Sonntag, 29. Oktober 2017

[Rezension] Mythos Academy 1: Frostkuss – Jennifer Estep


Titel: Mythos Academy - Frostkuss
Autor: Jennifer Estep
Verlag: IVI
Erscheinungsdatum: 12. März 2012
Einband: Softcover
Seiten: 373
ISBN: 978-3-492702-49-2
Preis: 14,99 € [D]


Im Mittelpunkt der Serie steht die 17-jährige Gwen Frost, die über ein außergewöhnliches Talent verfügt: Sie besitzt die »Gypsy-Gabe« – bei der eine einzige Berührung ausreicht, um alles über einen Gegenstand oder einen Menschen zu wissen. Doch dabei spürt Gwen nicht nur die guten Gefühle, sondern auch die schlechten und die gefährlichen. Auf der Mythos Academy soll sie lernen, mit ihrer Gabe sinnvoll umzugehen. Aber was Gwen nicht weiß: Die Studenten werden dort ausgebildet, um gegen den finsteren Gott Loki zu kämpfen. Und obwohl sie der Meinung ist, an der Mythos Academy nichts verloren zu haben, erkennt Gwen bald, dass sie viel stärker ist als gedacht und all ihre Fähigkeiten brauchen wird, um gegen einen übermächtigen Feind zu bestehen.


- Frostkuss (Teil 1)
- Frostfluch (Teil 2)
- Frostherz (Teil 3)
- Frostglut (Teil 4)
- Frostnacht (Teil 5)
- Frostkiller (Teil 6)


„Ich kenne dein Geheimnis.“
(Seite 7)


Obwohl ich die Idee der Geschichte am Anfang noch ganz interessant fand, war vom ersten Kapitel an die enorme Ladung Klischees, die dieses Buch bedient, nicht zu übersehen. Gwen ist eine siebzehnjährige Protagonistin, deren Leben sich drastisch ändert, nachdem ihre Mutter gestorben ist und sie zur Waise wird (abgesehen von der Großmutter). Sie liebt Comics, läuft nur in Kapuzenpullovern herum und hat nicht besonders viel Geld. Das fällt natürlich besonders auf, als sie neu auf die Mythos Academy kommt, wo alle Schüler reich und mächtig sind, stets nur die neusten Designerklamotten tragen und dazu allerhand echten Schmuck. Außerdem sind alle auf der Mythos Academy Nachfahren von großen Kriegern, während Gwen nur ihre Gypsy-Gabe hat. Daher hat sie das Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, überhaupt nicht auf diese Schule zu gehören und besser zu sein als ihre mit Geld vollgepumpten Mitschüler. Damit besteht die ganze Konzeption der Geschichte schon nur aus Klischees und Stereotypen. Hinzu kommt in der Handlung dann beispielsweise noch, dass Gwen mehrfach zufällig mit dem geheimnisvollen, gefährlichen Bad Boy in Lederjacke zusammenstößt, in den sie sich natürlich Hals über Kopf verliebt – obwohl sie weiß, dass er die Matratzen der Mädchen signiert, mit denen er schon geschlafen hat. Und so weiter. Die Autorin hat wirklich jedes einzelne Jugendbuch-Klischee bedient, das mir einfällt. Das machte das Buch langweilig, die Handlung vorhersehbar und die Geschichte abgenutzt.

Relativ bald wurde auch der Schreibstil anstrengend. Die unzähligen Wiederholungen gingen mir unfassbar auf die Nerven. Teilweise klang Gwen wirklich wie eine kaputte Schallplatte. Besonders schlimm waren ihre Begegnungen mit den Statuen. Wenn Gwen an einer Statue einer Person oder eines mythischen Wesens vorbei geht, hat sie das Gefühl, dass diese Statue lebendiger ist als sie sein sollte. Sie fühlt sich beobachtet und befürchtet, die Statue könnte jeden Moment zum Leben erwachen, um sie zu vernichten. Diese Gefühle werden jedes Mal ausführlich mit annähernd der gleichen Wortwahl beschrieben, wenn Gwen an einer Statue vorbei geht. Und in der Mythos Academy stehen überall unzählige Statuen, sodass ich diesen Absatz gefühlt mehrere Dutzend Mal lesen musste. Dasselbe gilt beispielsweise auch für Personen mit purpurfarbenen Augen. Jedes Mal, wenn diese Personen auftauchen, muss die Augenfarbe nochmals erwähnt werden und dass sie zwischen Purpur und Grau liegt und Gwen an die Dämmerung erinnert. Jedes einzelne Mal. Und dann erzählt sie natürlich auch noch von ihrer Gypsy-Gabe, ihre Psychometrie, ihrer Fähigkeit, Dinge anzufassen und alles darüber zu wissen, ihrer Fähigkeit zu sehen und so weiter. Fast auf jeder Seite wird das einmal angesprochen und Gwen nutzt nie nur einen einzigen Begriff, sondern klatscht jedes Mal eine unendliche Liste von Synonymen dahinter.
Diese Wiederholungen beschränken sich aber nicht auf die Beschreibungen von Personen, Objekten oder Gefühlen, sondern betreffen auch die Handlung. In mehreren Situationen funktioniert zum Beispiel Gwens Gabe überraschenderweise nicht. Die Situationen erlebt der Leser immer gemeinsam mit Gwen. Das scheint die Autorin aber vergessen zu haben, denn wann immer Gwens Gypsy-Gabe einen Aussetzer hat, wird jede einzelne Situation aufgelistet, in der das bisher schon einmal passiert ist. Dabei wird ebenfalls ein beinahe identischer Wortlaut verwendet. Zusammenfassungen der bisherigen Handlung finden sich damit in so gut wie jedem Kapitel.

Wenn alle Wiederholungen der bisherigen Handlung oder Wiederholungen der Beschreibungen aus dem Buch gestrichen werden würden, würden kaum mehr als 100 Seiten übrig bleiben. Das macht einen weiteren Kritikpunkt am Buch deutlich: Es hat keine Handlung. Nachdem auf den ersten Seiten die beliebteste Schülerin der Schule ermordet wurde, hört die Handlung auf. Gwen schleicht ein bisschen herum, verliebt sich in den Bad Boy, zieht gedanklich über ihre Mitschülerinnen her und verleugnet beharrlich alle übernatürlichen Vorkommnisse. Auf den letzten Seiten folgt dann noch eine vorhersehbare, schnelle und langweilige Auflösung. Die Handlung des Buches, die nichts mit Gwens stereotypem Teenager-Verhalten zu tun hat, lässt sich in einem Satz zusammenfassen.
Wenn dieser Mangel an Handlung wenigstens durch Erklärungen oder Informationen, die Gwen in dieser auch für sie neuen Welt erfahren muss, kompensiert worden wäre, wäre das Buch deutlich interessanter gewesen. Leider ist Gwen deutlich minderbemittelt, sodass sie sich mit solchen Dingen gar nicht auseinandersetzt. Sie hat eine eindeutig übernatürliche Gabe und geht auf eine Schule mit Jugendlichen, die übernatürlich stark und schnell sind und Magie beherrschen. Aber bis fast zum bitteren Ende beharrt Gwen darauf, dass sie nicht an Götter, Magie und Mythen glaubt. Aus diesem Grund hört sie im Unterricht nie zu, sodass auch ich als Leser keinerlei Informationen erhalten habe – außer, dass Gwen nicht zuhört, weil sie das alles lächerlich findet. Zudem versteht sie im Grunde nie die Zusammenhänge, blickt überhaupt nicht durch, hat eine völlig verdrehte Vorstellung von Moral und steht selbst bei Offensichtlichkeiten noch unfassbar lange auf dem Schlauch. Damit kommt die Geschichte natürlich auch auf Ebene der Informationen überhaupt nicht vom Fleck.


Dieses Buch ist vom Deckel bis zur Rückseite mit Klischees und Stereotypen vollgestopft, hat bis auf die ersten und letzten Seiten keine nennenswerte Handlung, wird erzählt von einer minderbemittelten, um nicht zu sagen strohdummen, Protagonistin und beinhaltet unzählige wortwörtliche Wiederholungen von Beschreibungen und Situationen. Lesevergnügen war da leider keines zu finden. Ich fand das Buch langweilig, abgenutzt und vorhersehbar, konnte überhaupt keine Spannung finden und war spätestens in der Mitte einfach nur noch unfassbar genervt. „Mythos Academy 1 – Frostkuss“ war eine Katastrophe und bekommt dafür nur eine Schreibfeder.

Kommentare:

  1. Grüße,

    schade das dir das Buch nicht gefallen hat. Ich selber habe es geliebt und fand Gwen und Logan toll. Die Sache mit den Statuen oder den Augen ist mir dabei gar nicht so aufgefallen.
    Naja Geschmäcker sind zum Glückv erschieden, sonst wäres ja langweilig ^^
    Hoffe du erwischt das nächste mal ein Buch das eher etwas für dich ist. :)

    Tintengrüße von der Ruby

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Ruby,

      ich habe das Gefühl, dass ich einfach schon zu alt für die ganz klischeelastigen Jugendbücher bin und zu viel in die Richtung gelesen habe. Ich bin mir sicher, wenn du mir das Buch vor fünf Jahren in die Hand gedrückt hättest, wäre ich begeistert gewesen. Aber so war es für mich eine einzige Enttäuschung. Du hast aber recht, es ist natürlich gut, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. :)

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

      Löschen

Hinweise zum Datenschutz: Mit dem Verfassen eines Kommentars sowie dem Abonnement weiterer Kommentare stimmst du der Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten (z. B. IP-Adresse) zu. Weitere Hinweise finden sich in der Datenschutzerklärung sowie der Datenschutzerklärung von Google.