Mittwoch, 25. Oktober 2017

[Rezension] Phoenix 2: Erbe des Feuers – Ann-Kathrin Karschnick


Titel: Phoenix – Erbe des Feuers
Autor: Ann-Kathrin Karschnick
Verlag: Papierverzierer
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2014
Einband: Softcover
Seiten: 465
ISBN: 978-3-944544-51-9
Preis: 14,95 € [D]


In Paris haben sich die Seelenlosen zu einem Untergrund formiert, der das aus den Fugen geratene Weltsystem bekämpft. Nur wo hört das Verteidigen auf und wo beginnt ein Krieg auf Grund von Diskriminierung und Rassenhass? Außerdem treibt ein Mörder sein Unwesen und meuchelt die Seelenlosen selbst dort, wo sie sich als Gemeinschaft versteckt halten. Niemand scheint mehr sicher zu sein. Befindet sich der Feind etwa in den eigenen Reihen? Und wenn ja, kann man ihn dann trotz seiner übernatürlichen Kräfte aufhalten?


- Tochter der Asche (Teil 1)
- Erbe des Feuers (Teil 2)
- Kinder der Glut (Teil 3)


„Sie werden da sein!“
(Seite 9)


Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

In der Rezension zum ersten Band der Reihe habe ich bereits erwähnt, dass mich die Liebesgeschichte zwischen Tavi und Leon am Ende nicht mehr vollständig überzeugen konnte. Leider muss ich sagen, dass sie mich in diesem Buch endgültig verloren hat. Einzeln mag ich die beiden Erzähler noch immer und finde ihre Handlungen und Entwicklungen spannend. Doch sobald sie miteinander interagieren oder über ihre Liebe nachdenken, wurden sie unausstehlich. Tavi wirkt die meiste Zeit ziemlich gefühlskalt. Von ihrer Liebe zu Leon ist gar nichts zu spüren, auch wenn sie sie hin und wieder erwähnt. Sie wirkt oft gleichgültig ihm gegenüber, außer wenn er in Gefahr ist. Sobald er verletzt oder entführt ist, handelt sie vollkommen hirn- und planlos. Hexe Katharina sagt sehr passend, dass sie sich verhält wie eine Siebzehnjährige. Erfolgversprechende Pläne, jahrtausendelange Beherrschung und mächtige Verbündete werden einfach über Bord geworfen und sie stürzt sich kopfüber in eine Dummheit nach der anderen. Scheinbar hat sich überhaupt nichts daraus gelernt, dass dieses Verhalten ihn beim ersten Mal das Leben gekostet hat. Leon dagegen ist ständig eifersüchtig und extrem besitzergreifend. Die ganze Zeit himmelt er Tavi an, nur um dann schon bei absoluten Nichtigkeiten an ihrer Beziehung zu zweifeln. Er kann in Herzen sehen und weiß, was die Menschen um ihn herum fühlen, aber er stürzt in ein bodenloses Loch der Verzweiflung, nur weil sich Tavi mit einem anderen Mann unterhält. Ich habe versucht, den Gefühlen der beiden zu folgen, aber ihr Verhalten ist völlig maßlos. Das konnte mich wirklich gar nicht überzeugen.

Ein weiteres Problem, das ich mit dem Buch hatte, betrifft die Vorhersehbarkeit. Den groben Rahmen dieses Bandes habe ich zwar erst gemeinsam mit den Charakteren durchschaut, aber viele Details waren lange vor der Auflösung offensichtlich. Das betrifft vor allem vermeintlich überraschende Enthüllungen rund um die Personen. Die Anzahl der tiefer elaborierten Charaktere ist so gering, dass ich selbst aus vermeintlich nichtssagenden Informationen immer schon ableiten konnte, um wen es geht. Wenn es einen männlichen Informanten gibt und im bisherigen nur ein Mann mit mehr als seinem Namen genannt wurde, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ihn handelt. Wenn eine junge Frau gesucht wird und in einem ganz anderen Kontext eine junge Frau auftaucht, dann muss ich keine Hexe sein, um zu wissen, dass es wohl dieselbe Person ist. Wenn nur eine einzige weibliche Jägerin genauer bekannt ist und dann eine weibliche Jägerin angekündigt wird, dann weiß ich ziemlich sicher schon bei der Ankündigung, wer gleich durch die Tür treten wird. Die wenigen auftauchenden Charaktere sind alle vielschichtig, gut ausgebaut und greifbar, nur geht das leider auf Kosten von Überraschung und Dramatik, wenn ich die große Offenbarung des Epilogs schon hunderte Seiten vorher erraten habe.

In allen anderen Aspekten hat mir das Buch aber gut gefallen. Es gibt jede Menge Handlung, weil die Welten der Menschen und der Seelenlosen zunehmend aufeinander treffen. Ohne Rücksicht aufeinander verfolgen sie dabei jeweils ihre eigenen Ziele. Damit gibt es keine Gruppe, der sich Tavi und Leon anschließen können. Stattdessen müssen sie an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen. Mit Paris hat die Handlung außerdem ein neues Setting, das den Rahmen der Geschichte vergrößert. Zum einen wird damit das geeinte Europa greifbarer, zum anderen werden interessante neue Charaktere eingeführt. Bei der Gelegenheit gab es auch viele neue Informationen über die verschiedenen übernatürlichen Wesen wie Dschinns, Banshees und Eisriesen. Interessant war die Geschichte damit von Anfang an. Außerdem hat sie mich neugierig gemacht, weil ich genau wie Tavi lange nicht wusste, welche Geheimnisse der Untergrund hat. Ihr eigentliches Ziel sowie der Weg dahin haben mich wirklich überrascht. Es gibt immer noch viele ungeklärte Fragen und Rätsel, sodass ich mich schon auf den letzten Band freue.


Grundsätzlich hat mir das Buch gefallen. Es gibt ein neues Setting, interessante neue Informationen und spannende neue Charaktere. Mehrfach konnte mich die Handlung überraschen. Leider waren Enthüllungen bezüglich der Personen meist sehr offensichtlich. Weil nur wenige Charaktere genauer vorgestellt werden, haben selbst nichtssagende Andeutungen wie Geschlecht und/oder Alter schon verraten, um wen es sich handelt, auch wenn der Name erst viele (manchmal hunderte) Seiten später genannt wurde. Außerdem ist die Liebesgeschichte zunehmend schrecklicher geworden. Beide Figuren verhalten sich völlig maßlos – Tavi abwechselnd gefühlskalt und hirnlos, Leon extrem eifersüchtig und übertrieben dramatisch. Da mir „Phoenix – Erbe des Feuers“ nicht ganz so gut gefallen hat wie der ersten Band, vergebe ich drei Schreibfedern.

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