Sonntag, 26. November 2017

[Rezension] Iskari 1: Der Sturm naht – Kristen Ciccarelli


Titel: Iskari – Der Sturm naht
Autor: Kristen Ciccarelli
Verlag: Heyne fliegt
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2017
Einband: Hardcover
Seiten: 409
ISBN: 978-3-453271-23-4
Preis: 16,99 € [D]


Asha ist die Iskari, die Todbringerin. Mutig wie niemand sonst kämpft sie gegen die Drachen, die Feinde ihres Landes, und vernichtet sie. Doch sie hat noch einen Feind: Jarek, Kommandant des Königs und in sieben Tage ihr Ehemann. Es gibt nur einen Weg, der Hochzeit zu entgehen: wenn sie den mächtigsten aller Drachen bezwingt. Eine unlösbare, tödliche Aufgabe. Da findet Asha einen unerwarteten Verbündeten. Jemand, der sie noch nicht einmal ansehen dürfte: Torwin, der geheimnisvolle Sklave Jareks ...


- Der Sturm naht (Teil 1)
- The Caged Queen (dt. unbekannt; Teil 2)
- The Soul Thief (dt. unbekannt; Teil 3)


Asha lockte den Drachen mit einer Geschichte an.
(Seite 7)


Dieses Buch hat auf so vielen Ebenen überrascht und an der Nase herumgeführt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Als erstes aufgefallen ist mir die ungewöhnliche Protagonistin. Prinzessin Asha hat als kleines Mädchen durch das streng verbotene Erzählen einer alten Geschichte einen Drachen angelockt, der ihre Heimatstadt mit einem Flammenmeer vernichtet hat. Niemand in der Stadt hat nicht mindestens ein Familienmitglied oder einen guten Freund durch den Angriff verloren. Dazu zählt auch ihr zukünftiger Ehemann Jarek, dessen Eltern im Feuer umkamen. Aus diesem Grund hassen und fürchten die Einwohner der Stadt Asha. Alle weichen ihr aus, niemand kann sie ansehen. Und Asha hasst sich selbst ebenso, obwohl sie sich trotzdem nach Kräften bemüht, ihre unendliche Schuld abzutragen. Dass sie tatsächlich nicht aufgrund ihrer Position sondern aufgrund ihrer Person vom Volk gehasst wird, ist in meinen Augen eine sehr ungewöhnliche Konstellation.
Nicht alltäglich sind auch die anderen Figuren des Buches: Ashas Bruder, der Thronfolger, wurde im Ausland „geparkt“, weil jeder ihn schon von Kindesbeinen an für zu dumm hielt, um eines Tages den Thron zu besteigen. Ashas Cousine stammt zur Hälfte von der Königsfamilie und zur Hälfte vom Sklavenvolk ab und darf Asha deshalb weder ansehen noch berühren, obwohl die beiden sich relativ nahe stehen. Kommandant Jarek ist kaum älter als Asha, hat aber schon genug Macht über die Armee, um jederzeit einen Putsch gegen den König lostreten zu können. Und Torwin, Jareks Sklave, weiß mehr über Drachen als er sollte. Letztendlich wissen all diese Figuren jedoch mehr als einmal zu überraschen. Ich habe sie durch Ashas Augen wahrgenommen und ihre Perspektive akzeptiert, weil alles wunderbar stimmig war. Das hat einige falsche Vorstellungen in mir geweckt.

Gefallen hat mir auch, wie nach und nach die Welt erklärt wurde, wie Aussagen und Handlungen im Nachhinein mit Sinn versehen wurden, ohne dass die Handlung für Erklärungen unterbrochen wurde. Zwischen den Kapiteln mit der Handlung sind nämlich immer wieder die alten Geschichten eingestreut, die Asha den Drachen erzählt, um sie anzulocken. In diesen Geschichten wird von der Vergangenheit berichten, von großen Helden, von Liebe und Verrat. Sie erklären, welche Ereignisse und welche Personen die Vergangenheit geprägt und das Land zu dem gemacht haben, was es ist. Es sind wahre Begebenheiten, von denen Asha erzählt, die jedoch wie Mythen und Legenden klingen. Dadurch hat die Autorin ein fantastisches Setting voll uralter Magie geschaffen, es gleichzeitig aber vermieden, diese Erklärungen und Entwicklungen immer während der aktuellen Handlung erläutern zu müssen. Deshalb entwickelt sich die Geschichte schnell weiter und ist von Anfang an spannend.

Der am Ende bruchstückhafte Spannungsbogen ist allerdings auch der einzige Kritikpunkt, den ich an dem Buch habe. Als er nämlich eigentlich abgeschlossen war, ist er künstlich immer noch mal und noch mal erweitert worden, wobei der Rausch der Geschichte aber schon vorbei war. Es gab gegen Ende mehrere Situationen, nach denen Jugendbücher typischerweise abbrechen, um auf den folgenden Band neugierig zu machen. Doch jedes Mal, wenn ich in Erwartung des Endes umgeblättert habe, folgte noch ein weiteres Kapitel. Das Ende kam einfach nicht. Ich bin aus der Geschichte aufgetaucht, habe mich beruhigt und entspannt und plötzlich ging es aber doch noch weiter. Das war mehrfach der Fall, sodass die letzten Kapitel sich für mich recht holprig gelesen haben. Es ist ein paar Mal zu oft mit der Spannung abgeschlossen worden, um sie dann doch noch mal in die Höhe treiben zu wollen.


Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Ich habe mich ganz auf Ashas Perspektive eingelassen und bin dadurch mehrfach an der Nase herumgeführt worden. Generell haben mir besonders die Charaktere gut gefallen. Asha, die vom Volk gehasst wird, ist eine ungewöhnliche Protagonistin, aber auch die Nebencharaktere stehen ihr um nichts nach. Auch das magische Setting voller Mythen und Legenden hat mich angesprochen, denn die Vergangenheit der Welt und ihre Eigenheiten werden durch zwischen den Kapiteln eingestreute Geschichte erklärt. Einzig des Ende war etwas holprig, weil der Spannungsbogen abgeschlossen war, das Ende aber noch einige Situationen hinausgezögert wurde. Insgesamt steckte „Iskari – Der Sturm naht“ voller Überraschungen und bekommt dafür vier Schreibfedern.


Herzlichen Dank an den Verlag Heyne fliegt und das Bloggerportal Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

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