tempest und Eyewall nach der anderen. Die Feinde der Zeit selbst, also die anderen Zeitreisenden, sind kaum aufgetaucht. Zwar folgen noch einige Entwicklungen und zum Schluss gibt es einen dramatischen Showdown, aber für meinen Geschmack standen sich etwas oft einfach junge CIA-Agenten gegenüber oder Jackson hat sich ununterbrochen Gedanken um Holly gemacht. Im letzten Drittel hätten es daher durchaus einige Seiten weniger sein dürfen, um die Spannung aufrecht zu erhalten.


Der Einstieg in die Geschichte fiel mir trotz langer Pause sehr leicht. In seinem Tagebuch veranschaulicht Jackson systematisch die bisherigen Ereignisse und legt dazu sogar Abbildungen an. Zudem vermittelt ihm die Ausbildung neues Wissen und mehr Details zu den Zeitreisen. Dieser komplexe Aspekt wird sehr anschaulich und verständlich dargestellt. Zudem war die Handlung spannend. Es gab packende Auseinandersetzungen, überraschende Erkenntnisse und die Autorin hat viele Dinge gut verschleiert. Lediglich im letzten Drittel blieb die Handlung zwischenzeitlich stecken. „Feinde der Zeit“ war nicht ganz so gut wie der erste Band und bekommt daher vier Schreibfedern.

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