Montag, 18. Dezember 2017

[Rezension] Die Wahrheit über Alice – Rebecca James


Titel: Die Wahrheit über Alice
Autor: Rebecca James
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 01. Februar 2012
Einband: Softcover
Seiten: 316
ISBN: 978-3-499255-07-6
Preis: 8,99 € [D]


Kein Feind kann dir so wehtun wie deine beste Freundin.
An ihrer Schule ist Katherine die Außenseiterin. Unauffällig, immer allein, mit niemandem befreundet. Der Grund: Keiner darf ihr Geheimnis erfahren. Erfahren, was mit ihrer Schwester Rachel geschah. Doch dann lädt Alice Katherine zu ihrer Party ein. Die schöne, strahlende Alice, das beliebteste Mädchen der Schule. Es tut gut, eine Freundin zu haben. Doch nach und nach wird Alice immer merkwürdiger. Selbstsüchtiger. Grausamer. Und Katherine muss erkennen, dass ihre neue Freundin nach eigenen Regeln spielt ...


Das Buch ist kein Teil einer Reihe.


Ich war nicht auf Alice' Beerdigung.
(Seite 9)


Von diesem „Superdebüt“ (Für Sie), das „voll den Nerv“ (Brigitte) trifft und „weltweit in 36 Länder verkauft“ (Rowohlt) wurde, war ich auf Seite 51 dermaßen genervt, dass ich den Rest nur noch überflogen habe. Die Geschichte beginnt damit, dass die zurückgezogene Katherine, die lieber für sich allein ist und dementsprechend auch keine Freunde hat, vom hübschesten und beliebtesten Mädchen der Schule zu ihrer Party eingeladen wird. Wie diese vermeintlich unrealistische Situation zustande kommt, wird später zwar noch erklärt, Katherines Reaktionen jedoch nicht. Obwohl sie einfach nur allein sein möchte, sagt sie zu. Und das nicht nur für die Party, sondern auch gleich für das Treffen vorher, bei dem sie sich gemeinsam fertig machen wollen. Es dauert ungefähr eine Stunde, dass sind sie die dicksten Freundinnen – obwohl sie vorher nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Dass Alice zwar charismatisch, aber auch aufdringlich, arrogant, narzisstisch und berechnend ist, geht an Katherine irgendwie völlig vorbei. Für mich las sich diese ganze Freundschaft an den Haaren herbei gezogen. Gleiches gilt auch für die Beziehungen zu den anderen Charakteren. Es ist immer Freundschaft oder Liebe auf den ersten Blick.

Überhaupt sind die Charaktere ein großes Problem der Geschichte. Sie sind alle flache Prototypen. Robbie und Mick sind die süßen, lieben, gutherzigen Gentlemen. Ben ist ein oberflächlicher Macker, der nur Sex im Kopf hat. Alice ist der Inbegriff einer psychisch gestörten, narzisstischen, arroganten, intriganten, grausamen, aber natürlich bildhübschen Barbie, die Männer und Frauen jeden Alters sofort um den Finger wickeln kann. Ihre Gegenspielerin ist Philippa, ein sanftes, nettes, bodenständiges Liebchen, das viel zu perfekt ist, um wahr zu sein. Protagonistin Katherine hat ein wenig mehr Tiefgang, versinkt aber im Grunde das gesamte Buch über in Selbstmitleid, sodass andere Eigenschaften kaum hervortreten.

Neben interessanten Charakteren geht dem Buch auch die Spannung völlig ab. Das liegt unter anderem daran, dass es kaum Handlung gibt. Im Grunde entstehen nur einige Instant-Freundschaften und Katherine verbringt Zeit mit ihren neuen Freunden. Statt über die Handlung Spannung aufzubauen, wird immer wieder auf Katherines Gedanken und Gefühle eingegangen, die sich aber nie ändern. Es wird auf jeder zweiten Seite wiederholt, dass sie ein dunkles Geheimnis hat, das niemals jemand erfahren darf, und dass sie sich fürchterlich schuldig fühlt. Dabei ist dieses Geheimnis für mich als Leser überhaupt nicht geheim, weil es mehr als überdeutliche Hinweise gibt und weil die Geschichte zu verschiedenen Zeitpunkten erzählt wird. Die Kapitel springen von der Gegenwart zwei Jahre in die Vergangenheit oder fünf Jahre in die Zukunft und wieder zurück. Diese Sprünge haben die Geschichte unglaublich vorhersehbar gemacht, weil sie alles verraten haben. In den Kapiteln, die in der Vergangenheit spielen, wird das dunkle Geheimnis dargestellt, falls jemandem die ständigen Hinweise noch nicht ausgereicht haben. Und die Kapitel in der Zukunft verraten alles, was im Laufe der Geschichte noch passiert. Der erste Satz verrät bereits, dass Alice tot ist. Der zweite Satz verrät, dass Katherine damals schwanger war. Mehr Handlung hat das Buch dann auch nicht.


Dieses hoch gelobte, international verkaufte Buch war für mich eine einzige Enttäuschung. Auf Seite 51 hatte ich keine Lust mehr und habe den Rest nur noch überflogen – just in case. Besser wurde es leider nicht mehr. Die Charaktere sind flache Prototypen und es gibt nur Instant-Liebe bzw. Instant-Freundschaften, die an den Haaren herbeigezogen wirken. Auf jeder zweiten Seite wird wiederholt, dass die Protagonistin ein dunkles Geheimnis hat, das jedoch offensichtlich ist, weil es mehr als genug Hinweise gibt. Außerdem spring das Buch zwischen drei Zeitpunkten, wodurch sehr früh alles verraten wird. Der letzte Rest Handlung geht im Selbstmitleid der Protagonistin unter. „Die Wahrheit über Alice“ war langweilig, nicht lesenswert und bekommt dafür nur eine Schreibfeder.

0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen