Montag, 20. November 2017

[Rezension] Bokeh: Schönheit der Unschärfe – Chris P. Rolls


Titel: Bokeh – Schönheit der Unschärfe
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 09. März 2013
Einband: Softcover
Seiten: 135
ISBN: 978-1-482706-54-3
Preis: 7,00 € [D]


„Nenn mich eine Schlampe und ich lache dir ins Gesicht! Denn ja: Das bin ich. Aber ich bin erfolgreich, ich verdiene gut, ich habe ein tolles Leben. Das ist eben der Preis, den man zahlen muss. Mein Name ist Joschi Teschner. Du hast ihn bestimmt schon mal gehört ...“
Erfolgsverwöhntes Supermodel, androgyn, selbstbewusst und reichlich arrogant: das ist Joschi, wie er sich der Welt präsentiert. Hinter dieser Fassade steht jedoch ein unglücklich verliebter junger Mann. Verliebt in den ebenso erfolgreichen Fotografen Dirk Landers, der allerdings nichts außerhalb des Fokus' seiner Kamera wahrzunehmen scheint. Zwei Männer, die alle Gefühle gekonnt hinter ihrer Professionalität verbergen. Ein neuer Auftrag führt sie in der Ukraine zusammen ...


Das Buch ist kein Teil einer Reihe. Es werden aber Charaktere beispielsweise aus der Irgendwie-Reihe und „Mecklenburger Winter“ erwähnt.


Ich bin eine Schlampe.
(Seite 5)


„Bokeh – Schönheit der Unschärfe“ ist eine nette Geschichte für zwischendurch, mehr aber auch nicht. Wer ein Fan der Autorin ist und ihre anderen Bücher aus dem Universum gelesen hat (die Irgendwie-Reihe und „Mecklenburger Winter“), bekommt in diesem Buch einige Zusatzinformationen zu Model Joschi und Fotograf Dirk. Wer die andere Bücher nicht kennt oder eine richtige Geschichte erwartet, wird allerdings enttäuscht werden. Das Buch eignet sich eher als Informationsquelle als als schön zu lesende Gay Romance.
Es handelt sich eigentlich nicht einmal wirklich um ein Buch, sondern eher um eine Sammlung der Szenen, die relevant sind, um zu erklären, wie Joschi und Dirk zueinander finden. Jegliche Handlung, die die Liebesgeschichte nicht voranbringt, wird übersprungen. Spannung und Überraschung fehlen damit komplett. Denn auch wenn Szenen beschrieben werden, in denen Joschi und Dirk Zeit miteinander verbringen, dreht sich fast immer alles um die Arbeit und die oberflächlich beschriebenen Fotoshootings sind nicht wirklich interessant. Tiefe und Details fehlen im Grunde in der ganzen ersten Hälfte des Buches. Erst ab der Mitte werden die Beschreibungen weniger oberflächlich, allerdings gibt es dafür fast nur noch Sexszenen. Da ist es mit der ohnehin dürftigen Handlung nicht mehr weit her.

Die Charaktere haben mir aber gut gefallen, auch wenn Joschi ziemlich arrogant ist. Es dauerte eine Weile, bis er mir sympathischer wurde, weil er die Maske oft und lange aufrecht erhält. Erst die Einblicke in seine Vergangenheit und seine wahren Gedanken und Gefühle ließen ihn weicher erscheinen. Ab dem Zeitpunkt hat er mir aber gut gefallen. Dirk dagegen fand ich sofort wunderbar. Natürlich habe ich ihn nur doch Joschis rosarote Brille wahrgenommen, aber er hat es mir von Anfang an angetan. Aus seiner Perspektive hätte ich das Buch oder zumindest einige Teile auch gerne gelesen, dann wäre es vielleicht auch inhaltlich angereichert gewesen. Dennoch hat mir auch Joschis Perspektive zugesagt, da ich mit ihm meine Begeisterung für Dirk teilen konnte.


Für Fans der Werke von Chris P. Rolls ist das Buch eine nette Quelle für Zusatzinformationen über Joschi und Dirk. Es handelt sich dabei eher um eine Szenensammlung als um eine Geschichte. Zudem fehlen Details, Tiefe und Spannung, sodass das Buch tatsächlich eher auf sachlicher Ebene Mehrwert hat. Lediglich die Sexszenen, die die zweite Hälfte des Buches einnehmen, sind ausführlich und detailliert wie gewohnt. Leser, die eine schöne Gay Romance suchen oder Alex, Kai und Co. nicht kennen, werden mit dem Buch eher nicht glücklich werden. „Bokeh – Schönheit der Unschärfe“ enthält Fakten, aber kaum Emotionen, und bekommt daher drei Fan-Schreibfedern.

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